Schwarz-Grün laut ZDF erstmals mit Mehrheit im Bund

Von Jürgen Fritz, Fr. 9. Nov 2018

Wird nun Merkels lang gehegter Traum doch noch wahr? Seit Jahren hat die bald schon ehemalige CDU-Vorsitzende genau darauf zugearbeitet: eine schwarz-grüne Bundesregierung. Vor einem Jahr musste sie noch die FDP mit einbinden, ließ diese bei den Verhandlungen aber derart links bzw. rechts liegen, dass die Freien Demokraten irgendwann keine Lust mehr hatten und meinten: „Dann macht doch alleine weiter.“ 2017 ging es aber ohne die FDP nicht, womit die Träume von Merkel und den Grünen auf einen Schlag geplatzt waren. Ironie des Schicksals: Nachdem Merkel die CDU zu weit über einem Drittel kaputt gemacht hat, reicht es nun laut ZDF erstmals für Schwarz-Grün. Doch wie ist das möglich?

Grüne saugen seit vielen Wochen fast alle Verluste der anderen auf

Um die Antwort vorwegzunehmen: Dies ist deswegen möglich, weil Die Grünen deutlich mehr dazugewonnen als CDU/CSU verloren haben. Betrachten wir die letzten zehn Wochen, die entscheidend waren, also den Zeitraum seit Ende August. Seither haben sowohl die Union als auch die SPD jeweils vier Punkte verloren, was jeweils ca. 1,9 Millionen Wählern entspricht, zusammen also um die 3,8 Millionen. Und das in nur zehn Wochen! Wir sehen hier also erdrutschartige Verluste bei den drei Regierungsparteien, die sich auch bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen zeigten. Doch nun kommt das Entscheidende.

Während bis Ende August sowohl Die Grünen als auch die AfD massiv davon profitierten, hat sich dies seither völlig gewandelt. Von der Bundestagswahl im September 2017 bis zum 31.08.2018 konnten die Grünen laut Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) ca. 5,1 Punkte zulegen und die AfD 4,4 Punkte. Seither fielen CDU/CSU und SPD noch schneller, deutlich zulegen konnten aber nur noch Die Grünen. Diese haben nämlich sowohl die vier Punkte Verluste der Union als auch die der SPD vollständig aufgesaugt und um sage und schreibe nochmals acht Punkte zugelegt in nur zehn Wochen. Die AfD aber konnte von diesen massiven Verlusten der Regierungsparteien kein bisschen profitieren. Im Gegenteil, die AfD verliert sogar seit Ende August selbst massiv und fällt um drei Punkte von 17 auf 14 Prozent.

Gewinne und Verluste in den letzten zehn Wochen (seit 31.08.2018)

  1. GRÜNE: + 8 %
  2. FDP: + 1 %
  3. LINKE: + 1 %
  4. Sonstige: + 1 %
  5. AfD: – 3 %
  6. CDU/CSU: – 4 %
  7. SPD: – 4 %

Dabei ist dies keine Besonderheit von Forschungsgruppe Wahlen. Ich hatte diese Entwicklung bereits Ende Oktober analysiert und sie setzt sich auch seither fort und ist bei allen Instituten zu beobachten. Bei YouGov verliert die AfD vorgestern in sechs Wochen zwei Punkte, bei INSA in fünf Wochen zwei Punkte, bei Forsa in zwei Monaten drei Punkte, bei Emnid in fünf Wochen zwei Punkte. Der Trend ist also ganz klar ersichtlich. Die AfD entwickelt sich seit ca. zwei Monaten rückwärts, während die Grünen regelrecht nach oben schießen und alle Verluste von CDU, CSU und SPD aufsaugen, während FDP und Linkspartei (SED) von den Verlusten der AfD leicht profitieren dürften.

ZDF-Politbarometer vom 9. November 2018

Forschungsgruppe Wahlen befragte im Auftrag des ZDF im Zeitraum 06.11. (Di.) bis 08.11.2018 (Do.) 1.200 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte per Telefon. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Anschließend wurden die Ergebnisse nach hauseigenen Formeln hochgerechnet. Die Befragung ist laut Forschungsgruppe Wahlen – welche auf Grund ihrer Hochrechnung, die entsprechende Korrekturfaktoren berücksichtigt – repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von zehn Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte. Hier die Ergebnisse (in Klammern die Veränderungen zur letzten ZDF-Umfrage vor drei Wochen):

  1. CDU/CSU: 27 %
  2. GRÜNE: 22 % (+ 2)
  3. AfD: 14 % (– 2)
  4. SPD: 14 %
  5. LINKE: 9 % (– 1)
  6. FDP: 9 % (+ 1)
  7. Sonstige: 5 %

2018-11-09

Schwarz-Grün hat bei Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) eine Mehrheit

Damit hätten wir erstmals eine Mehrheit für Schwarz-Grün. Da ca. 5 Prozent auf sonstige Parteien entfallen würden, würden ca. 47,5 Prozent der Stimmen für eine Mehrheit im Bundestag reichen und CDU/CSU + Grüne kämen aktuell laut ZDF-Politbarometer auf ca. 49 Prozent.

Betrachten wir die fünf aktuellsten Umfragen von Emnid, Forsa, YouGov, INSA und Forschungsgruppe Wahlen und bilden den Mittelwert, dann kommen wir auf folgende Werte:

  1. CDU/CSU: 25,7 %
  2. GRÜNE: 21,4 %
  3. AfD: 14,9 %
  4. SPD: 13,7 %
  5. LINKE: 9 %
  6. FDP: 9 %
  7. Sonstige: 5 %

2018-11-09

Fazit: Im Falle von Neuwahlen droht Schwarz-Grün

Nehmen wir also die Mittelwerte der fünf aktuellsten Umfragen so käme Schwarz-Grün auf ca. 47,1 Prozent, wäre also ganz nah an den notwendigen ca. 47,5 Prozent. Im Falle von Neuwahlen können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die SPD keine größeren Gelüste mehr verspürt, weiter mit zu regieren. Es würde sich dann also nach heutigem Stand wohl entscheiden zwischen einer Jamaika-Koalition oder Schwarz-Grün:

  • Jamaika-Koalition (CDU/CSU + Grüne + FDP): 56,5 %
  • Schwarz-Grün: 47,1 %
  • Grün-Rot-Dunkelrot: ca. 44,9 %

Soll Seehofer Innenminister bleiben?

Interessant ist auch, wie die Anhänger der verschiedenen Parteien auf die Frage von Forschungsgruppe Wahlen antworteten, ob sie es gut fänden, wenn Horst Seehofer (CSU) Bundesinnenminister bleibt. Insgesamt fänden das nur 27 Prozent, 68 Prozent schlecht. Die höchsten Zustimmungswerte findet Seehofer aber nicht in den eigenen C-Parteien, sondern bei den AfD-Anhängern. Bei allen anderen hat er eine klare Mehrheit gegen sich. Siehe dazu auch meinen Artikel: Das Volk ist das Problem.

  1. AfD: 67 %
  2. CDU/CSU: 31 %
  3. LINKE: 19 %
  4. FDP: 15 %
  5. SPD: 14 %
  6. GRÜNE: 12 %

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Titelbild: NDR-Screenshot

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