Die vier Formen des moralischen Universalismus

(Jürgen Fritz, 30.06.2020) Neue Rechte attackieren gerne die ethische Position des moralischen Universalismus. Vertreten wird vielfach ein moralischer Partikularismus und Relativismus. Von den Neuen Linken übrigens ebenso. Diese widersprechen sich sogar selbst, propagieren einerseits die universalen Menschenrechte und zugleich einen Kulturrelativismus, was dem Menschenrechtsuniversalismus gerade widerspricht, der Kulturen, die die universalen Menschenrechte negieren, ja gerade nicht als gleichwertig apostrophieren kann, ohne sich gleichsam selbst zu negieren. Der Menschenrechtsuniversalismus ist ein Resultat des moralischen Universalismus, welcher wiederum in vier Formen auftritt. Doch wie hängen diese zusammen?

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Manifest der Initiative Humanismus: für Menschen gegen Dogmen

(Initiative Humanismus, 26.06.2020) „Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde“, schrieb Michael Schmidt-Salomon 2005 in seinem Manifest des evolutionären Humanismus im Auftrag der Giordano-Bruno-Stiftung. Der rationale Glaube an die Wissenschaft dürfe nicht mit Wissenschaftsgläubigkeit verwechselt werden und jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit müsse eine Leitkultur „Humanismus und Aufklärung“ entwickelt werden, so Schmidt-Salomon. Eine weiteres Manifest wurde von der Gruppe Initiative Humanismus verfasst. Dieses soll hier vorgestellt werden.

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Der Mensch: das Wesen, das handeln kann

(Jürgen Fritz, 25.06.2020) Aufgabe der Wissenschaften ist es, a) die Welt korrekt zu beschreiben und diese Deskriptionen zu systematisieren sowie b) Zustände und Ereignisse zu erklären, mithin Verbindungen zwischen den einzelnen Dingen herzustellen, kausale und sonstige Gesetzmäßigkeiten und Regularitäten zu erkennen, was uns wiederum hilft, uns in der Welt besser zurecht zu finden, je besser wir sie verstehen. Nun sind Menschen Wesen, die handeln können, die über mentale Repräsentationen verfügen und repräsentationale Zeichen produzieren, die also die Welt oder Teile von dieser in sich irgendwie abbilden, genauer: repräsentieren. Um Handlungen von Menschen zu erklären, gibt es drei Ansätze, doch nur einer davon erschließt das daran Spezifische.

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Bildung bedeutet dreifache Unterwerfung: unter die Realität, die Logik und die Ethik

(Jürgen Fritz, 23.06.2020) Unsere Schulen haben einen in den Landesverfassungen verankerten Erziehungs- und Bildungsauftrag. Damit ist festgelegt, was am Ende der Schulzeit herauskommen soll: gebildete Menschen. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht nur ein Unterhaltungsprogramm anbieten, sondern hat darüber hinaus einen Bildungsauftrag. Deswegen dürfen Rundfunkgebühren erhoben werden. Zu diesen Bildungsaufgaben zählt neben der Wissens- und Kulturvermittlung das Verständnis für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge sowie religiöse und politische Bildung. Doch was bedeutet überhaupt Bildung? Wann kann ein Mensch als ein gebildeter solcher angesehen werden? Worauf kommt es an?

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Nach Überwindung der sakrifiziellen Gewalt ist es Zeit, auch die religiöse Gewalt hinter uns zu lassen

(Jürgen Fritz, 20.06.2020) In Teil eins der dreiteiligen Reihe Monotheismus und die Sprache der Gewalt ging es um die monotheistische Revolution, welche eine neue Unterscheidung in die Welt brachte, die zwischen Rechtgläubigen, die dem wahren Gott dienen, und den „Götzendienern“. In Teil zwei zeigte Jan Assmann wie dadurch zu den bestehenden vier Formen der Gewalt eine völlig neue fünfte in die Welt kam: die religiöse Gewalt, die erstmals Menschen gegen Menschen aufbrachte im Namen des gekränkten, eifersüchtigen Gottes. In Teil drei erläutert der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, dass die Idee des eifersüchtigen Gottes nicht im Raum des Religiösen, sondern des Politischen wurzelt: Gott tritt an die Stelle des Pharaos. Nach der sakrifiziellen sollten wir nun auch die religiöse Gewalt hinter uns lassen.

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Religiöse Gewalt im Namen des eifersüchtigen Gottes

(Jürgen Fritz, 20.06.2020) In Teil eins der dreiteiligen Reihe zum Thema Monotheismus und die Sprache der Gewalt ging es darum, wie mit der monotheistischen Revolution eine völlig neue Pseudospeziation in die Welt kam, welche die Menschheit trennte in Rechtgläubige und Ketzer, Heiden bzw. Ungläubige, eine Unterscheidung, welche fortan zum wichtigsten Generator von Fremdheit und Feindschaft wurde. In Teil zwei erläutert Prof. Jan Assmann, dass mit dem Monotheismus zu den vier bestehenden Formen der Gewalt eine völlig neue fünfte hinzu kam: die religiöse Gewalt, welche erstmals im Namen des eifersüchtigen Gottes Menschen gegen Menschen aufbrachte.

