Denk ich an Frankreich in der Nacht

Ein Gastbeitrag von Michael Klonovsky, So. 22. Jul 2018

Heute vor einer Woche: Frankreich wird Fußball-Weltmeister. In der darauffolgenden Nacht feiert sich die Grande Nation im Zeichen ihrer bunten Nationalmannschaft. Doch bald schon muss die Polizei die Avenue des Champs-Élysées räumen, weil es zu massiven Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen kommt. Michael Klonovsky wirft einen Blick über die Grenze auf das verlotterte linksrheinische Paradiesgärtchen, dessen Präsident uns tatsächlich vorschreiben will, wie die Zukunft Europas auszusehen hat.

Franzosen, genauer: Männer in Frankreich im Triumphrausch

In der Nacht des WM-Triumphes, als die Grande Nation im Zeichen ihrer bunten Nationalmannschaft fahnenschwenkend und jubelnd zusammenfand, wobei, wie es sich für eine wahrhaft bunte Nation schickt, nicht nur französische Fahnen geschwenkt wurden, sondern auch algerische, marokkanische etc. pp., während die Feiernden es da und dort brüderlich berauscht übertrieben, in den Innenstädten randalierten, Geschäfte plünderten, Scheiben einschlugen, Autos anzündeten, prügelten – ich sah auf YouTube ein Video, wo ein Mann niedergeschlagen und gegen den Kopf getreten wird, weil er die Trikolore trug (siehe unten) –, kurzum: sich benahmen, wie sich revolutionäre Franzosen offenbar eben periodisch benehmen müssen, auch wenn sie gar keine Franzosen sind, weshalb sogar die „Allee der elysischen Felder“ von der Polizei geräumt werden musste – „Und um uns war Elysium“ (Klopstock) –, in dieser Nacht wurden auch zahlreiche Frauen sexuell belästigt, wie das Männer im Triumphrausch eben zu allen Zeiten gegenüber weiblicher Siegesbeute zu tun pflegen.

In Jean Raspails prophetischem Roman „Das Heerlager der Heiligen“ aus dem Jahr 1973 fand ich den melancholischen Kommentar dazu: „Nur bei manchen Arabern weckte die Aussicht auf den unwahrscheinlichen Zusammenstoß, der sich an der Südküste Frankreichs ankündigte, gewisse Rachegelüste. Einstweilen blieb es bei dunklen Begierden und unterdrückten Impulsen. Noch träumten sie eher davon, einer Französin ein Lächeln zu entlocken, als sie zu vergewaltigen.“  (S. 46; Hervorhebung von mir – M.K.)

Apropos Raspail

Im „Heerlager“ findet sich auch dieser Dialog: „‚Herr Machefer, Ihre Frage ist niederträchtig‘, antwortete der Minister. ‚Fragt man einen Ertrinkenden, bevor man ihn aus dem Wasser zieht, wohin er gehen will und warum? Stößt man ihn wieder ins Meer, wenn er gesteht, daß er auf Ihren Privatstrand zugeschwommen ist, um in Ihre Villa einzubrechen?‘ ‚Man zieht ihn aus dem Wasser und übergibt ihn der Gendarmerie‘, sagte Machefer. ‚Aber wieviele Gendarmen haben Sie zur Verfügung, wenn eine Million Diebe aus dem Wasser gezogen werden?'“

Apropos Frankreich

Die Jüdische Rundschau zitiert den pensionierten Lehrer Bernard Ravet, der in seinem Buch „Principal de collège ou imam de la République?“ seinen Alltag als Schulleiter an verschiedenen Marseiller Schulen beschreibt: „Er erzählt, wie das offensive Zurschaustellen islamischer Überzeugungen seit der Jahrtausendwende immer mehr um sich gegriffen hat: Schüler verließen den Unterricht, wenn Rousseau oder Molière gelesen werden; lehnten Geschichtsunterricht ab, wenn es dort um Christen, Juden oder Muslime geht; weigerten sich, mit geometrischen Figuren zu arbeiten, die Kreuzen entfernt ähnlich sehen; lehnten es ab, in der Schulkantine Fleisch zu essen, das nicht ‚halal‘ ist, und verlangten von Lehrern nordafrikanischer Herkunft, den Ramadan zu halten und nicht zu rauchen – selbst wenn diese nicht gläubig seien. Dazu geselle sich ein unbändiger Hass auf Juden; wenn die Schoah thematisiert werde, fielen oft Sätze wie ‚Das geschieht den Juden recht‘ oder ‚Das hat Hitler gut gemacht‘.“

