Remigration – Wie Europa gerettet werden könnte, wenn der Wille dazu da wäre

Von Jürgen Fritz, Mo. 4. Jun 2018

Deutschland und Europa, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Bürger- und Menschenrechte sind in ihrer langfristigen Existenz massiv bedroht. Können wir diese einmaligen Errungenschaften, unsere Kultur und die Zivilisation selbst, alles, was uns lieb und teuer ist, retten und langfristig sichern oder ist das Spiel bereits verloren? Wenn es noch nicht verloren sein sollte, wie könnte eine Rettung überhaupt aussehen?

Was steckt im Innersten der Schwäche Europas, die zu seinem Untergang zu führen droht?

Parviz Amoghli und Alexander Meschnig zeichnen in Siegen oder vom Verlust der Selbstbehauptung ebenso wie Douglas Murray in Der Selbstmord Europas ein düsteres Bild von der Zukunft unseres Kontinents. Damit stehen die genannten Autoren nicht alleine. Vor ihnen haben das bereits Rolf Peter Sieferle in Das Migrationsproblem und in Finis Germania sowie Michael Ley in Der Selbstmord des Abendlandes und in Die letzten Europäer getan, aber auch Michel Houellebecq in Unterwerfung, Bat Ye’or in Europa und das kommende Kalifat oder Manfred Kleine-Hartlage in Das Dschihad-System. Alles ausgesprochen kluge Köpfe, die durch die Bank exzellente Analysen vorlegten, was sich in Europa seit Jahrzehnten abspielt, wie wir im Grunde systematisch unser eigenes Grab schaufeln.

Um es vorwegzunehmen: Es sieht alles andere als gut aus und wache, feinfühlige Menschen wie Eva Herman und Millionen anderer spüren und sehen das längst. All diese Autoren haben grundsätzlich Recht. Der ein oder andere mag vielleicht zu pessimistisch sein, doch wer kann genau wissen, wie schnell es den Bach runter gehen wird mit unserer einzigartigen Kultur. Fest steht: wir sind hochgradig gefährdet und es ist vollkommen ungewiss, ob wir aus der Nummer nochmal heil rauskommen. Warum dem so ist, haben die oben genannten Autoren sehr gut beschrieben und teilweise auch sehr gut hergeleitet. Wenn wir noch tiefer gehen wollten, was eigentlich notwendig ist, um zu verstehen, was im Innersten der Problematik steckt, dann kämen wir auf die Begriffe des Kulturrelativismus beziehungsweise, wenn wir noch tiefer gehen auf die Begriffe ethischer Relativismus beziehungsweise der verloren gegangene ethische Objektivismus, was zu einer weitgehenden Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit führte.

Der Verlust der Selbstgewissheit und des Stolzes, mithin des Selbstbehauptungswillens

Insbesondere Amoghli und Meschnig beschreiben das Ganze zwar nicht moralphilosophisch (das wäre der eigentliche Kern des Kerns), aber zumindest phänomenologisch und psychologisch ganz exzellent. Für die eigene Selbstbehauptung bedarf es einer bestimmten Mentalität, einer – wenn Sie so wollen – Siegermentalität. Diese haben nicht nur die Deutschen, wie einige meinen, sondern überhaupt die Europäer und auch die Nordamerikaner weitgehend verloren. Weshalb? Weil es ihnen an Selbstgewissheit mangelt. Und dies wiederum hat Ursachen. Die Selbstgewissheit gründet in der Überzeugung der eigenen moralischen Überlegenheit oder zumindest dem festen Glauben an die eigene Moral. Genau das aber wurde den Westlern ausgetrieben beziehungsweise genau das ist ihnen abhanden gekommen.

„Wie ein Obelisk, auf den die Hauptstraßen eines Ortes zugeführt sind, steht in der Mitte der Kriegskunst gebieterisch hervorragend der feste Wille eines stolzen Geistes,

schrieb der Militärwissenschaftler und -philosoph Carl von Clausewitz (1780-1831) in seinem großen Werk Vom Kriege, an dem er die letzten zwölf Jahre vor seinem viel zu frühen Tode arbeitete und das doch unvollendet blieb, dem Werk, das großen Einfluss auf die Entwicklung des Kriegswesens in allen westlichen Ländern haben sollte und bis heute an Militärakademien gelehrt wird, aber auch in anderen Bereichen wie Unternehmensführung oder Marketing.

Die postheroische Gesellschaft und ihr latenter oder offener Wunsch nach Selbstauflösung

Den stolzen Geist versucht die Christenmoral, die von Anfang an vor allem eine solche für Sklaven, Knechte und Untertanen war, den Menschen seit fast zweitausend Jahren auszutreiben, indem sie deren thymotischen Seelenkräfte (Stolz, Ehrgeiz, Ehrgefühl, Selbstbehauptungswille, Zorn, Wunsch/Begehren nach Anerkennung …) klein- beziehungsweise ganz wegzustutzen sucht. Hinzu kamen historische Erfahrungen, insbesondere die zutiefst traumatischen Erlebnisse in den zwei verheerenden Weltkriegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beziehungsweise in den USA all die nicht erfolgreichen Kriege in Vietnam, Afghanistan, im Irak.

Seither haben sich nahezu alle westlichen Gesellschaften zu postheroischen solchen entwickelt, denen der Selbstbehauptungswille abhanden gekommen ist. Trump stellt quasi eine Gegenbewegung, eine historische Antithese auf die Antithese (keine Synthese) dar, der die Selbstbehauptung abkoppelt von der überlegenen Moralität und in die Richtung des reinen Egoismus verschiebt.

Begründet ist dieser Verlust vor allem des westeuropäischen Selbstbehauptungswillens in einem Mangel des Glaubens an die Überlegenheit der eigenen Moral. Da aber fast alle Westler nur die Christenmoral kennen und sonst so gut wie gar nichts (moralphilosophische Analphabeten), diese Christenmoral zugleich extrem pazifistische Tendenzen hat, die nach den historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts immer deutlicher herausgearbeitet werden, können die meisten westlich Sozialisierten so etwas wie Selbstbehauptung, die mit Gewalt durchgesetzt wird, überhaupt nicht mehr denken. Das ist vollkommen außerhalb ihres nicht selten extrem engen Horizontes.

Das steckt im innersten Kern der Problematik. Der Mangel am Glauben an die Überlegenheit der eigenen Moral führt unweigerlich zu einer Relativierung, ja oft sogar einer Herabwürdigung der eigenen Kultur und Gesellschaft, bis hin zum latenten oder offenen Wunsch, diese möge endlich ganz untergehen (z.B. bei den Grünen extrem ausgeprägt, aber auch bei sehr vielen „Sozialdemokraten“).

Wäre der feste Wille eines stolzes Geistes vorhanden, bräuchte es ein Bündel von Maßnahmen zur Rettung Europas, die umzusetzen wären

All die folgenden Maßnahmen, das gesamte aufgeführte Programm zur Erhaltung Europas wäre rein technisch möglich, es wäre machbar. Voraussetzung wäre aber, dass die entsprechende Mentalität vorhanden wäre. Voraussetzung wäre der feste Wille eines stolzen Geistes, der im Idealfall in einer ethisch legitimierten Moral begründet sein müsste. All das ist aber nur noch bei wenigen vorhanden. Hier und nur hier liegt das eigentliche Problem. Alles andere wäre machbar.

Mentalitäten aber lassen sich nicht von heute auf morgen ändern. Das dauert Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende. Und so viel Zeit haben wir angesichts der aktuell bereits vorhandenen massiven Bedrohungslage nicht. Das ist das Dilemma, in dem wir stecken. Wie könnte aber nun rein äußerlich eine Rettung Europas möglich sein? Wie könnten wir es umsetzen, wenn der feste Wille dazu vorhanden wäre?

Dieses Ziel wäre nur erreichbar über ein Bündel von Maßnahmen. Die europäischen Völker werden sich im Laufe der nächsten Jahre entscheiden müssen, ob sie den Willen und die Kraft aufbringen, ihren Kontinent, ihre Kultur, all das, was uns lieb und teuer ist, erhalten möchten oder dem Untergang anheim fallen lassen wollen. Sollten sie sich in einem demokratischen Prozess für Ersteres entscheiden, so könnten folgende Punkte der Erreichung dieses Ziels mehr als alles andere dienlich sein.

1. Strenge Einreisekontrolle und freie Selbstbestimmung, wen wir aufnehmen wollen

Niemanden mehr einreisen lassen, den WIR nicht haben wollen. Niemanden! Keinen einzigen. Dies ist ein Gebot, welches sich zwingend aus der Souveränität, der Selbstbestimmung eines jeden Staatsvolkes ergibt. Dieses Recht darf dem Volk unter keinen Umständen entrissen werden durch die hegemonialen Herrschaftseliten, die, so mutet es seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten immer mehr an, bisweilen ganz andere Interessen verfolgen als das Gemeinwohl der Bürger, die sie zumindest zum Teil erst in ihre Ämter gewählt haben. Der Souverän darf mithin nicht entrechtet werden!

