Das gab’s noch nie: Novak Djokovic nur ein Schritt vom Golden Masters entfernt

Von Jürgen Fritz, So. 19. Aug 2018

Wenn man fragt, wer die größten Tennisspieler aller Zeiten waren, so fallen immer wieder die Namen Bill Tilden, Pancho Gonzales, Rod Laver, Pete Sampras, Roger Federer und Rafael Nadal. Doch in diese Riege der Größten der Größten muss man inzwischen einen weiteren mit aufnehmen: Novak Djokovic. Dieser steht nun heute Abend vor einem Triumph, den es noch niemals zuvor gab.

Zehn Jahre lang nonstop on top, dann die erste große Krise

Von 2007 bis 2016 war er am Jahresende immer unter den ersten drei der Weltrangliste (viermal die 1, zweimal die 2, viermal die Nr. 3). Das schaffte kein Spieler vor ihm. Dann von July 2014 bis Juni 2016 beherrschte er volle zwei Jahre lang die Tennisszene, wie wohl niemals ein Spieler zuvor, nicht einmal Federer in seiner Glanzzeit von 2004 bis 2007. In diesen 24 Monaten gewann er von den zehn größten Turnieren der Welt acht, also viermal so viele wie der Rest der Welt zusammen. Unglaublich! Die Rede ist von Novak Djokovic.

Beeindruckend war es aber auch zu sehen, wie Djokovic sich dann nach seiner ersten große Krise seiner Karriere zurückfightete. Ab Mitte 2016, nach seiner ersten Triumph bei den French Open, auf den er so viele Jahre lang hingearbeitet hatte und immer wieder an Nadal, dem größten Sandspieler aller Zeiten gescheitert war, war bei ihm sichtlich innerlich die Luft raus. Jetzt, mit 29, hatte er fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Zwei Jahre hatte er ununterbrochen auf einem schier unfassbaren Niveau gespielt, zehn Jahre war er immer ganz vorne mit dabei. Nun war der innere Hunger irgendwie weg. Am Jahresende beendete Boris Becker, der den Serben fast drei Jahre betreut und an die absolute Spitze geführt hatte, die Zusammenarbeit mit Djokovic, weil er mit dessen Einstellung nicht mehr zufrieden war.

Ab 2017 verstärkte sich die Krise und jetzt machten sich seine Schmerzen im Ellbogen immer deutlicher bemerkbar. Mitte 2017 musste er die Saison dann sogar völlig abbrechen, unterzog sich endlich irgendwann einer Ellbogen-OP und versuchte ab Januar 2018 ein Combeback, was anfangs nicht leicht war. Es hagelte nur so Niederlagen.

Der Djoker kommt zurück

Wie Nole sich dann aber innerhalb weniger Monate wieder an die Weltspitze zurückfightete, das war wirklich beeindruckend. Dass er in Wimbledon Mitte July schon wieder siegen konnte, kam für mich überraschend. Eine so schnelle Rückkehr an die Spitze der Welt hätte ich ihm nicht zugetraut. Das Wimbledon-Halbfinale gegen Nadal, die amtierende Nr. 1, war dabei das vielleicht beste Spiel der Saison, ein Match, das in die Geschichte eingehen wird und das Nole im fünften Satz mit 10:8 für sich entscheiden konnte. Im Endspiel ließ er Kevin Anderson nicht den Hauch einer Chance und errang damit seinen vierten Wimbledon-Sieg.

Doch nun steht Djokovic kurz vor einem weiteren Triumph, einem solchen, den noch nie jemand vor ihm schaffte. Er gewann nämlich nicht nur jedes der vier Grand Slam-Turniere, also die Turniere der A-Kategorie (Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open) mindestens einmal. Alleine das schon wäre herausragend. Das schafften in der 120 bis 140-jährigen Tennisgeschichte mit ihm zusammen insgesamt nur acht Spieler:

  • 1935: Fred Perry
  • 1938: Don Budge
  • 1962: Rod Laver
  • 1964: Roy Emerson (dies aber ohne jede Konkurrenz von den Profi-Spielern, die zu der Zeit von den Grand Slams ausgeschlossen waren, also ohne erstklassige Konkurrenz; nachdem die Tour im April 1968 für die Profis geöffnet wurde, gewann Emerson, der nun selbst Profi wurde, nie wieder ein A-Turnier)
  • 1999: Andre Agassi
  • 2009: Roger Federer
  • 2010: Rafael Nadal
  • 2016: Novak Dokovic.

Der Serbe konnte aber nicht nur 13 Grand Slam-Titel erringen, liegt hier in der ewigen Bestenliste auf Platz 4  – nur Federer (20), Nadal (17) und Sampras (14) haben mehr -, er gewann darüber hinaus auch die ATP Finals, das fünftwichtigste Turnier (B+) und das gleich mehrfach, nämlich fünfmal (2008 und 2012 – 2015). Das schaffte Nadal zum Beispiel noch nie und hier liegt sogar nur Federer mit 6 Titeln vor dem Djoker.

Nur ein großer Turniersieg fehlt noch

Über all das hinaus gewann der 31-Jährige aber auch alle der neun sogenannten Masters 1000-Turniere (B-Kategorie) mindestens einmal – bis auf eines: Cincinnati. Das heißt, der Serbe gewann 8 der 9 B-Turniere, 13 der 14 größten Turniere überhaupt jedes mindestens einmal, viele sogar mehrfach, die Australian Open beispielsweise sechsmal. Nur ein einziger großer Titel fehlt ihm noch in seiner Sammlung: der von Cincinnati.

Heute Abend um 22 Uhr steht Djokovic nun zum sechsten Mal im Finale eben jenen Turnieres, das er noch nie gewinnen konnte. Und sein Gegner ist dort kein geringerer als der größte Tennisspieler aller Zeiten, der inzwischen 37-jährige Roger Federer. Fünfmal stand Nole bereits im Endspiel von Cincinnati und fünfmal verlor er: 2008 gegen Andy Murray, 2009 gegen Roger Federer, 2011 wieder gegen Murray, 2012 erneut gegen Federer und 2015 nochmals gegen Federer.

Heute nun also sein sechster Versuch, den letzten großen Titel, der ihm noch fehlt, zu holen und damit als erster Spieler in der Geschichte den Golden Masters zu schaffen. Es wäre übrigens sein 31. Triumph bei einem B-Turnier. Hier liegt er in der ewigen Bestenliste ohnehin schon auf Platz 2 und könnte näher an den ein Jahr älteren Nadal heranrücken, der bislang 33 B-Titel auf seinem Konto verbuchen durfte. Das Finale von Cincinnati, das um 22 Uhr MEZ beginnt, wird leider nur auf Sky Channel übertragen.

Alle großen Titel von Djokovic

A. Grand Slam Turniere

  • Australian Open: 6
  • French Open (Roland-Garros): 1
  • Wimbledon: 4
  • US Open: 2

B+. ATP World Tour Finals (früher: ATP Weltmeisterschaft bzw. Masters)

  • ATP Finals: 5

B. Masters 1000 Turniere

  • Indian Wells: 5
  • Miami: 6
  • Monte Carlo: 2
  • Madrid: 2
  • Rom: 4
  • Canadian Open: 4
  • Cincinnati: 0
  • Shanghai: 3
  • Paris-Bercy: 4

Djokovic greift in Cincinnati nach dem Golden Masters

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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