In Erinnerung an Marcel Reich-Ranicki

(Jürgen Fritz, 02.06.2020) „Das ist meine Tätigkeit, Frauen lesen und Bücher umarmen.“ So umschrieb er sich, seine Tätigkeit und sein Leben selbst. Heute vor 100 Jahren erblickte Marcel Reich-Ranicki (02.06.1920 – 18.09.2013) das Licht der Welt. Für mich bis heute der unterhaltsamste, der interessanteste, der eindringlichste Literaturkritiker von allen. Hier meine 21 Lieblingszitate des Literaturpapstes.

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An Xavier Naidoo und Andreas Gabalier

(Jürgen Fritz, 26.05.2020) Lieber Xavier Naidoo und Andreas Gabalier, Sie haben neulich ein Lied zusammen gesungen „A Meinung ham, dahinter stehn“. Ein sehr schönes Lied übrigens. In dem Song stellen Sie beide es so dar, als sei das schon eine Tugend, überhaupt irgendeine Meinung zu haben und zu dieser zu stehen. Doch Sie übersehen dabei etwas Entscheidendes.

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Verschwindet die Wirklichkeit in uns, dann verschwinden wir mit der Zeit aus ihr

(Jürgen Fritz, 16.12.2019) Warum sehnen sich so viele Menschen nach völligem Realitätsverlust? Darauf gibt es zwei Antworten, eine auf der Hand liegende und eine tiefer gehende. Schaut man man offen und ehrlich überall genau hin, entdeckt man viel Unschönes und Desillusionierendes. Das verkraften viele Seelen einfach nicht. Also entwerfen sie für sich ein Bild von der Welt, wie sie schöner, tröstlicher und erträglicher wäre, und ignorieren einfach, was diesem Bild widerspricht. Doch es kommt noch etwas weiteres hinzu, was mit Macht und Unterwerfung zu tun hat.

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Irrtum, Lüge, Ideologie: die drei Gestalten des irrenden und irreführenden Bewusstseins

(Jürgen Fritz, 14.12.2019) „Sobald das Getäuschtwerden von Freiwilligkeit affiziert ist, entsteht die dritte Gestalt des irrenden Bewusstseins, das man als Aberglauben, als Ideologie, als Autosuggestion bezeichnet. Für die Gebilde der ideologischen Irrtumsstufe ist der halb bewusste, halb unbewusste Pakt zwischen den Lügnern und den Belogenen kennzeichnend. Mit Ideologie hat man es folglich zu tun, solange eine mehr oder weniger explizite Produktion von suggestiven Idolen konvergiert mit der mehr oder weniger offenen Nachfrage nach erbaulichen Illusionen. Diese Konvergenz setzt sich überall durch, wo ein «Wille zum Glauben» auf «Propaganda» trifft, sprich auf elaborierte und nachhaltige Überredungssysteme vom Typus Missionspredigt, Konfessionsliteratur, Sektenpresse und Parteiindoktrinierung.“ – Peter Sloterdijk

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Kanzlerinnähe ist eine Tugend, Opposition ist Subversion, Kritik ist Majestätsbeleidigung

(Daniel Matissek, 31.10.2019) Gespannt wartete man seit Dienstag auf irgendeine Reaktion aus dem Kanzleramt zur Fundamentalabrechnung von Friedrich Merz und Roland Koch, die Anfang der Woche Merkels Politik und die GroKo als grottenschlechten Ausbund von Stillstand und Untätigkeit gebrandmarkt hatten. Doch ebenso marginal, wie Narkose-Mutti Merkel im politischen Tagesgeschehen überhaupt noch stattfindet, bequemt sie sich, auf ihre Kritiker einzugehen. Die Antwort überließ sie daher dem verlängerten Arm ihrer Pressestelle: treu ergebenen Redakteuren und Kommentatoren der ARD, wie Daniel Matissek aufzeigt.

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Worum es in allen JFB-Texten letztlich geht

(Jürgen Fritz, 09.02.2019) Man kann Menschen nicht einfach so von heute auf morgen umprogrammieren. Dies ist ein Faktum, welches sich aus der Natur des Menschen selbst ergibt. Geht man etwas tiefer, so stellt sich die Frage, ob das überhaupt richtig ist, Menschen von außen umprogrammieren zu wollen, dergestalt das alte Programm in ihnen gelöscht und ihnen stattdessen ein neues verpasst (andressiert) wird, ja ob das dem Wesen des Mensch überhaupt gerecht wird.

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Die letzten Menschen

(Jürgen Fritz, 08.02.2019) „Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sahe er wieder das Volk an und schwieg. »Da stehen sie«, sprach er zu seinem Herzen, »da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren. Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören. Muss man rasseln gleich Pauken und Busspredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden? Sie haben etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie’s, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten. Drum hören sie ungern von sich das Wort »Verachtung«. So will ich denn zu ihrem Stolze reden. So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der letzte Mensch.«“ (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

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Philosophischer Start in den Tag: Kritik

(Aphorismen, 22.01.2019) „Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muss. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung, durch ihre Majestät, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen. Aber alsdenn erregen sie gerechten Verdacht wider sich, und können auf unverstellte Achtung nicht Anspruch machen, die die Vernunft nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Prüfung hat aushalten können.“ (Immanuel Kant, 1724  – 1804, deutscher Philosoph, Kritik der reinen Vernunft, 1781, Vorrede)

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Ciceros Eigentor

(Jürgen Fritz, 07.06.2018) Christoph Schwennicke gilt als einer der renommiertesten Journalisten in Deutschland. Vor sechs Jahren übernahm er von seinem Vorgänger Michael Naumann (SPD) die Chefredaktion des „Cicero“. Zuvor war er fünf Jahre für den „Spiegel“ tätig und davor elf Jahre für die „Süddeutsche Zeitung“. Mit seinem Artikel vom Sonntag über Alexander Gauland hat Schwennicke nun derart daneben gegriffen, dass sich die Frage stellt, wie so etwas möglich und wofür dieser Totalausfall symptomatisch ist.

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Wo der westliche Selbsthass herrührt und wie er überwunden werden kann

(Jürgen Fritz) Eine der Schlüsselfragen unserer Zeit, vielleicht die Frage überhaupt lautet: Wo kommt diese Selbsverachtung respektive dieser Selbsthass her, welche(r) fast die gesamte westliche Welt ergriffen hat? Diese Frage wird nicht einfach zu beantworten sein und es wird wahrscheinlich keine monokausale Erklärung geben. Hier meine These, die aber vielleicht ins Mark gehen und den Schlüssel liefern könnte zum tieferen Verständnis der Problematik und ihrer Überwindung.

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