Novak Djokovic gewinnt die Australian Open und schreibt Tennisgeschichte

Von Jürgen Fritz, So. 27. Jan 2019

Vor exakt sieben Jahren spielten sie in Melbourne das längste Grand Slam-Finale aller Zeiten. Novak Djokovic besiegte Rafael Nadal 2012 nach 5:53 Stunden mit 5:7, 6:4, 6:2, 6:7, 7:5. Es war eines der besten Matches aller Zeiten zweier Spieler, die längst zu den zehn besten in der Geschichte dieses Sports gehören. Heute standen sie sich erneut im Finale der Australian Open gegenüber und beide, die Nr. 1 und die Nr. 2 der Welt, schienen nun mit 31 bzw. 32 Jahren sogar noch stärker als vor sieben Jahren. Von vorneherein war klar, dass in ihrem 53. Aufeinandertreffen (Weltrekord!) einer von beiden Tennisgeschichte schreiben würde.

Sowohl Nadal wie auch Djokovic ziehen mit überragenden Vorstellungen ins Finale ein

Beide zeigten in den Runden zuvor überragendes Tennis. Nadal, der Sandplatzkönig, wirkte in den sechs Matches bis zum Endspiel stärker als vielleicht jemals zuvor auf Hartplatz, vor allem bei eigenem Aufschlag, den er sichtlich nochmals verbessert hat. Sein Halbfinale am Donnerstag gegen den Federer-Bezwinger Tsitsipas, den er glatt in drei Sätzen aus dem Turnier nahm, kam einer Demonstration seiner Stärke gleich. Und das, nachdem er zuvor vier Monate kein Match mehr gespielt hattte. Was für eine Comeback!

Doch gleich am nächsten Tag zog Djokovic nicht nur nach, sondern zeigte eine noch beeindruckendere Leistung. Dem Franzosen Pouille ließ der Serbe nicht den Hauch einer Chance, fegte ihn in nur 83 Minuten mit 6-0, 6-2, 6-2 regelrecht vom Platz. Es war, als ob die Nr. 1 der Welt zeigen wollte: „Seht her, was Nadal kann, kann ich schon lange“. Diese Vorstellung war dermaßen beeindruckend, dass Nole auch als Favorit gegen den unglaublich stark aufspielenden Nadal ins Endspiel ging. Vor allem auch deswegen, weil Djokovic von den letzten zehn direkten Begegnungen seit 2015 acht für sich entscheiden konnte und die letzten sieben Matches auf Hartcourt seit 2013 sogar alle sieben. Dieser Belag ist quasi der natürliche Untergrund für sein Spiel, so wie Sand der natürliche Bodenbelag für das Nadalspiel ist.

Fehlstart für Rafa gegen einen glänzend aufspielenden Nole

Und genau das zeigte sich von Anfang an. Der Serbe spielte von der ersten Minute an hochkonzentriert, während Nadal doch recht nervös begann und auch im Verlauf des Matches niemals an die Form der ersten sechs Runden anknüpfen konnte. Dies dürfte zwei Gründe gehabt haben. Zum Einen erwischte Rafa wohl einfach einen schlechten Tag. Sein Timing stimmte oft nicht, ihm unterliefen – ganz untypisch für ihn – viele leichte Fehler und er traf in wichtigen Momenten selten die richtige Entscheidung. Das war einfach nicht sein Tag.

Ganz anders Nole, der nicht nur sein Service gleich zu Beginn zu Null durchbrachte, sondern Nadal auch sofort im ersten Satz breakte und mit 2:0 in Führung ging, um dann sein Aufschlagspiel wieder zu Null zu gewinnen und auf 3:0 davonzuziehen. Von den ersten 13 Punkten gingen 12 an den Favoriten. Diese Führung brachte der Djoker dann ganz souverän zum 6:3-Satzgewinn nach Hause. Rafa kam niemals auch nur in die Nähe eines Breaks, während er selbst jetzt zwar zumindest seine Aufschlagspiele durch brachte, dabei jedoch immer wieder zu kämpfen hatte.

Djokovic lässt Nadal an diesem Tag nicht den Hauch einer Chance

Der zweite Satz begann etwas besser für den Spanier, der jetzt mal mit 1:0 und 2:1 in Führung ging, dann jedoch im fünften Spiel des zweiten Satzes sein zweiten Break kassierte zum 2:3 und dann gleich auch noch das dritte zum 2:5, bevor Djokovic auch den zweiten Satz ganz überlegen zu Null zum 6:2 ausservierte. 6:3, 6:2 – war es damit schon gelaufen oder würde Nadal doch noch besser ins Match finden respektive Nole endlich mal ein wenig schwächeln. Mit 0:3 Sätzen hatte Rafa schließlich in seinen 24 Grand Slam-Finals zuvor noch nie verloren.

