Höcke will, dass Kritiker in den eigenen Reihen „ausgeschwitzt werden“

Von Jürgen Fritz, So. 15. Mär 2020, Titelbild: Video-Screenshot, Update: Mo. 16. Mär 2020

In der Nachkriegszeit ist der Name „Auschwitz“ zu einem Symbol geworden. Zu einem Symbol für eines der schlimmsten Verbrechen, das Menschen jemals anderen Menschen angetan haben. Zu einem Symbol für den Holocaust, den nationalsozialistischen Völkermord an ca. sechs Millionen europäischen Juden. Und nun hören Sie bitte, was Björn Höcke, der Fraktionsvorsitzende der AfD im Thüringer Landtag und Kopf des völkischen „Flügel“ innerhalb der AfD, auf einem Treffen eben jenes Flügel in Sachsen-Anhalt vor wenigen Tagen sagte.

Höcke will innerparteiliche Kritiker „ausschwitzen“

Ich vermute, dass es sich bei der folgenden Aufnahme um eine heimliche solche handelte, dass Björn Höcke, der Fraktionsvorsitzende der AfD im Thüringer Landtag und Kopf von „Der Flügel“, also nicht wusste, dass er gerade aufgenommen und das, was er hier sagte, außerhalb dieser völkischen Vereinigung innerhalb der AfD verbreitet werden würde. Sobald mir hierzu genauere Informationen vorliegen, werde ich die hier nachreichen.

Vermutet wird, dass am Freitag, den 06.03.2020, sechs Tage bevor „Der Flügel“ vom Verfassungsschutz offiziell als eine „erwiesen extremistische Bestrebung“ eingestuft wurde, in Schnellroda ein Treffen des “Flügels” stattfand. In Schnellroda befindet sich das ehemalige Rittergut von Götz Kubitschek, der als Kopf und Vordenker der Neuen Rechten (Radikale und Extremisten) und als enger Vertrauter von Höcke gilt.

In dem Videoausschnitt macht Höcke das, was er regelmäßig tut und was ein Kriterium darstellte, warum er vom Verfassungsschutz ganz eindeutig nicht nur als Rechtsradikaler, sondern als verfassungsfeindlicher Rechtsextremist eingestuft wurde: Er sagte – hier nun aber in einer derart drastischen Wortwahl wie wohl nie zuvor öffentlich bekannt wurde – wie mit internen Kritikern des rechtsextremistischen „Flügels“ umzugehen sei. Höcke wörtlich:

“Die, die nicht in der Lage sind, Disziplin zu leben, die, die nicht in der Lage sind das Wichtigste zu leben, was wir zu leisten haben, nämlich die Einheit, dass die allmählich auch mal ausgeschwitzt werden aus unserer Partei.” 

Und achten Sie bitte darauf, wie die Zuhörer darauf reagieren:

 

Die hässliche rechtsextremistisch-faschistische Fratze wird immer deutlicher sichtbar

Eines von mehreren Kriterien, warum der gesamte Flügel vom Verfassungsschutz als „erwiesen extremistische Bewegung“ rubriziert wurde, waren laut Verfassungsschutz die personenkultartigen Elemente, die in dieser Vereinigung um die Person Höckes veranstaltet werden. Und nochmals: Achten Sie bitte auf die Reaktionen der Zuhörer, nachdem Höcke zum Besten gab, wie mit internen Kritikern, die die „Einheit“ der AfD stören, verfahren werden sollte: „Höcke, Höcke, Höcke …“

Die immer gleiche, seit Jahren artikulierte Phrase auf jegliche Kritik ist die, dass Kritiker als „Spalter“ bezeichnet werden. Auf diese Weise wird systematisch versucht, innerparteiliche Kritik am Flügel zu diffamieren, was ein wesentlich antidemokratisches, antipluralistisches Element darstellt. Und so stellte denn auch der Abteilungsleiter Rechtsextremismus beim Verfassungsschutz Joachim Seeger heraus, dass insbesondere Höcke jeden Ansatz einer inhaltlich-kritischen Auseinandersetzung mit Flügel-Positionen mit dem aggressiven Kampfbegriff „Feindzeuge“ und dem Vorwurf des „Spaltens“ denunziert.

Durch das hier vorliegende Video fällt die ohnehin immer mehr fallende Maske nun nochmals deutlich mehr herunter und hinter der sich vermeintlich demokratischen Fassade wird immer deutlicher, was in Wahrheit dahinter steckt: eine Vereinigung, die interne Kritiker ausschwitzen will. Inwieweit dies mit dem Demokratieprinzip in Einklag zu bringen ist, sei dahingestellt.

