Studenten verhalten sich wie kleine Kinder und politische Intriganten

Ein Gastbeitrag von A. R. Göhring

Ulrich Kutschera gilt als einer der renommiertesten Biologen unserer Zeit, der sich nicht scheut, sich mit dem grün-linken Zeitgeist anzulegen. A. R. Göhring sprach mit dem streitbaren Naturwissenschaftler, der kein Blatt vor den Mund nimmt und hierfür mit einer üblen Hetzkampagne überzogen wird.

Vorwort von Jürgen Fritz

Ulrich Kutschera ist einer der renommiertesten Evolutionsbiologen unserer Zeit. Er lehrt an der Universität Kassel und als Visiting Scientist in Stanford, Kalifornien, USA. Kutschera ist Autor zahlreicher wissenschaftliche Lehrbücher, die teilweise zu absoluten Standardwerken avancierten, aber auch Bestsellerautor (Tatsache Evolution: Was Darwin nicht wissen konnte). Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Evolutionsbiologie im Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland, der mit der Richard Dawkins Foundation for Reason & Science zusammenarbeitet. Von 2004 bis 2007 war er Vizepräsident des Verbandes Deutscher Biologen.

Kutschera gilt als sehr streitbarer Wissenschenschaftler, der sich insbesondere aktiv gegen die Ausbreitung des Kreationismus und anderer Pseudowissenschaften einsetzt. A. R. Göhring führte für Philosophia perennis ein Exklusivinterview mit Ulrich Kutschera.

Gendertheorie: destruktive Feministenpropaganda ohne Substanz

A. Göhring: Professor Kutschera, Sie sind der bekannteste Kreationisten-Kritiker und –Entlarver Deutschlands. Seit einigen Jahren wenden Sie sich dem Genderismus zu, also der Theorie, die grundsätzlich besagt, dass das Geschlecht eines Menschen anerzogen sei und dass es sogar wesentlich mehr Geschlechter als zwei gäbe. Was kritisieren Sie an dieser Auffassung?

Ulrich Kutschera: Zunächst sei festgehalten, dass ich seit 2009, als mein Bestseller „Tatsache Evolution – Was Darwin nicht wissen konnte“, in den Buchhandlungen lag, von Bürgern und Journalisten gebeten wurde, mich nicht nur mit dem Kreationismus, kritisch zu befassen, da es etwas viel Wichtigeres gäbe: die Gendertheorie. Ich forderte dann Schriften aus dieser mir damals noch fremden Gender-Szene an und war schockiert. Ein antibiowissenschaftlicher Abgrund tat sich vor mir auf, den ich zunächst ignorierte. Erst 2015, auf dem AAAS*-Meeting in San Jose, Kalifornien, wurde von Fachbiologen beschlossen, den Genderismus wie den christlichen Fundamentalismus aufzugreifen und inhaltlich zu widerlegen (AAAS = American Association for the Advancement of Science, die weltweit größte wissenschaftliche Gesellschaft).

Als Entdecker des Homosex (Eigenkopulation mit Selbstbefruchtung) bei gewissen zwittrigen Ringelwürmern, die wichtige Modellorganismen in der Evolutionsforschung sind, brachte ich dann meine Fachkompetenz ein – in einem Fachbuch. Das Gender-Paradoxon ist meine Generalabrechnung mit diesem pseudowissenschaftlichen Gedankenkonstrukt. Inhaltsleere, destruktive Feministenpropaganda ohne Substanz.

Studenten verhalten sich wie Kleinkinder und politische Intriganten

A. Göhring: Einige Ihrer Wortmeldungen und Interviews zum Thema Gender haben es zu einiger Bekanntheit gebracht und damit die Wut von Gendertheoretikern auf sich gezogen. Vor kurzem haben Sie sich auf der katholischen Internetseite kath.net zum Thema „Ehe für alle“, dass Kanzlerin Merkel vor der Sommerpause noch schnell durch den Bundestag boxte, geäußert. Daraufhin kommentierte sogar der hessische Wissenschaftsminister negativ und der rebellische Studentenausschuss (AStA) in Kassel forderte von der Uni-Leitung rechtliche Konsequenzen.

