Liegt die AfD im Osten wirklich bereits auf Platz 1?

Von Jürgen Fritz, Fr. 7. Sep 2018

Die AfD liege im Deutschlandtrend in den ostdeutschen Ländern erstmals vor der CDU, meldet heute die WELT. Nach der Erhebung von Infratest dimap im Auftrag von ARD-Tagesthemen und der WELT komme die Alternative für Deutschland bei der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl im Osten auf 27 Prozent, vier Punkte vor der CDU (23), neun Punkte vor der Linkspartei (18). Doch wie verlässlich sind diese Zahlen?

300 Befragte sind viel zu wenig

AfD auf Platz 1 mit 27 Prozent vor der CDU mit 23 Prozent. Die SPD käme laut der Erhebung von Infratest dimap in diesen Landesteilen aktuell auf 15 Prozent, die Grünen auf 7 und die FDP auf 6 Prozent, bei 4 Prozent für sonstige Parteien, siehe das Titelbild. Das wäre ein sehr schönes, begrüßenswertes Ergebnis, doch sind diese Zahlen wirklich belastbar?

Zur Verlässlichkeit dieser Werte muss man folgendes wissen. Umfragen liefern erst ab Minimum tausend, besser zweitausend oder mehr befragten Personen einigermaßen verlässliche Werte. Darunter ist die statistische Streuung einfach deutlich zu hoch. Je größer die Anzahl der Befragten, desto genauer werden logischerweise die Ergebnisse. Dies ist mit ein Grund, warum die Werte von Wahl-O-Matrix, dem von mir gegründeten Meta-Analyse-Tool, welches deutschlandweit führend ist, so genau sind: weil ich alle aktuellen Umfragen analysiere, so dass der Befragtenpool, den ich zu Grunde lege, bei fünf bis zehn Instituten meist bei 10.000 bis 20.000 und mehr Personen liegt. Bei so vielen befragten Bürgern wird die Fehlertoleranz minimal. Doch wie war dies jetzt bei der aktuellen Umfrage von Infratest dimap für die ARD und die WELT?

Telefonisch Befragt wurden hier für die Sonntagafrage vom 3. bis 5. September 1.502 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz liegt damit zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten. Doch diese 1.502 Befragten beziehen sich auf ganz Deutschland. In Ostdeutschland wurden für die Sonntagsfrage nur ca. 300 Wahlberechtigte befragt. Das aber ist viel zu wenig, um daraus zuverlässige Zahlen ableiten zu können. Die Fehlertoleranz gibt Infratest dimap folglich selbst mit 2,5 bis 5,7 Prozentpunkten an.

Fazit

Daraus folgt, dass die AfD derzeit im Osten Deutschlands mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zwischen 27 – 5,7 = 21,3 und 27 + 5,7 = 32,7 Prozent liegt. Eine Bandbreite von 21,3 bis 32,7 Prozent ist aber viel zu weit, der Unterschied zwischen dem Minimum und dem Maximum viel zu groß.

Fest steht, wären jetzt Bundestagswahlen, käme die AfD im Osten auf weit über 20 Prozent. Die 27 Prozent, die von der WELT genannt werden, sind allerdings mit etwas Vorsicht zu genießen. Die Datenbasis ist einfach zu dünn. Hier sollte abgewartet werden, bis wir spezielle Umfragen der einzelnen Bundesländer vorliegen haben, bei denen nicht in allen Ostbundesländern zusammen ca. 300 Leute befragt wurden, sondern in jedem einzelnen Land mindestens tausend. Wenn wir das dann aufaddieren respektive den Schnitt ermitteln, wird das Ganze wesentlich aussagekräftiger und genauer.

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Titelbild: (c) Jürgen Fritz

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