Extremisten planten schwere Anschläge aufs deutsche Stromnetz und Lauterbach-Entführung

Von Jürgen Fritz, Fr. 15. Apr 2022, Titelbild: SPIEGEL-TV-Screenshot

Zwölf Männer und Frauen der Telegram-Chatgruppe „Vereinte Patrioten“ aus der Corona-Protestszene, der Impfgegner- und Reichsbürgerbewegung planten, durch Sprengstoffanschläge auf Umspannwerke und Stromleitungen einen bundesweiten, mehrtägigen Stromausfall herbeizuführen, mit dem Ziel, bürgerkriegsähnliche Zustände herbeizuführen und das demokratische System zu stürzen.

Was war das Ziel der Extremisten?

„Damit sollten nach der Vorstellung der Beschuldigten bürgerkriegsähnliche Zustände verursacht und schließlich das demokratische System in Deutschland gestürzt werden“, heißt es in einer Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz. Dieses Chaos wollten die Beschuldigten nach Ansicht der Ermittler nutzen, um das demokratische System in Deutschland zu stürzen und anschließend die Regierung zu übernehmen. Zudem war die Entführung bekannter Personen des öffentlichen Lebens Bestandteil der Pläne.

Laut Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wurden am Mittwoch, den 13. April 2022, Durchsuchungen in 20 Objekten durchgeführt in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Dabei waren rund 270 Beamte im Einsatz, darunter auch Spezialeinheiten. Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem Waffen (insbesondere 14 Lang- und sieben Kurzwaffen sowie eine Kriegswaffe, namentlich eine Kalaschnikow), Munition im mittleren dreistelligen Bereich, Bargeld in Höhe von 8.900 Euro, zahlreichen Goldbarren und Silbermünzen, Devisen im Wert von über 10.000 Euro sichergestellt.

Ziel der Gruppe sei es gewesen, nach einem durch sie herbeigeführten Systemsturz eine „verfassunggebende Versammlung“ in Berlin mit 761 Mitgliedern einzuberufen, die Deutschland eine neue Ordnung geben sollte.

Wer gehörte zu dieser Gruppe?

Die zwölf Beschuldigten sind Männer und Frauen im Alter von 41 bis 55 Jahre. Ihnen wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Vier Beschuldigte seien festgenommen worden, gegen sie seien Haftbefehle beantragt worden.

Hauptverdächtig ist ein 54-Jähriger. Dieser soll Mitglied der „Vereinten Patrioten“ sein und wird der Reichsbürgerszene zugeordnet. Er sei nicht vorbestraft. Bei der Durchsuchung seines Wohnhauses fanden die Ermittler unter anderem eine SS-Uniform sowie ein AK-47-Sturmgewehr. Einem Staatsanwalt zufolge soll der Verdächtige die Organisation der Gruppe in besonderer Weise vorangetrieben haben – nicht nur im Netz, sondern auch durch persönliche Treffen. Außerdem habe er zur Geldbeschaffung beigetragen.

Entführung von Gesundheitsminister Lauterbach

Außerdem planten die Gruppe in einer Aktion namens „Klabautermann“, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen und seine Personenschützer „auszuschalten“. Das heißt, man war offensichtlich bereit, Lauterbachs Personenschützer quasi als Kollateralschäden zu töten.

Lauterbach soll von den Ermittlern informiert worden sein, dass es Pläne für seine Entführung gab, und seine Personenschutz war bereits deutlich verstärkt worden.

Wie wurden die Festgenommenen geschnappt?

Die zwölfköpfige Gruppe wollte für mehrere zehntausend Euro Waffen, Minen und Schutzausrüstung kaufen. Eine erste Übergabe von zwei Kriegswaffen des Typs Kalaschnikow und fünf Pistolen sollte in dieser Woche im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße über die Bühne gehen.

Doch das Angebot war eine Falle der Ermittler. Der Waffenkäufer wurde festgenommen, wie auch zwei weitere Männer in Niedersachsen und Brandenburg. Die Ermittler führen die drei Männer als Hauptbeschuldigte, ebenso eine weitere Person, die sich derzeit im Ausland aufhalte. Sie sollen die Waffenkäufe und das nötige Geld organisiert haben. Am Mittwoch wurde ein weiterer Beschuldigter festgenommwen. Sie werden alle heute dem Ermittungsrichter vorgeführt.

Die Chatgruppen weisen ein krudes Weltbild auf zwischen Verschwörungsgläubigkeit, Rechtsextremismus, Ablehnung der Corona-Politik, Impfgegnerschaft und Reichsbürgerphantasien. Man habe es mit einer Mischung „bestehend aus Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern, aber auch Reichsbürgern, die wir eigentlich in dieser Form bisher nicht festgestellt hatten“ zu tun, sagte der Präsident des rheinland-pfälzischen LKA, Johannes Kunz. Es habe in einzelnen Fällen auch Kontakte in die rechte Szene gegeben.

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