In Frankreich ist die nächste Stufe des linkstotalitären Terrors bereits gezündet: der Psychiatri­sierungs-Terror

Von Jürgen Fritz, Mi. 26. Sep 2018

Dieser Vorgang ist so ungeheuerlich, dass Sie womöglich denken werden, das seien Fake News, aber ich versichere Ihnen, dem ist nicht so. Um zu verstehen, was hier abläuft, stellen Sie sich bitte einfach vor, Personen, die selbst unter psychiatrischen Störungen leiden und diese auf andere projizieren, oder aber eiskalte, skrupellose Stalinisten bzw. Totalitaristen schaffen es, in einem formal demokratischen System die Schlüsselpositionen in Legislative, Exekutive und Judikative sowie in der vierten Macht im Staate, den Massenmedien, weitgehend unter ihre Kontrolle zu bringen. Denken Sie einfach an die stalinistische Sowjetunion oder die Türkei Erdogans. So und nun lesen Sie das Folgende, so unglaublich Klingende bitte quasi unter diesen Vorzeichen, dann werden Sie leicht verstehen können, was hier gerade abläuft.

Die Vorgeschichte

Fangen wir ganz vorne an. Muʿādh al-Kasāsba war ein jordanischer Kampfpilot. Er war Oberleutnant der Jordanischen Luftwaffe. Am 24. Dezember 2014 stürzte er bei einem Kampfeinsatz der internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat mit einer F-16 über ar-Raqqa im Norden Syriens ab. Mit dem Schleudersitz konnte er sich rechtzeitig heraus katapultieren und landete im Euphrat, geriet unmittelbar darauf in die Gefangenschaft des Islamischen Staates (IS). Der 26-Jährige war der erste Soldat der von den USA angeführten Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Dschihadisten fiel.

Ende Januar, also rund ein Monat später, hat der Islamische Staat dann von dem haschemitischen Königreich Jordanien gefordert, die seit 2005 in Jordanien inhaftierte Islamistin Sadschida al-Rischawi gegen die japanische Geisel Kenji Goto freizulassen. Kenji Goto war ein japanischer Journalist mit den Themenschwerpunkten Kinder in Krisengebieten, AIDS, Hunger, Armut und Krieg. Im Oktober 2014 war er nach Syrien gereist, um sich für die Freilassung seines Landsmannes Haruna Yukawa einzusezten. Dabei geriet er selbst in Gefangenschaft des Islamische Staates. In einem ersten Video vom 20. Januar 2015, das beide Japaner gemeinsam zeigte, forderte der IS 200 Millionen US-Dollar Lösegeld und drohte die Ermordung der Geiseln an.

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YouTube-Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=ELQIwTzFDMY

Am 24. Januar wurde dann ein Video mit einem Standbild von Gotō veröffentlicht, der ein Foto des enthaupteten Yukawa in den Händen hielt. In einer Audiobotschaft vom 29. Januar verlangte der IS dann einen Austausch von Gotō gegen die in Jordanien inhaftierte radikalmusl… Terroristin Sadschida al-Rischawi.

Die jordanische Regierung wollte auf diese Forderung nur bei einer gleichzeitigen Freilassung des Kampfpiloten Muʿādh al-Kasāsba eingehen. Jordanien verlangte jedoch erst einmal ein Lebenszeichen seines Piloten. Wie gut es daran tat, zeigte sich sehr schnell. Denn nun veröffentlichten die Dschihadisten ein Video, in dem die Enthauptung Gotos gezeigt wurde. Nun waren die beiden japanischen Geiseln also hingerichtet. Und ob der jordanische Kampfpilot überhaupt noch lebte, wusste niemand. Die musl… Gotteskrieger weigerten sich, ein Lebenszeichen von ihm zu übersenden. Und das hatte wohl gute Gründe.

Al-Kasasba wurde in einem Eisenkäfig lebendig verbrannt, sein Todeskampf  gefilmt

Denn wie später bekannt wurde, hatten die Dschihadisten Muʿādh al-Kasāsba wahrscheinlich schon am  3. Januar 2015 ermordet. Er war also zum Zeitpunkt der Verhandlungen längst tot. Daher konnte auch kein Lebenszeichen von ihm übermittelt werden. Doch Muʿādh al-Kasāsba wurde nicht einfach umgebracht. Er wurde nicht enthauptet. Mit ihm hatten die musl… Fanatiker ganz anderes vor. Wie sie den Kampfpiloten töteten, wurde am 3. Februar 2015 bekannt.

