Markus Söder bald AfD-Ehrenmitglied? – Vom Wesen des Opportunismus

Von Jürgen Fritz, Mi. 4. Jul 2018

Am Samstag, den 30.06.2018, fand in Augsburg der neunte AfD-Bundesparteitag statt. Dabei wurde von einem Journalisten die Frage aufgeworfen, ob der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht AfD-Ehrenmitglied werden sollte, da ihm doch das große Verdienst zukomme, nach und nach immer mehr AfD-Positionen zu übernehmen. Hören Sie hier, was die AfD-Mitglieder von dieser Idee halten, und lesen Sie zuvor, was eigentlich das Wesen eines Opportunisten ausmacht.

Was versteht man unter einem Opportunisten?

Opportunismus sei der evolutionäre Status des Massenmenschen, der alles erkläre, vor allem die Macht der Skrupellosen, meinte der Kosmopolit, Pazifist und Autor Raymond Walden (*1945). Man könnte aber auch sagen, der Opportunist sei ein Konfuzius-Leser und -Anhänger, denn nur wer mit dem Strom schwimme, werde das Meer erreichen, formulierte der chinesische Philosoph schon vor zweieinhalb Jahrtausenden. Doch was genau macht denn nun den Opportunismus aus?

Es gibt Menschen, die vertreten eine Position, weil sie davon überzeugt sind. Sie stehen für etwas ein, weil sie diese Position für richtig halten. Das geben sie dann auch nach außen zu erkennen. Reden, Handeln und die innere Überzeugung stimmen bei ihnen überein. Das heißt, man könnte sagen: Sie sind mit sich selbst kongruent, sie stimmen mit sich selbst überein. Sie haben ein Gesicht und nicht mehrere.

Bisweilen macht sie das unbequem für andere, aber das nehmen sie in Kauf. Warum? Entweder weil sie diese innere Spannung der Inkongruenz nicht gut aushalten können oder weil Aufrichtigkeit für sie ein sehr hohes Gut, ein sehr hohen Wert darstellt und sie es mit sich selbst nicht vereinbaren könnten, je nachdem, von gerade der Wind weht, je nachdem, womit man gerade am besten reüssieren kann, je nachdem, was einem gerade am meisten voran bringt, je nachdem, was gerade opportun ist, einmal so zu reden und handeln und dann wieder ganz anders oder schlimmer noch: anders zu reden als dann gehandelt wird.

Sie überlegen also nicht primär, ob sie mit ihrer Überzeugung bei anderen gut ankommen, ob diese das hören wollen, was sie zu sagen haben, sondern sie überlegen primär, was ihrer Auffassung nach das Richtige ist. Sie orientieren sich also an der Sache selbst und an Argumenten, weniger danach, was andere meinen, wie die Mehrheiten gerade verteilt sind, was andere gerne hören wollen und womit man sich am besten beliebt machen und somit reüssieren kann.

Für demokratische Politiker ist eine solche innere Haltung natürlich meist nicht ungefährlich, da die Mehrheit solche charakterfesten Charaktere meist nicht so sehr mag und honoriert. Nicht wenige Menschen mögen es besonders, wenn man ihnen ein bisschen nach dem Mund redet, manche mögen das sogar nicht nur ein bisschen. Einer, der das besonders gut kann, so hört man immer wieder, sei Markus Söder. Doch zurück zur Frage, was den Opportunisten ausmacht.

Persönlicher Erfolg über Grundsatz- und Prinzipientreue

Der Opportunist ist quasi das genaue Gegenteil des soeben beschriebenen Menschenschlages. Er nutzt jede günstige Gelegenheit zu seinem Vorteil, ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder eigene Wertvorstellungen. Innere Werte und Prinzipien sind ihm weitgehend fremd oder es fällt ihm sehr leicht, diese zurückzustellen, außer einem: persönlicher Erfolg.

Der Opportunist stellt mithin jede ihm günstig erscheinende Zweckmäßigkeit über die Grundsatz- und Prinzipien­treue. Generell ist Treue gar kein oder ein sehr niedriger Wert für ihn, sowohl die Treue zu anderen, vor allem aber die Treue zu sich selbst, was ihm umso leichter fällt, je weniger eigene Grundsätze und Prinzipien er hat. Denn wo nichts ist, ist es auch nicht schwer, das Nicht-Vorhandene aufzugeben.

Positiv formuliert könnte man auch sagen, der Opportunist ist ein Meister der Anpassung. In der Zeit der Wende wurden solche Personen in der DDR 1989 und danach auch gerne als Wendehälse bezeichnet. Ende der Vorrede. Nun aber zu unserer Ausgangsfrage: Sollte Markus Söder eine Ehrenmitgliedschaft in der AfD angetragen werden, da er – wie überhaupt die CSU – doch in nahezu vorbildlicher Weise nach und nach immer mehr Positionen der AfD genau so übernimmt? Hören Sie im folgenden, was AfD-Mitglieder auf diese Frage antworteten. Collin McMahon hat es für uns zusammengefasst.

AfD-Ehrenmitgliedschaft für Markus Söder?

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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