Warum die freie Gesellschaft langfristig wohl scheitern wird

(Jürgen Fritz, 20.05.2019) Wenn meine Analyse stimmt, dass wir uns in einem gigantischen Weltanschauungs- und Kulturkrieg befinden zwischen 1. Liberalismus, 2. Sozialismus und 3. Ultra-Konservatismus in Form des Islam, so stellt sich die Frage, warum der Liberalismus so schwach ist, wo er doch ohne Zweifel den mit Abstand höchsten Lebensstandard und die am besten funktionierenden Gesellschaften erzeugt überall, wo er umgesetzt wird. Ich meine, die Schwäche des Liberalismus, warum er bei so wenig Menschen in ihrem Herzen verfängt, man schaue sich nur die Wahlergebnisse der FDP über 70 Jahre an, ist eine strukturelle. Denn er hat gegenüber den beiden anderen großen Weltanschauungssystemen, die sich bei uns in a) CDU/CSU sowie b) SPD und Linkspartei niederschlagen, einen entscheidenden, essenziellen Nachteil.

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Körper und Geist (Seele) oder: Vom Substanz- zum Eigenschaftsdualismus

(Jürgen Fritz, 16.05.2019) Viele Menschen meinen, dass es nicht nur zwei völlig unterschiedliche Klassen von Eigenschaften gäbe, nämliche physische und mentale (seelische), sondern dass es neben unserem Körper noch eine zweite immaterielle Substanz gäbe, welche fühlt, denkt und entscheidet und welche Träger aller mentalen Eigenschaften sei. Diese zweite Substanz nennen sie meist Seele und sehen diese als etwas völlig Eigenständiges. Diese Vorstellung von einem zweiten Ding, das den Menschen quasi zerteilt, nennt man Substanzdualismus und sie geht sehr weit zurück. Wir finden sie schon bei Platon, dann natürlich im von ihm stark beeinflussten Christentum, aber auch noch beim Vater der neuzeitlichen Philosophie René Descartes. Doch inwiefern ist diese Beschreibung der Natur des Menschen schlüssig und überzeugend? Sind wir wirklich zwei?

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Die Geburtsstunde des bedingungslosen Grundeinkommens

(Jürgen Fritz, 14.05.2019) Es war einmal vor vielen zigtausend Jahren eine altsteinzeitliche Horde von über 50, vielleicht waren es sogar fast 100 frühe Menschen. Einige von diesen gingen regelmäßig Beeren und dergleichen sammeln, andere gingen auf die Jagd, wieder andere kümmerten sich um die Kinder, die Zubereitung des Essens, die Herstellung von Kleidung aus Tierfellen usw. Wenn einmal sehr wenig Beeren gefunden wurden oder kaum Wild erlegt werden konnte, litten natürlich alle darunter. Und je mehr gute Jäger es in der Gruppe gab, desto besser ging es der ganzen Horde, wobei die besten Jäger sehr egoistisch waren und für sich etwas mehr beanspruchten als sie den anderen abgaben. Doch dann geschah eines Tages etwas, was es nie zuvor gegeben hatte in der Menschheitsgeschichte.

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So weit entfernt und irgendwie doch nah: Solipsist und Realist

(Jürgen Fritz, 12.05.2019) „Die verhängnisvolle Neigung der Menschen, über etwas, was nicht mehr zweifelhaft ist, nicht länger nachzudenken, ist die Ursache der Hälfte aller Irrtümer.“ (John Stuart Mill) „Durch Zweifeln kommen wir nämlich zur Untersuchung; in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit.“ (Petrus Abaelardus) „Denn der radikalste Zweifel ist der Vater der Erkenntnis.“ (Max Weber) „Erst zweifeln, dann untersuchen, dann entdecken.“ (Henry Thomas Buckle) Denn ansonsten besteht folgende Gefahr: „Zur Abwehr der Zweifel wird die bewusste Einstellung fanatisch, denn Fanatismus ist nichts anderes als überkompensierter Zweifel.“ (Carl Gustav Jung) Ergo:“Zweifle nicht an dem, der dir sagt er hat Angst, aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keinen Zweifel.“ (Erich Fried)