Und der Präsident dieses verlotterten linksrheinischen Paradiesgärtchens, der sich selber offiziell von der französischen Kultur verabschiedet hat – „Es gibt keine französische Kultur. Es gibt eine Kultur in Frankreich; sie ist divers“, also frei von Rousseau oder Molière (und mal unter uns reactionären Betbrüdern: Hat nicht die Laus Rousseau genau diese Behandlung von den gepriesenen bon sauvages, die ihn, Rosseau, nicht einmal kennen, verdient?) –, Gevatter Macron also will uns, von Nazikindern und Wiedergutmachungskaspern wie Herrn Habermas schulterbeklopft, tatsächlich vorschreiben, wie die Zukunft Europas auszusehen hat.

Apropos unbändiger Hass auf Juden

Es gibt derzeit 16 Staaten, die einen „Jew Ban“ verhängt haben, also ein Einreiseverbot für Juden: Algerien, Bangladesch, Brunei, Iran, Irak, Kuwait, Libanon, Libyen, Malaysia, Oman, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Jemen. Einige dieser Länder hassen Israel so sehr, dass sie sogar Nichtjuden, die das land als Touristen oder als Geschäftsleute besucht haben, nicht einreisen lassen. Sogar die argentinische Fußballnationalmannschaft sagte ein Testspiel in Israel ab, nachdem es heftige Drohungen gegen die Messi-Truppe gegeben hatte.

Davon erfährt man in den deutschen Medien bekanntlich wenig, vor allem keine Kritik. Die bekamen die Israelis aber im deutschen Anklagechor für ihr neues Nationalstaatsgesetz zu hören, das nach Meinung der deutschen Wahrheits- und Qualitätsmedien diretissimo zu Rassentrennung, Apartheid und finsterster Diskrimierung der in Israel meist gut und gern lebenden Araber führt, die immerhin und im Unterschied zum judenfreien Gazastreifen zwanzig Prozent der Bevölkerung ausmachen. Apartheid ist etwas, das man Ländern, die Juden gar nicht erst einreisen lassen, ja nun wahrlich nicht vorwerfen kann. Alexander Wendt sagt dazu das Gebotene.

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Dieser Text erschien zuerst auf dem sehr empfehlenswerten Blog von Michael Klonovsky, der nur so vor Gedanken, Ein- und Quersichten sprüht. Sollten Sie sich unbedingt öfters ansehen. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des geschätzten Autors und Blogbetreibers.

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Zum Autor: Michael Klonovsky, 1962 im Erzgebirge geboren, ist Romanautor und Publizist. Aufgewachsen in Ostberlin. Maurerlehre. Abitur. Seit 1990 Journalist. “Wächterpreis der Tagespresse” für die „Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz und den Staatssicherheitsdienst“. 1992: Wechsel zum Focus, zunächst als Redakteur, später als Chef vom Dienst bzw. Textchef, Leiter des Debattenressorts, sodann als Autor. Am 31. Mai 2016 endete die Ehe mit Focus, die Partner hatten sich auseinandergelebt. Von Juni 2016 bis Anfang 2017 war er parteiloser Berater von Frauke Petry, von Juni bis November 2017 Sprecher der von Jörg Meuthen geführten Landtagsfraktion der AfD Baden-Württemberg. Michael Klonovsky ist Autor mehrerer Bücher.

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Titelbild: YouTube-Screenshot „Schwere Ausschreitungen in Paris – Polizei räumt WM Feier auf Champs Élysées mit Tränengas“

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