Jetzt veröffentlichte der IS nämlich ein weiteres Video. In diesem ist zu sehen, wie Muʿādh al-Kasāsba in einen Eisenkäfig gesperrt und in diesem bei vollem Bewusstsein lebendig verbrannt wird. Man sieht, wie seine Kleidung mit Benzin übergossen und er dann angesteckt wird. In dem schockierenden Video ist auch in Großaufnahmen zu sehen, wie sich der in Flammen stehende Mann im Todeskampf hin und her wirft, immer wieder an die Gitterstäbe stößt und schließlich zusammenbricht. Diese Bilder werden hier nicht gezeigt. Soweit die Vorgeschichte.

Marin Le pen teilt auf Twitter Fotos von der Verbrennung al-Kasāsbas

Im Dezember 2015 hat nun die studierte Juristin Marine Le Pen, Parteivorsitzende des Rassemblement National (Nationale Sammlungsbewegung, Nachfolger des Front National), brutale Fotos des Islamischen Staates auf Twitter geteilt von der Verbrennung von al-Kasasbas, nicht weil sie sich darüber lustig machen oder sich an diesem Anblick ergötzen wollte, sondern um die Menschen aufzuklären, mit was für Gestalten es wir bei diesen radikalen muslimischen Gotteskriegern zu tun haben, zu was diese fähig sind, wie weit sie von jeglicher Zivilisation entfernt sind. Sie teilte also diese Bilder, um Aufklärungsarbeit zu leisten und um deutlich zu machen: Es ist eine Unverschämtheit und irrsinnig, unsere Partei mit denen einem Atemzug zu nennen.

Das mag man gut heißen oder nicht. Ich persönlich finde, dass die Menschen wissen sollten, womit wir es hier zu tun haben, ebenso wie wir es nach 1945 ansehen mussten, was die Nazis in Konzentrationslagern mit den Menschen machten. Das war natürlich schockierend, aber doch ein heilsamer, notwendiger Schock. Oder wie die Lyrikerin Ingeborg Bachmann einst sagte: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“. Darüber kann man unterschiedlicher Auffassung sein – keine Frage -, aber man muss es nicht gleich kriminalisieren.

Was macht nun aber die französische Justiz, die offenbar mit allen Mitteln verhindern möchte, dass solche Bilder, die zeigen, wozu radikale Muslime in ihrem Fanatismus fähig sind, von den Menschen gesehen werden, denn das würde ja das sorgsam über Jahrzehnte künstlich erzeugte Narrativ ankratzen, dass die weißen Europäer wahre Teufel, alle anderen aber gar nicht teuflisch, sondern entweder Engel oder zumindest immer die armen Opfer des bösen weißen Mannes sind?

Französische Justiz klagt Le Pen an wegen „Verbreitung von Gewaltbildern“

An diesem Bild hat Marine Le Pen natürlich öffentlichkeitswirksam gekratzt, denn Marine Le Pen ist ja nicht irgendjemand. Sie wurde bei der Präsidentschaftswahl 2017 Zweite und verlor erst in der Stichwahl gegen Macron.

Die französische Justiz hat nun Marine Le Pen tatsächlich angeklagt wegen „Verbreitung von Gewaltbildern“. Darauf stehen in Frankreich harte Strafen, angeblich „weil man Minderjährige schützen möchte“. Was die sich gegenseitig für Gewaltvideos über ihre Handys zuschicken, ist ja bekannt. Auch dürfte man den Jugendlichen dann im Geschichtsunterricht nicht mehr erzählen und vor allem nicht zeigen, wie schlimm die Nazis im Dritten Reich gewütet haben oder die „bösen Imperialisten“ auf anderen Kontinenten, um sie vor solchen Dingen „zu schützen“.

Schon Sokrates, den geistigen Vater Europas, haben die damaligen Herrschaftseliten 399 v. Chr. übrigens wegen „Verderben der Jugend“ und der „Einführung neuer Gottheiten“ angeklagt und zum Tode verurteilt, weil er die jungen Männer Athens zum eigenständigen, kritischen Nachdenken anleitete. Damit hat man nun erneut ein Argument, warum man Personen, die ihre Mitbürger mit Bildern aufklären, die zeigen, was diese Terroristen treiben, aus dem Verkehr ziehen kann. Und wir reden hier nicht von einem Bußgeld, sondern von Strafverfahren. In dem jetzt gegen Le Pen angekurbelten drohen der potentiellen Staatspräsidentin drei Jahre Inhaftierung und 75.000 Euro Geldstrafe. Wenn Sie jetzt denken, das sei unglaublich und kaum zu fassen, dann halten Sie sich bitte fest, was als Nächstes kommt.

