Welch erschreckende Entwicklung!

Von Jürgen Fritz, Di. 30. Okt 2018

In den letzten vier Wochen haben laut INSA, die von den anderen gerne als AfD-nah rubriziert werden, CDU/CSU nochmals einen Punkt verloren – das entspricht ca. 450.000 bis 500.000 Wählern -, stehen jetzt bundesweit gerade noch bei 25 Prozent. Die SPD verliert sogar zwei Punkte, fällt auf sage und schreibe 14 Prozent. Die Linke (SED) und FDP dümpeln seit Monaten so vor sich hin, verlieren seit Anfang Oktober sogar beide auch leicht um jeweils 0,5 Punkte. Doch kann die AfD davon profitieren? Holt sie sich wenigstens ein bisschen was von diesen vier Punkten, von diesen fast 1,9 Millionen Wählern? Schauen Sie es sich an.

Die gesamte Wählerbewegung kennt seit Wochen nur noch eine Richtung

Nein, die AfD holt sich von diesen fast 1,9 Millionen Wählern, die von den fünf genannten Parteien (vier Fraktionen) abgewandert sind, gar nichts. Null. Nicht einmal einen Bruchteil davon. Im Gegenteil, sie verliert sogar selbst zwei Punkte – fast eine Million Wähler! – und fällt auf 16,5 Prozent zurück. Wo wandern denn dann aber all die Millionen Wähler hin, werden Sie sich fragen.

Alle Wählerbewegung geht nur zu einer Partei hin: zu den Grünen. Die legen 5,5 Punkte zu – das entspricht ca. 2,5 Millionen Wählern – und stehen jetzt bei 20 Prozent, sind also schon etwa so stark wie die CDU (ohne CSU). Lag die AfD vor einem Monat noch auf Platz zwei und hatte vier Punkte Vorsprung vor den Grünen, so hat sie in nur vier Wochen diesen beachtlichen Vorsprung komplett eingebüßt und liegt nun sogar schon 3,5 Punkte hinter den Grünen nur noch auf Platz drei.

2018-10-29

(c) Jürgen Fritz

Mögliche Regierungskoalitionen

Im Falle von Neuwahlen hätte Schwarz-Rot, aktuell bei ca. 39 Prozent, nicht den Hauch einer Chance auf eine Mehrheit. Am wahrscheinlichsten wäre eine Jamaika-Koalition, die momentan auf fast 55 Prozent käme. Ja sogar eine schwarz-grüne Mehrheit schiene nicht mehr unmöglich, wenn die Grünen noch mehr zulegen können sollten. Schwarz-Grün könnte nach aktuellem Stand mit ca. 45 Prozent rechnen und wegen der 4 Prozent für sonstige Parteien würden um die 48 Prozent für eine Mehrheit im Bundestag reichen. Auch Grün-Rot-Dunkelrot käme auf ca. 45 Prozent. Im Moment spräche also alles für Jamaika, dann wahrscheinlich ohne Merkel, so dass auch die FDP dieses Mal nicht abspringen würde.

  1. Jamaika-Koalition (Schwarz-Grün-Gelb): 54,5 %
  2. Schwarz-Grün: 45 %
  3. Grün-Rot-Dunkelrot: 45 %
  4. Schwarz-Rot: 39 %

Insgesamt kann also die gesamte Entwicklung kaum anders als erschreckend bezeichnet werden. Doch womit hängt dies zusammen? Weshalb kann die AfD überhaupt nicht mehr von dieser gigantischen Wählerwanderung profitieren, sondern verliert sogar ihrerseits massiv?

Die großen Schwächen der AfD

Meine Einschätzung dazu: Das Personal der AfD ist zu schwach, um weiter zu wachsen, in die Regionen hinein zu wachsen, wo sie hin müsste. Gauland, Weidel, Meuthen usw. spielen nicht in der gleichen Liga wie die Spitzen der anderen Parteien. Die guten Bundestagsreden alleine reichen nicht. Davon kriegt die breite Masse gar nichts mit und die Massenmedien, die weitgehend grün und rot durchsetzt sind, berichten über nahezu jedes Ereignis in ihrem Sinne oder aber gar nicht, wenn es diesem völlig zuwiderläuft. Und Parteiprogramme liest so gut wie keiner. Die AfD braucht dringend zusätzliches, erstklassiges Personal, erstklassige Berater und erstklassiges Marketing. Ansonsten wird bei 15 bis max. 20 Prozent Schluss sein.

Ins TV, noch immer das wichtigste Medium um große Massen zu erreichen, werden AfD-ler seit vielen, vielen Monaten kaum noch eingeladen und wenn doch einmal, dann können sie viel zu selten punkten, geben teilweise sogar ein schlechtes Bild ab, sind viel zu zahm, lassen sich die Themen von den Journalisten vorgeben und schaffen es viel zu selten, die Gespräche dorthin zu lenken, wo sie aus ihrer Sicht eigentlich hin müssten. Fast immer lassen sie sich in die Defensive drängen statt selbst anzugreifen, wie das eine Oppositionspartei, noch dazu die stärkste und im Grunde einzig echte solche, tun müsste.

Wo ist die positive, zukunftsweisende Assoziation, die mit der AfD verknüpft ist?

Was aber vor allen Dingen fehlt – und das ist wohl das Allerwichtigste überhaupt – ist eine klare, attraktive, verlockende Vision, wo die Reise hingehen soll, eine Zukunftsvision, welche die Menschen emotional packt und mitreißt. Zurück in die 1950er oder frühen 1960er ist nicht nur vollkommen illusorisch, damit kann man Menschen auch nicht begeistern, vor allem nicht die Jungen (U30).

Die AfD braucht eine positive Assoziation, die mit ihr verknüpft ist, und das muss das Spitzenpersonal auch ausstrahlen und verkörpern. Im Moment ist die AfD bei über 80 Prozent der Menschen ausschließlich negativ konnotiert. Da muss angesetzt werden.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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