Hat es Sinn, mit Neuen Linken respektive Linksradikalen zu reden?

Von Jürgen Fritz, Sa. 27. Apr 2019

Vor zweieinviertel Jahren veröffentlichte ich einen Artikel, warum man mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollte, der für sehr viel Aufsehen sorgte. Offensichtlich war es mir gelungen, mitten in ein riesiges Wespennest zu stechen. Nun ist nicht jeder Grüne, nicht jeder Neue Linke ein psychopathologisch gestörter Gutmensch, das hatte ich, wer den Text genau liest, niemals behauptet. Wenn ich über die Gefährlichkeit von verletzten Flusspferden schreibe, sage ich nicht, dass alle Flusspferde verletzt und gefährlich seien, und ich sage nicht, dass andere Tiere, zum Beispiel verletzte Raubkatzen ungefährlich wären. Heute will ich die Fragestellung ausweiten: Hat es überhaupt Sinn, mit Neuen Linken und Linksradikalen zu reden, wenn ja welchen, oder kommt dies letztlich einem sinnlosen Unterfangen gleich?

Das Exemplarische, welches ein Allgemeines verdeutlicht

Auf Twitter ergab sich gestern mit Alan Posener von der WELT ein kleiner Dialog, den ich hier gerne wiedergeben möchte, weil er, wie ich meine, sehr vieles exemplarisch aufzeigt, was in unserem Land und nicht nur da, nein in der gesamten westlichen Welt seit langem abläuft. Posener selbst als Individuum ist meines Erachtens ein völlig uninteressanter Zeitgenosse, mit dem zu beschäftigen, es sich wirklich nicht lohnt. Interessant ist er aber insofern, weil er a) exemplarisch für etwas Allgemeines steht, welches sich quasi in ihm verdichtet, und b) er es in seiner Gilde der Journalisten durchaus zu etwas gebracht hat, was zeigt, wie dieser Zeitgeist, den Posener verkörpert, überall bis weit nach oben gekrochen ist.

Alan Posener, Jahrgang 1949, war laut wikipedia in seiner Studienzeit (Gemanistik und Anglistik) im Kader des Kommunistischen Studentenverbands und der maoistischen KPD-AO. Ab 1987 schrieb er dann mehrere Monographien, so über John Lennon, John F. Kennedy, Elvis Presley, William Shakespeare, Franklin D. Roosevelt, Maria, die Mutter Jesu, außerdem ein Buch über Papst Benedikt XVI., dem er einen „Kreuzzug gegen die Aufklärung vorwarf. Posener war mehrere Jahre Schulbuchautor für den Ernst Klett Verlag. Seit 1999 arbeitet er für die Tageszeitung WELT, zunächst als Autor, dann als Redakteur, Kommentarchef der Welt am Sonntag, inzwischen als Korrespondent für Politik und Gesellschaft. Bis 2009 war Posener auch ständiger Autor bei achgut, dann kündigten ihm Dirk Maxeiner, Henryk M. Broder und Michael Miersch die Zusammenarbeit auf.

Wenig Geist und noch weniger Redlichkeit, stattdessen Phrasen und Parolen, Schlagworte und Schablonen

Posener ist wie ich ein scharfer Religionskritiker, aber doch irgendwie völlig anders, wie mir scheint. Was mir nun gestern an diesem kleinen Dialog überdeutlich wurde, deshalb veröffentliche ich ihn hier auch, ist die völlige Geistlosigkeit, die im neulinken Lager seit langem herrscht und die sich hier vortrefflich widerspiegelt. Außer Phrasen und Parolen, Schlagworten und Schablonen, Aggression gepaart mit Überheblichkeit und völliger Selbstüberschätzung kommt da kaum noch etwas. Nun mag Posener ein Extrembeispiel sein, natürlich gibt es auch im neulinken Lager Unterschiede in der Qualität, diese ist dort und ganz speziell bei den Massenmedien-Bediensteten insgesamt aber erschreckend niedrig, was hier dokumentiert und gezeigt werden soll.

Und damit bin ich auch schon bei der Antwort auf die in der Überschrift genannte Frage. Wenn es einen Sinn hat, mit Linken und Linksradikalen zu reden, dann meist wohl nur noch, um sie vorzuführen, um anderen zu zeigen, wie wenig Geist und vor allem wie wenig Redlichkeit bei diesen Leuten zu gegenwärtigen ist, denn etwas bewegen kann man bei diesen ideologisch völlig Verformten in aller Regel nicht mehr. Die haben geistig vollkommen dicht gemacht. Da dringt nichts mehr durch, was das innerlich längst fest Geronnene auch nur ein wenig aufweichen, geschweige denn so etwas wie Selbstzweifel evozieren könnte, was die Chance böte, sein Konstrukt zu überdenken, zu destruieren und sich gedanklich weiterzuentwickeln.

Im Krieg ist nicht alles erlaubt, aber das hier schon

Nun hat das natürlich von der menschlichen Seite immer etwas Unangenehmes, etwas Unschönes, wenn man andere vorführt. Wir müssen aber bedenken, dass wir uns a) in einem Weltanschauungskrieg befinden, in welchem die Kräfte, welche die absolute Hegemonie innehaben und eine absolutistische bis totalitäre Deutungshoheit beanspruchen, eine Brutalität an den Tag legen, die jeden halbwegs feinfühligen Menschen nur so mit den Ohren schlackern lässt. Und wir müssen b) bedenken, dass Posener Teil dieses Hegemons ist, der – egal wie wenig Geist vorhanden ist – über eine völlig andere Macht- und Einflussposition verfügt als ein kleiner Blogger, der gerade mal ein paar tausend oder, wenn es hoch kommt, einige zigtausend Leser erreicht, niemals aber ein Millionenpublikum.

