Buffalo: Polizisten verletzen 75-Jährigen schwer, Trump verbreitet Mutmaßungen von russischem Journalisten

Von Jürgen Fritz, Di. 09. Jun 2020, Titelbild: WBFO-Screenshot

Letzte Woche kam es in Buffalo, der zweitgrößten Stadt des US-Bundesstaates New York, bei einer Anti-Rassismusdemonstration zu einem weiteren tragischen Vorfall, als zwei Polizisten einen 75-jährigen Mann so heftig wegstießen, dass dieser rückwärts stürzte und mit dem Kopf mit voller Wucht auf den Asphalt aufschlug, sich dabei schwer verletzte. Das Ganze wurde gefilmt und das Video ging um die Welt. Heute äußerte sich nun der US-Präsident zu dem Vorfall und stellte dabei Mutmaßungen über den 75-Jährigen an, bei denen sich die Frage stellt, wo er diese her hat.

Der 75-Jährige liegt schwer verletzt am Boden, Blut fließt aus seinem Ohr und alle Polizisten laufen vorbei

Immer wenn man denke, Trump könne es nicht noch schlimmer machen, werde man eines Besseren belehrt, schrieb Christian Lindner vor einer Woche. Und als ob Trump das gelesen hätte und es immer wieder aufs Neue zu bestätigen gedenke, macht er weiter.

Lindner

Bei einer Anti-Rassismusdemonstration in Bufallo im US-Bundesstaat New York kam es vor wenigen Tagen zu folgendem Vorfall: Ein 75-jähriger Mann geht auf eine Kette von Polizisten zu, zwei von diesen stoßen ihn daraufhin kräftig zurück. Der Mann torkelt nach hinten, stolpert und fällt rücklings zu Boden, knallt dabei mit dem Kopf mit voller Wucht auf den Asphalt. Nun bleibt der alte Mann regungslos am Boden liegen, scheint bewusstlos zu sein. Man sieht jetzt, wie Blut aus seinem rechten Ohr fließt. Doch alle Polizisten laufen an dem Schwerverletzen vorbei. Keiner hilft ihm. Als ein Polizist sich zu ihm nach unten beugen möchte, schiebt ihn ein Kollege weiter.

Der Bürgermeister von Buffalo ist bestürzt, doch Trump ergeht sich in Verdächtigen gegenüber dem Schwerverletzten

Später stellt sich heraus: der Mann hat eine schwere Kopfverletzung, muss ins Krankenhaus, ist aber zum Glück stabil und nicht in Lebensgefahr. Der Bürgermeister von Bufallo Byron Brown zeigte sich nach dem Vorfall bestürzt:

„Mich hat das Video tief beunruhigt. Dieser Vorfall ist entmutigend nach Tagen des friedlichen Protests und mehreren Treffen von mir mit der Polizeiführung und Mitgliedern der Gemeinde.“

Byron Brown

ntv-Screenshot

Ganz anders dagegen die Reaktion des US-Präsidenten. Trump twitterte heute:

„Der in Bufallo von der Polizei geschubste Protestler könnte ein ANTIFA-Provokateur sein. Der 75-jährige Martin Gugino wurde weggestoßen, nachdem er den Anschein hatte, die Kommunikation der Polizei zu scannen, um die Ausrüstung zu verdunkeln.
@OANN Ich sah zu, wie er stärker fiel, als er geschubst wurde. Er zielte auf den Scanner. Es könnte eine Falle gewesen sein?“

Could be a set up

Vom wem hat Trump seine Spekulationen und Mutmaßungen?

Anstatt also den eigenen Bürger in Schutz zu nehmen, wirft Trump vor, er habe seinen Sturz vorgetäuscht oder wollte den Polizisten eine Falle stellen. Zudem könnte der 75-Jährige „ein Antifa-Provokateur“ sein, meinte Trump. Er sei „härter gefallen, als (er) gestoßen wurde“. Zudem habe der Mann womöglich versucht, die Kommunikationsausrüstung der Polizei zu sabotieren. Bei seinen Spekulationen bezog sich Trump auf einen Bericht von One America News Network, ein rechtsextremer Pro-Trump-Kabelkanal von Herring Networks, Inc., der diese Deutung verbreitet hatte.

