Bist du schon ein Mensch oder bellst du noch?

Von Jürgen Fritz, So. 3. Feb 2019

„O welch ärmliches Geschöpf ist der Mensch, wenn er sich nicht über das Menschliche erhebt!“ (Lucius Annaeus Seneca, ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr., genannt Seneca der Jüngere, römischer Philosoph, Stoiker, Naturforscher und Politiker, einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit)

Das denkende, argumentierende Wesen

Der Mensch denkt so: „Da sagt jemand, wenn A, dann B bzw. B, weil A. Ist dieser Schluss von A nach B korrekt, das heißt logisch zwingend, oder ist er fehlerhaft?“ Kommt er zu dem Ergebnis, dass der Schluss korrekt ist, dann fragt er sich „Ist A wirklich wahr?“ Denn beim logischen Schließen findet ja eine Wahrheitwertübertragung von A nach B statt. Ist A aber gar nicht wahr, stimmt der angegebene Grund für B gar nicht, dann nutzt der korrekte Schluss auch nichts, weil ja gar nichts Wahres vorhanden ist, das übertragen werden könnte.

Der Mensch will also Argumente, die schlüssig und überzeugend sind, die wahre Gründe ins Feld führen. Er ist ein denkendes, ein argumentierendes Wesen.

Wuff, wuff!

Der Hund „denkt“ (genauer: assoziiert) so: Da sagt jemand A. Das liebe Tier kann sich an A erinnern und das Erste, das ihm dabei einfällt, ist, wie jemand ihn gestreichelt hat und ihm ganz viele Leckerli gab. Was tut das Tier also? Es rennt hin zu dem, der A sagte, schleckt an ihm und reibt mit dem Kopf an seinem Bein.

Wenn aber jemand B sagt und das Tier kann sich auch an B erinnern, das Erste, was ihm hier einfällt, ist aber, dass ihn jemand geschlagen oder getreten oder ihm Leckerli weggenommen hat, dann fängt unser Tier an, ganz laut böse zu bellen oder gar zuzuschnappen. „Wuff, wuff!“

Vom Tier zum Menschen und dann zum Philosophieren

Aber ist denn das „Wuff, wuff!“ nicht auch im Menschen immer drin? Gewiss. Der Mensch ist ja auch ein Tier, aber eben nicht nur. Zum Menschen wird das Tier erst, wenn es sich darüber erhebt und sich nicht völlig vom „Wuff, wuff!“ beherrschen lässt.

Das Nachdenken darüber, wo der Übergang vom Tier zum Menschen vonstatten geht, das reflektieren darüber, was Denken im Gegensatz zum Assoziieren eigentlich ist und wie es funktioniert, das nennt man: philosophieren.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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