In diesem höchst ungleichen Kampf, was Macht und Einfluss anbelangt, scheint es mir durchaus erlaubt, ja notwendig zu sein, aufzuzeigen, welche Leute in Schlüsselpositionen der vierten Gewalt sitzen, welche womöglich bereits die erste ist, nämlich in einer durchaus gehobenen Position bei einer der großen überregionalen Tageszeitungen des Landes. Nun also der Twitter-Dialog von gestern.

Der Dialog

„Zeigt die Bahn-Werbung uns das wahre Deutschland?“, fragte die BILD auf Twitter, was Alan Posener zu folgendem Kommentar veranlasste, auf den ich dann wiederum antwortete, indem ich Posener einige Fragen stellte. Doch lesen Sie selbst:

Bahn-Werbung

AP: Die meisten Leute, die Bahn fahren, sehen genauso unattraktiv aus wie Sie und ich. Aber es ist schön, wenigstens in der Werbung gutaussehende Leute zu sehen

JF: Ist das jetzt ein höchstpersönliches, rein subjektives Geschmacksurteil, A. Posener, oder ein wohlfundiertes und wohlbegründetes mit einem gewissen Anspruch auf eine auch objektive Dimension gefälltes ästhetisches Urteil? Oder ist es einfach nur mal so dahingeredet?

AP: Das ist ein höchstpersönliches, rein subjektives Geschmacksurteil, mit einem gewissen Anspruch auf eine auch objektive Dimension. Sehen Sie das anders? Oder fahren Sie nie Bahn?

JF: „Höchstpersönliches, rein subjektives Geschmacksurteil mit einem gewissen Anspruch auf eine auch objektive Dimension“. Aha! So ähnlich also wie reiner Geist, der aber auch aus Materie besteht, oder wie ein ganz weißes Pferd, das aber auch schwarze Flecken hat?

JF: Nächste Frage, so Sie erlauben, A. Posener. Haben Sie Palmers Kritik an der Bahnwerbung so aufgefasst, dass er sich mehr hässliche oder weniger schöne, weniger attraktive Menschen abgebildet wünscht oder könnten Sie sich vorstellen, dass er vielleicht  auf etwas anderes anspielte?

JF: Und noch eine dritte Frage: Ist das der tiefere Grund für eine eventuell vorhandene Autophobie, einen Autorassismus der eigenen Ethnie gegenüber, dass diese ihnen rein ästhetisch nicht so richtig gefällt oder hat diese eventuell vorhandene Phobie im Innersten einen tieferen Grund und die Abneigung des Äußeren ist quasi nur eine konditionierte Ableitung jenes anderen?

AP: Herr Fritz, Sie benutzen das falsche Medium für Ihre ausschweifenden Fragen. Und: ich habe nichts gegen Juden.

JF: Vielleicht ja doch Variante 3: Einfach nur mal so dahinreden.

AP: Ich sprach die Schönheit der Menschen an. Sie assoziierten „Rassen“. Ihr Problem, nicht meins, Sie sind offenkundig so erzogen worden. Aber wen wundert’s? Die gute Kinderstube war in Ihrer Generation halt oft nicht so richtig gut.

JF: Ich erlaube mir nun, meine zweite Frage zu wiederholen: Haben Sie Palmers Kritik an der Bahnwerbung so aufgefasst, dass er sich mehr hässliche / weniger schöne, weniger attraktive Menschen abgebildet wünscht oder könnten Sie sich vorstellen, dass er vielleicht auf etwas anderes anspielte?

AP: Palmer ist wie Sie Abkömmling von Leuten, die sich für eine Herrenrasse hielten. Kann mir schon vorstellen, dass er nicht zuerst auf die Schönheit guckt, sondern auf die Hautfarbe, wie Sie. Nicht mein Problem.

JF: Sie scheinen offensichtlich überhaupt wenig Probleme zu haben, was Sie nicht müde werden zu betonen, während Sie bei anderen, so auch mir, meinen, sehr viele Probleme zu erblicken. Bestimmt haben Sie damit auch Recht und Sie sehen die Probleme, die andere haben, von außen einfach viel klarer. Insofern vielen Dank für diese Aufklärung. Was mich jetzt nur wundert, aber das ist sicherlich auch nur „mein Problem, nicht Ihres“, ist, dass Sie einerseits sagen, die Hautfarbe oder „Rasse“ spiele für Sie überhaupt keine Rolle, zugleich aber Boris Palmer und mich als „Abkömmlinge von Leuten“ bezeichnen, „die sich für eine Herrenrasse hielten“? Wenn doch die Hautfarbe oder „Rasse“ gar keine Rolle spielen, wie können Sie dann Palmer und mich etwas zuordnen, was gar keine Relevanz hat? Warum reduzieren Sie uns darauf? Jetzt mal ganz ehrlich, Herr Posener, nur unter uns beiden: Könnte es sein, dass Sie eine gewisse, sei sie rational begründet oder auch vollkommen irrational, Aversion gegen Europäer oder Weiße haben? Sind Sie mithin ein Auto- respektive ein inverser Rassist?

AP: „Ihr Problem ist, Sie wollen unbedingt von mir Aufmerksamkeit und Anerkennung. Kriegen Sie nicht.“

JF: „Eigentlich geht es mir darum aufzuzeigen, wie wenig Substanz inzwischen bei vielen, wenn nicht bei fast allen Link(sradikal)en vorhanden ist. Und Sie machen das eigentlich recht gut, mir dabei zu helfen, wofür ich mich ausdrücklich bedanken möchte.“

Fortsetzung folgt eventuell, sofern noch etwas kommt von AP.

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Titelbild: Screenshot von bahn.de

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