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Falscher Umkehrschluss

(Jürgen Fritz, 09.05.2019) Menschen sind argumentierende Wesen. Das heißt, sie bringen Argumente vor, um etwas zu begründen oder jemanden zu überzeugen, sei es einen anderen oder auch sich selbst. Manchmal bringen sie auch mehrere solche Argumente vor, die sich aufeinander beziehen, dann sprechen wir von einer Argumentation. Ein Argument besteht dabei aus mehreren Aussagesätzen, von denen einer, die Konklusion oder das zu Begründende, sich logisch zwingend aus den anderen Sätzen, den Prämissen oder Gründen, ergibt. Wer die Gründe als wahr akzeptiert, der muss auch das zu Begründende als richtig einräumen. Doch beim Nachdenken können uns wie überall natürlich Fehler unterlaufen. Es kommt dann zu Fehlschlüssen oder Denkfehlern. Ein ganz typischer solcher ist der falsche Umkehrschluss.

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Was bedeutet „sein“ und gibt es solche, die, ohne zu lügen, doch Lügner sind?

(Jürgen Fritz, 01.05.2019) „Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage: Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern Des wütenden Geschicks erdulden oder, Sich waffnend gegen eine See von Plagen, Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –“ Diese Zeilen aus „Hamlet“ sind weltberühmt, doch was bedeutet überhaupt „sein“ und kann man, zum Beispiel durch manipulativen Gebrauch der Existenzpräsupposition, ohne, dass man direkt die Unwahrheit sagt, doch ein Lügner sein?

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Metaphysik (Ontologie): Unsere tiefsten Glaubenssätze

(Jürgen Fritz, 26.04.2019) Vor einigen Monaten fragte ich die JFB-Leser, was denn ihr persönlich tiefster Glaubenssatz wäre. Beim Lesen der Antworten hatte ich den Eindruck, dass die meisten diese Frage nicht wahrheitsgemäß beantworteten. Nicht weil sie vorsätzlich die Unwahrheit sagen wollten, sondern weil ihnen ihre eigenen innersten Überzeugungen gar nicht bewusst waren.

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Fehlvorstellungen sind keine „subjektive Wahrheiten“, sondern Fehlvorstellungen

(Jürgen Fritz, 25.04.2019) Phantasie ist ohne jeden Zweifel eine der schönsten Gaben überhaupt, mit welcher der Mensch wie kein anderes bekanntes Wesen gesegnet ist. Seit Jahrtausenden erfinden die Menschen Geschichten, dabei gibt es jedoch Unterschiede. 1. Der Schriftsteller weiß, a) dass seine Geschichten erfunden sind und will b) andere auch nicht Glauben machen, sie wären es nicht. 2. Der Hochstapler weiß a) auch, dass seine Geschichten erfunden, also nicht real sind, will aber b) andere Glauben machen, sie wären wahr. 3. Der verblendete Fanatiker dagegen hält a) seine Geschichten selbst für wahr und kann dann b) in anderen besonders gut Fehlvorstellungen erzeugen, weil sie seine innere Überzeugung spüren.

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Die fehlerhafte Kopplung von Gott und gut

(Jürgen Fritz, 19.04.2019) Der Grundfehler der monotheistischen Göttergläubigen war und ist der, das Gute an ihren jeweiligen Gott zu koppeln, quasi die Fortführung der frühkindlichen Moralvorstellung, gut sei, was der Papa sagt und tut, nicht weil er das Gute eher zu erkennen vermag – dann gäbe es ja einen Begriff von gut jenseits des Vaters, auf den er dann blicken könnte, einen solchen Begriff von gut hat das Kleinkind aber gerade noch nicht -, sondern einfach weil es der Papa sagt, der mithin als die Quelle von Moralität fehlinterpretiert wird (Stufe 1 von 6 der Moralentwicklung nach Kohlberg).

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Welcher Gott ist stärker?

(Jürgen Fritz, 14.04.2019) Fußballweltmeisterschaft. Endspiel. 89 Minuten sind vorüber. Es steht noch immer 0:0. Das Match ist hochklassig. Taktisch sind beide Mannschaften exzellent eingestellt. Vor allem in der Defensive und in der Laufarbeit liefern sie jeweils eine Meisterleistung ab. Auch technisch alles vom Feinsten. Das Einzige, was fehlt, ist das längst überfällige Tor, denn trotz der jeweils überragenden Defensivarbeit gab es doch einige sehr schön herausgespielte Torchancen, wenngleich noch keine zwingende. Jetzt aber in der 90. Minute schafft es die Mannschaft A, der Gastgeber der WM, sich in einem Konter durchzuspielen. Der Mittelstürmer von A läuft alleine auf den Torwart von B zu. Niemand ist mehr zwischen ihnen. Keiner kann den Stürmer von hinten mehr einholen.

