Das Motiv der Amberg-Täter: Verachtung für jene, die ihnen Asyl gewährten

Von Michael Klonovsky und Jürgen Fritz, Mo. 31. Dez 2018

Eine Gruppe von mindestens vier Asylanten zieht am Samstagabend alkoholisiert durch Amberg. Dann beginnt etwas, was man sich kaum vorzustellen vermag. Diejenigen, die angeblich vor Verfolgung nach Deutschland geflüchtet sind, die um Asyl gebeten haben, gehen auf Bürger des Landes los, das sie aufgenommen, das ihnen Asyl gewährt hat und sie vollständig alimentiert. Jene schlagen und treten diese zusammen – ohne Grund, ohne Anlass, einfach weil sie Lust dazu haben, weil sie es machen können, weil sie wissen, dass ihnen in Deutschland kein großer Widerstand entgegengebracht und ihnen hier nicht viel passieren wird. Hier die Schilderung des Falles und dazu ein Kommentar von Michael Klonovsky.

I. Der Sachverhalt

Das Ganze beginnt im Amberger Bahnhof gegen ca. 18:30 Uhr am Samstagabend, den 29.12.2018. Dort tritt einer der Asylanten einem 13-jährigen Jungen einfach so in den Bauch, ohne jeden Grund. Dann bekommt ein 29-Jähriger Schläge ins Gesicht. Jetzt ziehen die „Geflüchteten“ weiter. Vor dem Bahnhof bezeichnen sie ein Mädchen als „Nutte“ und bedrängen sie. Als zwei ihrer Begleiter dazwischen zu gehen versuchen, bekommen auch sie Schläge ins Gesicht. Einen anderen Mann stoßen sie die Treppe hinunter. Und weiter geht es durchs schöne Amberg.

Die Asylanten treffen nun auf eine Gruppe von Jugendlichen. Einen von diesen beschimpfen sie als „Nigger“ und wieder fangen sie an, sofort zuzuschlagen. Die Angegriffenen renen weg, aber so einfach lassen unsere „Flüchtlinge“ sie nicht davon kommen. Sie rennen ihnen hinterher, hetzen sie durch die Stadt, holen sie schließlich ein und schlagen auf vier von ihnen ein. Personen werden zu Boden geschleudert, geprügelt und getreten. Einen 17-Jährigen schlagen die „Asylbewerber“ zu Boden und verpassen ihm Fußtritte. Er muss später mit Prellungen und einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.

Ein Mann eilt zu Hilfe und versucht, den Jugendlichen zu helfen. Doch auch ihn verprügeln die Asylanten. Und wieder geht es weiter. In der Oberen Nabburger Straße attackierten sie nochmals zwei weitere Passanten, verletzten auch diese. Insgesamt werden zwölf Personen von unseren „Schutzsuchenden“ verletzt. Dann rückt endlich die Polizei mit drei Streifenbesatzungen an. Diese können vier Personen festnehmen: zwei Afghanen, ein Syrer und ein Iraner (vier durch und durch muslimische Länder), angeblich 17 bis 19 Jahre alt. Einer der vier wehrt sich, will sich nicht verhaften lassen, bezeichnet eine Beamtin als „Fotze“.

Anschließend schickt der Ermittlungsrichter die vier gefassten Flüchtlinge in U-Haft. Sie werden in unterschiedliche Justizvollzugsanstalten eingeliefert. Soweit der Sachverhalt. Dazu nun ein Kommentar von Michael Klonovsky.