Im dritten Satz konnte die Nr. 2 der Welt zwar wieder mit 1:0 vorlegen, aber bereits im dritten Game kassierte er sein viertes Break insgesamt und Djokovic lag jetzt mit 2:1, dann nach eigenem Aufschlag 3:1 vorne. Rafa konnte auf 2:3 verkürzen und war dann im sechsten und achten Spiel auch zweimal zumindest nah an einem Break dran, hatte einmal endlich auch einen Breakball, aber den konnte Nole souverän abwehren. Djokovic hielt seinen Vorsprung bis zum 5:3 und schaffte dann sogar noch das fünfte Break im Match zum 6:3. Nadal konnte an diesem Tag seinem übermächtigen Gegner nichts mehr entgegensetzen und verlor tatsächlich erstmals in seiner Karriere ein A-Finale glatt in drei Sätzen. Endergebnis: 6:3, 6:2, 6:3 für Djokovic.

Siebter Australian Open-Titel für Djokovic – Weltrekord!

Hätte Nadal sein fünftes Endspiel in Melbourne für sich entscheiden können, so wäre dies sein zweiter Australian Open-Titel gewesen und damit hätte der Spanier etwas geschafft, was keinem Spieler zuvor gelang in der Open Era, also seit 1968 die A-Turniere für Profis geöffnet wurden: nämlich jedes der vier Grand Slam-Turniere mindestens zweimal zu gewinnen. Leider kassierte der elffache French Open-Gewinner aber in seinem fünften Melbourne-Finale seine vierte Niederlage. Denn dieses Turnier gehört offensichtlich einem anderen, der nun seinerseits einen neuen Weltrekord aufstellte.

Bei dem seit 1905 ausgetragenen Turnier gab es bisher drei Spieler, die das Herreneinzel sechsmal für sich entscheiden konnten: Roy Emmerson, Roger Federer und Novak Djokovic. Dabei lagen die sechs Siege von Emmerson zwischen 1961 und 1967 alle sechs vor Beginn der Open Era 1968, als die professionellen und besten Spieler der Welt nicht spielberechtigt waren. Nachdem Emmerson 1968 selbst ins Profilager wechselte und die A-Turniere für alle geöffnet wurden, er sich nun mit den besten der Welt messen musste, gewann er nie wieder ein solches Turnier.

Ganz anders Novak Djokovic, der sich von Anbeginn an seiner Karriere mit zweien der besten aller Zeiten messen musste: mit dem sechs Jahre älteren Federer und dem ein Jahr älteren Nadal, die ihn bis 2010 regelmäßig besiegten. Seit 2011 aber hat sich das Blatt gewendet und der Serbe ist schon jetzt der überragende Spieler der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts. Und heute schaffte er etwas, was keinem Spieler seit 1905 je zuvor gelang: Er gewann die Australian Open zum siebten Male. Dafür und für die Art, wie ihm das heute gelang, den allergrößten Respekt. Gratulation an diesen Ausnahmesportler!

Die erfolgreichsten Grand Slam-Sieger aller Zeiten im Herreneinzel

Dies war zugleich Djokovics 15. A-Titel, womit er nun an Sampras vorbeizieht und nun alleiniger Dritter ist in der ewigen Liste der Grand Slam-Sieger. Wer weiß, vielleicht kann der 31-Jährige sogar Federers Rekordmarke von 20 Titeln gefährden.

  1. Roger Federer: 20
  2. Rafael Nadal: 17
  3. Novak Djokovic: 15
  4. Pete Sampras: 14
  5. Roy Emmerson: 12 (alle 12 vor der Open Era, ohne Konkurrenz der Profis)
  6. Rod Laver: 11 (6 als Amateur ohne Konkurrenz der Profis, dann selbst 5 Jahre nicht spielberechtigt als Profi, dann nochmals 5 als Profi mit Konkurrenz der besten der Welt in der Open Era)
  7. Björn Borg: 11
  8. Bill Tilden: 10

Djokovic hält nun drei der vier Grand Slam-Titel

Dies war nun übrigens Djokovics dritter Grand Slam-Sieg in Folge. Nachdem er von Juli 2014 bis Juni 2016 die Tennisszene beherrscht hat, wie selten ein Spieler zuvor und innerhalb von 24 Monaten sechs der acht A-Turniere für sich entscheiden konnte – plus zweimal die ATP-Weltmeisterschaft (fünftwichtigstes Turnier) 2014 und 2015 -, kam er ab Juli 2016 erstmals in seiner Karriere in eine tiefe Krise, gewann 24 Monate kein einziges großes Turnier mehr. Dann aber kam er ab Juli 2018 schlagartig zurück, als er in Wimbledon plötzlich wie aus dem Nichts das Turnier gewann. Dort schlug er übrigens im Halbfinale, dem vorweggenommenen Endspiel, in einem denkwürdigen Match ebenfalls Nadal, den er mit 10:8 im fünften Satz niederringen konnte. Seither läuft es wieder wie am Schnürchen für den Djoker.

Es folgte der Sieg bei den US Open und jetzt der in Melbourne. Sollte er im Juni auch noch die French Open gewinnen können, wäre er wie im Juni 2016 zum zweiten Mal amtierender Champion bei allen vier A-Turnieren. Das gelang vor ihm zuletzt dem großen Rod Laver 1969.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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