Ist Ihnen schon mal aufgefallen, was für Opportunisten unsere Kabarettisten inzwischen sind?

Von Jürgen Fritz, So. 21. Okt 2018

Was macht eigentlich einen Kabarettisten zu einem Kabarettisten? Weshalb verdienen es die allermeisten kaum noch, überhaupt so genannt zu werden? Antworten hierauf finden Sie in dem folgenden Text. Vor allem aber können Sie hier sehen, was der zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk macht, wenn jemand echtes Kabarett bietet, wenn jemand da hingeht, wo es weh tut. Das hier gezeigte Filmdokument des Auftritts von Ludger Kusenberg, einmal vor dem Schnitt durch den NDR und auch danach, verdient das Prädikat besonders wertvoll, weil es zeigt und belegt, wie unsere Massenmedien arbeiten.

Kabarett, die große Kunst auf der Kleinbühne

Was macht eigentlich einen Kabarettisten zu einem Kabarettisten? Kabarett ist eine Form der sogenannten Kleinkunst. Der Kabarettist bringt hierbei durch schauspielerische Szenen, Monologe, Dialoge, Pantomime, also durch darstellende Kunst, etwas zum Ausdruck. Er kann sich dabei der Lyrik bedienen, der Musik oft auch einfach nur der pointierten, satirischen und polemischen Sprache. In der Regel hat er einen künstlerisch-ästhetischen Anspruch und bedient sich vor allem der unterhaltenden Komik. Er darf also vor allen Dingen eines nicht: langweilen oder nicht witzig sein.

Doch all das reicht noch nicht, um wirklich von einem Kabarettisten zu sprechen, der mehr macht als nur Comedy. Eines muss noch hinzukommen, das geradezu das Wesen des Kabarett mit ausmacht. Die unterhaltende Komik muss eine ganz bestimmte Zielrichtung haben. Dem Kabarettisten geht es nicht einfach nur darum, Leute zum Lachen zu bringen. Dann wäre er unter Umständen einfach nur ein Witze-Erzähler. Was ist nun diese essenzielle Zielrichtung des Kabaretts? Kabarett zielt ab auf: Gesellschaftskritik. Das ist die Stoßrichtung des Ganzen. Ein Kabarettist ist ein Gesellschaftskritiker, der seine Kritik einfach nur witzig und unterhaltend verpackt, was wiederum keine kleine, sondern eine große Kunst ist, auch wenn es zumeist auf kleiner Bühne geschieht.

Die meisten Kabarettisten verdienen es kaum noch, so genannt zu werden

Gesellschaftskritik üben zu können, setzt aber voraus, dass man sich a) mit der Gesellschaft überhaupt eingehend beschäftigt, dass man b) erkennt, was besonders kritikwürdig ist, dass man sieht, wo der Hase im Pfeffer, der Hund begraben ist, was ein hohes Maß an Intellekt und Sensibilität voraussetzt. Und es bedarf noch eines Dritten, einer Charaktereigenschaft oder -tugend: Es bedarf des Mutes. Weshalb des Mutes? Weil man die Courage, nein den Mut aufbringen muss, sich mit den Mächtigen anzulegen. Und nun frage ich Sie, was ist ein Kabarettist wert, dem es schon an (b) mangelt und noch mehr an (c)? Und ich bitte Sie, im Geiste mal all die Kabarettisten durchzugehen, welche von diesen die genannten Kriterien auch nur ansatzweise erfüllen.

Wozu braucht es zum Beispiel Kabarettisten, die sich permanent über jene lustig machen, auf die 60, 70, 80 Prozent der Gesellschaft und der Medien, wenn nicht noch mehr, ohnehin permanent einprügeln und an ihnen Kritik üben? Welchen tieferen Sinn soll solch ein Kabarett haben? Vielleicht geht es Ihnen wir mir, der ich die letzten Jahre mehr und mehr den Eindruck gewinne, die allermeisten Kabarettisten verdienen kaum noch, überhaupt so genannt zu werden. Trauriger Tiefpunkt dürfte wohl Jan Böhmermann sein, doch ist er nicht die Ausnahme, sondern nur das Extrem der Regel. Die meisten anderen sitzen im gleichen Boot wie er, er in diesem nur weit vorne.