„Ausschwitzen“ steht wohl für: Kritiker ausmerzen, aus der Partei drängen

Auschwitz ist nach 1945, wie gesagt, zum Symbol eines der furchtbarsten Menschheitsverbrechen geworden, die es jemals gab, in dem Menschen, die man weghaben wollte, systematisch ermordet, indem sie massenhaft vergast wurden, um die Mordgeschwindigkeit zu erhöhen – allen voran 5,6 bis 6,3 Millionen europäischen Juden.

Anhänger der Nazis und ihre Helfer führten dieses unvorstellbare Verbrechen von 1941 bis 1945 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durch. Ihr Ziel: alle Juden im deutschen Machtbereich zu vernichten. Dieses Menschheitsverbrechen gründete auf dem von Adolf Hitler persönlich propagierten Antisemitismus, genauer: Antijudaismus (Judenhass), die auf der Rassenlehre der NS-Ideologie aufbaute.

In Auschwitz befand ich dazu im vom Deutschen Reich annektierten Teil von Polen ein Lagerkomplex mit einer doppelten Funktion: als Konzentrationslager und als Vernichtungslager. Die europaweit gefangen genommenen Menschen wurden per Bahn in nach Auschwitz transportiert. Etwa 90 Prozent waren Juden, die aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn nach Auschwitz verfrachtet und dort einer „speziellen Behandlung“ zugeführt wurden. Die Zahl der Todesopfer alleine in diesem einen Lagerkomplex beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen.

Dass Höcke just diesen Ausdruck „AUsgeSCHWITZt werden“ benutzte, ist ganz sicher kein Zufall. Dies kann schon daher ausgeschlossen werden, da dieses Wort vollkommen (!) ungebräuchlich ist und Höcke weder ein Dummkopf noch jemand ist, der die deutsche Sprache nicht sehr eloquent beherrschen würde. Nein, der Mann weiß ganz genau, was er sagt und wie er Worte strategisch und psychologisch wirksam einsetzt, um bestimmte Assoziationen absichtlich zu evozieren. Mit AUsSCHWITZen ist angedeutet, wie mit Kritikern in den eigenen Reihen umgegangen werden soll: Sie sollen ausgemerzt werden, hier wohl zu verstehen als: aus der Partei hinausgedrängt.

Höcke und „Der Flügel“ ziehen die gesamte AfD, die diesen nicht los wird, mehr und mehr in den rechtsextremistischen Sumpf hinab

Höcke ist, so hat dies der Verfassungsschutz nach monatelanger sicherlich nicht wenig sorgsamer Prüfung festgestellt, ein Rechtsextremist. Andere sagen: ein Faschist. Dies wird immer klarer.

Hinzu kommt – und das macht die Sache umso schlimmer und war mit ein Grund, den Flügel als „erwiesen extremistische Bewegung“ einzustufen -, dass diese Gruppierung innerhalb der AfD immer mächtiger und einflussreicher wird und sich quasi kaum noch jemand traut, sich mit Höcke und dem Flügel anzulegen beziehungsweise wenn doch, dann ist seine Karriere innerhalb der AfD meist bald vorbei.

Daher verwundern folgende Aussagen wenig, die zugleich die gesamte AfD mit in den rechtsextremistischen Sumpf hinabzuziehen drohen:

  • „Der Flügel ist ein integraler Bestandteil unserer Partei, und das wird er auch in Zukunft immer bleiben.“ – Der erste Bundesvorsitzende der AfD Jörg Meuthen (Quelle)
  • “Ich halte den ‘Flügel’ “für einen Bestandteil in dieser Partei.” – Der zweite Bundesvorsitzende der AfD Tino Chrupalla (Quelle)
  • „Der Flügel ist eine ganz wichtige Strömung innerhalb der Partei“ – Die AfD-Fraktionvorsitzende im Deutschen Bundestag Alice Weidel (Quelle)
  • “Herr Höcke rückt die Partei nicht nach rechts. Herr Höcke ist die Mitte der Partei.” – Der zweite AfD-Fraktionschef im Deutschen Bundestag Alexander Gauland (Quelle)

Update vom 16.03.2020

Berlin direkt berichtete gestern Abend ebenfalls über die AfD (zu sehen hier ab Minute 14:10) und zeigte auch diesen Videoausschnitt. Am Ende sagt dann das ehemalige AfD-Mitglied, der Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann, der bereits vor 15 Monaten, im Dezember 2018, aus der Partei austrat, das, was ich seit Monaten beschreibe. Er teile Höckes Ansicht, dass Der Flügel längst die Macht in der AfD übernommen habe. Kamann wörtlich:

»Die Partei ist als Ganzes nach rechts gerutscht, aus meiner Sicht heraus, und nicht nur bestimmte Teilbereiche. Und wenn jetzt beobachtet wird (durch den Verfassungsschutz, JFB), dann gehe ich davon aus, dass man das auch relativ schnell erkennt. Dann müsste auch die AfD verboten werden.«

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