Der Frontalangriff der „Jungen Freiheit“ auf Björn Höcke

Von David Berger, Do. 21. Mrz 2019

Ende Februar veröffentlichte Dieter Stein, der Chefredakteur der Jungen Freiheit, einen Artikel mit dem Titel „Bescheidener Weltenlenker“. Dieser Text stellt einen Frontalangriff auf Björn Höcke dar, den Stein offensichtlich in der Luft zu zerreißen gedachte. Steins und der Jungen Freiheit Attacke wurde unterstützt von achgut und Philosophia perennis in Gestalt von David Berger. Der heftigst Gescholtene erhielt dagegen publizistische Unterstützung von PI-News, Götz Kubitschek (Sezession), Jürgen Elsässer (Compact) und nun auch TUMULT. JFB wird mit David Berger zunächst einen der Angreifer, dann mit Baal Müller einen Höcke-Verteidiger zu Wort kommen lassen. David Berger hat als erstes das Wort.

Sektiererische Strukturen im „Fanclub“ Höckes

Obwohl die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ darum weiß, wie einschüchternd und wohlorganisiert der Fanclub von Björn Höcke auftritt, hat man sich an das heiße Eisen gewagt und fragt: Spaltet Höcke die AfD?

Jedes mal, wenn „Philosophia Perennis“ einen Artikel zu Björn Höcke oder seinem Umfeld bringt, können wir uns sicher sein, dass die Emotionen hochkochen. Nehmen wir Höcke gegen ungerechtfertigte Propaganda in Schutz, so tönt es im Staatsfunk, ich sei ein Vertreter des „rechten Flügels der AfD“ (so der WDR5-Programmchef). Kritisieren wir ihn, bekommen wir regelmäßig Hassmails, die fast vermuten lassen, um Höcke habe sich eine kleine sektiererische Gruppe gebildet, die ihren Führer bis zum (eigenen und fremden) Blutvergießen verteidigt. Und dann auch alles an Antisemitismus und Homohass rauslässt, was sonst subkutan dort zu brodeln scheint.

Eine ähnliche Erfahrung wird wohl den Kollegen bei der „Jungen Freiheit“ nicht erspart bleiben, die Höcke zum Coverboy der neuen Ausgabe erkoren haben und bereits durch ihre Schlagzeilen vermuten lassen, dass sie mit Kritik an Höcke nicht sparen werden.

„Ein sich selbst maßlos überschätzendes ideologisches Irrlicht“

Chefredakteur Dieter Stein dazu in einer Rundmail:

»Am Dienstag siegte die AfD vor dem Verwaltungsgericht Köln. Der Verfassungsschutz darf die Partei nicht länger öffentlich als „Prüffall“ bezeichnen. Trotzdem hat die AfD ein Problem mit dem rechten Rand: Beim baden-württembergischen Landesparteitag in Heidenheim konnte man erleben, daß der „Flügel“ um Björn Höcke zwar nicht die Mehrheit stellt, aber wie einschüchternd und wohlorganisiert er aufzutreten weiß.

Ich habe mir einmal ein autobiographisches Buch von Höcke vorgenommen, um der Frage auf den Grund zu gehen: Was will Höcke eigentlich? Will er Einheit oder Spaltung der AfD?“«

Die Kritik Steins an Höcke in seinem großen Leitartikel fällt dann auch – so viel sei bereits verraten – vernichtend aus. Höcke sei nicht mehr als ein „sich selbst maßlos überschätzendes ideologisches Irrlicht“:

»„Im Grunde weiß Höcke gar nicht, was er will. Einmal erklärt er das Gewissen zur entscheidenden politischen Urteilsinstanz, dann ist es plötzlich die Suche nach Kompromissen; einmal will er aus Verantwortung für das eigene Volk handeln, dann aber plädiert er für „Wirklichkeitsverachtung“ – beides auf einer Seite.

Einerseits will er die „Grenze des Sagbaren immer wieder mit kleinen Vorstößen“ erweitern, andererseits empfiehlt er eine „allgemeine Mäßigung im Ton“. Einmal erklärt er den Begriff „völkisch“ für untunlich, nur um dann aber das Grundgesetz selbst als „völkisch“ zu bezeichnen.

Einerseits will er die AfD „von einem dämonisierten Außenseiter zum Teilnehmer an der demokratischen Normalität“ mit kompromißbereiter Regierungsverantwortung machen, andererseits lehnt er jeden Ausgleich mit der politischen Klasse, den „herrschenden Obernichtsen“, ab und beschwört den Volksaufstand. Ja, was denn nun?“«

fragt Stein ratlos…

Frontalangriff der JF dürfte Ende der Karriere Höckes in der AfD sein

„Menschen mit Sachverstand“ und mit „beruflichen Erfahrungen im normalen bürgerlichen Leben abseits des Politikbetriebs“ hätten die AfD wegen Höcke längst verlassen oder engagierten sich dort noch trotz Höcke.

Man kann davon ausgehen, dass es für diese Menschen bald wieder leichter wird, AfD-Mitglied zu sein beziehungsweise dass die Tage Höckes in der AfD nach diesem vernichtenden Urteil von Deutschlands wichtigstem konservativen Medium endgültig gezählt sind. Mehr dazu erfahren Sie hier: Dieter Stein: Bescheidener Weltenlenker (Junge Freiheit).

Nachbemerkung von Jürgen Fritz

Zugleich veröffentlichte Philosophia perennis, was den Blog ehrt, da er sich um eine echte Diskussion, um ein Pro und Contra bemüht, bei dem beide Seiten zumindest mal zu Wort kommen, aber auch einen Artikel von Ed Piper, der eine Gegenposition zu David Berger vertritt: Junge Freiheit“ versus Björn Höcke: Wer spaltet die AfD wirklich? und wenige Tage später dann nochmals einen Anti-Höcke-Artikel von Felizitas Küble: „Zu viel Wüste und zu wenig Wald“ – Skurrile Germanentümelei bei Björn Höcke?., der zuvor auf einem „Christlichen Forum“ erschienen war.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Abstimmung, die Philosophia perennis unter seinen Lesern durchführte und an der fast 2.000 Personen teilnahmen. Diese zeigt, dass die Meinungen bezüglich Höcke relativ ausgeglichen sind. Bei den PP-Lesern sprachen sich sogar 56 Prozent, also mehr als die Hälfte dafür aus, dass Höcke als unverichtbare Stimme zur AfD gehöre, und nur 44 Prozent, dass er der AfD mehr schade als nutze, wobei PP selbst ja gar nicht als Höcke-nah gilt, ganz im Gegenteil.

Höcke-AfD

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Philosophia perennis und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von PP. Einleitung (Teaser) und Nachbermerkung: Jürgen Fritz.

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Zum Autor: David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch Der heilige Schein über seine Arbeit im Vatikan als homosexueller Mann. Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Homomagazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritk. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die ZeitJunge Freiheit, The European). Seine Bibliographie wissenschaftlicher Schriften umfasst ca. 1.000 Titel.

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Titelbild: Dieter Stein (blu-news.org [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D) und Björn Höcke (YouTube-Screenshot)

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