II. Es spielten sich erschreckende Szenen ab

Das oberpfälzische Amberg ist ein beschaulicher, stellenweise auch malerischer Ort, dessen Altstadt, das wegen seiner Form sogenannte „Innenstadt-Ei“, von einer der besterhaltenen mittelalterlichen Wehranlagen in Deutschland umfriedet wird, durch die vier historische Stadttore führen. Die Stadtsilhouette wird von der spätgotischen Basilika St. Martin beherrscht. Auf dem Marktplatz steht ein gotisches Rathaus. Durch die Stadt fließt die Vils. Viele kleine Brücken und Fußwege am Ufer im Schatten historischer Gebäude geben Amberg da und dort eine, wenn man so will, venezianische Note. In zwei Bögen überspannt die Stadtmauer das Flüsschen und bildet die sogenannte Stadtbrille, quasi ein fünftes Tor über dem Fluss. Zur Linken sieht man einen Teil des kurfüstlichen Schlosses.

Heile Welt, wie man sagt. In Amberg lebt und lustwandelt der bedeutende deutsche Schriftsteller Eckhard Henscheid, und dort spielen seine beiden epochalen Romane „Geht in Ordnung – sowieso – – genau – – –“ und „Die Mätresse des Bischofs“. Das ist auch der Grund, warum mir das Städchen ein bisschen vertraut ist, denn wir saßen dort öfter zusammen, meist am Ufer der Vils, um zu trinken, zu plaudern, den Biber zu beobachten, den Mond und die nächtlichen Passanten zu studieren…

Gestern wurde Folgendes gemeldet: „Ein Gewaltexzess erschüttert Amberg. Vier Männer, die zum Teil vor der Tat schon polizeilich in Erscheinung getreten waren, zogen am Samstagabend prügelnd durch das Viertel rund um den Bahnhof. Die 17- bis 19-jährigen Asylbewerber schlugen und stiefelten offenbar wahllos jeden, der ihnen über den Weg lief. Zwölf überwiegend leicht verletzte Opfer im Alter zwischen 16 und 42 Jahren zählte Polizeihauptkommissar Reinhold Koch am Sonntag auf. Mehrere Menschen mussten ins Krankenhaus, ein 17-Jähriger lag am Sonntagabend noch mit Kopfwunden in einer Klinik.“

Bei der Polizei waren am Samstag gegen 18.45 Uhr mehrere Anrufe eingegangen, die vor einer Gruppe prügelnder Männer am Bahnhof warnten. Der Schlägertrupp lief zur Bahnhofstraße und griff weitere Passanten an. Es spielten sich erschreckende Szenen ab. Menschen versuchten zu entkommen, wurden aber eingeholt, teilweise zu Boden geschleudert, geprügelt und getreten, bevor sich das Quartett weiter Richtung Altstadt bewegte.“

III. Sie haben es gewagt, weil es gar kein Wagnis war, denn sie können hier machen, was sie wollen

Mit einem inzwischen geflügelten Wort: In Amberg fand am Samstag eine Hetzjagd  statt. Eine rassistisch motivierte Hetzjagd auf Fremde, auf Andersartige – auf Einheimische. Ob wir von Frau Merkel oder Herrn Seibert ein mahnendes Wort an die Adresse der Täter und ihrer Sympathisanten zu hören bekommen werden? Wohl eher nicht, denn, wie Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) so prompt wie wohldressiert Stöckchen holte, der Fall „darf natürlich nicht verallgemeinert werden“.

Sensible Gemüter können sich zur Neujahrsansprache der Kanzlerin ins Abklingbecken legen: „Angela Merkel ruft die Deutschen zu Toleranz auf.“ Die Amberger sollten sich das zu Herzen nehmen, zumal bei ihnen, anders als in Chemnitz, nicht mal jemand zu Tode gekommen ist.

Man kennt solche Fälle zur Genüge, unsere Schutzbefohlenen haben hinreichend viele Eingeborene in die Notaufnahmen geprügelt und auf Friedhöfe gemessert, Heime zerlegt, Helfer und Polizeibeamte angegriffen, doch dieser Fall hat etwas Exemplarisches. Man muss sich nur ausmalen, was geschähe, wenn vier deutsche Teenager eine ähnliche Kirmes in einer türkischen, ägyptischen, marokkanischen, somalischen Kleinstadt veranstalteten. Sie würden es natürlich nicht wagen, weil sie sich die Folgen ausrechnen könnten. Aber dieses Quartett hat es gewagt – weil es gar kein Wagnis war.

