Von Tyrannen und ihren willigen Untertanen

Von Jürgen Fritz

„Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“ – Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Das Christentum und sein noch viel ärgeres Kind

Das Christentum predige nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist sei der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen seien zu Sklaven geschaffen, erkannte nicht erst Nietzsche (1844 – 1900), sondern lange zuvor schon Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778). Doch dieser wie jener kannten noch nicht das bei weitem ärgere Kind des Christentums: 

„Ermahne sie! Du bist nur Ermahner! Du bist kein Tyrann, der sie unterjocht. Wer sich aber von der Rechtleitung abwendet und beim Unglauben bleibt, den wird Gott mit der größten Pein bestrafen.“ – Sure 88, 21-26

Der göttliche Tyrann und der von ihm Geliebte

Ihr könnt alle ungestraft sagen und schreiben, was ich will, sagte der Tyrann. Dann eines Tages kam er auf die Idee, ob er nicht ein Prophet oder gar ein Gott sein könnte und er fand mehr und mehr Wohlgefallen an dieser Idee. Ja, sie gefiel ihm richtig gut. Denn nun konnte er jede Greueltat vollbringen und all die niederen Impulse seiner deformierten Seele ohne jede Schranke ausleben und sich dabei doch voll und ganz legitimiert wähnen.

Wehe aber, jemand wagte, ihm zu sagen, was er in Wahrheit war, oder ihn auch nur im entferntesten in Frage zu stellen! Dies würde er nur einmal tun. Ein einziges Mal. Bald wussten alle, was mit so einem geschah. Und weil sie nicht wollten, dass ihnen Gleiches widerführe, geschah solches fortan nur noch äußerst selten.

Die treuen Knechte

Da aber niemand vor sich selbst als feige und als ein Sich-unterdrücken-Lassender dastehen wollte, beschlossen die meisten, dem Tyrannen zu glauben, was ihnen auch sonst nicht wenige Vorteile einbrachte. Und so kam es, dass der Tyrann sich meist gar nicht mehr selbst um seine Kritiker kümmern musste. Das übernahmen nun ganz wie von selbst seine Anhänger, die beschlossen hatten, ihm zu glauben, dass er ein Prophet oder Gott sei.

Denn obschon die meisten Kritiker ja nur den Tyrannen in Frage stellten, fühlten sich seine Untertanen davon ebenfalls angegriffen, da die Kritik ja auch sie selbst entlarven würde. Und das konnten sie natürlich unmöglich zulassen.

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Titelbild: Youtube-Screenshot aus 300: Rise of an Empire

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10 Antworten auf „Von Tyrannen und ihren willigen Untertanen

  1. truckeropa66

    Sehr viel Wahrheit in dieser Aussage. Habe am eigenen Leib viel Ungerechtigkeit erfahren. Und Teilweiße passt diese Aussage, ebenso wie dercSpruch das eine Krähe der andren kein Auge aushackt.
    Ich frage mich des öffteren, was wir für Zeiten erleben müssen, wo negative Intelligenz so überagend ist. Aber auch hier gibt es ja einen passenden Spruch, „Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts“. Und es wird einem ständig vor Augen geführt, wie dicht Intelligenz und Wahnsinn beieinander wohnen.

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    1. ceterum_censeo

      … vol allem, wenn sie stramm FDJ-, SED- und Stasi- (IM Erika‘) geschult sind…

      Dann verläuft das am Anfang vielleicht noch einigermassen ’subtil‘, später dann um so heftiger!

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  2. Jürg Rückert

    Über den jetzigen Papst hört man so einiges. Bespitzelung, Misstrauen, ja von Säuberungen ist die Rede. Gibt es da Mitarbeiter, die ein Heben der Augenbraue zu deuten wissen?

    Neben dem modernen Tyrannen werden die alten nicht aussterben.
    Statt des Götzen Nebukadnezars sitzt der Götze Gender oben. Die Trompete erschallt. Wer nicht kniet kommt in den Ofen!
    Der alte Eleasar wollte das hellenistische Schweinefleisch nicht essen. Da wurde er zu Tode gefoltert (Makkabäer). Wer hier das Schweinefleisch von Gender nicht essen will, bekommt es in den Mund gestopft bis er erstickt!

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