AfD im traditionell tiefroten Brandenburg gleichauf mit SPD auf Platz eins

Von Jürgen Fritz, Mi. 19. Sep 2018

Fast 20 Prozentpunkte lag die SPD bei der letzten Landtagswahl in Brandenburg vor der AfD. Die CDU hatte beinahe 11 Punkte Vorsprung und Die Linke 6,4. Doch das hat sich inzwischen vollkommen geändert. Im nächsten Jahr sind in Brandenburg wieder Landtagswahlen und die werden völlig andere Ergebnisse zeitigen, wie sich jetzt schon ablesen lässt. In der aktuellen Umfrage von Infratest dimap für RBB, Antenne Brandenburg hat die AfD sowohl Die Linke als auch die CDU bereits überholt und liegt mit der SPD gleichauf auf Platz eins.

Das bisher tiefrote Bundesland um Berlin herum

Brandenburg ist das Bundesland um Berlin herum. Hauptstadt ist Potsdam, weitere große Zentren sind Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder). Das auf die Bevölkerung bezogene zehntgrößte Bundesland hat ca. 2,5 Millionen Einwohner und wird seit 2009 von Rot-Dunkelrot regiert, seit 2013 unter dem amtierenden Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Seine Vorgänger waren Manfred Stolpe (SPD, 1990 – 2002) und Matthias Platzeck (SPD, 2002 – 2013).

Platzeck koalierte zunächst mit der CDU, dann ab 2009 mit der Linkspartei (SED, PDS, Linkspartei, Die Linke). An diese Koalition knüpfte Woidke an. Nächstes Jahr kommt es in Brandenburg wieder zu Landtagswahlen und da wird sich einiges verändern, dies kann schon jetzt konstatiert werden.

Ergebnisse der Landtagswahl 2014

Die letzten brandenburgischen Landtagswahlen fanden im September 2014, also genau vor vier Jahren statt. Dabei kamen die Parteien auf folgende Ergebnisse:

  1. SPD: 31,9 %
  2. CDU: 23,0 %
  3. LINKE: 18,6 %
  4. AfD: 12,2 %
  5. GRÜNE: 6,2 %
  6. FDP: 1,5 %
  7. Sonstige: 6,6 %

SPD und Die Linke kamen zusammen auf 50,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen, was klar für eine Mehrheit reichte, da über 8 Prozent der Stimmen (Sonstige und FDP) im Landtag nicht abgebildet waren. 2009 war Rot-Dunkelrot sogar auf über 60 Prozent der Stimmen gekommen. Doch das Bild hat sich in den letzten Jahren komplett gewandelt.

So würden die Brandenburger im Moment wählen

SPD und Linkspartei kämen nach der aktuellen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von RBB, Antenne Brandenburg zum heutigen Stand gerade noch auf ca. 40 Prozent. Die Mehrheit für die aktuelle Regierung ist nicht nur weg, sie ist meilenweit entfernt. Lag die SPD 2014 noch fast 20 Prozentpunkte – 19,7 um genau zu sein – vor der AfD, so liegt die AfD nunmehr bereits gleichauf mit der amtierenden Regierungspartei, die den Ministerpräsidenten stellt. Die AfD, vor knapp vier Jahren noch auf Platz 4, hat nicht nur Die Linke überholt, sondern inzwischen auch die CDU, womöglich auch schon die SPD ganz knapp. Hier die soeben veröffentlichten Zahlen von Infratest dimap:

  1. AfD: 23 %
  2. SPD: 23 %
  3. CDU: 21 %
  4. LINKE: 17 %
  5. GRÜNE: 7 %
  6. FDP: 5 %
  7. Sonstige: 4,0 %

2018-09-19

Gewinne und Verluste gegenüber der Landtagswahl 2014

Überragende Gewinne verzeichnet die AfD, die ihr Ergebnis von vor knapp vier Jahren laut Civey zum aktuellen Datum mehr als verdoppeln könnte.

  1. AfD: + 10,8 %
  2. FDP: + 3,5 %
  3. GRÜNE: + 0,8 %
  4. LINKE: – 1,6 %
  5. CDU: – 2,0 %
  6. Sonstige: – 2,6 %
  7. SPD: – 8,9 %

Beiden regierende Parteien scheinen also Verluste hinnehmen zu müssen, Die Linke leichte, die SPD ganz massive um ca. 9 Punkte. Jeder dritte bis vierte SPD-Wähler von 2014 will den Sozis seine Stimme inzwischen nicht mehr geben. Das käme zumindest einem kleinren Erdrutsch gleich.

Bei diesem Ergebnis würde es für Rot-Dunkelrot nicht mal für eine Mehrheit reichen, wenn sie noch die Grünen dazu nehmen würden. R2G käme gerade mal auf 47 Prozent. Zum Vergleich: 1994 kam die SPD in Brandenburg alleine auf über 54 Prozent, also deutlich mehr als jetzt Rot + Dunkelrot + Grün zusammen.

Rohdaten

Interessant sind in diesem Zusammenhang übrigens auch die nicht repräsentativen Rohdaten, die Civey aktuell (19.09.2018, 20:40 Uhr) für Brandenburg angibt:

Civey-Rohdaten-2018-09-19 (3)

Diese Werte sind noch nicht bereinigt um systematische Verzerrungen, geben aber vielleicht doch einen kleinen Hinweis, dass es eventuell sogar schon mehr als 23 Proeznt für die AfD sein könnten und weniger als 23 Prozent für die SPD.

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Titelbild: (c) Grafik by Jürgen Fritz

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