Weshalb sind die Länder mit den höchsten Mordraten weltweit alle christlich?

Von Jürgen Fritz, Fr. 19. Okt 2018

Die Ermordung eines anderen Menschen, im Sinne einer absichtlichen und unbefugten Tötung, sei es nun als Mord im engeren Sinne oder Totschlag, gilt gemeinhin als eines der schwersten, wenn nicht das schwerste Verbrechen überhaupt. Die Tötungsrate, also die Anzahl der jährlichen Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner, ist mithin ein aussagefähiger Indikator über den Sicherheitsstand eines Landes. In welchen Ländern ist es hier nun weltweit am besten, in welchen am schlechtesten bestellt? Schauen wir es uns an. Ich verspreche Ihnen, Sie werden mehr als überrascht sein.

Länder mit geringer Tötungsrate

Bevor wir uns die 20 Länder ansehen, wo die meisten Menschen ermordet respektive absichtlich und unbefugt getötet werden, betrachten wir zunächst einmal, wie es in Deutschland mit der Mordrate aussieht. Wie viele Tötungsdelikte gibt es hier jährlich pro 100.000 Einwohner? Es sind ca. 1,2. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 963 vorsätzliche Tötungsdelikte begangen (Mord oder Totschlag). 963 Morde, jetzt im weiten Sinne von vorsätzlicher Tötung gemeint, durch ca. 82 Millionen Einwohner macht knapp 1,2 pro 100.000 oder umgerechnet auf die Anzahl der Tage im Jahr: 2,6. Jeden Tag werden also in Deutschland im Schnitt zwei bis drei Morde begangen.

Das klingt viel, ist aber im internationalen Vergleich wenig, wie wir gleich sehen werden. 2012, also vier Jahre zuvor, war die Tötungsrate in Deutschland übrigens noch deutlich geringer, nämlich, wenn ich richtig recherchiert habe, sogar nur 0,8. Sollte das stimmen, wäre die Mordrate in Deutschland in nur vier Jahren um ca. 50 Prozent angestiegen. Gleichwohl sind auch 1,2 im Vergleich zu vielen anderen Ländern immer noch sehr wenig.

Noch geringer ist die Tötungs- oder Mordrate zum Beispiel in: Singapur, Hongkong oder Japan mit ca. nur 0,2 bis 0,3. In Europa ist sie beispielsweise in Österreich sehr gering mit 0,5 (2015), in der Schweiz mit 0,7 (2015), in China ebenfalls 0,7 (2014), Großbritannien 0,9 (2014), Saudi Arabien 1,5 (2015), Frankreich 1,6 (2015), Indien 3,2 (2014), Ägypten 3,2 (2011), Lettland 4,1 (2015), Iran 4,1 (2015), Türkei 4,3 (2012), Nordkorea 4,4 (2015), USA 4,9 (2015).

Wer hat überdurchschnittliche Tötungsraten?

All diese Länder lagen unter dem weltweiten Durchschnitt. Dieser lag im Jahr 2015 bei 5,3 jährlichen Morden pro 100.000 Einwohner. Vergleichen wir das mit Österreich, so sehen wir: weltweit geschehen im Schnitt mehr als zehnmal so viele Tötungsdelikte wie in Österreich bezogen auf eine bestimmte Menge von Menschen. Welche Länder liegen nun aber über diesen Durchschnitt von 5,3? Denn wenn es viele gibt, die darunter liegen, zum Teil sogar weit, dann muss es natürlich auch viele geben, die darüber liegen.

Somalia oder Kenia liegen mit 5,6 bzw. 5,8 (2015) knapp über dem Durchschnitt. Pakistan kam 2012 auf 7,8, Russland 2015 auf 11,3. Nun aber zu den 20 schlimmsten Ländern unter diesem Aspekt, zu den 20 Ländern mit den höchsten Tötungsraten weltweit.

Die Länder, mit den weltweit höchsten Mordraten

Die Tötungs-/Mordraten, die nun deutlich über 10 hinausgehen, stammen im folgenden aus den Jahren 2011 bis 2016. Die Länder sind geordnet nach steigender Mordrate, das Land mit der allerhöchsten kommt also ganz am Ende.

20. Seychellen (Ostafrika): 12,7. Die Mordrate auf den Seychellen ist also mehre als zehnmal so hoch wie die in Deutschland. Die Bevölkerung der Seychellen besteht zu über 90 Prozent aus Nachfahren der aus verschiedenen französischen Kolonialgebieten eingewanderten Siedler und ihrer afrikanischen Arbeitssklaven. Die Bevölkerung besteht ferner zu 90 Prozent aus Christen (über 82 Prozent Katholiken).

