Liebe AfD, wie dämlich kann man eigentlich sein?

Von Jürgen Fritz, So. 3. Jun 2018

Hitler und die Nazis seien nur „ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, sagte Alexander Gauland gestern auf dem Bundeskongress der Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach in einem Grußwort an die AfD-Jugend. Lieber Herr Gauland und liebe AfD, wenn Sie mir die Frage erlauben: Wie dämlich kann man eigentlich sein?

Die AfD ist für die Anhänger des Rechtsstaates, der Demokratie, der Bürger- und Menschenrechte, der eigenen Kultur quasi alternativlos

Eines vorab: Seit Jahren spreche ich mich öffentlich für die AfD aus, viel länger als die meisten. Und ich werde das auch in Zukunft tun. Denn natürlich ist die AfD unter allen deutschen Parteien die einzige, die einen wirksamen Hebel darstellt gegen die systematische Selbstzerstörung, die seit Jahren und Jahrzehnten betrieben wird. Natürlich wirken an dieser Selbstzerstörung alle andere relevanten politischen Parteien – und auch alle Massenmedien! – entweder aktiv mit, ganz besonders die Grünen, die SED (Die Linke), die SPD und die CDU, oder aber sie stellen sich dem nicht entschieden entgegen, sondern lassen alles irgendwie geschehen, so sie es nicht sogar mittragen, wie die CSU und die FDP, die wohl größten Luschen von allen, die im Grunde für gar nichts mehr stehen.

Wer also an Deutschland und Westeuropa, am Rechtsstaatsprinzip, den Menschen- und Bürgerrechten, der Demokratie und der Volkssouveränität, an unserer Kultur und überhaupt der Zivilisation hängt, der hat gar keine andere Wahl, als die AfD zu wählen. Die Alternative für Deutschland ist dann quasi alternativlos, was übrigens nicht gut ist. Eine zweite Partei, die sich dem Erhalt all dies in höchstem Grade Erhaltenswerten verschreibt, wäre sehr sinnvoll, um auch hier a) eine Konkurrenzsituation zu haben und eine Wahlalternative und b) um sich gegenseitig zu stützen. Leider können sich die CSU und FDP dazu nicht durchringen, mit der AfD zusammenzuarbeiten, sondern bekämpfen diese mehr als sie jede andere Partei bekämpfen, ja sogar mehr als die Grünen und die SED, die ehemaligen Erzfeinde von CSU und FDP, was tief blicken lässt, wie sehr auch diese zwei Parteien längst degeneriert sind. Doch zurück zur AfD.

13 bis 16 Prozent und Platz 3 reichen noch lange nicht

Natürlich können Sie, liebe AfD, stolz sein, es geschafft zu haben, in gerade mal vier bis fünf Jahren von Null auf Platz 3 in der deutschen Parteienlandschaft durchgestartet zu sein, von Null auf 13 bis 16 Prozent. Das hat meines Wissens nie zuvor eine Partei nach 1949 geschafft. Ja, darauf können Sie zurecht stolz sein. Gleichwohl reicht das nicht. Bei maximal 13 bis 16 Prozent hängen Sie im Grund seit zwei Jahren fest und fallen teilweise dann auch immer wieder zurück. Solche Äußerungen wie die gestrige von Ihnen, Herr Gauland, sind sicherlich nicht förderlich, sondern kontraproduktiv. Davon abgesehen, dass eine solche Beschreibung auch sachlogisch einfach falsch ist. Dazu gleich mehr. Doch lassen Sie mich noch einen Moment beim Aufstieg und der Stärke der AfD verweilen, weil das wichtig, ja schicksalsentscheidend sein könnte für die Zukunft Deutschlands und auch über Deutschland hinaus, denn wir sind das Schlüsselland Europas.

Nochmals, 13 bis 16 Prozent sind angesichts der Zeit, wie lange Ihre Partei erst besteht, die im Grunde viel zu spät gegründet wurde und daher jetzt quasi der Entwicklung ständig hinterher rennen muss, einerseits ein unglaublich gutes Ergebnis, zumal wenn man bedenkt, wie der ganze abgrundtief verlogene Medien- und ein Großteil des Staatsapparates permanent gegen sie arbeitet und das mit den übelsten Methoden, die wir seit 1945 gesehen haben. Gleichwohl reichen 13 bis 16 Prozent noch lange nicht. Das Ziel muss längst sein, a) die SPD zu überholen, die ja ohnehin nur noch maximal zwei, drei Prozentpunkte vor Ihnen liegt, wenn nicht sogar weniger, und dann b) möglichst schnell in den Bereich von 20 bis 30 Prozent zu steigen, um dann c) auf mittlere und längere Sicht CDU und CSU anzugreifen und diese dann auch hinter sich zu lassen, so dass Sie die Nr. 1 sind in Deutschland.

Je stärker Sie werden, desto schwieriger wird es für die deutschland- und zivilisationsfeindlichen Altparteien, irgendeine Mehrheit zusammenzubekommen. Wie schwer das schon war, als Sie letzten September bei der Bundestagswahl auf 12,6 Prozent kamen, sah man beim Platzen der Jamaika-Verhandlungen und dass wir nun zum dritten Mal in vier Legislaturperioden eine schwarz-rote Regierung haben, was die wenigsten wollten. Wenn Sie zwischen 20 und 30 Prozent liegen, wird es auch für CSU + CSU + SPD nicht mehr reichen. Dann brauchen die einen vierten Partner. Wie verzweifelt die Union ist, können Sie daran sehen, dass es schon erste Stimmen in der CDU gibt, nicht nur mit den Grünen, sondern zukünftig auch mit der SED (Die Linke) koalieren zu wollen. Vor 10, 20 Jahren wären das absolut undenkbar gewesen!

