Sittlicher, Charakter- und Geistesadel oder: Worunter unsere Gesellschaft am meisten leidet

Von Jürgen Fritz, Do. 11. Okt 2018

Drei Formen des Adels lassen sich unterscheiden, bezogen nicht auf das Äußerliche (Adelstitel), sondern bezogen auf das Innere: Erstens der sittliche Adel, gekennzeichnet durch vornehme Manieren, Tischsitten, den gepflegten, zivilisierten Umgang miteinander, Höflichkeit, die Ausbildung des Geschmacks, zum Beispiel in Bezug auf Kleidung, Wohnungseinrichtung, Kunst etc. Zweitens der Charakteradel, der nicht mit sittlichem Adel einhergehen muss. Hier kommt es auf ethische Tugenden an, wie Aufrichtigkeit, Loyalität, Treue, Mut, Fairness, Gerechtigkeit usw. Drittens der Geistesadel, der sich auszeichnet durch Intellekt (Denkvermögen) und Geistesbildung (Wissen und kognitive Fähigkeiten).

Äußerer und innerer Adel und typische Verkörperungen

„Ich hielt die Tugend und die Wissenschaft für größere Gaben stets, als Adel sind und Reichtum“ notierte William Shakespeare (1564 – 1616). Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.) jedoch kam zu der Erkenntnis: „Der Geist gibt den Adel, und dieser kann sich aus jeder Lebenslage über das Schicksal erheben.“ Offensichtlich werden hier unterschiedliche Begriffe von Adel angesprochen, einmal, bei Shakespeare, der äußere Adel, das andere Mal, bei Seneca, der innere Adel. Und offenbar spricht auch Shakespeare genau von dem, was ich eingangs Charakter- und Geistesadel nannte – er nennt es Tugend und Wissenschaft. Und auch Seneca bezieht sich hierauf, insbesondere auf den geistigen Adel. Doch wollen wir den sittlichen nicht ganz vergessen.

Den sittlichen Adel verkörpert zum Beispiel der englische Gentleman oder die Queen. Den Charakteradel verkörpert beispielsweise Gandhi, den Geistesadel Einstein. Im Idealfall kommen alle drei Formen des inneren Adels zusammen, doch sind das wohl extrem seltene Glücksfälle der Natur.

In Sokrates  oder Hypatia von Alexandria (siehe Titelbild) sehen wir die ideale Verkörperung von Geistes- und zugleich Charakteradel, während die Sophisten primär oder gar ausschließlich dem Geistesadel zuzurechnen waren. Jede Gesellschaft braucht den Sitten-, Charakter- und Geistesadel mehr als alles andere. Wer nichts oder kaum etwas von diesen Dreien hat, dort sieht es dann demgemäßg aus und dort geht es dann auch dementsprechend zu. Namen von Ländern oder Gesellschaften will ich hier lieber nicht nennen, jedem werden schnell etliche Beispiele einfallen, besonders in einigen Regionen der Erde.

Anlage und Erlernbarkeit

Gute Sitten, die den Umgang miteinander ungemein erleichtern und verschönern, sind am leichtesten durch Erziehung vermittelbar und hier gibt es wohl sehr viele, die dafür gut empfänglich sind. Das kann man den meisten Menschen also beibringen.

Etwas schwieriger wird es schon bei charakterlicher Bildung. Auch hier ist viel vermittel- und erlernbar, gleichwohl gibt es hier wohl größere natürliche Unterschiede an Mut, Loyalität, Aufrichtigkeit etc., so dass zwar jedem ein gewisses Maß an ethischer Bildung vermittelbar ist, aber es nur wenige zum Charakteradel bringen werden. Diese sind enorm wichtig, weil sie für die anderen als Vorbild dienen, an denen man sich ausrichten kann. Charakteradel ist wahrscheinlich das Wichtigste überhaupt.

Auch sehr wichtig für eine Gesellschaft ist der Geistesadel, da in erster Linie dieser die Gemeinschaft intellektuell, technologisch, ökonomisch und geistig voranbringen kann. Dies dürfte am schwersten vermittelbar sein und Aspiranten für geistigen Adel sind wohl am rarsten gesät, was sie natürlich auch besonders wertvoll macht.

Entscheidend für eine Gesellschaft ist der innere Adel

Worunter unsere heutige Gesellschaft vielleicht am meisten leidet, ist, dass diejenigen, die in Machtpositionen sind, die sogenannten Herrschaftseliten, kaum dem Geistesadel und noch weniger dem Charakteradel angehören, man denke etwa an Claudia Roth, Andrea Nahles und Martin Schulz und all die Milliardäre und Massenmedienjournalisten, die großen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Bezogen auf unsere Politiker kommt das natürlich nicht von ungefähr, dass solche Personen in höchste Ämter des vielleicht (ehemals) am höchsten entwickelten Kulturvolkes gelangen konnten, denn schließlich werden sie von der Mehrheit des Volks dorthin gewählt. Ergo liegt hier im Volk selbst etwas im Argen.

Entscheidend für die Qualität und auch die Lebensqualität einer Gesellschaft ist also der Adel und zwar der innere solche. Je nachdem, welches Niveau dieser hat und wie weit er verbreitet ist – der sittliche Adel kann ja im Idealfall fast alle zumindest weitgehend erreichen und der charakterliche Adel zumindest sehr viele und auf die anderen wiederum sehr positiv abfärben -, dementsprechend auch das Niveau der Gesellschaft.

Und nun kann jeder für sich überlegen, wie hoch der Anteil an solch innerem Adel ist bei denjenigen, die jetzt neu zu uns dazukommen respektive einfach so in Massen reingelassen werden, sei es bezogen auf sittlichen Adel, charakterlichen oder gar geistigen solchen. Und natürlich bestimmt sich die Qualität, auch die Lebensqualität und der innere Frieden einer Gesellschaft sowie die Art des Umgangs miteinander an dem Niveau derjenigen, die diese Gesellschaft bilden, in einer Republik Staatsbürger genannt.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Hypatia aus Agora 

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