Nach „Putins Puppen“ jetzt „Merkels Marionetten“ – JFB leakt Spiegeltitel der kommenden Woche

Von Axel Stöcker, So. 21. Apr 2019

Die Konkurrenz am Zeitungsmarkt wird immer erbarmungsloser. Das setzt auch dem Hamburger Leitmedium „Der Spiegel“ zu. Ein Insider packt gegenüber Axel Stöcker und JFB aus.

Den Lesern gefallen unsere Reportagen nicht mehr

Nervös wandert der Blick unseres Informanten durch den Raum und bleibt schließlich bei der aktuellen Druckausgabe von „Tichys Einblick“ hängen, die hier ganz selbstverständlich neben dem „Spiegel“ liegt, dem Magazin, bei dem er angestellt ist. Verunsichert schaut er auf. Für einen Moment scheint es, als wolle er den Raum unverrichteter Dinge wieder verlassen. Doch dann nimmt seine Körperspannung wieder zu. Ja, er sei fest entschlossen. Nein, er wolle keinen Kaffee, danke. Ja, ein Glas Wasser gerne. Das Radio spielt im Hintergrund I Need a Hero von Bonny Tyler.

Rüdiger Schreiblinks (Name von JFB geändert) arbeitet in der Leitungsebene des Hamburger Nachrichtenmagazins und will nicht länger schweigen. Seit Relotius (Schreiblinks nennt ihn immer noch „den Claas“) weg sei, habe sich die Auflage weiter verringert. „Unsere Leser haben schließlich Erwartungen. Denen haben die Reportagen nicht mehr gefallen. Da wurden mit einem Mal zu viele Gewissheiten in Frage gestellt.“

Die Dok hält unseren Informanten Klaus Reloadius für seriös, aber ich hab ein komisches Gefühl

Als Ersatz für die Reportagen strebe man nun mehr „Enthüllungen“ an, „und zwar mindestens alle drei Wochen eine!“ so Schreiblinks, „aber was machste, wenn zwischendurch mal alles mit rechten Dingen zugeht und es nichts zu enthüllen gibt?“. Los gegangen sei es mit der „Braunen Verschwörung“ (Heft 13/2019). „Das war ja noch ok. Man hat eben gewisse Erfahrungswerte beim Spiegel: Ein Hakenkreuz auf dem Cover schafft etwa 2 Prozent mehr Auflage. Brennende Hakenkreuze bringen sogar noch etwas mehr!“

Dann kamen „Putins Puppen“ (15/2019). „Da hatte ich schon etwas Bauchschmerzen, weil die Datenbasis einfach so dünn war. Nur dieser eine Wisch… Aber als es dann an die Planung für Heft 18/2019 ging, konnte ich echt nicht mehr mitziehen“ berichtet Schreiblinks sichtlich aufgebracht. „Wir haben da einen Informanten, der sich Klaus Reloadius nennt. Die Dok hält ihn für seriös, aber ich habe bei dem Namen ein schlechtes Gefühl, weiß auch nicht warum.“

Da ist doch etwas faul!

Reloadius habe nun seinerseits einen total verlässlichen Informanten in der CDU-Bundestagsfraktion, der ihm von einem Geheimtreffen seiner Fraktion mit der Bundesregierung und der Fraktion der Grünen berichtet habe. Auch AKK höchstselbst sei anwesend gewesen und habe die Anwesenden in einer Rede auf die Fortsetzung der merkelschen Politik nach deren Ausscheiden eingeschworen. Doch habe niemand mit dem Terminus „merkelsche Politik“ irgendwelche Inhalte verbinden können. Daher habe sich Merkel selbst in ihrem kleinen Schwarzen erhoben und gesagt, es könne nicht sein, dass irgendwann einmal wieder Flüchtlinge von der deutschen Grenze nach Österreich zurückgeschickt würden, „ich meine, was bleibt sonst von den 16 Jahren, oder so, meiner Kanzlerschaft übrig, nicht?“.

Da seien Altmaier und Hofreiter, ganz in der Rolle der virilen Alphatiere ihrer Parteien, begeistert aufgesprungen und hätten gerufen: „Wollt ihr die totale Vermerkelung?“, worauf sich alle Parlamentarier erhoben und zu einem elfminütigen, von Hurrarufen durchsetzen Applaus angesetzt hätten. „Einige Unionsabgeordnete mussten dafür zuerst die geballten Fäuste aus den Taschen ziehen und lockern“, so Schreiblinks, „doch man habe ihnen die Routine angemerkt.“

„Und nun frage ich Sie“, ruft unser Informant mit gerötetem Gesicht, „wer soll so einen Schwachsinn glauben? Ich meine, Merkel im Kleinen Schwarzen? Da merkt doch der Dümmste, dass da etwas faul ist! Ich glaube, ich brauche jetzt doch einen Kaffee. Oder etwas Stärkeres.

450 Euro am Tag?

Nachdem starken Kaffee mit Schuss, beruhigte sich unser Informant allmählich. Schließlich sprach er ganz offen: Ich halte das nicht mehr aus in diesem Saftladen! Das hat nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem großen Magazin zu tun, bei dem ich mal angefangen hatte!“ Ja, den Eindruck hätten wir als ehemalige Spiegelleser auch, entgegneten wir ihm ratlos. Sein innerer Schmerz war mit Händen zu greifen.

Plötzlich fragte er uns: „Sagen Sie, könnten Sie nicht noch einen Journalisten mit über 20 Jahren Berufserfahrung gebrauchen? JFB hat doch enorm steigende Leserzahlen.“ – „Sicher, Herr Schreiblinks“, antworteten wir, „Sie wissen aber, dass unsere Gastautoren ehrenamtlich arbeiten. Es geht Ihnen ja um die Sache, oder? Für jemanden mit Ihrer Erfahrung könnten wir natürlich eine Ausnahme machen. 450 Euro…“ –  „Am Tag?“ – „…Ähh, nein, im Monat. Wir dachten an einen 450-Euro-Job. Wissen Sie, wir warten noch auf unseren ersten großen Werbekunden“, gaben wir ihm zu verstehen.

So absurd ist die Geschichte mit Merkel im Kleinen Schwarzen ja vielleicht doch nicht

Unser Informant machte ein Gesicht, als seien gerade Katrin Göring-Eckhardt und Björn Höcke Hand in Hand zur Tür hereingekommen. Dann meinte er: „Gut, vielleicht ist Merkel im Kleinen Schwarzen doch nicht so absurd. Das könnte schon so gewesen sein. Ja, jetzt wo ich nochmal darüber nachdenke: Warum denn nicht!? Wissen Sie was? Wir bleiben in Kontakt!“

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Zum Autor: Axel Stöcker, Jg. 1967, hat Mathematik und Chemie studiert und ist Gymnasiallehrer. Auf seinem Blog, die-grossen-fragen.com, arbeitet er sich an den großen Fragen zwischen Naturwissenschaft und Philosophie ab. Doch auch politische Verwerfungen stacheln ihn gelegentlich zu Kommentaren an.

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Titelbild: (c) Axel Stöcker

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