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Komm zu uns, unterwirf dich nur einmal, dann gehörst du dazu und kannst anschließend andere unterwerfen!

(Jürgen Fritz, 10.04.2019) Stellen Sie sich vor, Sie wären weder der Hellste noch der Fleißigste, kämen aus einem Elternhaus, das Ihnen irgendwie wenig Orientierung geben konnte. In der Schule waren Sie nicht sonderlich gut oder gar ziemlich schlecht. Eine Berufsausbildung haben Sie keine, wissen auch nicht so richtig, was Sie mit Ihrem Leben anfangen sollen. Vielleicht sind Sie auch nicht der oder die Attraktivste, man prügelt sich nicht gerade um Sie und Sie gehören irgendwie nirgends so richtig dazu, sind zumindest für niemanden eminent wichtig und haben kein emotionales Zuhause. Von keiner Seite bekommen Sie besonders viel Anerkennung. Dann kommen welche und machen Ihnen ein enorm verlockendes Angebot.

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Die vier Sorten von Menschen: Erbauer, Bewahrer, Verluderer und Zerstörer

(Jürgen Fritz, 09.04.2019) In dieser Welt gebe es nur zwei Sorten Menschen, intelligente Menschen ohne Religion und religiöse Menschen ohne Intelligenz, meinte der arabische Dichter und Philosoph Abu’l-Ala-Al-Ma’arri (973 – 1057). Nun bin ich ja bekanntlich ein durchaus scharfer Kritiker all der religiösen Illusionen und Verblendungen, gleichwohl muss ich hier Abu’l-Ala-Al-Ma’arri widersprechen. Ganz so einfach sind die Zuordnungen und die Dinge nicht. Entscheidend ist letztlich etwas anderes und es gibt nicht nur zwei, sondern vier Sorten von Menschen.

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Was ist das Gute?

(Jürgen Fritz, 05.04.2019) Angenommen du hast ein Kind und möchtest es vor der Wirklichkeit der Welt schützen, da du befürchtest, dass es diese, zumal es ein sehr sensibles Kind ist, nicht aushalten, dass es an ihr zerbrechen könnte. Also erzählst du ihm von Anfang an Lügen. Nicht aus böser Absicht, sondern um deinen kleinen Schatz, der dir so sehr am Herzen liegt, ja welchen du mehr liebst als dein eigenes Leben, zu schonen, um ihn zu beschützen vor dieser schrecklichen, ja manchmal geradezu grausamen und ungerechten Welt.

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Wird ein wahrer Satz erst durch seinen Beweis wahr?

(Jürgen Fritz, 31.03.2019) „Nicht darum nämlich, weil unsere Meinung, du seiest weiß, wahr ist, bist du weiß, sondern darum, weil du weiß bist, sagen wir die Wahrheit, indem wir dies behaupten“, analysierte Aristoteles messerscharf. In diesem einen Satz stecken viele Erkenntnisse, zum Beispiel eine über den Ort der Wahrheit, wo diese überhaupt zu finden ist: a) in unseren Meinungen über das Sein, die wahr oder falsch sein können, und b) in unseren Behauptungen über das Sein, für die das Gleiche gilt. Ein wahrer Satz beschreibt die Wirklichkeit richtig, hat also – eine Einsicht, die in einigen modernen Wahrheitstheorien verlustig gegangen ist und das mit schwerwiegendsten Folgen – einen Bezug zur Realität. Doch welcher Art ist die Beziehung zwischen Wahrheit und Beweis dieser? Wird ein wahrer Satz erst durch seinen Beweis wahr?

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Warum die geistig offene Gesellschaft sich nach außen schützen muss

(Jürgen Fritz, 22.03.2019) Kennen Sie das: jemand hat etwas für sich innerlich als gut oder schlecht bewertet und möchte nun überhaupt nichts sehen oder hören, was sein einmal gefasstes Urteil in Frage stellen könnte? Gegen jedes andere Urteil, gegen alle Fakten und Argumente kapselt er sich regelrecht ab und würde am liebsten allen, die seine Sicht in Frage stellen, den Mund verbieten, um selbst nicht hören zu müssen. Wo rührt dieses Muster her, was liegt ihm im Innersten zu Grunde und inwiefern ist dies eine riesige Gefahr für die geistig offene Gesellschaft?

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