AfD puscht nicht Freie, sondern Mainstreammedien, welche sie runtermachen

Von  Patrizia von Berlin, So. 12. Mai 2019

Götz Kubitschek warf die Frage in einer Arbeitsgruppe auf, inwieweit die AfD loyal ist den Freien Medien gegenüber, die als Einzige halbwegs fair über sie berichten. Thorsten Schulte und auch ich selbst haben auf dem Kongress der Freien Medien ähnliche Fragen formuliert, andere wahrscheinlich auch. Als erstes aber hat diesen vielleicht wichtigsten Punkt, diese Schlüsselfrage des gestrigen Tages Patrizia Schöneberg von Philosophia Perennis im großen Plenum vorgetragen und mit eindrucksvollen Zahlen belegt, die etwas aufzeigten, was nur schwer nachvollziehbar ist. Leidet die AfD an einer masochistischen Veranlagung, fehlt es ihr einfach an Umsicht und Professionalität oder aber an einem strategischen Kopf, der in der Lage ist, ein wenig über den Tag hinauszudenken? Aber schauen Sie bitte selbst, was Patrizia von Berlin herausgearbeitet hat.

Welche Medien werden von AfD-Politikern auf Twitter und Facebook gepuscht?

Liest man Mainstreammedien, so fällt beim Thema AfD vor allem eines auf: Nahezu durchgängig Verrisse, Fake-News en masse, die von dem M-Medien produziert werden, und offen erklärte Gegnerschaft. Wie passt es dann aber dazu, dass die AfD just diese Mainstreammedien massiv fördert?

Eines der Topthemen der letzten Tage war die Nachricht, dass Polygamie kein gesetzlicher Hinderungsgrund für die Einbürgerung sein soll. Kaum ein Medium, das nicht darüber berichtete. Ein guter Anlass für Philosophia Perennis genauer hinzusehen:

Sieht man sich die Top Accounts, also insbesondere von Alice Weidel oder von Prof. Jörg Meuthen an, so fällt auf, dass praktisch einheitlich Mainstreammedien genutzt und damit weiter verbreitet werden, um dieses Thema auf den eigenen Facebookseiten oder über Tweets zu besprechen. Man möchte, wenn man das sieht, meinen, die Affinität der AfD zu den M-Medien könnte kaum größer sein und die AfD wäre dort so beliebt, wie manche Politiker der Grünen es zu sein scheinen.

Der Artikel mit den meisten sozialen Reaktion auf Twitter und Facebook bundesweit zum Thema kommt von der WELT und dient uns deswegen als Analyseobjekt: Einbürgerung bleibt trotz Mehrehe möglich. Nun gehört die WELT, denkt man sich, nach der BILD zu Deutschlands führenden Medien. Man vermutet starke Reichweite und starke Wirkung. Sieht man sich das genauer an, dann entsteht aber plötzlich ein ganz anderes Bild.

Topdistrubitorin der WELT: Alice Weidel

Denn die Mediaanalyse zeigt, der Tweet UND der Facebook-Post mit dem jeweils stärksten Social Impact (Diskussion, Teilungen, Likes) stammen jeweils von der sympathischen AfD-Spitzenpolitikerin Alice Weidel. Doch dies ist kein Einzelfall. Auch Prof. Jörg Meuthen, Beatrix von Storch (nur Twitter) und Dr. Malte Kaufmann sind Top – und zwar ebenfalls jeweils für die WELT.

Unsere Analyse zeigt, dass alleine die von uns analysierten Top-Fünf-AfD Politiker rund 15.000 soziale Reaktionen für diesen einen Artikel generiert haben!

Ein Wort zu den Social Media Charts und den Daten: Sie entstehen, indem Facebook und Twitter Zahlen zu Likes, Teilungen und Kommentare liefern und der Dienstleister sie auswertet. Es werden dort mit Sicherheit nicht 100 Prozent der Daten erfasst, das heißt, man muss die Zahlen mit Vorsicht genießen. Aber für eine grobe, nicht wissenschaftliche Betrachtung sind sie vollkommen ausreichend und das beste, frei zugängliche Datenmaterial.