Le Pen wird gezwungen, ein psychiatrisches Gutachten über ihren Geisteszustand vorzulegen

Das Parlament hat Marine Le Pens Immunität bereits aufgehoben. Dabei hat die 50-Jährige unmissverständlich klar gemacht, sie habe nach den Anschlägen in Paris mit 130 Toten vom November 2015 ja gerade den Horror des IS angeprangert und nicht verherrlicht. Dass es sich hier gerade nicht um Gewaltverherrlichung handelt, sollte eigentlich jedem geradezu ins Auge springen, warnt Le Pen doch gerade vor muslimischer Massenimmigration. Le Pen wehrte sich mit den Bildern insbesondere auch gegen den Vergleich des Front National (FN) mit der Terrororganisation des Islamischen Staates, der von einigen wirklich Irren immer wieder angestellt wird. Doch es kommt noch härter.

Denn nun hat die französische Justiz angeordnet, Marine Le Pen müsse „innerhalb kürzester Zeit“ ein psychiatrisches Gutachten vorlegen. Das Gericht verlangt von ihr, dass sie sich einer „Expertise durch eine Psychiaterin“ zur Verfügung stellt. Die Psychiaterin soll laut dem Gericht in Nanterre bei Paris einschätzen, ob Marine Le Pen zurechnungsfähig war, als sie die Bilder auf Twitter teilte. Zudem soll die Psychiaterin prüfen, ob

„der geistige Zustand der Betroffenen die öffentliche Ordnung oder die Sicherheit von Personen bedroht“.

Auch wenn Le Pen die Verordnung „haarsträubend“ finde, sei ein solches Verfahren in Frankreich völlig normal, berichtet der Sender BFMTV. Laut Gesetz müssten alle Personen, die gewalttätige Botschaften verbreiten, „nach Artikel 706-47-1 der Strafprozessordnung einem medizinischen Gutachten unterzogen werden“.

Deutscher Psychiater: Wir gehen einer Orwell-Huxleyschen Diktatur entgegen

Dazu schreibt die GEP – Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.:

„Viele von uns erinnern die Schreckensnachricht von der Verbrennung eines in die Hände syrischer Dschihadisten gefallenen Piloten, der da lebendig verbrannt wurde. Auf die Ver­öffentlichung von Bildern davon droht der Frau – nicht zu fassen – jetzt Haft oder Psychia­tri­sierung, die Persönlichkeitsvernichtung. 

Viele im Westen sehen, daß wir einer totalitären Orwell-Huxleyschen Diktatur entgegen­ge­hen, wobei die Psychiatrisierung Le Pens deutlich sowjetisches Muster trägt, das der Zer­störung politisch Andersdenkender unter heilkundlich-rechtsstaatlicher Tarnung.“

Sodann kritisiert die GEP, dass auch die AfD, die demnächst ähnlich psychiatrisch „erledigt werden könnte“, an dem Fall keinerlei Anstoß nehme. – Sollte das stimmen, wäre das ein Riesenversäumnis, meine Damen und Herren von der AfD! Das muss thematisiert werden, egal wie man zu Marine Le Pen steht. So darf man mit anderen nicht umgehen.

In Frankreich ist die nächste Stufe des linkstotalitären Terrors bereits gezündet: der Psychiatri­sierungs-Terror

Dieses Schreiben der GEP – Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V. ist verfasst von Dr. med. Friedrich Weinberger. Dieser ist von Anfang an Vorsitzender der GEP und zusammen mit Prof. Walter von Baeyer einer ihrer Mitgründer. Dr. Weinberger war als niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie von 1970 bis 2004 in Starnberg tätig. 2007 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Auf sein Schreiben schrieb ihm ein Leser:

„Es freut mich ausserordentlich, dass Du als Psychiater gegen diesen Psychiatri­sierungs-Terror aufbegehrst. Man mag Marine Le Pen nicht mögen; sie aber für verrückt erklären zu wollen, ist einfach unfassbar. Wenn das durchginge, kämen immer noch mehr Menschen unter diese Räder.“

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Marine Le Pen

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