Wenn der Martin und der Sigmar so richtig aneinander geraten

Von Jürgen Fritz

Wie aus Mister 100-Prozent Mister 17-Prozent und dann wieder Mister 91-Prozent wurde und wie die Sozis sich wegen ein paar Ministerposten gegenseitig an die Gurgel gehen.

Martin und Andrea, die beiden großen Abräumer

Wenn Sie dachten Mister 100-Prozent beziehungsweise Mister 1,5 Millionen-netto-in-5-Jahren wäre weg vom Fenster, nur weil er die SPD auf 17 Prozent runterjagte und mehrfach vor laufenden Kameras verkündete, in eine unionsgeführte Bundesregierung werde er niemals als Minister eintreten und unter Merkel gleich zweimal nicht, dann aber am Mittwoch plötzlich seinem Vorgänger als SPD-Vorsitzender das Amt des Außenministers wegnehmen wollte, so dass alle sich fragten, „Hält der denn wirklich niemals sein Wort?“, wenn Sie also wirklich dachten Martin, der Große, wäre wegen solchen Kleinigkeiten endgültig weg vom Fenster, dann haben Sie sich aber kräftig geschnitten.

Hey, Mister Obersozi hat für die seinen vier der sechs Schlüsselressorts rausgeholt bei den Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU. Er hat die SPD wunderbar versorgt mit den großen und wichtigsten Ministerien. Er hat sogar das Finanziministerium, das wichtigste überhaupt mit Vetorecht bei allen Entscheidungen!, in die Baracke der Genossen geholt. Und zusätzlich auch noch das prestigeträchtige Außenministerium, das wichtige Justizministerium, das gerade für die SPD sehr bedeutsame Ministerium für Arbeit und Soziales, und auch noch das Umwelt- und das Familienministerium. Martin, der Sozi-Millionär, hat zusammen mit Andrea ich geb euch allen in die Fresse Nahles bei der Postenverteilung so richtig abgeräumt.

Die CDU gab überall nach, um das Kanzleramt zu behalten

Die beiden plus ihre Delegation haben knallhart verhandelt. Entweder wir kriegen all diese wichtigen Ministerien oder wir lassen das ganze Ding hier platzen, dann kann Angela ich werde niemals zurücktreten Merkel schauen, wie sie eine Regierung zusammenbekommt. Die letzte Verhandlungsnacht soll durch die Feststellung der SPD begonnen haben: Wir wollen das Auswärtige Amt, das Finanzministerium und das Sozialministerium, sonst gibt es keine Regierung. Punkt.

14 Stunden lang habe man sich ausschließlich um die Posten gestritten und Martin, der Trotzige, blieb knallhart. Keinen Millimeter gaben die Sozis nach. Teilweise soll stundenlang Schweigen geherrscht haben bis die Union-ler endlich nachgaben. Die SPD hat alles bekommen, was sie wollte. Angela ich werde regieren bis zur Haftunfähigkeit Merkel wollte ja unbedingt Kanzlerin bleiben und das ist das Einzige, was noch zählt in der CDU: Hauptsache wir haben das Kanzleramt, alles andere ist egal. Also gab man klein bei.

Die Respektlosigkeit und Wortbrüchigkeit der Sozis

Und jetzt das. Haben Martin ich bin ein bisschen schwer von Kapee, zeige aber trotzdem allen, wo der Hammer hängt Schulz und Andrea bätschi bätschi Nahles das nicht großartig gemacht? Nun kommt Sigmar ich möchte aber Außenminister bleiben, um mehr Zeit für die Familie zu haben Gabriel und ist stinksauer, dass er dieses schöne Amt doch nicht behalten darf. Dabei haben die Sozis doch so schön abgeräumt bei der Postenverteilung. Wie kann das sein, dass der Mann, der die SPD jahrelang anführte, jetzt gar nichts mehr abbekommt. Für ihn sei kein Platz mehr in der neuen Regierung, hieß es. Mit der Leibesfülle hängt dies aber wohl weniger zusammen, zumal er ja sogar deutlich abgenommen hat.

Heftige Kritik übte Sigmar ich bin total enttäuscht von meinen eigenen Genossen Gabriel an der Parteiführung, die er just vor einem Jahr selbst an Schulz abgab. Die Worte „Respektlosigkeit“ und „Wortbruch“ sollen gefallen sein. Der noch amtierende geschäftsführende Außenminister soll bereits mehrere Termine für die nächsten Tage abgesagt haben, wirkt zutiefst enttäuscht, wie die eigene Partei mit ihm umspringt.