19. Dominikanische Republik (Mittelamerika, Karibik): 15,2. Die Bevölkerung stammt im Wesentlichen von frühen europäischen Einwanderern überwiegend spanischer Herkunft und von afrikanischen Sklaven ab. Der Katholizismus ist Staatsreligion und der Christenanteil beträgt über 82 Prozent (75 Prozent Katholiken).

18. Namibia (Südliches Afrika): 17,1. Gemische Bevölkerung unterschiedlicher, aber teils verwandter Völker. 87 Prozent Christen (50 Prozent Lutheraner, 20 Prozent Katholiken, 5 Prozent Niederländische Reformierte Kirche, 5 Prozent Anglikaner …).

17. Guyana (Südamerika): 18,4. Die Bevölkerung Guyanas beseht zu ca. 43 Prozent aus Indern aus dem ehemaligen Britisch-Indien, zu 30 Prozent aus Kreolen, auch Afro-Guyaner, 17 Prozent haben eine gemischter Herkunft, 9 Prozent sind indigene Völker. Der Christenanteil beträgt 57 Prozent.

16. Mexiko (Lateinamerika): 19,3. Die Bevölkerung Mexikos besteht zu ca. 60 Prozent aus Mestizen, 30 Prozent Europäischstämmigen (meist Spanier), zu 10 Prozent aus indigenen Völkern (Maya und Nahua, Azteken). Ca. 91 Prozent Christen (83 % Katholiken).

15. St. Lucia (Karibik): 19,3. Der Großteil der heutigen Inselbevölkerung stammt von Schwarzafrikanern ab, die während der Kolonialzeit als Sklaven auf die Insel gebracht wurden. Ca. 93 – 94 Prozent Christen (67,5 Prozent Katholiken)

Mordraten von über 20, ja sogar über 25

14. Kolumbien (Südamerika): 25,5. Die Bevölkerung Kolumbiens besteht zu ca. 48 Prozent aus Mestizen (Vorfahren Europäer und Indigene), 30 Prozent Weißen, 14 Prozent Mulatten und Kreolen, 4 Prozent schwarzafrikanische Vorfahren. Ca. 90 Prozent Christen (70 Prozent Katholiken, 20 Prozent Protestanten).

13. Guatemala (Zentralamerika): 27,3. Über 41 Prozent europäische oder europäisch-indigener Abstammung, mindestens 40 Prozent Indigene (zumeist Maya). Ca. 82 Prozent Christen.

12. Bahamas (Karibik): 28,4. Die Bewohner der Bahamas sind zu 85 Prozent afrikanischer, 12 Prozent europäischer sowie 3 Proeznt asiatischer und lateinamerikanischer Herkunft. Über 96 Prozent Christen.

11. Brasilien (Südamerika): 29,5. Bevölkerungszusammensetzung: ca. 60 Prozent europäischer Abstammung, zu ca. 25 Prozent afrikanischer und zu ca. 15 Prozent indianischer Abstammung. Über 87 Prozent Christen.

Die zehn Länder mit Mordraten von über 30, also mehr als hundert mal so viel wie Japan oder Hongkong

10. Trinidad und Tobago (Karibik): 30,9. Wie setzt sich die Bevölkerung auf diesen Inseln zusammen? Zu ca. 35 Prozent haben sie Vorfahren auf dem indischen Subkontinent, zu ca. 34 Prozent sind sie Nachkommen der in früheren Jahrhunderten aus Afrika verschleppten Sklaven, ca. 23 Prozent sind Mischlinge. 55 Prozent sind Christen (22 Prozent Katholiken).

9. Südafrika (an der Südspitze des afrikanischen Kontinents): 34. Die Südafrikaner setzen sich inzwischen zusammen aus über 79 Prozent Schwarzen, Tendenz steigend, unter 9 Prozent Weiße, Tendenz stark fallend, 9 Prozent Coloureds (Mischlinge). Ca. 76 Prozent sind Christen.

8. St. Kitts und Nevis (winzige Insel in der Karibik): 34,2.  Die Bevökerung besteht zu 90,4 Prozent aus Schwarzen, 5 Prozent Mulatten und 3 Prozent Südasiaten sowie 1 Prozent Weiße. Ca. 89 Prozent sind Christen.

