Doppeltes Foul an den deutschen Fans: erst Özil und Gündoğan, dann Jogi Löw

Ein Gastbeitrag von Joseph Emich Rasch, Mi. 13. Jun 2018

Zwei deutsche Nationalspieler mit türkischer Abstammung haben sich kurz vor dem WM-Spektakel in Russland womöglich leichtfertig, ganz sicher aber erschreckend bedenkenlos, von dem selbsteitlen Despoten Erdoğan für dessen Wahlkampfzwecke einspannen lassen. Der Deutsche Fußballbund, im Windschatten von Bundestrainer Joachim Löw, wollte „die Angelegenheit“ in gewohnter Weise herunterspielen und die Fußballfans mit Plattitüden für dumm verkaufen. Das war das zweite Foulspiel in dieser unseligen Partie. Es kann sein, dass die zuschauende Fangemeinde in Deutschland als Souverän, auch an den russischen Spielfeldrändern, nun einige Rote Karten verteilen wird.

„Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“

Es wird schon immer darüber gespottet, ob und dass Fußballspieler nicht immer die „hellsten Kerzen auf der Torte“ seien. Am liebsten arbeiteten sich deswegen viele Auguren jahrelang und besonders vor großen Turnieren am ewigen „Kaiser Franz“ Beckenbauer ab. Doch die meisten Kicker, vor allem die mit Millionengehältern, werden unterschätzt. Im Zeitalter des professionalisierten Sports wissen die allermeisten Kraftpakete auf Stollen sehr wohl, was Sache ist. In der Wirtschaft, vorzugseise der des Sports und durchaus in der Politik. Nur nicht alle verbreiten ihre Kenntnisse, auch die besseren, immer mit der gleichen Fortune.

Die im Fokus stehenden Kombattanten Özil und Gündogan sind das beste Beispiel dafür. Der etwas selbstunsichere, gerne scheu dreinschauende Mesut Özil, der auch sonst den Unbedarften gibt, wird sich aber sehr wohl bewusst gewesen sein, auf was er sich da einlässt, als er die unschwer als Wahlkampfparty erkennbare Veranstaltung von Erdogan in London beehrte.

Das gilt selbstredend auch für İlkay Gündoğan. Der Einser-Abiturient, der in Gelsenkirchen geboren wurde, ließ sich auch noch dazu hinreißen, bei dieser Gelegenheit, zusammen mit dem triumphierend grinsenden Erdoğan, ein T-Shirt in die Kameras zu halten, auf dem er „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“ in schwungvoller Handschrift verewigt hatte. Gerade Dummköpfe machen so etwas nicht.

Für meinen Präsidenten

Gündogan überreicht Erdogan sein Trikot mit der persönlichen Widmung: „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“, obwohl er gar keine türkische Staatsangehörigkeit besitzt, sondern nur die deutsche

Özil und Gündogan besitzen überhaupt keine türkische Staatsbürgerschaft

Emre Can, bekannter deutscher Profi-Kicker mit gleichfalls türkischen Wurzeln, bis vor kurzem noch in Diensten von Jürgen Klopps FC Liverpool, hatte übrigens darauf verzichtet die besagte Erdogan-Jubelparty zu London zu frequentieren. Er zumindest scheint geahnt zu haben, welche Flanken da geschlagen werden sollten.

Özil wie Gündogan haben ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Jeder von ihnen müsste sich schon deshalb ausschließlich den Grundwerten dieses Rechtsstaates verpflichtet fühlen. Jede Nähe zu einem Autokraten vom Schlage eines Recep Tayyip Erdoğan stellt diese Wertigkeit in Frage – türkische Wurzeln hin oder her. Die beiden Rasenkicker können da im Nachhinein sagen, was sie wollen. Die geradezu hilflos scheinende „Operation“, gleich noch schnell den Bundespräsidenten Steinmeier zu besuchen, zu einem kleinen klärenden Gedankenaustausch bitteschön, bewirkte wenig bis nichts.

Das zweite Foul: Löw politisch biegsam wie das Eckfähnchen auf dem Spielfeld

Joachim Löw hat die Situation am allerwenigsten erkannt. Hier den tapferen Freund seiner „unglücklichen Jungs“ und verständnisvollen Sportkameraden zu geben, und möglichst schnell herunterzuspielen, was eigentlich deutlicher Konsequenzen, nämlich die Suspendierung der beiden Spieler, bedurft hätte, war ein gravierender Fehler, den ihm die Zuschauer sowohl in Spiel gegen Österreich als auch dem gegen Saudi-Arabien, nicht verziehen haben.

Seine Empörung darüber macht nur klar, dass er politisch wie eine der modernen Eckstangen auf den „unfallgesicherten“ Spielfeldern zu sein scheint, die man „knickleicht“ treten, schupsen und verbiegen kann: je nach dem, aus welcher Richtung der Flankengeber grade ausholt. Wenn die Attacke vorüber ist, steht sie wieder ganz jungfräulich grade, als habe sie nie auch nur ein Windhauch oder gar ein garstiges Spielerbein berührt. Doch da ist der Schlusspfiff noch lange nicht getan.

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Zum Autor: Joseph Emich Rasch, Jahrgang 1953, Linguist, Dramaturg und Kolumnist, schrieb und inszenierte diverse Theaterstücke sowie zahlreiche Satire-Programme. Im vergangenen Jahrzehnt wandte er sich vermehrt der Analytischen Philosophie zu. Er ist Lehrbeauftragter und Dozent für Kommunikation, Rhetorik und Dialektik.

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Bilder: YouTube-Screenshots von Epoch Times

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