Kritik muss dahin gehen, wo es weh tut, ansonsten taugt sie nichts

Wenn Sie sich nun fragen, weshalb das alles denn so ist, dann gibt es darauf im Grunde wiederum mindestens zwei Antworten, welche oben schon vorbereitet wurden (ich fasse die ersten beiden Punkte jetzt zu einem zusammen). Kabarett, so stellten wir fest, bedarf a) des gesellschaftlichen Interesses, des Intellektes und der Sensibilität, überhaupt zu merken, was anzuprangern ist, sowie b) des Mutes, sich dann das Bemerkte, das Kritikwürdige auch offen auszusprechen. Heute Hitler zu kritisieren oder Bismarck oder Dschingis Khan ist einfach lächerlich. Weshalb? Nicht weil sie tot sind, das sind Jesus und Mohammed auch, sondern weil das kaum jemandem weh tut, weil man damit niemandem auf die Füße tritt. Kritik, die etwas verändern will, indem sie Missstände bewusst macht und der Lächerlichkeit preisgibt, tut weh, muss weh tun. Ohne Schmerz keine Einsicht, ohne Einsicht keine Verhaltensänderung. Die Komik dient dabei einerseits der Abmilderung der Kritik zugleich aber auch zu deren Verschärfung, weil niemand gerne ausgelacht wird.

Genauso billig ist es daher, in Deutschland Donald Trump oder die AfD zu persiflieren, Erdogan und Putin, die bösen Kapitalisten und Unternehmer, a) weil das ohnehin fast alle machen und weil man damit b) keinerlei persönliches Risiko eingeht. Nun gibt es einen, der ist bereit, persönlichen Risiken auf sich zu nehmen und Kritik an solchen zu üben, die es verdient haben und gleichzeitig von kaum einem angepackt werden. Und nun raten Sie bitte, was der NDR, also die ARD, mit Ludger Kusenberg, so der Name unseres Helden, mit diesem machte. Etwas Ähnliches wie zuvor schon der Saarländische Rundfunk, wenngleich nicht ganz so drastisch. Der NDR verlor nicht aus Versehen die ganze Aufzeichnung seines Auftritts, so dass er gar nichts von diesem ausstrahlen konnte, aber der NDR schnitt kräftig heraus, was er gar nicht witzig fand.

Zwei Versionen: vor und nach dem Schnitt

Wenn Sie sich nun die folgende Aufnahme ansehen, dann sehen Sie beides: a) das vom NDR tatsächlich Ausgestrahlte und b) auch das von diesem Sender fein säuberlich Herausgeschnittene – fein säuberlich herausschneiden können unsere Freunde, die inzwischen überall im Lande sitzen und ihre Brötchen mit dem Schnipseln verdienen, meist besonders gut.

Denn unser Schlingel hat seinen Auftritt, der übrigens in jeder Hinsicht – ästhetisch, künstlerisch, was Unterhaltung und Witz, vor allem aber auch Bissigkeit anbelangt – großartig war, einfach mit einer eigenen Kamera von der Seite mitfilmen lassen, so dass wir nun ein Dokument besitzen, welches eindeutig belegt, was der NDR, der Teil der ARD, mithin Teil des von den Bürgern zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist, herausgeschnitten hat. Vielleicht deshalb, weil es dem NDR so wenig witzig erschien, dass er auf keinen Fall wollte, dass die Zuschauer das zu sehen und zu hören bekommen. Vielleicht aber auch aus ganz anderen Gründen, nicht aus einem Mangel an Komik. Wer weiß? Aber sehen Sie bitte selbst. Denn dieses Dokument ist – ich denke, da sage ich nicht zu viel -, besonders wertvoll.

Der komplette Auftritt von Ludger Kusenberg, inklusive der vom NDR herausgeschnittenen Szenen

Die Hintergründe zu dem Auftritt

Und hier können Sie nachlesen, wie Ludger Kusenberg, der regelmäßig für Tichys Einblick schreibt, den ganzen Vorfall selbst beschreibt, was er erlebt hat und sehr viele Hintergründe. Auch das hochinteressant und sehr lesenswert! Zensur? Oder Schere nur mit Bravour? Wie würden SIE entscheiden? von Ludger Kusenberg.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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