Bei unseren folgenden Zahlen werden die Daten der Social Media Charts und manuell direkt aus Twitter und Facebook erhobene Daten in einem Modell zusammengeführt. Das ist immer problematisch, da unterschiedliche Quellen oft zu Inkonsistenzen führen, einfacher gesagt: so ganz passen die Daten nicht zusammen. In diesem Fall halte ich es für absolut vertretbar und im Rahmen der Betrachtung auch für sinnvoll so zu verfahren, wie ich es getan habe, möchte diese Problematik aber transparent machen für unsere Leser. Vermutlich wurden bei Twitter nur Teilmengen der Daten übergeben, deswegen erfolgt eine detaillierte Analyse nur für Facebook. Die manuell erhobenen Einzeldaten der genannten Twitteraccounts lassen jedoch keine Fehler erwarten.

Die AfD macht die WELT, welche die AfD regelmäßig runterschreibt, erst erfolgreich

Es macht nachdenklich: Der Artikel hatte insgesamt (Stand 07.05. ca. 9:15h) 48.850 soziale Reaktionen. Er ist damit unter den Top 20 Artikeln bundesweit in den letzten 30 Tagen und über alle Medien. Also: sehr, nein extrem erfolgreich! Doch worauf beruht dieser Erfolg des WELT-Artikels?

Der Erfolg des WELT-Artikels beruht zu rund einem Drittel auf fünf AfD-Politikern! Auf 5! (Alle anderen AfD-Politiker, wohl mehrere tausend, sind hier also noch gar nicht mitgezählt. JFB) Auf den Fehler in den Basisdaten bei Twitter habe ich oben hingewiesen. Wer mag, darf also unwidersprochen aus dem Drittel ein Viertel machen und sich überlegen, ob das an der Analyse etwas ändert. Macht man den Gegencheck wird die Nachdenklichkeit noch größer.

Frage: Was wäre die WELT aus eigener Kraft, ohne die AfD? Antwort: Es sähe sehr mager aus!

Auf welt.de selbst finden sich gerade einmal 2.042 Kommentare. Betrachtet man WELT und WELT News bzw. WELT Nachrichten auf Facebook und Twitter, dann stehen den 15.000 Reaktionen der AfD Politiker etwas über 3.600 selbstgenerierte Reaktionen gegenüber. Besonders krass ist die Situation auf Twitter, wo die Einzelanalyse der beiden WELT-Accounts nur 191 Reaktionen ergibt im Verhältnis zu über 5.200 der AfD. Auf Facebook sieht es etwas besser aus: 3.850 zu 15.000. Die eigene Distributionkraft der WELT und noch mehr die Fähigkeit, Debatten anzustoßen, erscheint auf einmal in einem anderen Licht.

Und es stellt sich die Frage: Was wäre die WELT, ohne die AfD? An diese Frage fügt sich eine zweite unmittelbar an: Welche Motivation hat die AfD, die WELT groß zu machen, von der sie dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit, verrissen wird?

Ein zweiter Gegencheck macht das Ausmaß deutlich, in welchem die AfD für diesen Artikelerfolg verantwortlich ist. Die stärksten von mir sonst gefundenen Politiker-Distributoren waren Serap Güler (786), Düzen Tekkal (490) und die Frauen-Union (262).

Die AfD-Facebookseite postete übrigens bild.de mit mehreren tausend Reaktionen.

Datenherkunft: Die Gesamtsumme wurde aus den Social Media Charts entnommen. Einzeldaten manuell aus Facebook.

Die Situation der WELT

Soweit die Feinanalyse. Kommen wir nun von der Detailbetrachtung zur Gesamtsituation und dem großen Bild. Im Bereich Print sieht es für die im Beispiel verwendete WELT katastrophal aus. Seit Anfang 2010 hat sich die verkaufte Auflage von 250.000 auf rund 120.000 (Quelle: statista) mehr als halbiert. Die ePaper Auflage von rund 26.000 (statista) konnte diesen Rückgang nicht ansatzweise auffangen.