7. St. Vincent und die Grenadinen (Karibik): 36,5.  65,5 Prozent Schwarze afrikanischer Herkunft, 19 Prozent Mulatten, 5,5 Prozent Inder und 3,5 Prozent Weiße. Über 91 Prozent sind Christen (80 Prozent Protestanten, 11 Prozent Katholiken, 0,5 Prozent Zeugen Jehovas).

6. Belize (Zentralamerika): 37,6.  Das kleine Land, das an Mexiko grenzt, hat eine Bevölkerung, die zu 44 Prozent aus Mestizen (Mischlingen) besteht, zu 30 Prozent aus Kreolen (überwiegend afrikanischer Herkunft), 11 Prozent Indigenas (überwiegend Maya). Ca. 77 Prozent der Bewohner sind Christen.

Fünf Länder mit Mordraten über 40

5. Lesotho (südliches Afrika): 41,2. Das frühere Basutoland, jetzt Königreich Lesotho, liegt im südlichen Afrika und ist eine Enklave in der Republik Südafrika, gehörte aber nie politisch zu diesem weitaus wohlhabenderen Staat. Die Bevölkerung besteht zu 99 Prozent aus Basotho (Bantu). 90 Prozent sind Christen (45 Prozent Katholiken, 40 Prozent Protestanten, 5 Prozent lokale Konfessionen).

4. Jamaika (Karibik): 47.  Ca. 91 Prozent der Einwohner stammen von afrikanischen Sklaven ab. Ca. 70 Prozent sind Christen (vor allem Protestanten, 4 Prozent Katholiken).

3. Venezuela (Südamerika): 56,3. Nun geht die Tötungsrate also sogar erstmals über 50 hinaus. Der südamerikanische Staat an der Karibikküste grenzt im Süden an Brasilien, im Westen an Kolumbien und im Osten an Guyana. Venezuela wurde 1811 von der Kolonialmacht Spanien unabhängig. In dem Land herrscht seit der Bolivarischen Revolution 1999 ein sozialistisch ausgerichtetes Präsidialsystem. Die Bevölkerung besteht zu ca. 52 Prozent aus Mestizen, 44 Prozent haben eine europäische, 4 Prozent eine schwarzafrikanische, 3 Prozent eine indianische Abstammung. 98 Prozent sind Christen (96 Prozent römisch-katholisch).

2. Honduras (Zentralamerika): 56,5. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze, ein Fünftel sind Analphabeten. Unter- und Fehlernährung sind weit verbreitet. Die medizinische Versorgung auf dem Land ist miserabel. Ca. 90 Prozent sind Mestizen (Mischlinge), 7 Prozent Indigene, 2 Prozent Schwarze, 1 Prozent Europäer. Ca. 88 Prozent sind Christen.

Nun zu dem Land, mit der mit Abstand höchsten Mordrate von allen: über 80!

1. El Salvador (Zentralamerika): 82,8. El Salvador grenzt im Nordwesten an Guatemala, im Nordosten an Honduras und liegt am Pazifik. Es ist das kleinste Land der Region, weist zugleich deren höchste Bevölkerungsdichte auf und liegt in einem Erdbebengebiet. Ca. 90 Prozent der Bevölkerung sind Mestizen (Mischlinge aus europäischstämmigen und afrobrasilianischen Eltern), 9 Prozent Europäer. Über 80 Prozent sind Christen.

Die zehn Länder mit den höchsten Tötungsraten grafisch dargestellt:

Länder

Was fällt auf?

Die 20 Länder, die besonders negativ herausstechen, liegen in verschiedenen Kontinenten. Die meisten (16) sehen wir in Süd- bzw. Zentralamerika, mit einem Schwerpunkt in der Karibik, vier weitere in Afrika.

Weltkarte

Was aber besonders hervorsticht, ist folgendes: Wir sehen hier völlig verschiedene Ethnien in völlig verschiedenen Teilen der Erde, übrigens (fast) immer im Süden, vor allem Lateinamerika, aber auch Subsahara-Afrika. Wir sehen sowohl sehr homogene Gesellschaften als auch sehr starke Mischgesellschaften, die aber alle eines verbindet: das Christentum. Alle 20. Das wirft tiefe Fragen auf! Fragen, denen ich versuchen will, in den nächsten Wochen und Monaten nachzugehen. Die zentrale Frage dabei lautet: Was stimmt nicht mit dem Christentum?

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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