Frauke Petry bald in der FDP?

Ein Gastbeitrag von David Berger

Was steckt in Wahrheit hinter dem Parteiaustritt von Frauke Petry aus der AfD und wie wird es mit ihr weitergehen? David Berger hätte da eine Idee.

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Youtube-Screenshots: Frauke Petry und Christian Lindner

Der Vorwurf der Wählertäuschung

Der Austritt Frauke Petrys aus der AfD sowie ihr Vorhaben eine neue Partei zu gründen, stößt weithin auf Unverständnis. Und das nicht nur bei der AfD, sondern auch bei Medien, die nicht im Ruf stehen, AfD-lastig zu sein. So bemerkt ein Kommentar von Bernhard Walker in den „Stuttgarter Nachrichten“, denen man wahrlich keine AfD-Nähe unterstellen kann:

„Frauke Petry hat Wähler bewusst getäuscht – ein schlechter Start für ihre neue Gruppe. Anmaßend ist auch ihre Mandatehäufung als Abgeordnete im Bundestag und im Dresdner Landtag …“

Die „Indiskretionen“ des bekannten Journalisten Michael Klonovsky, der noch bis vor einigen Monaten Petrys Berater war, könnten etwas besser verständlich machen, warum sie so handelt.

Michael Klonovsky über Frauke Petry

Dass Frauke Petry mit einer gewissen trotzigen Theatralik aus der Bundespressekonferenz desertierte, ist wenig überraschend für jemanden, der das ambivalente Vergnügen hatte, für sie zu arbeiten. Ihr Verhalten gleicht dem eines Kindes, das den anderen das Spielzeug vor die Füße schmeißt, weil die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen. Frau Petry ist aber nicht nur eine trotzige, sondern auch eine intelligente Frau, also fingiert sie ehrenwerte Gründe für ihr Verhalten, das tatsächlich, ich schwöre es auf den Koran, außer Strebertum und Eigennutz keine Kriterien kennt.

In der Zeit, in welcher ich als ihr Berater arbeitete, stieß jeder meiner Vorschläge, Konflikte mit anderen Führungskräften der Partei lieber zu moderieren statt voranzutreiben, bei ihr auf taube Ohren. Und sämtliche Parteifreunde, die ihr nicht bedingungslose Gefolgschaft schworen, fielen unter die Kategorien „unzuverlässig“, „Dummkopf“ oder „Feind“; der Bundesvorstand praktisch komplett unter Letztere.

Alle guten Konzepte der AfD existieren völlig unabhängig von P&P

Überall in der AfD sind in jüngster Zeit unter dem Namen „Alternative Mitte“ (AM) Gruppen entstanden, die bürgerlich-realpolitische Positionen vertreten und einer „Rechtsdrift“ der Partei, welche herbeizubeschwören der mediale Klagechor seit Monaten nicht müde wird, gegensteuern wollen. Das ist legitim, wie ich persönlich finde auch vernünftig, und gegen die meisten Positionen der AM ist wenig einzuwenden – wohl aber dagegen, dass Frau Petry und ihr Ehemann Marcus Pretzell (Betonung bitte auf dem zweiten e) der Öffentlichkeit einzureden versuchen, sie – ich meine buchstäblich sie beide, und die beiden sehen das auch so – verträten die gute, bürgerliche, solide, koalitionsfähige, verfassungs- und rechtstreue AfD, und wer nicht auf ihrer Seite stehe, sei mindestens rechtsradikal.

Aber alle wichtigen Themen, alle guten Konzepte der AfD existieren vollkommen unabhängig von Petry & Pretzell. Sie existieren sogar ganz ohne sie.

Lieber ein Viertel ganz als das Ganze zu einem Viertel

„Ich bekenne mich vollständig zu den Idealen der AM“, erklärte der Partei-Idealist Pretzell vor kurzem; offenbar ging niemandem die Komik dieses Bekenntnisses von Seiten eines Mannes auf, der als Intrigant und politischer Spieler verrufen ist, dessen Firma im amtlichen Schuldnerverzeichnis landete, der zweimal Vermögensauskunft (vulgo Offenbarungseid) verweigerte, dem seine Anwaltszulassung entzogen wurde, der munter Verträge bricht und Angestellten das Gehalt nicht zahlt. Und gegen seine Frau läuft ein Meineid-Prozess. Es ist hochgradig skurril, wie sich zwei im bürgerlichen Leben Heimatlose als bürgerliche Alternative verkaufen wollen.

Das fidele Duo Petry-Pretzell wird, da es einzig aus Eigennutz handelt, ohne mit der Wimper zu zucken die Spaltung der AfD vorantreiben, und zwar frei nach Adenauer: Lieber die Viertelpartei ganz als die ganze Partei zu einem Viertel! – Lieber reißen sie sich einen Bruchteil unter den Nagel und ruinieren das Ganze, als sich in die Rolle als Teil eines Ganzen zu fügen. Aber wer in einer Wagenburg putscht, arbeitet objektiv – und wer weiß, wie sonst noch – für den Gegner. Wer hat das größte Interesse an einer gespaltenen AfD? Wer wird sich nach einer möglichen Neuwahl brüsten, den „rechtspopulistischen Spuk“ aus dem Parlament vertrieben zu haben? Und wer wird den Judaslohn erhalten?

Soweit Michael Klonovsky.

Fazit

Das klingt alles so, als ob Petry und ihr Gatte gar keine neue Partei gründen müssten. Mit den genannten Qualifikationen scheinen sie doch in der FDP am besten aufgehoben. Seit viele Jahren richtet man dort seine Überzeugungen komplett nach den Machtchancen, die sich bieten. Und für die FDP hätte das auch einen Vorteil: Sie hätte außer Herrn Lindner noch ein zweites bekanntes Gesicht.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf dem sehr empfehlenswerten Blog von David Berger Philosophia perennis.

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