Zahl der Corona-Infizierten steigt deutlich an: Europa inzwischen das Epizentrum

Von Jürgen Fritz, Mo. 16. Mär 2020, Titelbild: COVID-19 Dashboard-Screenshot

Das Coronavirus breitet sich vor allem in Europa mit rasanter Geschwindigkeit aus. Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt, das öffentliche Leben kommt mehr und mehr zum Erliegen. In Deutschland gibt es zur Stunde zwar nur 14 Todesfälle, aber bereits mehr als 7.000 bestätigte Corona-Infizierte. Weltweit sind es aktuell ca. 179.000 und mehr als die Hälfte davon inzwischen außerhalb Chinas, wo die Verbreitung seit Tagen fast vollständig gestoppt werden konnte, während Europa nun das neue Epizentrum darstellt.

Italien hat es ganz besonders heftig erwischt

Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, hat schon am Freitag an alle Menschen in Deutschland appelliert, ihre sozialen Kontakte so weit wie möglich einzuschränken. „Jeder von uns muss darüber nachdenken, was er tun kann und wo er vielleicht nicht hingehen muss“, sagte Wieler in einer Pressekonferenz. Zwar müsse ein öffentliches Leben stattfinden, aber es gehe darum, alte und vorerkrankte Menschen zu schützen.

Sehr wichtig sei dabei, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen, um eine Versorgung der schweren Fälle in den Krankenhäusern zu gewährleisten. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Beatmungsplätze müsse so hoch wie möglich gehalten werden. „Wir gehen davon aus, dass das ein Stresstest wird für unser Land, für unsere Krankenhäuser“, so der Chef des Robert-Koch-Instituts weiter. „Aber wir wollen, dass unsere Kapazitäten möglichst gut genutzt werden.“ Ein Szenario wie in Italien sei nicht auszuschließen.

Italien hat es mit fast 28.000 Infizierten (27.980) auf ca. 60,5 Millionen Einwohner am heftigsten erwischt mit fast 46 Infizierten auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In China sind es auf fast 1,4 Milliarden Menschen 81.032 Infizierte = weniger als 6 Infizierte pro 100.000 Einwohner. Zudem sind in China schon deutlich über 80 Prozent der Infizierten bereits genesen. Auch den Iran hat es mit ca. 18 – 19 Infizierten pro 100.000 Einwohner besonders drastisch erwischt.

Deutschland liegt laut Johns Hopkins University zur Stunde (16.03.2020, 19 Uhr) mit 7.174 Infizierten weltweit absolut gesehen auf Platz sechs:

  1. China 81.032 (knapp 6 pro 100.000)
  2. Italien: 27.980 (46/100.000)
  3. Iran: 14.991 (18-19/100.000)
  4. Spanien: 9.428 (20/100.000)
  5. Südkorea: 8.236 (16/100.000)
  6. Deutschland: 7.174 (8-9/100.000)
  7. Frankreich: 5.397 (8/100.000)

Innerhalb Deutschlands hat sich Hamburg die letzten Tage mit den meisten Infizierten pro 100.000 Einwohner ganz nach oben geschoben, vor NRW, Berlin und Bayern. Die Sterberate auf Infektionen (Letalität) liegt in Deutschland dabei bislang nur bei etwa 0,2 Prozent. Das ist deutlich geringer (!) als in vielen anderen Ländern (China: um die 4 %, Italien: 7,7 %, Iran: 5,7 %, Spanien: 3,6 %, Südkorea: 0,9 %, Frankreich: 2,4 %, USA: 1 %, Schweiz: 0,6 %, Großbritannien: 2,3 %).

Die Infektionskette muss unterbrochen werden

Lothar Wieler hoffe nicht, dass wir in Deutschland italienische Verhältnisse bekommen, . Dem dienten die aktuellen Anstrengungen. In Italien seien einige Krankenhäuser zur Triage gezwungen, das heißt, sie müssten wegen Kapazitätsengpässen entscheiden, wer noch beatmet werde und wer nicht. In Deutschland sei die Epidemie sehr früh erkannt worden, aber: „Wir stehen am Anfang dieser Epidemie“.

