AfD verliert laut INSA in nicht mal 18 Monaten fast 30 Prozent ihrer Anhänger

Von Jürgen Fritz, Di. 17. Mär 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

INSA gilt gemeinhin als das Meinungsforschungsinstitut unter den neun großen, welches meist mit die höchsten AfD-Werte errechnet. Manche meinen sogar, die INSA-Zahlen seien nicht seriös, weil dem Geschäftsführer Hermann Binkert eine Nähe zur AfD nachgesagt wird. Für Letzteres gibt es tatsächlich Belege, nicht aber dafür, dass die INSA-Zahlen aus dem Rahmen fallen würden. Just dieses als AfD-nah geltende Institut weist nun aber heute die „Alternative für Deutschland“ bundesweit nur noch mit 13 Prozent aus. Damit ist die AfD laut INSA nicht nur auf einem Zwei-Jahres-Tief angekommen, sie hätte sogar in nicht mal 18 Monaten fast 30 Prozent ihrer Anhänger verloren. Doch betrachten wir es genauer.

Ja, es scheint eine Nähe des INSA-Chefs zur AfD zu geben

Die INSA-Consulere GmbH hat ihren Sitz in Erfurt. Gegründet wurde sie Ende 2009 von dem ehemaligen CDU-Politiker Hermann Binkert, der von 1980 bis 2014 CDU-Mitglied war. Von 2008 bis November 2009 war Binkert Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei, damals unter dem Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU). Aber auch die zwanzig Jahre zuvor war er – schon seit 1998 – in der Thüringer Staatskanzlei tätig. Er begann dort als persönlicher Referent der Ministerpräsidenten Bernhard Vogel und Dieter Althaus (beide CDU) und war ab 2004 zusätzlich Referatsleiter für Politische Grundsatzfragen.

INSA beschäftigt ca. 80 festangestellte Mitarbeiter, darunter zehn wissenschaftliche Mitarbeiter und etwa 70 teilzeitangestellte Interviewer. Neben einem eigenen Telefonlabor mit Telefonbefragungen bezieht INSA-Consulere seine Umfragedaten von dem Online-Marktforschungsistitut YouGov, weshalb die Zahlen von INSA und YouGov sich oft nicht allzu sehr unterscheiden. INSA ist vor allem bekannt für seine Sonntagsfrage, die jede Woche in der BILD veröffentlicht wird.

Binkert wurde mehrfach eine Nähe zur AfD nachgesagt, insbesondere zu deren Thüringer Landesverband um Björn Höcke. So soll das Binkert-Unternehmen DO Dienstleistungsoffice 2014 Leistungen für die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag erbracht und dafür von der AfD bis zu 8.000 Euro monatlich erhalten haben. Und im Mai 2016 wurde durch Recherchen der Thüringer Allgemeine bekannt, dass Binkert zusammen mit Landtagsabgeordneten und Mitarbeitern der AfD Thüringen im September 2015 einen Verein unter dem Namen Bürgerbündnis für Thüringen gegründet hat. Gründungsort war eine Villa in Erfurt – der Firmensitz von INSA. Zu den zehn Mitgliedern des Bürgerbündnisses gehörten neben Insa-Chef Hermann Binkert die AfD-Landtagsabgeordnete Corinna Herold und ihr Fraktionskollege Olaf Kießling, der zum Schatzmeister bestimmt wurde. Ebenfalls mit dabei: Die Pressesprecherin der AfD-Fraktion und ein Assistent von AfD-Fraktionschef Björn Höcke.

Kurzum, es scheint eine Nähe des INSA-Gründers und -Geschäftsführers zur AfD zu geben. Dass die von INSA herausgegeben Zahlen deutlich von den Werten anderer Instituten abweichen und außerhalb des Rahmens der Glaubwürdigkeit liegen würden, kann ich als Gründer von Wahl-O-Matrix, dem deutschlandweit führenden Meta-Analyse-Tool, allerdings nicht bestätigen.

Nein, die INSA-Zahlen sind nicht unseriös und auch nicht ungenauer als die Zahlen anderer Institute

Bei der letzten Bundestagswahl im September 2017 lag INSA mit seinem AfD-Wert von 13 Prozent in seiner letzten Umfrage vor der Wahl zwar als einziges Institut über dem in der Wahl eingetreten Wert von 12,6 Prozent, die Abweichung betrug aber nur 0,4 Punkte, während zum Beispiel GMS, YouGov und Allensbach nicht 0,4, sondern 2,6 Punkte daneben lagen, das aber in die andere Richtung. Sie hatten die AfD auf 10 statt auf 12,6 Prozent errechnet. Und Forsa lag fünf Tage vor der Wahl sogar noch 3,6 Punkte daneben (9 statt 12,6 Prozent).

Bei der Bundestagswahl 2017 lag INSA mit nur 1,05 % mittlere Abweichung bezogen auf alle Parteien sogar auf Platz eins, war als einziges Institut besser als Wahl-O-Matrix (JFB) mit 1,09 % mittlere Abweichung.