Ihre Ansätze, Herr Gauland, sind genau richtig, aber dann vergalloppieren Sie sich total. Warum?

So und jetzt zu Gaulands Äußerungen von gestern. Wörtlich sagten Sie, Herr Gauland: „Wir haben eine ruhmreiche Geschichte“. Ja, einverstanden. „Und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre.“ Ja, viel länger. Und es ist gut, dass Sie darauf hinweisen. Es ist gut, dass Sie den Fokus erweitern. Es ist gut, dass Sie nicht den gleichen Fehler machen wie die psychisch und teilweise wohl auch geistig gestörten Grünen und Sozis und inzwischen auch CDU-ler. Wir müssen in der Tat als Gesellschaft unseren Horizont in doppelter Weise erweitern, indem wir das finstere Kapitel der deutschen Geschichte nicht ausblenden oder verdrängen, sondern es in einen viel größeren Kontext einbetten und zwar a) in den Gesamtkontext deutscher Geschichte, die auch unzählige unglaublich helle Moment aufzuweisen hat, und b) indem wir auch die finsteren Kapitel der anderen beleuchten, aufklären und ins allgemeine Bewusstsein heben, ganz besonders übrigens all die tief finsteren Kapitel der islamischen Geschichte.

„Nur wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten.“ Voilà, c’est ca. Das ist es. Sie bringen es wunderbar auf den Punkt. „Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre.“ Klasse, ein ganz wichtiges Statement und genau der richtige Ansatz! Doch dann fahren Sie wie folgt fort:

„Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“

Lieber Herr Gauland, ich weiß, worauf sie den Vogelschiss – steht für Mist, für Scheiße, die aber nur einen sehr begrenzten Umfang hat – beziehen: auf die Zeit. Sie setzen zwölf Jahre ins Verhältnis zu rund tausend Jahren, das macht dann etwa ein Prozent aus. Und Sie wollen damit zum Ausdruck bringen, 99 Prozent der deutschen Geschichte waren anders, zum Teil ganz anders als die finstere Zeit des Dritten Reichs. Alles richtig, aber erstens sind Millionen ermorderter wehrloser Menschen und der Rückfall in finsterste Barbarei kein Vogelschiss und zweitens geben Sie damit all Ihren politischen Gegnern und den völlig verseuchten, Ihnen zutiefst feindlich gesonnenen Massenmedien eine Steilvorlage sondergleichen. Warum, Herr Gauland! Wozu so ein unsinniger Satz?

Liebe AfD, dieses Land braucht Sie! Werden Sie dieser Verantwortung bitte gerecht!

Wenn ein Immigrant 99 Tage keine Verbrechen begeht und dann am hundertsten Tage ein riesiges Massaker anrichtet, wie wir es noch nie gesehen haben, würden Sie doch auch nicht sagen, dieser eine Tage wäre nur Vogelschiss angesichts der über drei Monate zuvor. Das ist sachlogisch Unsinn, hier von „Vogelschiss“ zu sprechen. Das passt erstens nicht, das wird der Sache nicht gerecht, das verletzt Menschen und zweitens stärken Sie damit den politischen Gegner, der das jetzt wieder gnadenlos auszunutzen versucht, weil er sonst ja nichts, aber auch gar nichts auf der Hand hat. Sie verhalten sich, wie jemand, bei dem sich immer mehr Trümpfe ansammeln und der dann den Gegenspielern, die im Grunde völlig blank dastehen, gänzlich unnötig ein Ass hinschiebt. Warum, Herr Gauland? Und das war nicht das erste Mal.

Dass Sie und die AfD versuchen, Menschen für sich zu gewinnen, für die Patriotismus wieder wichtig geworden ist, dagegen ist nichts zu sagen. Auch wenn ein intelligenter, gebildeter, geistig offener Mensch über die eigenen Landesgrenzen hinaus denken sollte, ist gegen Patriotismus oder inklusiven statt exklusivem Nationalismus (Chauvinismus) nichts zu sagen. Zumal wir uns offensichtlich in einer Phase der Geschichte befinden, wo wir erkennen müssen, dass wir noch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte zunächst auf nationaler Ebene für Sicherheit, Volkssouveränität, Menschen- und Bürgerrechte, Demokratie und Wohlstand sorgen müssen und erstmal die Länder erhalten müssen, in denen sich das auf einem gewissen Niveau entwickelt hat. Die Menschen hier emotional anzusprechen und abzuholen, ist sehr gut. Aber doch nicht so!

Lieber Herr Gauland, ich finde Sie sympathisch und Sie liegen in vielem sehr richtig. Ihre Bundestagsrede zu Israel und zum Antisemitismus war großartig. Bitte wägen Sie aber Ihre Worte deutlicher ab. Und das gilt für alle AfD-Politiker. Mit solchen sprachlichen Steilvorlagen für den politischen Gegner, die auch sachlich-inhaltlich dem Gegenstand in keiner Weise gerecht werden, verschrecken Sie viele Menschen, liefern der nackten Königin und ihrem charakterlosen Gefolge Kleidung, um ihre Blöße zu bedecken, stellen sich selbst ein Bein und verzögern das, was Ihr Ziel sein muss: möglichst schnell die SPD überholen und möglichst schnell in den Bereich von mindestens 20 bis 30 Prozent vorzudringen. Dieses Land braucht Sie! Bitte versuchen Sie, dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Ausschnitte aus der besagten Gauland-Rede gestern

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Titebild: YouTube-Screenshot

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