Die letzten Menschen

Von Jürgen Fritz, Fr. 8. Feb  2019

„Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sahe er wieder das Volk an und schwieg. »Da stehen sie«, sprach er zu seinem Herzen, »da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren. Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören. Muss man rasseln gleich Pauken und Busspredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden? Sie haben etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie’s, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten. Drum hören sie ungern von sich das Wort »Verachtung«. So will ich denn zu ihrem Stolze reden. So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der letzte Mensch.«“ (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

Verhöhnung jeglicher Höhe

Jegliches Denken in vertikalen Dimensionen geht einher mit Anstrengung, da kein Anstieg ohne diese zu bewerkstelligen ist, geht einher mit der Aussicht auf Scheitern sowie dem Risiko einer negativen Beurteilung. Negative Beurteilungen verursachen Schmerz, weil sie auf das Selbstbild desillusionierend wirken. Was also tut der letzte Mensch? Er verhöhnt jede Höhe, er verhöhnt alles Vertikale sowie jede Beurteilung in Hinsicht auf Qualität („Alle Menschen sind gleich wertvoll“).

Stigmatisierung jeglicher Kritik am Menschen

Damit entzieht er sich der Beurteilung („Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet“, „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“), mithin auch jeder Negativbeurteilung und hofft so, sein schwaches Ich zu schützen, mit dem Ergebnis, dass es immer schwächer und labiler wird, so dass die Angst vor Kritik, die Angst vor Beurteilung stetig anwächst. Somit müssen alle Kritiker des letzten Menschen ausgeschaltet werden, indem sie mit immer schwereren Repressalien bedroht werden, um das Gefühl der Behaglichkeit des letzten Menschen nicht zu stören.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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