Und bei der letzten EU-Wahl vom 26. Mai 2019 schnitt die AfD zwar ein Punkt schlechter ab als von INSA prognostiziert (knapp 11,0 statt 12 Prozent), aber damals hatten alle Institute die AfD stärker eingeschätzt als sie dann tatsächlich abschnitt. Alle sahen sie weniger Tage vor der EU-Wahl bei 12 Prozent (Wahl-O-Matrix auch), Civey sogar bei 12,3 Prozent. Doch sie kam nur auf knapp 11 Prozent. INSA lag nun mit einer auf alle Parteien bezogenen mittleren Abweichung von 1,46 % zwar nur auf Platz sechs, lag damit aber vollkommen im Rahmen von ca. 1,1 bis 1,5 % mittlere Abweichung, in dem alle Institute (und auch Wahl-O-Matrix mit 1,22 %) lag.

Fazit: Das Gerücht, die AfD würde von den Forschungsinstituten immer zu niedrig ausgewiesen werden, kann ebenso wenig bestätigt werden wie das Gerücht, die INSA-Zahlen seien nicht seriös. Beides stimmt nicht.

AfD fällt bei INSA auf Zwei-Jahres-Tief, verliert in knapp 18 Monaten fast 30 Prozent ihrer Anhänger

Nun aber zu den aktuellen Zahlen von INSA, welche die BILD heute veröffentlicht (2.049 im Zeitraum 13.03. bis 16.03.2020 Befragte). Demnach würden die Bundesbürger derzeit wie folgt wählen (in Klammern die Veränderungen zur Vorwoche):

  1. CDU/CSU: 28,5 % (+ 2)
  2. GRÜNE: 23 % (+1)
  3. SPD: 14,5 % (− 1)
  4. AfD: 13 % (− 1)
  5. LINKE: 9,5 %
  6. FDP: 6,5 %
  7. Sonstige: 5 % (− 1)

Deutlich zulegen konnte bei INSA die letzten sieben Tage also vor allem die Union, die von 26,5 auf 28,5 Prozent steigt. Zulegen können auch Die Grünen, welche von 22 auf 23 Prozent steigen. Die SPD fällt dagegen von 15,5 auf 14,5 und die AfD von 14 auf 13 Prozent.

Damit ist die Alternative für Deutschland wieder auf ihrem niedrigsten INSA-Stand seit über zwei Jahren angekommen. Unter 13 Prozent lag sie zuletzt im November 2017. Seither nie wieder.

Noch schlimmer aber: Seit dem 01.10.2018, als INSA sie auf 18,5 Prozent berechnete, hat die AfD fast 30 Prozent (über 29,7) ihrer Anhänger verloren.

Auch bei Wahl-O-Matrix verliert die AfD fast jeden vierten Anhänger

Betrachten wir die aktuellen Wahl-O-Matrix-Zahlen, die meist noch etwas genauer sind als die von INSA, dafür aber weniger aktuell, weil hier auch die Ergebnisse von Umfragen mit einfließen, die vor ein, zwei, maximal drei Wochen (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) durchgeführt wurden, so sind die Verluste der AfD in den letzten 18 Monaten nicht ganz so hoch, aber nicht sehr viel geringer.

  1. CDU/CSU: 27,3 %
  2. GRÜNE: 22,2 %
  3. SPD: 15,4 %
  4. AfD: 13,0 %
  5. LINKE: 9,1 %
  6. FDP: 6,3 %
  7. Sonstige: 6,8 %
2020-03-17

(c) JFB

Den höchsten Wert, den die AfD im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute je erreichte, war Ende September, Anfang Oktober 2018 nicht 18,5 Prozent wie bei INSA, sondern 17,0 Prozent. Legen wir diese 17,0 Prozent als All-Time-High zu Grunde, dann hat die AfD in den letzten knapp 18 Monaten nicht knapp 30 Prozent, sondern gut 23,5 Prozent, also fast jeden vierten Anhänger verloren.

Die Flügel-Einstufung als rechtsextremistisch könnte künftig viele Menschen abschrecken und der AfD droht noch viel Schlimmeres

Dabei wird in den nächsten Wochen und Monaten zu beobachten sein, wie sich die Einstufung des völkischen „Der Flügel“ als „erwiesen extremistische Bestrebung“ durch den Verfassungsschutz auswirken wird. Dies könnte dazu führen, dass vor allem Beamte sich aus der AfD zurückziehen, da diese um ihre Anstellung im Staatsdienst bangen müssen. Auch droht nun womöglich der AfD als Ganzes eine Einstufung als „erwiesen extremistische (und damit verfassungsfeindliche, JFB) Bestrebung“.

Wie bereits berichtet, sagte das ehemalige AfD-Mitglied, der Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann, der bereits vor 15 Monaten, im Dezember 2018, aus der Partei austrat, folgendes:

»Die Partei ist als Ganzes nach rechts gerutscht, aus meiner Sicht heraus, und nicht nur bestimmte Teilbereiche. Und wenn jetzt beobachtet wird (durch den Verfassungsschutz, JFB), dann gehe ich davon aus, dass man das auch relativ schnell erkennt. Dann müsste auch die AfD verboten werden.«

Dieses Damoklesschwert über der AfD dürfte für einige eine abschreckende Wirkung haben, so dass es nicht überraschen würde, wenn die Zustimmungswerte in der Bevölkerung weiter fallen werden. In dem Wahl-O-Matrix-Mittelwert von 13,0 Prozent sind, wie gesagt, auch noch Umfragen enthalten, die Ende Februar, Anfang März durchgeführt wurden, also vor der Einstufung des AfD-Flügels als rechtsextremistisch. Wahl-O-Matrix und JFB werden die weitere Entwicklung beobachten.

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