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Philosophie versus Religion: Vom Mythos zum Logos

(Jürgen Fritz, 19.06.2020) Wenn man vom Anfang der Philosophie – und damit auch dem wissenschaftlichen Denken – spricht, stellt sich natürlich die Frage nach dem Vorher. Auch die Menschen vor dieser Zäsur, vor dieser Wendezeit des menschlichen Geistes hatten das Bedürfnis nach Sicherheit und einer Ausrichtung in der Welt. Was gab ihnen Halt und Orientierung? Es war dies der Mythos.

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Worin die methodologische Autonomie der Geisteswissenschaften gründet

(Jürgen Fritz, 17.06.2020) Die Naturwissenschaften erforschen, wie der Name schon sagt, die Natur, also das Reich der Naturgesetze. Sie erklären einzelne Ereignisse anhand der entdeckten Gesetze und diese wiederum aus anderen, noch grundlegenderen Gesetzmäßigkeiten, aus denen sie die spezielleren logisch deduzieren. Was aber machen die Geisteswissenschaften, zum Beispiel die Sprach- und Literaturwissenschaften, die Geschichts- und Religionswissenschaften, die Kunstgeschichte und die Musikwissenschaft? Worin gründet ihre methodologische Autonomie?

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An Xavier Naidoo und Andreas Gabalier

(Jürgen Fritz, 26.05.2020) Lieber Xavier Naidoo und Andreas Gabalier, Sie haben neulich ein Lied zusammen gesungen „A Meinung ham, dahinter stehn“. Ein sehr schönes Lied übrigens. In dem Song stellen Sie beide es so dar, als sei das schon eine Tugend, überhaupt irgendeine Meinung zu haben und zu dieser zu stehen. Doch Sie übersehen dabei etwas Entscheidendes.

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Angst hält uns vor dem Gefährlichen fern, ist daher essentiell für unser Überleben

(Jürgen Fritz, 22.05.2020) Die Coronakrise hat sehr viel mit Gefühlen, genauer: mit der Emotion der Angst oder Furcht zu tun. Und Gefühle, ganz besonders Emotionen als spezielle Gefühle, die auf etwas in der Welt gerichtet sind, die mithin eine intentionale Struktur aufweisen und uns mit der Außenwelt in Verbindung setzen, uns die Welt überhaupt erste erschließen lassen, sind ein wichtiges Thema auch der Philosophie, da ohne ihr Verständnis kein Verständnis des Menschen möglich ist, der eben kein reines Vernunftwesen ist.

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Die Flucht vor der Angst vor der Angst

(Jürgen Fritz, 13.05.2020) Wenn die Corona-Verharmloser ihren Gegenpart gerne als „Angsthasen“ bezeichnen oder gar von „Panikmache“ sprechen, so entbehrt dies nicht einer gewissen Ironie, denn was bei den meisten Verharmlosern noch viel mehr dahinter stecken dürfte als mangelnde Phantasie und gewisse intellektuelle wie Bildungsdefizite ist etwas anders, Dominanteres, nämlich …

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Angst und Vernunft: Die Kunst, sich richtig zu ängstigen

(Jürgen Fritz, 09.05.2020) Angst sei ein schlechter Ratgeber, meinen einige Törichte. In Wahrheit ist sie natürlich einer der besten Ratgeber, die es überhaupt gibt. Unter einer Bedingung: dass sie nicht von der Ratio, der Vernunft abgekoppelt ist. Dann aber gilt: „Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper“ (Maxim Gorki).

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Das Versagen der Denker und Literaten in Corona-Zeiten

(Thomas Schmid, 05.05.2020) Eine der klügsten und zugleich bescheidensten Bemerkungen über das Damoklesschwert namens Corona stammt von einem Mann, der sich selbst zur „Hochrisiko-Gruppe“ rechnen muss. Auf die Frage, wie er die Krise erlebe, antwortete der Philosoph Jürgen Habermas, der nächsten Monat 91 Jahre alt wird, auf sokratische Weise: „Eines kann man sagen: So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Unsicherheit handeln und leben zu müssen, gab es noch nie.“ Wie kaum ein anderer in den unterschiedlichsten Wissenschaften belesen, bekennt sich der Philosoph dazu, das zu sein, was wir alle sind: Unwissende. Thomas Schmid über defensive Tugenden und was wir heute, aber auch in Zukunft brauchen.

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Weisheit und Charakter (ethische Kompetenz) bedeuten: dreifache Unterwerfung

(Jürgen Fritz, 29.04.2020) Worin besteht Weisheit und das, was man gemeinhin Charakter nennt oder wie Aristoteles es bezeichnete: ethische Tugenden neben den Verstandestugenden? Weisheit und Charakter (Moralität, Sittlichkeit) bestehen letztlich in nichts Geringerem als in einer dreifachen Unterwerfung. Unterwerfung nicht gegenüber der Gewalt, nicht gegenüber der Macht, nicht gegenüber der Unterdrückung, nein, Unterwerfung gegenüber drei anderen Instanzen.

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