Ulrich Kutschera: Das Verhalten des Kasseler AStA enttäuscht mich sehr. Kritik an meinen Thesen ist ausdrücklich erwünscht, aber bitte auf sachlicher Ebene. Alle meine kath.net- Aussagen zur „Ehe für alle“ sind durch solide biowissenschaftliche Fakten abgesichert. Ich habe keine Zeile zurückzunehmen. Allerdings wendet sich das Interview an gebildete Bürger, die mit den Inhalten des Gender-Paradoxons vertraut sind. Begriffe wie Gonochoristen, Hermaphroditen, Unterscheidung Sex – Erotik, Chromosomenanomalien usw. werden vorausgesetzt, ebenso wie mein Kapitel zu den biologischen Ursachen der Homoerotik. Bio-naive Leser missverstehen leider einige Passagen, da sie die von mir verwendeten Begriffe nicht kennen, aber diese Bildungslücke ist nicht mir anzulasten, siehe meine zahlreichen Lehr- und Fachbücher.

Statt mich zu einer öffentlichen Diskussion einzuladen, wo der AStA mich dann gerne widerlegen kann, verpetzt man den „Bio-Bösewicht“ bei der Hochschulleitung, nach dem typisch deutschen Motto „Ich sag es aber Deiner Mama“. So verhalten sich Kleinkinder und politische Intriganten, aber keine angehenden Bildungsbürger. Was sollen das mal für Lehrer werden, die zu feige sind, ihren Standpunkt in einer öffentlichen Diskussion darzulegen?

Vorpubertäres Verhalten und überzogenes Anspruchsdenken

A. Göhring: Nicht nur in Europa, sondern seit längerer Zeit wird in den USA beklagt, dass Weltanschauungen wie der Genderismus das Recht auf freie Meinungsäußerung untergraben. Was denken Sie, was müsste sich in an den Universitäten des Westens ändern?

Ulrich Kutschera: Da ich meine wichtigsten biowissenschaftlichen Leistungen, wie auch wesentliche Schritte meiner akademischen Laufbahn, in den USA oder in Kooperation mit US-Kollegen erbracht habe, bin ich ein Anhänger des US-Fairnessprinzips, verbunden mit dem Grundsatz der Eigenverantwortung. Die Unterwanderung der Meinungsfreiheit in Deutschland, wie auch das vorpubertäre Verhalten vieler Studenten, das überzogene Anspruchsdenken an den Vater Staat usw. resultieren aus dem sorgenlosen Vor-sich-hinleben-Können. Als Arme-Leute-Kind musste ich mir im Leben alles erarbeiten, das fehlt heute oft, und dann kommt das dabei heraus, was die zum eigenständigen Denken Fähigen zu Recht reklamieren.

Absurde Vorwürfe: Ich bin weder homophob noch ein Kreationist oder Flache-Erde-Anhänger

A. Göhring: Man wirft Ihnen Rassismus und Homophobie vor, was sagen Sie dazu?

Ulrich Kutschera: Das ist so absurd wie der Vorwurf, ich sei Kreationist und Mitglied der kalifornischen Flat Earth Society – beim oberflächlichen Überfliegen des kath.net-Interviews kann ein homophober Eindruck entstehen – liest man die Aussagen genau und denkt darüber nach auf dem Hintergrund der Fakten des Gender-Paradoxons, so sollte jeder gebildete Leser meine Aussagen verstehen. Daher habe ich auch unter den 75 Zuschriften nur zwei negative erhalten, 98 Prozent waren positiv.

Als Atheist kann ich mit mittelalterlich-religiösen Anti-Homo-Thesen nichts anfangen. In meinem kalifornischen Kollegenkreis kooperiere ich mit US-Biologen, die homoerotisch veranlagt sind. Das sind die besten und zuverlässigsten Männer, die ich unter Fachbiologen mit internationaler Expertise kenne. Ich bin keineswegs homophob, schon deshalb nicht, weil meine Aufklärungsagenda zu den biologischen Wurzeln dieser inversen erotischen Polung der Verfolgung „homosexueller“ Männer und Frauen entgegenwirkt. Nur Aufklärung schafft Klarheit und somit Freiheit. Das Thema „Rassismus“ habe ich im Gender-Paradoxon abgehandelt.

Bei der pseudowissenschaftlichen Genderideologie geht es auch um viel Geld

A. Göhring: Eine etwas tiefschürfendere Frage an den Evolutionstheoretiker: Die evolutionäre Psychologie erklärt einige typisch menschliche Verhaltensweisen sehr gut. Gilt das auch für Ideologien wie zum Beispiel den Genderismus?