Das interessiert die gesamte Parteiführung aber wohl nur wenig. Selbst Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, dem man das Finanzministerium versprochen hat, und der frühere SPD-Fraktionschef Oppermann haben sich hinter Schulz gestellt und gemeint, Gabriel müsse sich damit abfinden, völlig leer auszugehen. Fast schon zynisch sagte Oppermann wörtlich: „Das ist natürlich eine schmerzhafte Situation für Sigmar Gabriel. Aber so ist das in der Politik. Ämter werden immer nur auf Zeit vergeben. Damit muss er sich abfinden – und ich glaube, das schafft er auch.“

Sozi-sein steht eben über dem Staatsbürger-sein

Kritik aus den oberen SPD-Reihen gab es bislang nur vereinzelt an diesen Personalentscheidungen. Sachsens Parteichef Martin Dulig etwa soll direkt an Schulz gewandt gesagt haben: „Ich bitte dich, Martin, deine Rolle im Kabinett zu überdenken.“

Vor einem Jahr noch Parteivorsitzender, Bundesminister und Vizekanzler, dann nur noch Minister und demnächst gar nichts mehr. So ist das eben in der Politik, meinen die Genossen und das obschon Gabriel in der Bevölkerung inzwischen der beliebteste SPD-Politiker in ganz Deutschland ist. Aber die Bevölkerung ist ja zu über 99 Prozent gar nicht in der SPD, hat hier also gar nichts zu melden. Genau wie bei dem Mitgliederentscheid der SPD, ob diese dem Koalitionsvertrag zustimmt, bei dem sogar SPD-ler mit abstimmen, die gar keine deutschen Staatsbürger sind. Aber Sozi-sein steht eben über dem Deutscher-Staatsbürger-sein. Da muss man sich nicht drüber aufregen. Das ist einfach so.

Wie aus Mister 100-Prozent Mister 17- und dann wieder Mister 91-Prozent wurde

Und übrigens, wenn sie dachten aus Mister 100-Prozent wäre jetzt Mister 17-Prozent geworden, mit dem Mann sei es ein für alle mal aus, dann haben sie sich aber gewaltig geschnitten. Bei der Frage „Sollte Martin Schulz in einer großen Koalition ein Ministeramt übernehmen“ haben sich inzwischen über 90 Prozent für Nein ausgesprochen. Martin, der Hyper-Ehrgeizige, ist also nach seinem kurzen Ausflug in die niederen Gefilde unter 20 schon bald wieder bei 100 Prozent. Nur ein kleines Manko gibt es dabei, das wir ehrlicherweise nicht verschweigen wollen: Die hier Befragten waren ja nicht zu 100 Prozent Sozis, so dass das Ergebnis dann nicht so richtig zählt.

91 Prozent

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Titelbild: Youtube-Screenshot

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8 thoughts on “Wenn der Martin und der Sigmar so richtig aneinander geraten

  1. Surgeon100

    Es sind alles Lügner, wie bei Merkel zählt alleine Macht und Machterhalt !
    Der Spiegel schrieb schon bei der 2. Kanzlerschaft Merkels 2009: es gehe nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Machterhalt.
    Groko ist in einer „Demokratie“ das Schlimmste, was es geben kann !

    Nur eine Frage hat mir noch niemand beantwortet:
    Woher kommt die falsche Flüchtlingspolitik und was ist die Ursache dahinter ??
    Denn kein Land der Welt lässt 2 Mio Unpepasste oder Gefälschte einfach so ins Land !

    Was steht also dahinter außer falschen Verschwörungstheorien ??
    Das Einzige was ich erkennen kann, ist ein Land und Volk kaputt und arm zu machen, nur noch Regieren von Kapital und Banken.
    Das wäre aber alles extrem bösartig !
    Merkel ist dafür aber eine Zentralfigur, sie wird ja selbst im Ausland geschasst.
    Möglicherweise ist sie alleine die Person, die bewusst und geplant das Deutschland vernichten will a la Honecker /Honeckers Rache.
    Dann fragt man sich, warum sie nicht schon viel früher wie z.B. 2009 erledigt worden wäre, notfalls auch mit nicht legalen Methoden.

    Und die SPD hat sich schon bei der ersten Groko der Macht wegen korrumpiert, und nun wieder !
    Letzte Hoffnung: SPD Basis ist dagegen,
    aber selbst wenn, wird man sich um der Macht willen wohl darüber hinweg setzen.

    Schulz als AM wäre eine Katastrophe, genauso wie die Bundeswehrvernichterin VdL weiter als VM.

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  2. 300sel

    „Nach uns die Sintflut“ lautet das Motto der einstigen „Volksparteien“ und ihrer „Spitzenpolitiker“.

    Wirklich wundern kann einen das allerdings nicht. Man braucht sich ja beispielsweise nur einmal den seit nunmehr 60 Jahren praktizierten, völlig unverantwortlichen Umgang mit Fragen der Altersversorgung der Bevölkerung anzusehen. Hier wird schon seit Andenauer mit seiner 1957 erfolgen ’sechsten Rentenreform‘ genau dasselbe praktiziert. „Alles was Sozialisten von Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von Anderen haben wollen.“ soll Adenauer einst gesagt haben. Sprachs und setzte es auch gleich selbst in die Tat um. Gekrönt wurde das Ganze dann dreieinhalb Jahrzehnte später durch die Einführung einer als „Ökosteuer“ bezeichneten zusätzlichen Verbrauchssteuer für Autofahrer, um die Renten von DDR-Bürgern zu finanzieren, die nie Beiträge in das Rentensystem bezahlt haben.

