Trump prahlt, er hätte einen „kognitiven Test“ bestanden, dabei war es ein Demenztest

Von Jürgen Fritz, Sa. 25. Jul 2020, Titelbild: Fox News-Screenshot

Ist der amtierende US-Präsident Donald Trump wirklich so oder spielt er nur den Trottel? Man weiß es nicht. Aber die Dinge, die man von ihm zu hören bekommt, werden immer abstruser. Er sei mental voll da, erzählte er jüngst in einem Interview bei Fox News. Dies habe er auch in einem „kognitiven Test“ bewiesen, den er mit Bravour bestanden habe, dass sogar die Ärzte sich wunderten, was er sich alles merken könne. Fünf Wörter habe er sich zum Beispiel minutenlang in der richtigen Reihenfolge behalten können: „Person, Frau, Mann, Kamera, TV“. Dabei handelt es sich, wie inzwischen bekannt wurde, nicht um einen IQ-Test, den Trump bestand, sondern um einen Demenztest.

Chris Wallace tischt Trump bittere Zahlen auf

Am letzten Sonntag war Donald Trump zu Gast bei Fox News. Fox News ist der meist gesehene Nachrichtenkanal der USA. Von Beobachtern wird er anders als ABC, CBS, NBC gemeinhin dem konservativen und der republikanischen Partei, auch Donald Trump nahe stehenden Spektrum zugeordnet und gilt Kritikern nicht selten als Medium der „Alternativen Fakten“. Trump befand sich bei dem ca. 40-minütigen Interview also nicht auf „feindlichem Terrain“, eher im Gegenteil. Manche sagten sogar lange, Fox News sei Trumps Haussender.

Gleichwohl konfrontierte der Moderator Chris Wallace Trump mit einigen ganz aktuellen Umfrageergebnissen, bei denen Trump gar nicht gut aussah. Demnach sagten bundesweit 49 Prozent, dass sie, wenn jetzt Präsidentschaftswahlen wären, Joe Biden wählen würden, und nur noch 41 Prozent würden für Trump stimmen:

Trump liegt also bundesweit bereits 8 Punkte hinter Biden zurück (in anderen Umfragen teilweise sogar noch mehr). Doch es sollte noch schlimmer kommen. Denn in der Frage, wem die US-Bürger eher zutrauen würden, die Coronakrise besser zu handeln, sagten 51 Prozent Joe Biden, aber nur 34 Prozent, also nur noch jeder Dritte, Donald Trump.

Noch extremer war die Einschätzung der Wähler bei Rassenfragen. Hier sprachen sich sogar 52 Prozent für Biden, den Herausforderer, aus und nur ganze 31 Prozent für den Amtsinhaber Trump. Und sogar beim Thema Wirtschaft, eigentlich die Domäne von Trump, sehen die Bürger inzwischen Biden vorne. 44 Prozent eher ihm zu, eine gute Wirtschaftspolitik hinzubekommen als Trump (43 Prozent):

Wie schätzen die US-Bürger die mentale Fitness von Trump ein?

Das war harter Tobak für Trump, noch dazu bei seinem eigenen (ehemaligen) Haussender. Das seien alles Fakes, war die übliche Reaktion des Präsidenten, der im Ausblenden von Fakten, die ihm nicht passen, es locker mit jedem anderen aufzunehmen vermag. Die Fox Polls würden überhaupt nichts taugen, er hätte ganz andere Umfragen vorliegen.

Dann begann Trump, wie er das so oft macht, seinen Kontrahenten Joe Biden schlecht zu reden und zu verhöhnen, aber dann ging Chris Wallace direkt dazwischen und fragte Trump ganz direkt, ob er Biden für senil halte. Das verneinte Trump zwar, redete seinen Kontrahenten aber weiter systematisch schlecht, nach dem Motto, dieser sei dem Amt mental nicht gewachsen.

Daraufhin legte ihm Chris Wallace eine weiteres Ergebnis der Befragung der US-Bürger vor, welcher Kandidat die geistige Gesundheit, Fitness oder Solidität habe, um das Amt des Präsident effektiv auszufüllen. Und auch hier waren die Zahlen für Trump katastophal. Während bei Biden 47 Prozent der Bürger sagten, er habe die mentale Fitness und 39 Prozent das verneinten, war es bei Trump genau umgekehrt. Hier meinten 8 Prozent mehr, nämlich 51, dass er diese mentale Fitness nicht besitze und nur 43 Prozent trauten ihm diese zu:

Trump und sein „kognitiver Test“

Daraufhin meinte Trump nun, man solle doch einen Test machen mit ihm und seinem Herausforderer. Er selbst habe sich einem kognitiven Test unterzogen, Biden solle doch den gleichen Test machen, dann werde man schon sehen, wer geistig fitter sei. Joe Biden ist bereits 77 Jahre alt, wird im November 78 und Trump ist schon über 74.

Und wieder ging Chris Wallace, der offensichtlich genau wusste, auf welchen Test sich Trump da bezog, dazwischen. Er habe sich diesen Test angesehen und selbst auch gemacht, der sei nicht sehr schwer. Man müsse zum Beispiel eine Schlange, einen Elefanten und ein Krokodil erkennen und benennen (oder eine Linie von 1 nach A nach 2 nach B nach 3 usw. verbinden).

Nur die ersten Fragen seien so leicht, meinte Trump daraufhin, die letzten fünf Fragen seien aber so schwer, dass er, Chris Wallace, keine davon beantworten könne. Wieder ging dieser dazwischen und verdeutlichte, um was für ein Niveau es sich bei diesen Fragen handelte. Eine Aufgabe ist: Subtrahiere 7 von 70, dann vom Ergebnis wieder 7 usw. das fünfmal, also: 70 – 63 – 56 – 49 – 42 – 35.

Darauf wiederholte Trump immer wieder, er, Wallace könne viele Frage mit Sicherheit nicht beantworten und er könne „garantieren, Joe Biden könne solche Fragen nicht beantworten“. Er selbst aber habe alle 35 Fragen korrekt beantwortet.

Wow! Der US-Präsident kann einen Elefanten von einem Krokodil unterscheiden

Inzwischen lacht halb Amerika über seinen Präsidenten und macht sich über ihn lustig, wie er über sich selbst prahlt, was für schwierige Tests er so glänzend bestehe, die Joe Biden nie schaffen würde. Ein anderer Sender legte den Text, den Trump machte, einem älteren Herren im gleichen Alter von Trump vor und ließ ihn den Test machen, fragte ihn dann, wie er die Fragen empfunden haben. Der Test sei wirklich sehr einfach, meinte der ältere Herr.

Eine andere Journalisten erzählte in die Kamera, sie habe ihren achtjährigen Sohn den Test machen lassen. Er hätte ihn ohne Schwierigkeiten absolviert, woraufhin ein Arzt ihr sagte, dass er daran keinerlei Zweifel habe, dass ihr Sohn das geschafft habe, das sei nämlich ein Test, den man für gewöhnlich heranziehe, um zu prüfen, ob Menschen an Alzheimer oder anderen Formen der Demenz leiden. Eine Aufgabe des Montreal Cognitive Assessment lautet zum Beispiel: „Zeichne eine Uhr. Trage alle Zahlen ein und stelle die Zeit auf 10 nach 11 ein.“

Trump selbst ließ das Thema aber keine Ruhe. Am Mittwoch griff er das Thema in einem Interview mit Marc K. Siegel, ebenfalls für Fox News, wieder auf. Marc K. Siegel ist Professor für Medizin an der New York University, er musste sich das Lachen sichtlich verkneifen. Siegel interviewte Trump im Garten des Weißen Hauses. Wieder versuchte Trump, mit seinem überragenden Gedächtnis zu prahlen, womit er seine geistige Gesundheit und seinen Scharfsinn unter Beweis zu stellen versuchte. Doch der Versuch scheiterte kläglich. Weltweit machten sich inzwischen die Menschen über Trump lustig, dass er einen Elefanten von einem Krokodil unterscheiden könne.

„Person, Frau, Mann, Kamera, TV“

„Person, Frau, Mann, Kamera, TV“, sagte Trump immer wieder in die Kamera. Diese fünf Wörter habe er sich in einem „kognitiven Test“ alle fünf über Minuten hinweg merken müssen und er habe den Test „mit Bravour bestanden“. Dies beweise, dass er die „geistige Fitness“ habe, um die USA zu führen, sagte Trump in einem Interview mit dem Sender Fox News. Seinen Herausforderer Joe Biden von den Demokraten forderte er auf, einen ähnlichen Test zu machen.

„Person, Frau, Mann, Kamera, TV„, diese Wörter wiederholt Trump immer wieder. Die Fragesteller hätten ihn nach seiner Antwort mit den richtigen fünf Wörtern gelobt. Das sei erstaunlich, wie er sich das nur über Minuten hinweg merken konnte. Wie er das nur gemacht habe, zitiert Trump und fügt an, er sei eben „kognitiv einfach da“, um dann sogleich wieder über Joe Biden herzuziehen, den er immer wieder als alt und senil darzustellen versucht.

Inzwischen gibt es sogar schon eine Song zu Trumps überragenden mentalen Fähigkeiten:

P.S.

Um es deutlich zu sagen: Dass so eine Person Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden konnte, spottet dem gesamten Land Hohn. Dies war aber nur möglich, weil die Neuen Linken in ihrem Wahn offensichtlich 46 Prozent der US-Wähler soweit getrieben hatten, dass sie in ihrer Verzweiflung keinen anderen Ausweg mehr sahen, als diesen Mann zu wählen. Trump fiel als Präsident nicht vom Himmel, er ist eine Reaktion auf das, was all die Jahre davor passierte.

Und eines sollte man sich bewusst machen: Selbst wenn es mental oder kognitiv mit diesem Mann nicht so bestellt sein sollte, wie man sich das von einem Präsidenten eines 330 Millionen Volkes vorstellen würde, unterschätzen darf man Trump nicht. Selbst wenn er wirklich alles andere als intelligent sein sollte – das Thema Moral wollen wir bei ihm gar nicht erst erwähnen -, es gibt gerade bei skrupellosen Machtmenschen so etwas wie Bauenerschläue und taktisches Geschick. Ungefährlich ist dieser Mann ganz sicher nicht.

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