Der erschossene Straßburger Attentäter war ein Dschihadist

Von Jürgen Fritz, So. 16. Dez 2018

Wieder ein Anschlag eines Muslims mitten in Europa. Wieder müssen völlig Unschuldige sterben. Ihr einziges Vergehen: Sie waren zur falschen Zeit zufällig am falschen Ort. Ihr Weg kreuzte sich mit dem des x-fach vorbestraften 29-jährigen Chérif Chekatt, der nordafrikanische Wurzeln hatte, aber in Straßburg geboren war. Zwei Tage lang war die Polizei auf der Suche nach ihm, ehe sie ihn endlich ausfindig machen und „neutralisieren“, sprich erschießen konnte. Doch wer war dieser Mann und was trieb ihn dazu, auf völlig Unschuldige Menschen, die er gar nicht kannte, zu schießen respektive auf sie einzustechen?

Was ist in Straßburg passiert?

Dienstag Abend (11.12.2018), gegen 20 Uhr: Ein Mann wird in der Nähe des Weihnachtsmarktes gesehen, der eine Schusswaffe trägt. Kurz darauf eröffnet er das Feuer auf Passanten. Außerdem ist der Schütze mit einem Messer bewaffnet. Insgesamt verletzt er mit seiner Schusswaffe und dem Messer 16 Personen. Was haben diese falsch gemacht? Ihr Fehler war, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Der Täter schießt an verschiedenen Orten auf etliche Personen und sticht auch mit dem Messer zu. Dabei soll er gezielt Zivilisten ins Visier genommen haben, heißt es später. Nach Angaben von Zeugen soll der Attentäter „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) gerufen haben. Er schießt auch auf vier Militärs, die zurückschießen, ihn aber nicht sehr schwer, sondern nur am Arm verletzen. Dann gelingt ihm mit einem Taxi die Flucht.

Mit dem Taxi habe er sich etwa zehn Minuten lang chauffieren lassen, bevor er ausgestiegen sei. Der Taxifahrer sagt später aus, sie hätten die Innenstadt verlassen und seien in den Straßburger Stadtteil Neuhof gefahren. Der Täter habe seine Verletzung damit erklärt, dass er mehrere Menschen umgebracht habe. Anschließend habe er das Taxi verlassen und es habe nochmals einen Schusswechsel mit der Polizei gegeben. Dank der Aussage des Taxifahrers kann der Täter jetzt identifiziert werden. Dazu gleich mehr.

Von den 16 Menschen, auf die der Attentäter schoss oder eingestochen hat, sind inzwischen vier verstorben. Bei einem weiteren Opfer wurde der Hirntod festgestellt. Elf weitere Menschen wurden verletzt. Anschließend fahnden rund 700 Polizisten nach dem Flüchtigen. Doch wer ist dieser Mann?

Wer ist der Täter?

Es handelt sich um den 29-jährigen Cherif Chekatt. Dieser ist der Polizei bereits bestens bekannt. Insgesamt sei er 27 Mal verurteilt worden, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland und in der Schweiz. Vor allem wegen Gewaltdelikten und Diebstahl ist er immer wieder in Erscheinung getreten. Während zahlreicher Gefängnisaufenthalte soll er sich dann radikalisiert haben, wird von einigen Stellen behauptet.

Cherif Chekatt stammte aus Straßburg, war dort geboren und war französischer Staatsbürger, hatte allerdings algerischen Wurzeln. Nach verschiedenen Medienberichten sollte er eigentlich am Dienstagmorgen, also Stunden vor dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt, verhaftet werden. Er sei aber nicht zu Hause gewesen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei etliche Waffen, unter anderem Granaten.

Der Attentäter von Straßburg verbrachte bereits etliche Jahre im Gefängnis – in allen Fällen ging es um Einbrüche. So verurteilte das Amtsgericht Singen den Mann Mitte 2016 zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. Er war in eine Zahnarztpraxis in Mainz und in eine Apotheke in Engen im Süden Baden-Württembergs eingebrochen. Wie aus dem entsprechenden Urteil, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, außerdem hervorgeht, wurde er unter anderem schon 2008 in Frankreich und 2013 in der Schweiz jeweils wegen mehrerer Einbrüche zu Gefängnisstrafen verurteilt. Alle Taten hatte er zugegeben.