    Wer die DDR aufnimmt, rettet eben nicht die DDR, sondern wird selbst zur DDR.
    (Frei nach Peter Scholl-Latour: „Wer Kalkutta auf nimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta.“)

    Unter dem Vorwand „sozialer Gerechtigkeit“ wird seit Jahrzehnten nur noch feudalistisch abgewirtschaftet und das nicht nur auf Kosten heutiger Steuerzahler, sondern längst auch auf Kosten künftiger Generationen.

    Gefällt 3 Personen

  3. Erich Heinrich Kalinowsky

    “ Wer hat uns verraten … “ ? von Richard Wiegand,

    Die Sozialdemokratie in der Novemberrevolution.

    Mit einem Vorwort von F.E. Hoevels und zahlreichen ergänzenden Materialien

    318 S., mit 43 Originalphotos, 143 Faks. mit Personenregister, EUR 19,-
    ISBN: 978- 3- 89484- 812- 5, ( ISBN- 10: 3- 89484- 812- X ), Erschienen 1999

    Diese ausgezeichnete, prägnante Darstellung der verhängnisvollen Rolle der SPD in der Novemberrevolution 1918/ 1919 war in besseren, da aufgeklärteren Zeiten unter Schülern und Studenten verbreitet und verdient es, der Vergessenheit entrissen und vor allem gelesen zu werden.

    Die Dokumentation von Richard Wiegand läßt die Revolutionskämpfe in Deutschland sowie den umfassenden Verrat der SPD anschaulich werden und belegt, wie die SPD seit Bewilligung der Kriegskredite 1914 zum mit Abstand wertvollsten Instrument der Unterdrückung wurde.

    Das Buch, das viel seltenes Dokumentationsmaterial enthält, macht die Geschichte der Novemberrevolution durchsichtig und ermöglicht es, die historische Funktion der Sozialdemokratie grundsätzlich zu erfassen – als die politische Pestbeule mindestens des 20. Jahrhunderts, die den Aufstieg von Hitler und Stalin erst ermöglichte.

    Daß die Sozialdemokratie natürlich auch nach dem 2. Weltkrieg ihrem Wesen treu geblieben ist, zeigen einige ausgewählte Parteikarrieren aus der Aufbauphase der Nachkriegs- SPD, die Stephan Kindynos aus mehreren Archiven zusammengetragen hat und in einem separaten Dokumentenanhang dem Publikum erstmals zugänglich macht.

    Die Dokumente zeigen einmal mehr, daß der Verrat nicht eine Entgleisung einiger weniger Sozialdemokraten ist, sondern die Substanz der SPD ausmacht, deren Verständnis erst ihre politische und historische Funktion begreiflich und vor allem berechenbar macht.

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  4. Der Blogwart 2.0

    Die Demontage einer ehemaligen Volkpartei schreitet weiter voran. Un d für alle, die es vergessen haben: Schulz hat Anfang 2015 den Weg für Merkels Grenzöffung geebnet, öffentlich im MoMa TV („es kommen 250.000 und sie werden bleiben“). Kein Wunder, das Merkel ALLES tut, um die GroKo beizubehalten. Mit Schulz als Außenminister in Kürze der nächste Schlag: wie bekannt sein dürfte, ist sein Freund Macron Verfechter der Aufnahme von Bulgarien und Rumänien in den Schengen Raum. Was das bedeutet mag sich jeder selbst vorstellen…

    Gefällt 3 Personen

  5. Pingback: Wenn der Martin und der Sigmar so richtig aneinander geraten – Leserbriefe

  6. anvo1059

    Wenn es um die Machtfrage ging kannte die SPD noch nie Skrupel und ihr war kein Verrat zu elend. Warten wir mal ab was passiert, wenn die SPD Basis sich täuschen lässt von dieser Personalie und mit *JA* zur neuen Kopulation sagt !
    Dann könnte es heißen : „Das war nur ein Missverständnis in der Hektik. Genosse Schulz ist doch der beste Kandidat fürs Außenamt….“ Und Merkel wird dazu die Augen verdrehen hinterm Rücken den Mittelfinger zücken….

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  7. Ruth Görschen

    „… dann kann Angela ich werde niemals zurücktreten Merkel schauen, wie sie eine Regierung zusammenbekommt.“
    Ist denn das nun nicht auch noch völlig wurscht, da diese Regierung doch sowieso gegen alle Gesetze eh macht, was sie will?

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