Philosophischer Start in den Tag: Europas verlorene Identität

Aphorismen, Di. 29. Jan 2019

Europas verlorene Identität

„Wenn Europa die Heimat der Welt werden will, muss es eine Definition für sich finden, die weit genug ist für die ganze Welt. Aber noch bevor dieser Wunsch in sich zusammenbricht, werden unsere Werte – weil zu weit gefasst – jede Bedeutung verlieren. Während die europäische Identität in der Vergangenheit auf sehr spezifischen, um nicht zu sagen, philosophisch und historisch tief fundierten Werten (der Herrschaft des Rechts, einer Ethik, die aus der Geschichte des Kontinents und der Philosophie herauskristallisiert wurde) beruhte, bestehen heute Ethik und Glaube – das heißt die Identität und die Ideologie Europas – aus »Respekt«, »Toleranz« und (die höchste Stufe von Selbstverleugnung) »Diversität«. Solch flache Selbstdefinitionen können zwar noch ein paar Jahre halten. Aber sie sind nicht imstande, die tiefe Loyalität hervorzubringen, die eine Gesellschaft braucht, um für eine lange Zeit zu überleben.“ (Douglas Murray)

Anmerkung Jürgen Fritz: Wo Murray von Ethik (= die Reflexion über und die kritische Prüfung und Begründung von Moral) spricht, meint er wohl eher Moral (= ein Ensemble von Regeln, Werten und Normen, das die einzelnen Individuen verinnerlicht haben und das eine Gesellschaft wie Kitt innerlich verbindet und zusammenhält). Leider wird hier selten sauber unterschieden.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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