Sachsenwahl: AfD stärker als Rot-Grün-Rot zusammen

Von Jürgen Fritz, Mo. 02. Sep 2019, Titelbild: FAZ-Screenshot

Sachsen hat gewählt. Das Ergebnis der Landtagswahlen liegt vor. Die CDU hat es noch einmal geschafft, vor der AfD stärkste Kraft im Land zu werden. Aber diese landete nicht nur mit einem überragenden Ergebnis auf Platz zwei, sie ist in Sachsen stärker als Linkspartei, Grüne und SPD zusammen.

Vorläufiges amtliches Ergebnis

Fast 3,3 Millionen Sachsen waren am Sonntag aufgerufen, ihren Landtag neu zu wählen. Fast 2,2 Millionen folgten diesem Aufruf. Damit stieg die Wahlbeteiligung laut dem Landeswahlleiter von zuletzt 49,15 auf jetzt fast 66,6 Prozent deutlich an. Knapp 99 Prozent der abgegebenen Stimmen waren gültig und entfielen wie folgt auf die angetretenen Parteien (in Klammern die Veränderungen gegenüber der Landtagswahl 2014):

  1. CDU: 32,1 % (– 7,3)
  2. AfD: 27,5 % (+ 17,7)
  3. LINKE: 10,4 % (– 8,5)
  4. GRÜNE: 8,6 % (+ 2,9)
  5. SPD: 7,7 % (– 4,6)
  6. FDP: 4,5 % (+ 0,7)
  7. FW: 3,4 % (+ 1,7)
  8. Sonstige: 5,8 % (– 2,6)
Endergebnis-2019

© JFB

Umfragen und Wahl-O-Matrix-Prognosen ungenauer als sonst

Die Umfrage-Institute und auch die Wahl-O-Matrix-Prognose von JFB zeigten sich bei dieser Wahl weniger treffsicher als sonst, wiesen fast alle mittlere Abweichungen von mehr als 2,0 Prozent auf, was eigentlich zu viel ist.

1. Forschungsgruppe Wahlen (ZDF): 1,82 %
2. Wahl-O-Matrix (Jürgen Fritz Blog): 2,01 %
3. INSA (BILD): 2,11 %
4. Infratest dimap (ARD): 2,29 %
5. Civey (SPIEGEL): 2,32 %
6. IM Field (Leipziger Volkszeitung): 2,70 %

Gewinne und Verluste

Damit ergeben sich folgende Gewinne und Verluste gegenüber der letzten Landtagswahl 2014:

  1. AfD: + 17,7 %
  2. GRÜNE: + 2,9 %
  3. FW: + 1,7 %
  4. FDP: + 0,7 %
  5. Sonstige: – 2,6 % (darunter die NPD: – 4,3 %)
  6. SPD: – 4,6 %
  7. CDU: – 7,3 %
  8. LINKE: – 8,5 %

Der alles überragende, ja im Grunde einzige Gewinner dieser Wahl ist die AfD, welche ihr Ergebnis von 2014 von 9,7 Prozent fast verdreifachen konnte. Dabei übertraf sie sogar noch die Erwartungen. Man hatte die AfD im Vorfeld um die 25 Prozent taxiert. 27,5 Prozent hätten wohl selbst die meisten Optimisten kaum erwartet. Die Grünen dagegen konnten zwar 2,9 Punkte zulegen, blieben aber doch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Umfrage-Institute sahen die Grünen bei über 11 Prozent, nicht bei 8,6. Die Freien Wähler und die FDP konnten zwar beide leicht zulegen, scheitern aber beide an der Fünf-Prozent-Hürde. Insbesondere für die FDP die nächste herbe Enttäuschung.

Nun zu den Wahlverlierern. Die NPD – 2014 noch bei 4,95 Prozent – verschwindet mit 0,6 Prozent in der Bedeutungslosigkeit. Richtung Bedeutungslosigkeit bewegt sich auch die SPD, die von 12,4 auf 7,7 Prozent stürzt und damit das schlechteste Landtagswahlergebnis aller Zeiten einfährt. Die CDU verlor absolut noch mehr, das aber auf relativ hohem Niveau. Sie fiel von 39,4 auf 32,1 Prozent und kam damit noch einmal mit einem blauen Auge davon. Der größte Verlierer der Sachsenwahl ist aber wie auch in Brandenburg die Linkspartei (SED), welche fast 8,5 Punkte verliert und regelrecht abstürzt von 18,9 auf unter 10,4 Prozent.

Vorläufige Sitzverteilung

Damit ergibt sich im sächsischen Landtag folgende Sitzverteilung. Der Landtag wird nach jetzigem Stand nur 119 statt wie normalerweise 120 Sitze umfassen. Laut Landeswahlleiterin bekommt die AfD einen Sitz weniger als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustünde, weil sie bei der Erstellung der Landesliste einen Fehler beging. Die AfD könnte die Listenkürzung noch weiter anfechten, so dass sich ihre Anzahl der Sitze eventuell von 38 auf 39 erhöhen könnte. Gehen wir von den jetzigen Zahlen aus, dann verteilen sich die 119 Parlamentsmandate wie folgt:

  1. CDU: 45 Sitze
  2. AfD: 38 Sitze
  3. LINKE: 14 Sitze
  4. GRÜNE: 12 Sitze
  5. SPD: 10 Sitze

Sitverteilung

Mögliche Regierungskoalitionen

Bei 199 Landtagsabgeordneten bräuchte es 60 Mandate für eine Mehrheit. Damit ergeben sich folgende Optionen:

1. CDU + AfD hatte eine satte Mehrheit von 83 Sitzen. Dies entspräche sogar 70 Prozent der Mandate, also sogar mehr als eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Koalitionsrechner-Schwarz-Blau

2. CDU + Grüne + SPD (Schwarz-Grün-Rot) käme auf 67 Sitze. Auch das würde reichen für eine Mehrheit und dieses Dreierbündnis wird Michael Kretschmer auch versuchen zu schmieden. Eine Koalition mit der Linkspartei oder der AfD hatte Kretschmer im Vorfeld der Wahl definitiv ausgeschlossen.

Koalitionsrechner-Schwarz-Grün-Rot

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR