Auf dem Weg in die linke Diktatur?

Von Jürgen Fritz, Sa. 24. Jan 2026, Titelbild: JFB

„Mit fast tödlicher Sicherheit bewegen wir uns auf ein Zeitalter totalitärer Diktaturen zu, ein Zeitalter, in dem Gedankenfreiheit zunächst eine Todsünde und später ein leerer, abstrakter Begriff sein wird. Das selbständig denkende Individuum wird ausgelöscht werden.“ – George Orwell

Niemals den Gegner unterschätzen

Als Kind habe ich sehr gerne Tischtennis gespielt. Wir hatten zuhause eine Platte, die wir im Hof regelmäßig aufbauten und die ganze Familie hat mitgespielt. Mit zwölf habe ich alle geschlagen, meine Mutter, meine älteren Schwestern, meinte Tanten, gleichaltrige Jungs, nur zwei nicht: meinen Vater und meinen zwölf Jahre älteren Schwager. Die zwei waren richtig gut. Mit 13 bin in einen kleinen Tischtennisverein in Edenkoben, einer kleinen Stadt, wo ich auch zur Schule ging, eingetreten, der gerade gegründet wurde. Dort haben wir jede Woche trainiert. Bei den unter 14-Jährigen war ich mit Abstand der Beste, so dass man mich dort nicht mitspielen ließ und ich gleich bei den bis 15- bis 18-Jährigen mitspielen musste. Bei denen wurde ich bei den Vereinsmeisterschaften Zweiter. Jetzt schlug ich auch meinen Vater und sogar meinen Schwager, eigentlich jeden im Dorf. Ich kannte zumindest keinen mehr, auch keinen Erwachsenen, gegen den ich verloren hätte. Der SV Edenkoben gründete eine Jugendmannschaft und jetzt spielten wir gegen andere kleine Städte.

Einmal hatten wir ein Auswärtsspiel und ich hatte einen Gegner, der wirklich nicht gut war. Wie der sich bewegte und seine Schläge, das sah einfach furchtbar aus. Gegen den sollte ich eigentlich haushoch gewinnen, das erwartete jeder. Der Punkt war für unsere Mannschaft fest eingeplant. Wahrscheinlich weil es mir irgendwie peinlich war, dass ich mich gegen den überhaupt anstrengen muss, wollte ich den so ganz locker, ohne jede Anstrengung wegspielen. Ich ging nicht mal richtig in die Knie. Aber das funktionierte nicht. So schlecht wie es von außen aussah, war der gar nicht. Ich wollte mich aber weiter nicht anstrengen, lag immer weiter zurück, dachte aber noch immer, sobald ich ernst mache, hat der keine Chance. Selbst wenn er zehn Punkte Vorsprung hat, kann ich das jederzeit aufholen (damals haben wir einen Satz bis 21 gespielt). Aber irgendwie fand ich den Schalter nicht, den ich hätte umlegen müssen. Und als ich endlich anfing, mich mehr anzustrengen, war es zu spät, was mir noch peinlicher war. Ich weiß nicht warum, aber es war mir nicht mehr möglich, in mein Spiel rein zu finden. Es ging einfach nicht. Ich konnte das Ding nicht mehr drehen und verlor dieses Match, das ich niemals hätte verlieren dürfen. Die anderen haben mich natürlich ausgelacht und aufgezogen, dass ich gegen den verloren habe, waren auch enttäuscht, dass ich diesen eigentlich einfachen Punkt nicht geholt habe für die Mannschaft. Mir war das sehr, sehr peinlich.

Zeitsprung. Als ich knapp über 30 war, spielte ich öfters mit einem Bekannten Tennis. Das hatte ich mit 15 begonnen und hatte dann nicht mehr so viel Lust auf Tischtennis, weil ich Tennis noch viel schöner fand. Tennis war so etwas wie Liebe auf den ersten Schlag. An diesem besagten Tag spielte ich mit dem Bekannten also ein Match. Er war spielerisch eindeutig besser als ich, hatte die besseren Schläge, konnte die Bälle mehr beschleunigen. Ich war fast immer in der Defensive, kam kaum einmal selbst in die Offensive. Er gewann einen Satz, ich den zweiten, also ging es in den Entscheidungssatz. In dem drehte er voll auf, lag 5-0 vorne (ein Satz geht im Tennis bis 6), fing schon an, Sprüche zu klopfen. Ihm fehlte ja nur noch ein Game zum Sieg. Aber ich wollte auf keinen Fall gegen den verlieren, weil er mir menschlich furchtbar unsympathisch war. Ein Wirtschaftsmathematiker, der bei der Allianz arbeitete, beruflich sehr erfolgreich, verdiente sehr gut, konnte sich alles leisten, so ein richtiger Großkotz, der meinte, er sei der absolute King. „Nein“, sagte ich mir, „der gewinnt dieses Match nicht! Der nicht! Ich werde ab jetzt keinen einzigen Fehler mehr machen.“

0-5 ist normalerweise hoffnungslos, aber ich stellte mein Spiel etwas um und versuchte, wirklich keinen Fehler mehr zu machen, rannte jedem Ball hinterher und spielte fast alles zurück. Ich rannte mir die Lunge aus dem Leib. Ich wollte dieses Match auf keinen Fall verlieren. Er war zwar besser, aber ich entwickelte, weil der mir so auf die Nerven ging, einen absoluten Siegeswillen. Und ich fand eine Strategie, wie ich ihn, obwohl er eigentlich der bessere Spieler war, besiegen kann. Denn er fing an, jetzt mehr Fehler zu machen als zuvor. Klar wenn so viele Bälle zurückkommen und du immer nochmal und nochmal schlagen musst, steigt deine Fehlerquote. Bei 5-2 hatte er mehrere Matchbälle. Matchball eins habe ich mit Riesenaufwand abgewehrt. Dann Matchball zwei. Dann Matchball drei. Ich weiß nicht mehr, wie viele es insgesamt waren, mindestens fünf, vielleicht sogar noch mehr, aber ich gewann dieses Game. 5-3. Ab da war er innerlich gebrochen. Jetzt machte er noch mehr Fehler, wurde unkonzentriert, begann zu hadern und dauernd mit sich selber zu schimpfen, wurde richtig negativ. Bei 5-4 hatte er nochmal Matchbälle. Auch die konnte ich abwehren. Jetzt war es bei ihm völlig aus. Er gewann kein einziges Game mehr. Endstand 7-5 im dritten Satz für mich. Er hat nie wieder mit mir gespielt.

Ich glaube, sein Fehler war, er war sich bei 5-0 zu sicher. Und er hat mich unterschätzt. So wie ich mit 14 meinen Tischtennisgegner unterschätzt hatte. Fast jeder Sportler weiß, einer der größten und gefährlichsten Fehler ist es, seinen Gegner zu unterschätzen. Das kann sich furchtbar rächen. Was hat das alles mit unserem Thema zu tun? Nun meine These lautet wie folgt: Ein großes Problem ist, dass die sozialistischen Linksradikalen und -extremisten allen anderen (Aufklärungslinken, Linksliberalen, Liberalen, Konservativen, Rechten, Rechtsradikalen …) in der strategischen Kriegsführung haushoch überlegen sind und dass ihre Gegner sie vollkommen unterschätzen. Ich will das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen.

Der geschätzte Jan Fleischhauer, bestimmt kein Dummer und eigentlich ein sehr feiner Beobachter schreibt„Verfallserscheinung. Früher hatte der Journalismus Gegner wie Franz Josef Strauß. Heute kämpft man gegen Brötchen wie Daniel Günther.“ Hier wird sehr schön deutlich, wie Fleischhauer das Problem vollkommen unterschätzt, weil er das Ganze von der strukturellen auf die persönliche Ebene zieht. Natürlich ist Günther als Person ein Zwerg. Aber ihm kommt innerhalb des Systems eine Schlüsselrolle zu, weil er versucht, die CDU vollends in linksradikale Lager zu ziehen und die Repressionen der Staatsgewalt gegen ihre Bürger und gegen die freie Presse, gegen die Grundrechte weiter zu verschärfen, was die SPD und die Grünen sowieso wollen. Deswegen stellen die sich ja auch voll hinter ihn. In diesem Umfeld , da Günther nicht alleine ist und er als Landesvorsitzender der CDU Schleswig-Holstein und als amtierender Ministerpräsident innerhalb der CDU viel Einfluss hat und weil die CDU die Schlüsselpartei ist. Denn wenn diese völlig ins linksradikale bis linksextremistische Lager kippt, dann dürfte es mit der freiheitlichen Demokratie vorbei sein. Deshalb ist dieser der Mann, der als Einzelperson völlig harmlos wäre, brandgefährlich. Man muss das ganze System strukturell ins Auge fassen. Das sehen viele aber nicht, selbst sehr intelligente, aufmerksame, sonst wache Beobachter, die im Kleinen sehr genau hinschauen, aber vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen.

Die sozialistischen Linksradikalen sind allen anderen strategisch überlegen

Die Gegner der sozialistischen Linksradikalen erkennen meist gar nicht, womit sie es zu tun haben. Denn jene schaffen es auch ihre Bösartigkeit viel geschickter zu verbergen als Rechtsextremisten. Rechtsradikale und -extremisten sind meist so abstoßend, dass fast alle sofort die Gefahr erkennen, die von ihnen ausgeht. Insofern sind sie individuell betrachtet schlimmer, aber strukturell betrachtet viel harmloser, weil wir für sie ein besseres Sensorium haben und daher nur wenige auf sie hereinfallen. Und die Rechtsextremisten und Rechtsradikalen spielen den Linksradikalen in die Karten, weil sie durch dieses Abstoßende, was ihnen anhaftet, die Menschen von sich wegtreiben genau in die Arme der Linksradikalen und Linksextremisten. Ich vermute sogar, dass dies bei Merkel ab 2015 ein Schlüsselfaktor war, dass sie immer mehr eine völlig andere Politik verfolgte. Es mögen noch andere Faktoren mit reingespielt haben, aber ich vermute sehr stark, sie war von den Ultrarechten einfach richtig angewidert und dieses Angewidert-sein hat dann womöglich den Schulterschluss mit SPD und Grünen enorm gefördert.

Es könnte sogar sein, dass die Linksradikalen die Rechtsextremisten ganz gezielt für sich selbst nutzen. Denn indem sie eine Politik machen, die immer weiter nach linksaußen abdriftet, erzeugen sie allererst den Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus in größerem Umfang, der ja sonst kaum eine Rolle spielt. Je stärker aber die Rechtsradikalen werden, desto mehr treiben diese Leute aus der Mitte nach linksaußen, weil Linksaußen die abstoßenden Rechten am heftigsten bekämpft. Diese Gefahr sehe ich momentan auch bei Trump, der oft so widerlich ist, dass er viele Menschen direkt in die Arme der Linksradikalen treibt, weil die dann denken: „Alles lieber als der! Wir müssen dem was entgegensetzen.“

Die sozialistischen Linksradikalen dagegen können sich extrem gut verstellen und sie haben genaue Pläne, wie sie die gesamte Gesellschaft sukzessive immer mehr in Richtung linke Diktatur transformieren, ohne dass es auf breiter Front zu sehr großem Widerstand käme. Eines ihrer wichtigsten Kampfmittel ist die Manipulation der Sprache, der Begriffe, damit des Denkens. Es ist, als ob sie Orwell und seine Dystopie nicht als Warnung, sondern als Gebrauchsanleitung gelesen hätten. So haben sie es zum Beispiel geschafft, das Bösartige am Hitlerismus, am Nationalsozialismus ganz auf den ersten Teil des Wortes, den Nationalismus zu schieben und vom zweiten Teil des Wortes, dem Sozialismus völlig fern zu halten. Dabei haben die Nationalsozialisten das Modell der marxistischen Sozialisten übernommen, die Menschheit in zwei große Klassen einzuteilen, in eine gute und eine schlechte, und die Klasse einfach nur durch die Rasse ersetzt. Dämonisiert wurde nach 1945 nicht das menschenrechtsfeindliche Modell an sich, nicht der Sozialismus (dabei haben die Sozialisten Lenin, Stalin und Mao viel mehr Menschen ermordet als die Hitleristen, viel mehr!), sondern der Nationalismus, ohne ihn vom Chauvinismus und Imperialismus sauber zu unterscheiden. Dieser Mangel an Diskrimination kommt nicht von ungefähr. Der ist gewollt. Der ist ganz genau überlegt und strategisch eingesetzt.

Oder ein anderes Beispiel: Die linksradikalen Sozialisten haben folgende Assoziationskette über Jahrzehnte hin in den Köpfen der Menschen fest verankert: rechts = rechtsradikal = rechtsextremistisch = Nazi = das Böse schlechthin! Umgekehrt ist links nun tatsächlich auf breiter Front mit gut assoziiert. Was wir hier sehen ist nichts Geringeres als eine völlige Umwertung der Werte. Man denke etwa an folgende Begriffe: recht (+), dem Recht entsprechend (+), richtig (+), gerecht (+), rechtschaffen (+), berechtigt (+), das Recht (+), aufrecht (+), links (-), ungeschickt (-), unbeholfen (-), linkisch (-), jemanden linken (-), ein linker Hund (-). Innerhalb weniger Jahrzehnte haben sie es geschafft, die Konnotationen vollständig umzudrehen. Gegen diese jegliche Differenzierung negierende Assoziationskette rechts = rechtsradikal = rechtsextremistisch = Nazi = das Böse schlechthin!, kommt man nicht mehr an. Das heißt, schon der Ausdruck „rechts“ ist nun absolut negativ belegt. Als nächstes wird dann jeder, der gegen linksradikale Politik opponiert, als „rechts“ oder gar als „rechter Hetzer“ rubriziert – sogar Aufklärungslinke und echte Linksliberale! -, somit als rechtsradikal, rechtsextremistisch, als Nazi, als böse. Und das wollen fast alle nicht sein. Das schreckt ab. Damit trauen sich viele nicht mehr, gegen linksradikale und linksextremistische Politik zu opponieren, weil kaum jemand in den Verdacht geraten will, ein Rechter = böse zu sein.

Mit den radikalen Islam-Anhängern passiert den radikalen Sozialisten das Gleiche, was allen anderen mit ihnen unterläuft: Sie verkennen und unterschätzen ihren Gegner

Und es kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, warum der Widerstand gegen die linksradikalen, linksextremistischen Sozialisten so gering ausfällt. Weil die breite Masse primär keine überzeugten liberalen, menschenrechtsaffinen Demokraten sind, sondern sich einfach nach einem möglichst bequemen Leben sehnen, ohne viel bei anderen anzuecken, da dies innerlich enorm aufreibend ist. Genau das wissen die modernen Linksradikalen/-extremisten und machen sich das zu Nutze. Sie wissen, wir dürfen an den Temperaturreglern nicht schlagartig drehen, denn das erzeugt Unmut und Widerstand. Wenn wir aber ganz langsam drehen, gehen die Veränderungen so langsam vonstatten, dass es nie zu einem Kipppunkt kommt, weil jede einzelne Veränderung ja keine drastische solche darstellt und der Mensch unglaublich gut über die Fähigkeit verfügt, sich den Verhältnissen anzupassen. Alexander Meschnig beschrieb das schon 2017 in seinem Essay: Wie der Frosch im heißen Wasser. Oder wie der damalige Premierminister Luxemburgs und spätere Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker bereits in den 1990er Jahren sagte: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ (Quelle: DER SPIEGEL

Und viele denken wohl einfach, mich betreffen die Repressionen der Staatsgewalt ja nicht, warum soll ich mich da aufregen? Wenn sie irgendwann dann merken werden, dass es sie sehr wohl betrifft, wird es dann aber zu spät sein, weil dann die freiheitliche Demokratie schon viel zu weit abgebaut wurde. Und wenn es dann irgendwann zu Aufständen kommen sollte, werden die Linksradikalen und Linksextremisten ihr wahres Gesicht zeigen, ähnlich wie aktuell die radikalen Muslime im Iran. Denn auch die radikalen Sozialisten werden ihre Macht, die sie über viele Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben, nicht so einfach kampflos auf demokratischem Wege wieder abgeben.

Ich wiederhole: Die sozialistischen Linksradikalen und -extremisten sind allen ihren Gegnern strategisch weit überlegen – ausgenommen vielleicht, siehe Michel Houllebecqs Roman „Unterwerfung“, den Anführern des ultrakonservativen und radikalen Islam, die die westlichen Linksradikalen genau so lange für ihre Zwecke benutzen werden, solange sie sie brauchen, genau wie im Iran nach 1979. In Bezug auf den Islam dürfte den sozialistischen Linksradikalen ein tödlicher Fehler unterlaufen: dass sie nun ihren Gegner, der dieses Zweckbündnis mit ihnen aus rein strategischen Gründen eingegangen ist, nicht als solchen erkennen und ihn maßlos unterschätzen. Also der gleiche Fehler, der fast allen anderen im Westen mit den sozialistischen Linksradikalen unterläuft. Denn eines ist klar: Die islamischen Anführer werden dieses Problem nicht haben, dass ihre Anhänger zu bequem sind und Angst haben anzuecken. Die haben eine völlig andere Kampfbereitschaft, teilweise auch Brutalität, der die linksradikalen Sozialisten nicht gewachsen sein werden.

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