Ulrich Kutschera: Pseudowissenschaftliche Ideologien, wie der Genderismus, der Kreationismus, aber auch die Homöopathie haben – wie Religionen – auf die Mehrheit der Menschen eine magische Anziehungskraft. Damit können Menschen zusammengebracht werden, es bilden sich sektenartige Vereinigungen. Man glaubt und schaltet dabei das Denken aus.

Große Führer der Weltgeschichte haben die suggestive Kraft von Geheimlehren, so absurd wie sie auch waren, unter ihr Volk gebracht und damit ihre Ziele vorangetrieben – meist zum Nachteil ihrer devoten Nachbeter. Bei der Gender-Ideologie geht es aber auch um viel Geld, John Money, der Urvater dieser sozialkonstruktivistischen Geschlechter-Irrlehre, hatte schon den richtigen Nachnamen…

So sollte eine lebendige Demokratie funktionieren

A. Göhring: Abschließend noch eine Frage zu Ihrem Verhältnis zu Religionen: Sie sind erklärter Atheist, geben aber wie oben erwähnt auch sehr katholischen Seiten Interviews. Warum haben Sie da keine Berührungsängste?

Ulrich Kutschera: Das Christentum hat die Aufklärung hinter sich. Das heißt vernünftige Gläubige nehmen die Bibelpassagen zur Entstehung der Erde und der Lebewesen selbstverständlich nicht mehr wörtlich. Da ich den christlichen Glauben als Lebenshilfe respektiere und mit Katholiken sehr gute Erfahrungen gemacht habe, bin ich diesbezüglich offen und tolerant. Das ist doch vorbildlich. Kath.net hat wiederholt meine Widerlegungen des Kreationismus als atheistische Interpretation der Welt „verteufelt“, was ich aus deren Sicht verstehen kann. Dennoch kooperieren wir vertrauensvoll und mit Respekt. So sollte eine lebendige Demokratie funktionieren!

A. Göhring: Herr Professor, wir danken für das Gespräch.

*

Dieses Interview erschien zuerst auf dem sehr lesenswerten und wichtigen Blog von David Berger Philosophia perennis und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von David Berger und A. R. Göhring.

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Bild: Youtube-Screenshot

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8 thoughts on “Studenten verhalten sich wie kleine Kinder und politische Intriganten

  1. Marianne Jädick

    Sehr guter Artikel, der einiges, speziell zum Thema „Gender(wahnsinn)“ erklärt und dem ich 100%ig zustimme, auch wenn ich – zugegebenermaßen – nicht alles verstehe und mir auch die sicher sehr wissenschaftlichen und intellektuellen Bücher des Herrn Professors nicht mehr antun möchte. Allerdings in einer Sache muss ich ihm widersprechen, obwohl mein Intellekt unter Garantie nicht an seinen heranreicht, und zwar seinen kurzen Einschub zur Homoeopathie. Nur, weil man heute noch nicht die Wirkungsweise erklären kann, gibt es Erfahrungswerte. Ausserdem wird immer verlangt, dass man diese hervorragende Heilungsweise mit den Wirkungsmechanismen und Prüfungskriterien der Schulmedizin und Pharmakologie „beweist“. Das kann nicht klappen, denn das wäre das Gleiche, als wenn man die Windgeschwindigkeit mit einem Zentimetermaß beweisen müßte, Ist ein weites Thema, aber ich bezweifle, dass Herr Prof. Kutschera sich viel mit dem Thema abgegeben hat. Nur 2 Namen: Vitoulkas und Benevista. Falls er mal Lust hat, weiter in die Materie einzusteigen. Ansonsten habe ich großen Respekt vor seinem Mut, den man ja heute in Deutschland sogar für das Sagen seiner Überzeugung braucht.

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    1. Jens

      Bitte nicht Schul- sondern Hochschulmedizin. So viel Zeit muss sein. Die Homöopathie ist durch unzählige placebo-kontollierte Doppelblindtests widerlegt worden. Das ist was für Gläubige mit zu viel Geld. Mir egal, solange naturwissenschaftlich ungebildete Eltern ihre Kinder mit diesem Glaubensartikel nicht gefährden. Trinken Sie ein Glas Wasser. In dem Wasser befinden sich „hoch potenziert“ Homöopathica (Arzneimittelrückstände in sehr hoher Verdünnung = „hoch potenziert“) gegen alle Krankheiten. Vorher genau 7mal umrühren und einen Zauberspruch Ihrer Wahl singen…

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      1. Jürgen Fritz

        Ganz wichtige Anmerkung bezüglich Hochschulmedizin! Sehr gut. Noch genauer: wissenschaftlich nachgewiesene Heilmethoden im Gegensatz zu a) wissenschaftlich noch nicht nachgewiesenen und b) wissenschaftlich nicht nachweisbaren Methoden sowie c) solche, deren Schädlichkeit nachgewiesen wurde. Die Sprache ist auch hier der Schlüssel zum richtigen respektive falschen Denken.