Wieler betonte, dass das Risiko eines schweren Verlaufs vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen höher sei. „Mit zunehmendem Alter, ab 50, vor allem ab 60 Jahren, und bei Grunderkrankungen ist das Risiko, dass Personen schwerer erkranken, höher“, was aber nicht heiße, dass junge Menschen nicht schwer erkranken können.

Etwa 80 Prozent, also vier von fünf Infizierten hätten nur leichte bis gar keine Symptome. An ihnen gehe die Krankheit „mehr oder weniger vorbei“, sie bildeten jedoch eine Immunität, was die Ausbreitung verlangsame. Die restlichen 20 Prozent würden schwerer verlaufen. Zurzeit gehe man davon aus, dass fünf Prozent der registrierten Fälle so schwer verliefen, dass die Patienten beatmet werden müssten. Wieler betonte jedoch, dass diese Zahlen derzeit noch nicht ausreichen, um wirklich wirklich belastbar zu sein.

Wenn wir davon ausgehen, dass sich bis zu 60 oder 70 Prozent der Bevölkerung im Laufe der nächsten Monate oder Jahre infizieren werden, dann sprächen wir von bis zu 50 bis 58 Millionen Menschen. Sollten die bisherigen Einschätzungen sich bestätigen, dass bei etwa fünf Prozent der Infizierten eine Beatmung notwendig werde, so wären dies ca. 2,5 bis 2,9 Millionen Fälle eines schweren Verlaufs. Diese Zahlen verdeutlichen, warum eine Entschleunigung der Verbreitung des Virus essentiell ist. Denn über 2,5 Millionen schwere Verläufe innerhalb weniger Wochen oder Monate würde unser Gesundheitssystem natürlich nicht verkraften, so dass viele Erkrankte gar nicht behandelt werden könnten. Daher muss die Infektionskette unbedingt unterbrochen werden. Dies hat jetzt höchste Dringlichkeit.

Umgekehrt könnte es möglich sein, wenn es gelingt, die weitere Verbreitung des Virus für zwei bis drei Wochen nahezu auf Null zu bringen, dass dann die Epidemie quasi zum Stillstand kommt. Denn nach zwei bis drei Wochen sind die frisch Infizierten genesen und immun, verbreiten das Virus dann nicht mehr weiter. Das exponentielle Wachstum muss also gebrochen werden.

Zehn Dinge, die Sie persönlich tun können

  1. Immer wenn Sie außer Haus waren oder Kontakt zu Mitmenschen hatten, regelmäßig und ausreichend lange Händewaschen: mindestens 20 Sekunden unter laufendem Wasser mit Seife (auch zwischen den Fingern), um sich nicht anzustecken.
  2. Richtiges Husten und Niesen in ein Einwegtaschentuch oder in die Armbeuge, um das Virus nicht weiter zu verbreiten.
  3. Abstand von Menschen mit Husten, Schnupfen oder Fieber halten, am besten mindestens zwei Meter.
  4. Händeschütteln generell unterlassen.
  5. Hände vom Gesicht fernhalten (Schleimhäute in Mund und Nase sowie Augen).
  6. Wenn Sie die Möglichkeit haben, verzichten Sie unbedingt aufs Reisen.
  7. Vermeiden Sie, wenn immer möglich, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen
  8. Arbeiten Sie, wenn es geht, die nächsten Wochen von zu Hause aus.
  9. Reduzieren Sie jegliche Kontakte auf das Notwendigste und verzichten vor allen Dingen auf den Besuch von Veranstaltungen mit Menschenansammlungen.
  10. Bürger , die älter als 60 Jahre sind, sollten sich gegen Pneumokokken impfen lassen.

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