Anderen den Mund verbieten, um selbst nicht hören zu müssen

Von Jürgen Fritz

Karl Lagerfeld hat mit seiner scharfen Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik und der mit einwandernden Judenfeindlichkeit für einigen Wirbel gesorgt. Alexander Kissler verfasste hierzu im Cicero einen sehr klugen Kommentar.

Vorgeschichte

Selbst wenn Jahrzehnte dazwischen lägen, könne man nicht Millionen Juden umbringen und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holen, hatte der Modeschöpfer Karl Lagerfeld vor einer Woche in einer französischen TV-Show gesagt. Dabei habe Merkel es eigentlich gar nicht nötig gehabt, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen, nachdem schon Millionen und Abermillionen gut integrierter Immigranten im Land lebten. Weiter erzählte er in der TV-Show von einer Bekannten in Deutschland, die einen jungen Syrer aufgenommen habe, der ein wenig Englisch sprechen konnte und mit dem seine Bekannte gar keine erfreulichen Erfahrungen gemacht habe. „Nach vier Tagen, wissen Sie, was er zu der Dame sagte? ,Die beste Erfindung Deutschlands ist der Holocaust!‘ Im nächsten Moment saß er auf der Straße, das sag ich Ihnen“, berichtete Lagerfeld.

Die Entrüstung bei den fast durchweg linksdominierten Massenmedien war nicht gering. Von einem Skandal wurde sogleich gesprochen. Alexander Kissler verfasste auf Cicero.de einen klugen Kommentar zu der ganzen Affäre.

Anderen den Mund verbieten, um selbst nicht hören zu müssen

Mode sei Macht, schreibt Kissler. Denn wer bestimmen dürfe, wie sich ein anderer zu kleiden hat, der sei Herr über diesen, jener aber sein Knecht. Darum sei Selbstbestimmung auch eine Frage der selbst gewählten Kleidung. Mode sei immer auch ein Statement. Deshalb sei es folgerichtig gewesen, dass nach den modischen, mithin weltanschaulichen Meldungen über eine muslimische Barbiepuppe mit Hijab und über ein muslimisches Einlaufmädchen mit Hijab beim Fußballländerspiel England gegen Deutschland der Modeschöpfer Karl Lagerfeld ein Statement zur Flüchtlingslage abgegeben habe, welches für nicht wenig Aufsehen gesorgt hat. Warum der Wirbel?, fragt Kissler. Worum geht es in Wahrheit?

Lagerfeld gebe ein Zitat wieder, so Alexander Kissler, welches wir bis zum Beweis des Gegenteils für authentisch zu halten hätten. Und Lagerfeld behaupte eine ideologische Gemeinsamkeit von nationalsozialistischen Deutschen und heutigen Muslimen: den Judenhass. Wofür sich ganz eindeutig hunderte und tausende Belege finden, möchte ich anmerken. „Sind diese Aussagen von der Meinungsfreiheit gedeckt?“, fragt Kissler und antwortet: „Ja, aber natürlich.“ Wer hier nach Sanktion, Entschuldigung, Rüge rufe und Volksverhetzung am Werk sehe, der beweise damit vor allem eines: seine eigene Diskursunfähigkeit und Denkunwilligkeit. Der wolle anderen den Mund verbieten, damit er selbst nicht hören müsse.

Mit den Muslimen wandert der Judenhass mit ein

Dass der Koran judenfeindliche Stellen enthält, dass Mohammed kein Judenfreund war und dass viele Muslime in ihrer Heimat den Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen haben, all das sind in der Tat Binsenweisheiten. Auch hier hat Kissler völlig Recht. Wenn nun Menschen mit einer solchen Sozialisation in großer Zahl von Deutschland aufgenommen werden, wandere der Antisemitismus mit ein, macht Kissler deutlich – nicht immer, nicht bei allen, aber in einer Menge, die groß genug sei, um das friedliche Miteinander von Muslimen, Juden, Christen, Atheisten in Deutschland zu gefährden. Ob dieses Faktum von den Befürwortern des „Familiennachzugs“ hinreichend bedacht werde, fragt er.

Lagerfeld sehe einen moralischen Tauschhandel am Werk. Er erläutere Merkels Flüchtlingspolitik mit dem Wunsch, an die Stelle der „eisernen Kanzlerin“ die „heilige Mutti“ zu setzen. Solche Fernpsychologie mag stimmen oder mag falsch sein, aussprechen müsse man es auf jeden Fall dürfen, so Kissler. Und zwar ohne Sanktionsfurcht.

Juden diffamieren: okay – Muslime kritisieren: böse

Lagerfeld sei ein couragierter Kopf, der sich nicht mit den Schwachen und Ohnmächtigen anlege, sondern mit den Mächtigen, der Respekt verdiene und keine Rüge. Er sei ein Selbstdenker, kein Nachplapperer. Ein eigensinniger Liberaler.

„Risikolos können heute Juden diffamiert werden, Kritik an Muslimen wird zum Vabanquespiel“, so Alexander Kissler wörtlich. Verglichen mit der allgemeinen Erregung über Lagerfelds Statement, sei die Kritik am antisemitischen al-Quds-Tag in Berlin oder an antisemitisch verseuchter deutsch-arabischer Rap-Musik ein kaum vernehmbares Lüftchen. Soweit Alexander Kissler.

Was mit den neuen Linken nicht in Ordnung ist

Dieses mit zweierlei Maß messen, scheint mir das Grundproblem der neuen Linken zu sein, welche sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu den neuen Totalitaristen entwickelten. Wer mit zweierlei Maß misst, verlässt den Boden jeder Ethik (nicht Moral, sondern Ethik). Denn der elementarste ethische Grundsatz lautet, dass moralische Maximen verallgemeinerbar sein müssen. A darf X tun, weil er A ist, B darf X aber nicht tun, weil er nicht A ist, widerspricht diesem ethischen Grundaxiom zutiefst.

Was bedeutet das nun in Bezug auf die neuen Linken respektive die neuen Totalitaristen? Es bedeutet, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist – und zwar in ihrem Innersten.

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Hier geht es zu dem Artikel von Alexander Kissler: Der Skandal, der keiner ist.

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Bild: Youtube-Screenshot

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7 thoughts on “Anderen den Mund verbieten, um selbst nicht hören zu müssen

  1. Muriel

    “Lagerfeld gebe ein Zitat wieder, so Alexander Kissler, welches wir bis zum Beweis des Gegenteils für authentisch zu halten hätten.“
    Und dss fängt es doch schon an. Warum eigentlich?
    Und ist es nicht im Ergebnis auch völlig egal?

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  2. Petra

    Also mir ist es im Ausland jetzt schon 2 x passiert das mir Leute aus arabischen Ländern (Taxifahrer oder im Zug) erklärten das sie ja Deutsche toll finden würden weil die ja so viele Juden getötet hätten. Allerdings waren wir nicht gründlich genug. Leider gab es da immer größere Sprachbarrieren aber ich vermute mal auch wenn es die nicht gegeben hätte hätte man diese Einstellung nicht „mal eben schnell“ ändern können.
    Warum bei massivem Antisemitismus gar nichts passiert finde ich erschreckend und unverständlich. Da wird alles verleugnet und kleingeredet.
    Der Link hat mich heute wirklich zusammenzucken lassen:

    http://www.bild.de/politik/inland/antisemitismus/kuwait-airways-darf-israelis-abweisen-53880250.bild.html

    Unfassbar was hier möglich ist, wie verrutscht die Perspektive mittlerweile ist und wie massiv mit zweierlei Maass gemessen wird.

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