Er sei zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen 2016 habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht, heißt es im Urteil.

Die Polizei nimmt sieben Personen aus dem Umfeld des Täters fest

Aus dem Umfeld von Chekatt wurden dann mehrere Personen, insgesamt sieben, festgenommen, darunter Vater, Ehefrau und seine zwei Brüder. Ein älterer Bruder, Sami Chekatt (34), wurde laut Bild-Zeitung in Algerien festgenommen, auf Grundlage eines Haftbefehls wegen Verbindung zu einer terroristischen Organisation. Das Blatt bezieht sich hierbei auf die Zeitung „Le Parisien“.

Auch der Vater von Cherif Chekatt ist polizeibekannt. Und Bruder Elias (36) soll den Behörden wegen 23 Vergehen, Bruder Malek (37) wegen knapp 20 Vergehen bekannt sein. Nur die Mutter sei bislang nicht auffällig geworden, berichtet die Bild.

Inzwischen sind die vier festgenommenen Angehörigen des mutmaßlichen Attentäters aus dem Gewahrsam entlassen worden. Wie die Pariser Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilte, kamen die Eltern und zwei der Brüder des 29-Jährigen frei, weil ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nichts zur Last gelegt werden könne. Drei weitere Festgenommene, die dem Umfeld des von der Polizei getöteten Chérif Chekatt zugerechnet werden, blieben dagegen in Gewahrsam. Ihre Vernehmungen sollen noch andauer.

Am Donnerstagabend endlich gefunden und „neutralisiert“

Nach dem Attentat am Dienstagabend war der Verdächtige, wie oben schon erwähnt, mit einem Taxi nach Neudorf geflohen, seinem Straßburger Geburtsviertel. Seitdem war er abgetaucht und war zwei Tage lang nicht auffindbar, obschon insgesamt mehr als 800 Sicherheitskräfte in Frankreich und Deutschland nach ihm suchten.

Am Donnerstagabend hat Chekatt dann nach Angaben des französischen Nachrichtensenders BFMTV eine Frau angesprochen. Diese habe bemerkt, dass der Mann verletzt gewesen sei. Daraufhin habe sie die Sicherheitskräfte alarmiert. Chekatt hielt sich dort in einer Lagerhalle versteckt. Französische Anti-Terror-Kräfte hatten Neudorf bereits am Donnerstagnachmittag mit einem Großaufgebot durchsucht, ihn aber nicht aufspüren können.

Nachdem die Frau die Polizei verständigt hatte, entdeckte diese ihn kurz vor 21 Uhr endlich. Der 29-Jährige habe das Feuer auf Polizisten eröffnet und sei dann von den Beamten erschossen worden, teilten die Behörden mit. Angesichts der Einschüsse in Tür und Wand, muss davon ausgegangen werden, dass er regelrecht durchsiebt worden sein muss.

Vater: Chérif Chekatt war IS-Anhänger

Bereits am Donnerstag reklamierte Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS)  mittlerweile den Anschlag für sich. Der Angreifer sei „ein Soldat“ des IS gewesen, meldete das Propaganda-Sprachrohr Amaq am Donnerstag.

Ein Mann, bei dem es sich laut dem TV-Sender France 2 um den Vater des Attentäters handelte, sagte nun, sein Sohn sei ein Anhänger der Dschihadistenmiliz IS gewesen. Sein Sohn habe ihm gegenüber gesagt, dass der IS „für eine gerechte Sache“ kämpfe, sagte Abdelkrim Chekatt bei der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam.

Er habe versucht, seinem Sohn wegen der „Gräueltaten“ des IS die Augen zu öffnen. „Ich habe ihm immer gesagt, dass das Kriminelle sind.“ Sein Sohn habe jedoch erwidert, bei den IS-Kämpfern handele es sich nicht „um Mörder“. Von den Attentatsplänen seines Sohnes habe er nichts gewusst, fügte er hinzu. „Wenn er mir von seinen Plänen erzählt hätte, hätte ich ihn der Polizei gemeldet“, so sein Vater.

Der mutmaßliche Attentäter wurde von den französischen Anti-Terror-Behörden als Gefährder geführt. Die Geheimdienste wurden wegen Gewalt, religiöser Radikalisierung sowie seines Bekehrungseifers bereits während eines Gefängnisaufenthalts von 2013 bis 2015 auf ihn aufmerksam.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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