Klartext von Marcel Koch, dem Geschäftsführer des Helios Klinikum Aue

Von Jürgen Fritz, Mo. 13. Apr 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

Die Diskussionen, die sich um die Coronakrise in der Öffentlichkeit einstellen, kreisen vielfach um zwei Extreme: die einen drohen, ob der für die meisten von uns doch eher ungewohnten Gefahrenlage, in Panik zu geraten, zu intensiver Angst, bis hin zu starken Stressreaktionen. Die anderen behaupten, es werde Panik gemacht, geschürt, womöglich sogar künstlich erzeugt. Wieder einmal kommt die Stimme der Vernunft und der sachlichen Informationen zu kurz. In dieser Situation hat sich in den letzten Tagen Marcel Koch, der Geschäftsführer des Helios Klinikim Aue, mehrfach zu Wort gemeldet, die aktuelle Kliniksituation beschrieben und damit wertvolle Informations- und Aufklärungsarbeit geleistet.

Vorbemerkung

Zunächst eine Vorbemerkung, um Ort und Krankenhaus etwas einordnen zu können: Aue hat ca. 16.000 Einwohner, liegt im sächsischen Erzgebirgskreis und galt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als bedeutende Bergbau- und Industriestadt. Im Helios Klinikum Aue (HKA), das rund 580 Betten bietet, arbeiten etwa 1000 Mitarbeiter. Geschäftsführer ist Marcel Koch. Dieser hat sich die letzten Wochen in mehreren Videos zur aktuellen Corona-Situation geäußert. Hier einige wesentliche Aussagen aus seinen Statements.

Erstes Statement

  • Inzwischen, Stand Anfang April, haben alle Krankenhäuser Corona-Fälle.
  • Das HKA hatte am zu dem Zeitpunkt 6 Corona-Patienten, die beatmet werden mussten, im Alter von 61 bis 81 Jahre. Hinzu kamen einige weitere, nicht beatmete COVID-19-Patienten im Alter von 50 bis 88 Jahren. Außerdem viele Verdachtsfälle im Alter von 18 bis 93 Jahre.
  • Das A-Haus ist inzwischen komplett isoliert und wurde als Corona-Haus umfunktioniert.
  • Entscheidend sei aus seiner Sicht: a) die Zahl der stationär Behandlungsbedürftigen und b) die Zahl derer, die beatmet werden müssen.
  • Die Klinik hat 38 Beatmungsbetten, von denen Anfang April 6 belegt waren.
  • Die beatmeten Patienten sind zwar dank der Beatmung alle stabil, aber ihr Zustand verbessert sich auch nicht. Das heißt, sie müssen sehr lange, womöglich mindestens drei Wochen und länger beatmet werden.
  • COVID-19 sei signifikant anders als eine Influenza, dergestalt die COVID-19-Patienten fast alle beatmet werden müssen.
  • Dabei müsse mit sehr hohen Drücken gearbeitet werden, um den Sauerstoff in die Lungen der Patienten zu bekommen, viel höhere Drücke als sonst bei Beatmungen. Das Problem dabei sei, dass der Druck irgendwann zu groß werde für die Lunge und sie diesen nicht mehr aushält. Dann sei dem Patient therapeutisch kaum noch zu helfen, die Ärzte machtlos.
  • Alle Mitarbeiter tragen seit Ende März einen Mundschutz, abgestuft je nachdem, wie nah sie am Patienten dran sind. Der Mundschutz habe drei Vorzüge: a) Jeder Mundschutz verringert signifikant ausgestoßene Aerosole (Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in der ausgeatmeten Luft), das heißt, die Mitmenschen werden geschont, b) wenn man angeniest wird, werden zumindest gröbste Verschmutzungen abgefangen (Selbstschutz), c) man fasst sich dadurch weniger ins Gesicht (Verhinderung von Keimverschleppung).

 Zweites Statement

  • Inzwischen ist der dritte Patient verstorben.
  • In den Kommentaren würde immer wieder bestimmte Verschwörungsgeschichten geschrieben: 1. man soll die alten Leuten doch einfach sterben lassen, 2. die hätten sowieso alle Vorerkrankungen, 3. die Ausländer hätten alles reingeschleppt und 4. Frau Merkel würde dreimal getestet und sie selbst gar nicht.
  • Dazu sagt Marcel Koch: 1. Es liege nicht an irgendwelchen Leuten im Internet zu entscheiden, wer sterben soll und wer nicht. 2. Wie viele Vorerkrankungen jemand hat, ist völlig irrelevant. Jeder, der gerettet werden kann, wird – genau wie bei einem Autounfall – wenn möglich gerettet. 3. Die ersten zehn Corona-Patienten waren alle zehn heimische Leute aus dem Erzgebirge. Das Virus ist längst in Deutschland, dazu brauche es keine Migranten, die es einschleppen. Es ist lange schon da. 4. Auch in HKA werde dreimal getestet, sofern jemand sich in der Phase befindet, in welcher der Test sinnvoll ist, nämlich dann, wenn das Virus im Rachen ist und noch nicht in die Lunge nach unten gewandert ist.

Die Statements in Bild und Ton

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