Zur Neujahrspredigt von Papst Franziskus eine Anmerkung

Von Jürgen Fritz, So. 02. Jan 2022, Titelbild: euronews-Screenshot

In seiner Neujahrspredigt beklagte Papst Franziskus, wie viel Gewalt gegen Frauen es gebe. Damit müsse Schluss sein. Eine Frau zu verletzen, bedeute, „Gott zu beleidigen, der von einer Frau seine Menschengestalt angenommen hat“. Zu dieser Begründung eine Anmerkung.

Die Frau hat also keine eigenständige Dignität

Aha! Gäbe es also nicht diese Geschichte, auf die Franziskus hier rekurriert, dass eine Frau diesem Gott seine Menschengestalt verliehen hätte, dann wäre Gewalt gegen Frauen nicht so schlimm, weil dann diese (imaginierte) Figur nicht „beleidigt“ wäre. Die Frau hat also keine eigenständige Dignität, einfach weil sie ein fühlendes, denkendes, urteils- und selbstbestimmungsfähiges Wesen ist, sondern sie hat nur eine abgeleitete Würde, weil sie in dieser Geschichte diesem Gott die Menschengestalt verliehen hat. Hätte der Gott der Christen auf andere Weise Menschengestalt angenommen, dann entfiele mithin diese Dignität.

Der eigentliche Bezugspunkt ist nicht die Frau, sondern eine (imaginierte, metaphysisch spekulative) Gestalt

Und der eigentliche Bezugspunkt ist nicht die Frau selbst, der Gewalt angetan wird, womit ihre Menschenrechte verletzt werden, sondern der eigentliche Bezugspunkt ist diese (imaginierte) Gestalt. Würde dieser Gestalt Gewalt gegen Frauen nichts ausmachen – und viele Berichte aus „heiligen Schriften“ deuten darauf hin, dass diese Figur da lange wenig kleinlich war, was Frauen anbelangt -, dann wäre Gewalt gegen dieses Geschlecht also gar nichts Verwerfliches.

Welch Kläglichkeit im Denken und Begründen

Für manche seiner Anhänger muss der Papst wohl so reden, weil sie es in ihrer limitierten Weltanschauung sonst nicht richtig fassen können. Sie müssen wohl alles auf diesen einen Punkt zurückführen, sonst kann es für sie keinen Wert darstellen. Das würde aber freilich bedeuten, dass ohne diese Figur nichts mehr von Wert wäre.

Insofern muss Franziskus also für manche seiner Schäflein alles aus diesem Konstrukt, alles aus diesem Narrativ heraus und innerhalb von diesem begründen. Womöglich leistet er damit sogar einen wichtigen Beitrag, um die Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, weil manche Menschen anders als über den Narrativ, in dem sie voll und ganz leben und den zu reflektieren ihnen kaum möglich ist, nicht erreicht werden können. Für einen intelligenten, sensiblen Menschen, der seine Dignität nicht an solchen Geschichten festmacht, ist dieses Maß der Kläglichkeit im Begründen und Denken aber schon fast schmerzhaft.

P.S.: „Die Frau nur als Gottcontainer schützenswert“

Auch andere haben diese Kläglichkeit bemerkt:

Frau nur als Gottcontainer schützenswert

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