Die hinter einem solchen Exzess stehende Mentalität ist das eine, die Folgenlosigkeit das andere. In ihren Herkunftsländern unterliegen diese Buben einem doppelten Sanktionsdruck, horizontal und vertikal; den ersten üben die Familien der anderen aus, die Väter, Onkel und Brüder, den zweiten die Polizei, die dortzulande bekanntlich nicht zimperlich ist. Übertrittst du eine Norm, musst du mit Rache und/oder rustikaler Bestrafung leben. Nun sind sie auf einmal in einem Land, das aus ihrer Perspektive dem sagenhaften Lilliput ähneln muss; der horizontale Druck existiert dort nicht, der vertikale ist erschütternd sanft. Sie können machen, was sie wollen, am Ende finden sich sogar noch ein paar Grüne, Linke, Anwälte und perverse Frauen, die sie in Schutz nehmen.

IV. Aus dieser Tat spricht vor allen Dingen eines, nein es spricht nicht, es schreit: Verachtung, abgrundtiefe Verachtung

Ein Motiv für den Exzess sei nicht bekannt, sagte der Polizeisprecher noch. Das ist nicht wahr, das Motiv liegt offen zu Tage. Es heißt Verachtung. Wir verachten euch Deutsche, obwohl – oder weil – ihr uns aufnehmt und alimentiert, wir verachten eure historischen Städtchen und eure Traditionen, wir verachten eure Art zu leben, wir verachten eure lächerliche Friedfertigkeit, eure Teddybären, euer Willkommensgetue und Toleranzgedöns, wir verachten eure hypertrophe Fernstenliebe mangels Nächster, wir verachten eure Weibmänner, wir verachten eine Stadt, die 20.000 männliche Einwohner hat, aber ohne nach der Polizei zu rufen nicht mit vier Teenagern fertig wird, die auf offener Straße wahllos Leute niederschlagen und ihnen auf die Köpfe treten können, wir verachten eure Politiker und Medien, die sofort loströten, man dürfe solche täglichen Einzelfälle nicht verallgemeinern (und die im Falle, ein paar Amberger Burschen hätten sich gewehrt, mit Sicherheit „Hetzjagden auf Ausländer“ beplärrt hätten), wir verachten eure Justiz, die uns doch nichts tun wird, wir verachten euer ganzes überaltertes, wehleidiges, sturmreifes Land.

Und die Schlepperin dieser Halunken, die Person, die diesem Land alles eingebrockt hat, woran es derzeit würgt und in den nächsten Jahren vielleicht ersticken wird, die „Hetzjagden“-auf-Ausländer-Herbeilügnerin, ruft die Deutschen zu Toleranz auf. Prosit Neujahr!

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Dieser Text ab II. erschien zuerst auf dem sehr empfehlenswerten Blog von Michael Klonovsky, der nur so vor Gedanken, Ein- und Quersichten sprüht. Sollten Sie sich unbedingt öfters ansehen. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des geschätzten Autors und Blogbetreibers.

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Zum Autor: Michael Klonovsky, 1962 im Erzgebirge geboren, ist Romanautor und Publizist. Aufgewachsen in Ostberlin. Maurerlehre. Abitur. Seit 1990 Journalist. “Wächterpreis der Tagespresse” für die „Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz und den Staatssicherheitsdienst“. 1992: Wechsel zum Focus, zunächst als Redakteur, später als Chef vom Dienst bzw. Textchef, Leiter des Debattenressorts, sodann als Autor. Am 31. Mai 2016 endete die Ehe mit Focus, die Partner hatten sich auseinandergelebt. Von Juni 2016 bis Anfang 2017 war er parteiloser Berater von Frauke Petry, von Juni bis November 2017 Sprecher der von Jörg Meuthen geführten Landtagsfraktion der AfD Baden-Württemberg. Michael Klonovsky ist Autor mehrerer Bücher.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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