Das Video zum Tathergang zeigt keinerlei Bewegung des Handys von Gugino in Richtung der Polizisten. Zu sehen ist nur, dass Gugino gestikuliert. Der 75-Jährige ist zwar Mitglied zweier NGOs, einer für bessere Wohnverhältnisse in New York und einer für Menschenrechte, zudem ist er bei einer katholischen Gewerkschaft aktiv, wie die Washington Post schreibt. Bezüglich eines Engagements im Rahmen der Antifa sind hingegen keine Hinweise vorhanden.

Dafür, dass Gugino sein Handy als Scanner eingesetzt habe – was technisch unter Umständen möglich ist –, gibt es ebenfalls keine Belege. Auch die Polizei hat keine genannt. Zudem ist völlig unklar, welche Informationen Gugino auf die Art hätte erlangen wollen. Der Polizeifunk von Buffalo ist öffentlich zugänglich, die Frequenz ist kein Geheimnis, sondern im Internet nachzulesen.

Trumps Darstellung stammt von einem russischen Reporter, der sie von einem rechten Blog übernommen hat

Trumps Mutmaßungen waren unbegründet und diese Spekulationen stammen, wie gesagt, von dem US-Fernsehsender One America News Network (OANN), ein rechtsextremer Sender, der dafür bekannt ist, Verschwörungsmythen zu fördern. Trump erwähnt den Sender auch direkt in seinem Tweet: „OANN). Der Reporter, von dem die Meldung stammt, ist Kristian Rouz, ein russischer Staatsbürger. Rouz hat auch für Sputnik News, ein russisches Propagandaunternehmen, gearbeitet.

Während seiner Tätigkeit für OANN hat Rouz Verschwörungsmythen verbreitet und eine positive Haltung gegenüber Russland eingenommen. Rouz selbst lieferte keinerlei Beweise für seine Spekulationen. Er bezog sich vielmehr auf einen Bericht eines rechten Blogs „Conservative Treehouse“, wo sie erstmals aufgetaucht sind. Und das hat Trump dann weiter verbreitet.

Beide Polizisten, die den 75-Jährigen zu Boden stießen, sind vom Dienst suspendiert

Berichten zufolge wurde Martin Gugino zunächst auf der Intensivstation einer Klinik behandelt. Nach fünf Tagen wurde er auf eine reguläre Krankenhausstation verlegt.

Die beiden Polizisten, die den 75-Jährigen zu Boden gestoßen haben, wurden auf jeden Fall ohne weitere Bezüge vom Dienst suspendiert, wie Bürgermeister Byron W. Brown mitteilte. Ihnen werde Körperverletzung vorgeworfen, berichteten US-Medien. Der 75-Jährige sei in einem ernsten, aber stabilen Zustand.

75-Jähriger mit Kopfverband

Der Schwerverletzte wird ins Krankenhaus abtransportiert, ntv-Screenshot

Der Polizeichef der Stadt im Bundesstaat New York habe eine interne Untersuchung angeordnet. Vom Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, gab es scharfe Kritik: „Dieser Vorfall ist völlig ungerechtfertigt und äußerst beschämend.“ Polizisten müssten das Gesetz vollstrecken, nicht missbrauchen.

80 bis 85 Prozent der Deutschen sehen Trump als Gefahr für die nationale Sicherheit der USA

Die Worte, die man eigentlich vom US-Präsidenten hören wollte, mussten also wieder einmal andere sprechen. In Deutschland sehen Trump inzwischen übrigens 80 bis 85 Prozent als eine Gefahr für die nationale Sicherheit an. Aber nicht nur in Deutschland.

Civey Trump = Gefahr für die nationale Sicherheit

Seit zwei Wochen kommt es in zahlreichen US-Städten zu Demonstrationen gegen Rassismus, Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit. Auslöser, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem unglaublich brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota am 25. Mai.

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR