In Erinnerung an Ennio Morricone

Von Jürgen Fritz, Do. 09. Jul 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

Am Montagmorgen ist Ennio Morricone von uns gegangen. Der italienische Komponist und Dirigent verstarb im Alter von 91 Jahren in Rom, wo er auch geboren worden war. Morricone komponierte die Musik für mehr als 500 Filme, darunter die Italowestern-Klassiker seines Freundes Sergio Leone Zwei glorreiche Halunken“ und Spiel mir das Lied vom Tod“, aber auch zu Roland Joffés Drama Mission“ und zu Giuseppe Tornatores Cinema Paradiso“. 2007 erhielt das Musikgenie den Oscar für sein Lebenswerk, 2016 einen weiteren für die Musik zu Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“. Morricone hinterließ seinen Liebsten einen ergreifenden Abschiedsbrief, der von seinem Anwalt verlesen wurde.

Der bekannteste Komponist der Filmgeschichte

Morricone, Jahrgang November 1928, studierte am Konservatorium von Santa Cecilia Trompete und Chormusik, erhielt 1946 mit kaum 18 Jahren sein Konzertdiplom als Trompeter. Ein Jahr später folgte bereits ein erstes Engagement als Theaterkomponist. Schon ab Mitte der 1950er Jahre etabilierte er sich mit Kammermusik- und Orchesterwerken in der musikalischen Avantgarde seines Landes, 1956 heiratete er Maria Travia, die er bereits 1950 kennengelernt hatte. Sie unterstützte ihn bei seiner Arbeit, schrieb teilweise ergänzende Texte zu seinen Musikstücken und hatte mit ihm zusammen vier Kinder.

1961 komponierte er seine erste Filmmusik, doch der ganz große Erfolg kam erst einige Jahre später. 1964 begann er seine überaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit den beiden Meisterregisseuren Sergio Leone, mit dem er zusammen in die gleiche Schule und in dieselbe Klasse gegangen war, und Bernardo Bertolucci. Morricone schrieb unter anderem die Musik für Sergio Leones Filme Für eine Handvoll Dollar (1964), Zwei glorreiche Halunken (1966) und dann für das Western-Epos schlechthin Spiel mir das Lied vom Tod (Once upon a time in the West, 1968) und auch Leones letzten Film Es war einmal in Amerika (Once upon a time in America, 1984).

Morricones Kompositionen unterschieden sich stark von den traditionellen symphonischen Western-Soundtracks aus Hollywood und wirkten durch ihre ungewöhnlichen Soundelemente, wie Maultrommeln, Pfiffe, Schreie, Kojotengeheul, Eulenrufe, Glocken, Spieluhren, Peitschenknallen, Schläge auf Amboss etc.) stilbildend und innovativ. Gerade im Genre des Italo-Westerns orientierten sich zahlreiche Komponisten an dem von Morricone entwickelten Stil.

Ab Mitte der 1990er Jahre, der Maestro war da schon Mitte/Ende 60, komponierte Morricone jedes Jahr die Filmmusik für etwa 15 Filme. Insgesamt schuf der Genius in mehr als vierzig Jahren künstlerischen Schaffens die Musik zu über 500 Filmen und wurde zum bekanntesten Komponisten der gesamten Filmgeschichte.

Sein Freund Sergio Leone sagte einmal, dass Morricone für ihn mehr ein Drehbuchautor sei als ein Komponist, denn durch die Musik könne er etwas mitteilen, was er sonst hätte zeigen müssen. Und Morricone selbst meinte:

„Filmmusik braucht Raum, um sich entfalten zu können. Der Film muss der Musik Zeit geben, um sich zu entwickeln.“

Morricones Abschiedsbrief

„Ich, Ennio Morricone, bin tot. So verkünde ich es all meinen Freunden, die mir immer nahe standen, und auch denen, die ein wenig weit weg sind und die ich mit großer Zuneigung grüße.“ So beginnt der Abschiedsbrief des am Montag Verstorbenen. Darin dankt er „seinen engsten Freunden“, bezieht sich dabei insbesondere auf „Pepuccio“ und dessen Ehefrau Roberta: „Brüderliche Freunde, die in den letzten Jahren sehr präsent waren.“ Mit dem Regisseur Giuseppe Tornatore hat er in mehr als zehn Filmen zusammengearbeitet, darunter Cinema Paradiso. Er wünsche sich ein privates Begräbnis, schrieb der Verstorbenen vor seinem Tod, denn: „Ich möchte nicht stören.“

Die letzten Zeilen widmete Morricone seiner Frau der Liedtexterin und Mutter seiner vier Kinder Maria Travia, mit der er 64 Jahre verheiratet war. Der schmerzhafteste Abschied sei der von seiner Ehefrau Maria, heißt es in dem Brief. Er erneuere die außergewöhnliche Liebe, die sie miteinander verbunden hätte. Es tue ihm sehr leid, sie allein zurückzulassen.

Morricone hatte sich vor Kurzem bei einem Sturz das Bein gebrochen und lag im Krankenhaus. Es gab Komplikationen, von denen er sich nicht mehr erholte. Am frühen Montagmorgen, dem 6. Juli 2020, ist das Musik-Genie vier Monate vor seinem 92 Geburtstag in seiner Geburtsstadt Rom gestorben.

The Best of Ennio Morricone

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