Aphorismen zum Thema Gerechtigkeit

Von Jürgen Fritz, Di. 21. Jul 2020, Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

Die schönste Frucht der Gerechtigkeit sei Seelenfrieden, meinte Epikur (341 v. Chr – 270 v. Chr.). Und Oscar Wilde ergänzte, es gebe nur eines, das schlimmer sei als Ungerechtigkeit: Gerechtigkeit ohne Schwert in der Hand. Wenn Recht nicht Macht sei, sei es Übel. Zwei kurze Anmerkungen zum Thema Gerechtigkeit.

I.

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, trägt nicht nur eine Waage und eine Augenbinde, sondern auch ein Schwert. Und sie ist gewillt, es – wenn notwendig – einzusetzen.

Erläuterung: Die drei Symbole Augenbinde, Waage und Richtschwert sollen mithin verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Augenbinde), nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage, also dem Abwägen von Für und Wider (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt werden müsse. Die Waage der neuzeitlichen Justitia ist also die Waage des Richters, mit deren Hilfe Für und Wider gegeneinander abgewogen werden und deren Rolle letztlich der Rolle der Waage im ägyptischen Totengericht entspricht.

II.

Das Gegenteil von Ungerechtigkeit ist nicht die gespiegelte, um 180 Grad gedrehte, inverse Ungerechtigkeit, sondern Gerechtigkeit. Diese befindet sich – bildlich gesprochen – oberhalb der Linie, jene beiden aber jeweils unterhalb derselben. Die zwei hässlichen Schwestern sind zwar einander kontradiktorisch, das aber nicht in Bezug auf gerecht – ungerecht, sondern in Bezug auf das ungerecht wem gegenüber, so die eine beispielsweise gegenüber dem Fremden, weil es fremd ist, die andere gegenüber dem Eigenen, weil es das Eigene ist, während die Schöne beiden Hässlichen zugleich kontradiktorisch ist, indem sie das Ungerechte generell negiert und ihre Maxime der Fairness und Unvoreingenommenheit nicht partiell, mithin einseitig gegen diese oder jene Gruppe appliziert, sondern universalisiert, also gegen jedermann angewendet wissen möchte.

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