Hauptsache Frieden! Hauptsache Frieden?

Von Jürgen Fritz, Di. 9. Okt 2018

Immer wieder hört man von verschiedenen Gestalten – übrigens nicht selten solchen weiblichen Geschlechts und ganz besonders bei Esoterikerinnen, die es mit dem Nachdenken meist schon aus Prinzip nicht übertreiben möchten, das Gefühl wäre ja doch viel wichtiger, nicht wahr? –, die Hauptsache sei doch, dass Frieden herrsche auf der Welt. Und auch die UNO, die Vereinte Nationen, sehen darin ihre wichtigste Aufgabe und ihr höchstes Ziel. Nun, ein solcher Friede ist im Grunde relativ leicht herstellbar, wenn man es nur wirklich will und konsequent umsetzt. Wie? Na ganz einfach so …

Wie lässt sich der große Frieden herstellen?

Man muss einfach alle, die ein anderes Weltbild und andere Ansichten haben, konsequent liquidieren, zunächst die Rädels- und Wortführer, sodann die anderen Abweichler permanent einschüchtern, immer wieder welche aus dem Verkehr ziehen zur Abschreckung der anderen, sie in dunklen Kellern oder noch besser öffentlich foltern, auspeitschen, demütigen oder brutal hinrichten, siehe Mao oder siehe unsere ganz speziellen Freunde.

Im nächsten Schritt kann man dann die kleinen Kinder von der ersten Stunde an auf die eigene Weltanschauung einschwören (Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben und die sind glücklich dabei“). Schon nach wenigen Jahrzehnten wird dann überall, wo dieses Regime herrscht, absoluter Friede sein. Und warum sollte dieses Regime nicht überall herrschen? Denn dann würden doch die ganzen Reibereien wegfallen, die wir bislang immer sehen und die uns allen so viel Kummer bereiten.

Auch innerer Friede ist machbar

Wenn man dann schließlich den Menschen die Worte raubt, mit deren Hilfe man andere Gedanken ausdrücken könnte, wie zum Beispiel „Freiheit“, „Autonomie“, „Emanzipation“, „Mündigkeit“ oder „Selbstbestimmung“ und andere inhaltlich einfach neu besetzt, so dass die Worte zwar noch gleich klingen und gleich geschrieben werden, nun aber eine ganz andere Bedeutung bekommen, so zum Beispiel das Wort „Würde“, dann können die derart Herangezogenen im Laufe der Zeit auch gedanklich gar nicht revoltieren oder auf Abstand gehen, weil sie gar keine Begriffe mehr dafür haben.

Sie können dann gar nichts mehr anderes denken, weil in ihrem Geist gar keine anderen Gefäße, gar keine Begriffe dafür vorhanden sind, in welche sie das Wahrgenommene füllen könnten. Dort befinden sich dann nur doch die Gefäße, die das Regime dort hineingepflanzt und schön sauber in gut und schlecht sortiert hat.

Demokratie kann dazu kommen, muss aber nicht, weil das nicht mehr wichtig ist

Und dann lassen sich übrigens auch demokratische Elemente problemlos einführen, wenn alle mal entsprechend eingeschworen respektive wie Eisenspäne unter der Wirkung eines Magneten eingenordet sind, wobei demokratische Elemente sogar gar nicht mehr notwendig sein werden, weil ja alle zufrieden sind, ob mit oder ohne Demokratie. Denn dann wird gar keiner mehr auf andere Gedanken kommen, weil keiner mehr etwas anderes kennt.

Nun wird wirklich Frieden und absolute Harmonie herrschen, ja, ein goldenes Zeitalter wird anbrechen, die schönste und friedlichste Ära, die die Welt je gesehen hat. Dingsbums – ich kann mir den Namen seit einigen Monaten seltsamerweise nicht mehr merken – bedeutet übrigens Frieden. Und nichts anderes! Hört ihr, nichts anderes!

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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