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  2. Pingback: Statistik: Über 75% der Frankfurter Kinder unter 6 Jahren sind Ausländer | inge09

  3. Marianne Jädick

    Ja, ich dachte mir schon, dass diese Antworten kommen. Homoeopathie hat sich in der Praxis millionenfach bewährt, in Indien steht sie auf der gleichen Stufe der Heilmethoden wie die Schulmedizin. Seit über 200 Jahren hat sie immer wieder ihre Segnungen bewiesen, auch in Südamerika ist sie in den meisten Ländern ein Segen vor allem für Menschen, die sich die Schulmedizin nicht leisten können. Ich möchte hier aber keine Debatte darüber anzetteln, gibt es zur Genüge. Die wissenschaftliche Überzeugung (oder der „Beweis“) ist der Irrtum von morgen, oder so ähnlich geht wohl ein Sprichwort. Ich, viele meiner Verwandten und Freunde sind jedenfalls bestens seit ca. 30 Jahren damit bedient und werden es sicher auch noch bis zum Ende unserer Tage (bin immerhin schon 70) sein. Jeder sollte für sich entscheiden. Ich finde es nur unmöglich, dass sich die Wissenschaft selbst zu einer Religion aufgeschwungen hat, die jedem Mitbürger ihre „Segnungen“ aufzwingen will. Tut mir leid, meine Herren, das haut nur mit diktatorischen Mitteln hin, und die werden immer mehr. Und die bekämpfen Sie ja angeblich!

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  4. Marianne Jädick

    Hier noch etwas, was ich vergessen habe. Ich bleibe bei dem geläufigen Ausdruck „Schulmedizin“ gegenüber dem wohlklinkenderen „Hochschulmedizin“. Dieser Unterschied bedeutet für mich nicht unbedingt, dass die Qualität deshalb gewährleistet ist. Ich brauche nur auf das – wie im Artikel auch zur Genüge beschriebene – Genderthema hinzuweisen, dass für pseudowissenschaftliches „Hochschulwissen“ unsägliche Steuergeldmengen – unter anderem auch von uns unwissenden, dummen Mitbürgern verschlingt. Ein anderes Thema sind Impfungen. Es gibt noch unzählige mehr. Ich gebe hier Herrn Fritz sogar Recht, aber im gegenteiligen Sinn, den er sicherlich meint: „Die Sprache ist auch hier der Schlüssel zum richtigen respektive falschen Denken.“

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  5. Matthiias Rahrbach

    Sehr gutes Interview, keine Frage! Prof. Kutschera stellt in seinem diesbezüglichen Buch zurecht die Frage, in welch einem Land er überhaupt lebt!

    Und die Frage stelle ich mir auch manches Mal. Das erste Mal, dass ich auf Facebook zensiert wurde, war, als ich Heinz-Jürgen Voss zitierte. Es ging um dieses Zitat:

    „Bis in die 1920er Jahre sprach man von ­Geschlechtervielfalt. Mit den Nazis kam die Theorie einer weitgehend klaren biologi­schen Zweiteilung, die auch immer noch im Biologiestudium vermittelt wird, obwohl die aktuelle Forschung längst weiter ist.“

    Quelle: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/weder-mann-noch-frau-19543

    Beleidigendes hatte ich nicht dazu geschrieben. Jedenfalls war mein Posting nur vier Minuten später verschwunden.

    Danach wurde noch ein paar Mal zensiert und bin nun gesperrt.

    Hasskommentare hatte ich nicht gepostet. Fake News auch nicht – aber wer soll denn eigentlich entscheiden, was Fake News sind und was nicht?

    Wir haben heute wirklich eine vom Staat ausgehende Zensur.

    Ja, in was für einem Land leben wir eigentlich?

    Näheres zum Thema Genderideologie und den Auswüchsen des Feminismus bei Bedarf auf

    http://www.verlag-natur-und-gesellschaft.de

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