2. Abschaffung jeglicher Rechtsansprüche auf Asyl respektive von Flüchtlingsrechten

Jeglicher Rechtsanspruch auf Asyl muss abgeschafft werden. Diese Regelung ist völlig anachronistisch und realitätsfremd. Ebenso die Genfer Flüchtlingskonvention, so sie dergestalt (fehl)interpretiert wird, dass die sogenannten „Flüchtlinge“ aus dieser Konvention Rechtsansprüche ableiten könnten.

Es kann keinen Rechtsanspruch geben, in einem anderen Land aufgenommen zu werden.Stellen Sie sich einfach vor, zwischen China und Indien würde ein Krieg ausbrechen. Wir hätten unter Umständen innerhalb kürzester Zeit hunderte Millionen von Flüchtlingen. Wer sollte die alle aufnehmen? Dies ist fernab jeglicher Realität.

Wir sollten nach fairem, freiem Ermessen entscheiden, wen wir in Ausnahmefällen unabhängig von Eigeninteressen aufnehmen wollen. Damit entfallen sofort alle Klagemöglichkeiten. Die Gerichte, die derzeit auf Jahrzehnte hin aus- und überlastet sind, werden so schlagartig entlastet. Der finanzielle Aufwand, der dadurch frei wird, kann klüger und aus ethischer Sicht wesentlich sinnvoller eingesetzt werden.

3. Ausübungsverbot aller grundgesetz- und menschenrechtswidriger Weltanschauungen

Wir verbieten sukzessive die freie Ausübung von grundgesetz- und menschenrechtswidrigen Weltanschauungen, auch die der religiösen solchen. Zugleich betreiben wir ganz konsequente Aufklärung über die Grundlagen, Geschichte und schweren Mängel respektive die Minderwertigkeit und Rückständigkeit solcher Menschen- und Weltbilder.

Damit schaffen wir im Laufe der nächsten 10 bis 20 Jahre ein Klima, in welchem die Anhänger von grundgesetzwidrigen Weltanschauungen sich nicht mehr wohl fühlen, da sie ihre abstrusen Vorstellungen zwar noch in ihrem Kopf herumtragen, aber in der Öffentlichkeit nicht mehr frei ausüben können, vor allem nicht in unseren Schulen unterrichten dürfen, so dass ein intrinsischer Anreiz entsteht, unser Land zu verlassen und in ein solches zu migrieren, in welchem die Mehrheit ein ähnliches menschenrechtsfeindliches Weltbild in sich trägt.

4. Aufnahmeabkommen und finanzielle Anreize für die Ausreise

Wir versuchen im Laufe der nächsten Jahre mit immer mehr Staaten Abkommen zustande zu bringen, die Personen aufnehmen, die von ihrer Weltanschauung wesentlich besser in die Kulturen dieser Länder passen.

Zusätzlich setzen wir finanzielle Anreize unser Land zu verlassen für solche Personen, die innerlich keine Demokraten, keine Republikaner, keine Menschenrechtsfreunde, keine mündigen Staatsbürger eines republikanischen Rechtsstaates sein wollen, die nach ganz anderem trachten. Und zwar degressive Anreize, also von Jahr zu Jahr geringere, z.B. dergestalt:

  • im ersten Halbjahr 10.000 EUR
  • im zweiten Halbjahr 9.000 EUR
  • im dritten Halbjahr 8.000 EUR usw.
  • im zehnten Halbjahr dann noch 1.000 EUR
  • nach Ablauf von fünf Jahren nichts mehr.

Auf diese Weise entsteht ein Druck, mit seiner Entscheidung nicht allzu lange zu warten. Zusätzlich zur intrinsischen wird so eine extrinsische Motivation erzeugt zu remigrieren und zwar möglichst schnell. Helmut Kohl hatte zu Beginn seiner Amtszeit ähnliche solche Pläne in Bezug auf die Türken, hat dies auch ansatzweise in Angriff genommen (mit z.B. 10.500 DM Abschiedsgeld + Rückerstattung ihrer Rentenversicherungsbeiträge),  dann aber schnell wieder abgebrochen respektive nicht konsequent durchgezogen.

Konklusion

Dieses Programm über 30 bis 50 Jahre konsequent, fair und gerecht, streng nach rechtsstaatlichen Prinzipien durchgezogen und unser Land würde vollkommen anders aussehen. Besser, schöner, gerechter, liebreizender als jemals zuvor!

Dann können wir von Dekade zu Dekade anderen, die wirklich am meisten hilfsbedürftig sind, mehr und mehr helfen, dies aber bei ihnen, nicht bei uns! So wäre das „Uns“ langfristig gesichert und auch die Hilfe für die anderen.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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