Nun hängt es also an der digitalen Welt. Dort hat man 93.000 Abonnenten per Februar 2019 (Quelle: Axel Springer). Das heißt, dass man per Saldo gegenüber 2010 immer noch verliert. Auch wenn man – laut Springer – die Bezahlkunden im Blick hat, erst die nichtbezahlenden Leser sorgen für beeindruckende Zugriffszahlen und sicherlich ordentliche Werbeerlöse. Diese Lesergruppe muss aber erst auf die Seite gelockt werden. Warum hilft ihr dabei ausgerechnet die AfD wie kein anderer?

Alternative Medien stärken

Vorweg zwei Dinge: Es geht hier nicht um Philosophia Perennis (oder JFB). Wir wollen hier eine Überlegung anstoßen zum Nutzen aller alternativer Medien. Da wir keine Einnahmen aus Klickzahlen und Werbung generieren, fällt es uns vielleicht leichter in dieser Frage in Sachen Gemeinwohl zu argumentieren.

Es geht zudem nicht darum, hier einen Pranger hinzubauen. Wer einen Angriff auf die genannten Politiker heraus liest, verkennt den Sinn dieser Analyse. Das ist in keiner Weise beabsichtigt, es wäre nicht hilfreich und es wäre maßlos unfair das zu tun. Die wenigsten Spitzenpolitiker machen das bewusst, häufig sind Mitarbeiter mit der Betreuung von sozialen Medien betraut. Und seien wir ehrlich: genau dasselbe Verhalten beobachten wir doch bei uns selbst. Die Macht der Gewohnheit.

Die Konsequenz unseres Verhaltens jedoch ist, dass wir Medien stärken, die der Opposition gegen Merkel, gegen das demokratiefeindliche Parteienkartell und gegen die Islamisierung auf häufig extrem unfaire Weise gegenüberstehen und hierüber nicht ansatzweise objektiv, ausgewogen und fair berichten. Deren Ziel ist es ganz offensichtlich, sowohl die AfD als auch die Freien Medien kaputtzuschreiben, um ihr totalitäres, demokratiefeindliches „Wahrheits- und Informationsmonopol“ zu schützen. Muss man das unterstützen und damit der Demokratie noch mehr schaden?

Man muss ja nicht mit linker Vehemenz dagegen vorgehen, nach dem Motto der Claudia Roth Schützlinge Ton Steine Scherben: „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Aber muss man die Mainstreammedien finanziell belohnen für ihre extreme Parteinahme für das Altparteienkartell, für völlig einseitige Information, für den Abbau der Demokratie? Wir alle tun aber genau das, mit jedem Klick den wir für sie erzeugen.

Es geht auch anders

Einige machen bereits vor, dass es auch anders geht. Gottfried Curio zum Beispiel postete einen selbst erstellten Inhalt. Petr Bystron und Martin E. Renner, der übrigens eine hervorragende Rede hielt gestern, posteten einen Bericht der Jungen Freiheit zum Thema.

Dazu von Philosophia Perennis befragt, erklärte AfD-Urgestein Martin E. Renner (MdB):

»Ich halte keine persönlichen Aktien an der Jungen Freiheit. Allerdings ist mir aus gutem Grunde sehr an einer Gegenöffentlichkeit zu den Mainstreammedien gelegen – daher greife ich gerne und sogar bevorzugt auf alternative Medien zurück.

Ich möchte die „klassischen Mainstream-Medien“ nicht ausgrenzen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, dass die alternativen Medien in ihrem Metier die gleiche Aufgabe zu leisten haben, die wir als AfD uns im politischen Bereich vorgenommen haben. Das gemeinsame Ziel heißt unter anderem: Mehr Demokratie. Das verbindet, zumal der Gegenwind für uns als AfD, sowie für die alternativen Medien oftmals aus der gleichen Richtung kommt.«

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Dieser Artikel erschien gestern zuerst noch vor der Konferenz der Freien Medien auf Philosophia perennis. Er wurde nach der Konferenz leicht ergänzt und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von Philosophia perennis und Patrizia von Berlin.

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Titelbild: (c) Philosophia perennis

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