Christian Drosten: Die sozialen Medien sind voller Unsinn, zum Teil auch von Medizinern

Von Jürgen Fritz, Mi. 13.05.2020, Titelbild: NDR-Screenshot

Das Coronavirus-Update mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten und der NDR-Wissenschaftsjournalistin Korinna Hennig vom 12.05.2020: Was Aerosol-Übertragung für die Gastronomie bedeutet, wie man Lügen im Netz besser erkennen kann und was die Erbgut-Analyse über den Ursprung des Coronavirus aussagt.

Folge 40 vom 12.05.2020

SARS-CoV-2, das neue Coronavirus, hat sich zuerst in China ausgebreitet und ist nun Tag für Tag in den Schlagzeilen. Doch wie können wir so viele Menschen wie möglich so fundiert wie möglich informieren – ohne dabei unnötige Panik zu verbreiten? NDR Info Wissenschaftsredakteurinnen Korinna Hennig und Anja Martini sprechen zweimal pro Woche mit einem der führenden Virus-Forscher Deutschlands: Christian Drosten, dem Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Welche Spur verfolgt die Forschung aktuell? Welche neuen Erkenntnisse gibt es zu Ansteckung und Krankheitsverlauf? Ist die Aufregung um das neue Virus überhaupt angemessen? Und: Wie ergeht es den Forschern persönlich in diesen Tagen?

In der gestrigen Folge, vom Dienstag, den 12.05.2020, der 40. Folge der Serie, ging es darum, was Aerosol-Übertragung für die Gastronomie bedeutet, wie man Lügen im Netz besser erkennen kann und was die Erbgut-Analyse über den Ursprung des Coronavirus aussagt. Insbesondere zum Thema der Fehlinformationen sprach Christian Drosten deutliche Worte:

Wie viele Personen mittlerweile Halbwahrheiten, falsche Interpretationen oder gar Verschwörungstheorien in die Welt setzen, sei erschreckend. „Was ich höre, auch von scheinbaren Fachleuten, das entbehrt einfach jeder Grundlage.“ Deren Wissensstand ginge „nicht über eine oberflächliche Kenntnis von Studentenlehrbuchwissen hinaus“, so Dorsten. „Und mit dieser Wissensbasis posaunt man dann Videos in die Öffentlichkeit und stärkt den wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern, die auch zum Teil politische Agenden haben, den Rücken.“ Das aber sei „unverantwortlich“.

Auch die Äußerungen von Luc Montagnier, einem französischen Virologen und Nobelpreisträger von 2008, rückte Christian Drosten zurecht. Der bald 88-jährige Montagnier hatte in einer TV-Sendung behauptet, im Erbgut des Coronavirus würden sich auch Sequenzen von HIV und dies könne nur künstlich hergestellt worden sein. Christian Drosten dazu: „Es ist schwierig für einen aktiven Wissenschaftler in der Virologie zu sagen, dass ein Nobelpreisträger im Fach Virologie Unsinn verbreitet, aber das ist kompletter Unsinn.“ Diese Ähnlichkeit sei vollkommen gewöhnlich. „Dieses Thema ist einfach erledigt, auch wenn ein im Ruhestand befindlicher Nobelpreisträger in einer Talkshow darüber redet.“ Sodann erklärt der Corona-Experte, warum dem so ist. 

 

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