Weshalb suchen die Europäer ihr Heil in der Selbstvernichtung?

Von Jürgen Fritz

Die Islamisierung sei weit fortgeschritten und für weite Teile Europas nicht mehr umkehrbar, sagt der Politikwissenschaftler Michael Ley. Diese breche aber nicht einfach so über uns herein, wir lassen sie zu. Woher kommt die Sehnsucht nach Selbstvernichtung und was bedeutet das für die Zukunft Europas?

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Ist die Islamisierung Deutschlands und Österreichs noch aufzuhalten?

Die Islamisierung sei bereits viel weiter fortgeschritten als die meisten glauben, macht der Politikwissenschaftler und Soziologe Dr. habil. Michael Ley bei der Präsentation seines neuen Buches Die letzten Europäer – Das neue Europa auf Einladung der Freiheitlichen Akademie in Wien deutlich. Als Faustregel gelte: Wenn in einer Gesellschaft, in welcher die indigene Bevölkerung sich zahlenmäßig zurückentwickle, 10 Prozent Muslime seien, dann verdoppelten sich diese anteilig etwa alle 10 Jahre. Offiziell gäbe es in Österreich derzeit 8 Prozent Muslime, realistischer sei aber von 10 Prozent auszugehen. Dementsprechend werden es in 10 Jahren etwa 20 Prozent Muslime sein, in 20 Jahren 40 Prozent usw. In wenigen Jahren wird Österreich also islamisiert sein.

80 Prozent der Personen, die seit 2015 kommen, seien Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Das sei natürlich kein Zufall, sondern organisiert. Wenn dieser Zustrom so anhalte, dann werde bereits in fünf Jahren, diese Alterskohorte der muslimischen Männer zwischen 18 und 30 sowohl in Österreich als auch in Deutschland gleich stark sein wie die der Österreicher bzw. Deutschen, wie wissenschaftlich berechnet wurde. Hinzu komme, dass die Muslime mehr Kinder bekommen als die indigenen Österreicher bzw. Deutschen. Insofern sei der Zug der Islamisierung unserer Heimat in wenigen Jahren bereits abgefahren und nicht mehr zu stoppen.

Was steckt hinter der Zivilisationszerstörung?

Dies müsse nicht bedeuten, dass unsere Länder untergingen, aber wir alle seien Zeitzeugen einer Zivilisationszerstörung. Und diese Zivilisationszerstörung komme einer Selbstzerstörung gleich. Wir werden nicht islamisiert, wir werden nicht überrollt, sondern wir lassen die Islamisierung zu. Diese zivilisatorische Selbstzerstörung sei also gemacht und es gebe Kollaborateure. Zu nennen wären hier beispielsweise Jean-Claude Juncker (Präsident der Europäischen Kommission).

Ziel sei es, die europäische Zivilisation zu zerstören, in der wahnsinnigen Hoffnung, sie könnten eine neue Zivilisation, eine neue Kultur schaffen. Solche Pläne einer „negroiden Mischkultur“ aus Europäern, Afrikanern und Nahostlern gebe es seit 1925. Und diese Pläne seien übernommen worden von vielen auch in der EU. Was aber sind die Gründe für diesen Multikulturalimus?

Ziel: einen neuen Menschen schaffen

Multikulturalisten gehen davon aus, dass wir keine homogenen Gesellschaften mehr bräuchten, sondern heterogene, weil homogene Gesellschaften zu Nationalismus und Faschismus führen würden. Ziel sei also ein neuer Mensch. Die Idee eines neuen Menschen kennen wir von allen Totalitarismen: von den Nazis, von den Kommunisten usw. Wir hätten es also erneut mit der Idee zu tun, einen neuen Menschen aus der Retorte von oben gelenkt schaffen zu wollen. Dies aber sei nichts anderes als die Verankerung eines neuen utopischen Totalitarismus.

Multikulturalisierung Europas bedeutet nichts anderes als Islamisierung

Dieser neue Mensch komme aus Afrika, er komme aus dem nahen Osten. Das Einzige, was dieser neue Mensch aber mitbringe, sei der Islam. Multikulturalisierung Europas bedeute nichts anderes als dessen Islamisierung. Das aber wollten diese Leute, die die alte Kultur zerstören wollen, nicht sehen. Sie wollten auch nicht sehen, was Islam überhaupt bedeutet. Sie hätten gar keine Ahnung, was der Islam ist. Sie haben noch nie den Koran gelesen. Aber sie wollen mit diesen muslimschen Massen einen neuen Menschen schaffen, ohne überblicken zu können, was sie hier anrichten.

Aber warum denken diese Zivilisationszerstörer überhaupt, dass wir einen neuen Menschen bräuchten? Es würde doch reichen zu sagen, wir wollen keinen Faschismus, wir wollen keinen Kommunismus, wir wollen keinen Nationalsozialismus mehr. Wir wollen freie Gesellschaften, auch in einer europäischen Union. Dieses Motiv, einen neuen Menschen schaffen zu wollen, so Michael Ley, könne nur über unsere europäische Vergangenheit verstanden werden.

Woher kommt die Idee, einen neuen Menschen schaffen zu wollen?

In der österreichisch-deutschen Geschichte spiele der Nationalsozialismus eine Schlüsselrolle. Die 68er, die Grünen etc. seien Kinder von ehemaligen Nationalsozialisten. Diese beschäftigten sich nicht mit ihren Eltern, sondern bastelten sich ein Feindbild: die Nazis.

Sie konstruieren also ein absolut Böses und wollen dann, in der Hoffnung so die Guten zu sein, genau das Gegenteil erschaffen. Dieses absolut Böse setzen sie mit politisch rechts gleich (was schon mal sehr fragwürdig ist, ob die Nazis wirklich rechts waren, jf), ergo müssen sie links sein, um so die Gewähr zu haben, absolut gut zu sein. (Das Böse in seiner Tiefenstruktur haben sie natürlich überhaupt nicht verstanden. jf)

Und das Ziel dieser „Guten“ ist nun die Schaffung einer neuen Kultur. Voraussetzung hierfür ist aber die Zerstörung der alten bösen deutschen, österreichischen, europäischen Kultur. Die Kinder drehen also die Ideologie der Eltern einfach um. Die Eltern sagten: Heil durch Vernichtung, die Kinder sagen nun: Heil durch Selbstvernichtung. 

Warum wollen auch die anderen Westeuropäer einen neuen Menschen schaffen?

Warum machen dies aber nicht nur Deutsche und Österreicher, sondern auch Franzosen und alle anderen, sogar Dänen, die niemals eine Kolonie hatten? Auch hier wurde ein Feindbild gebastelt, das Feindbild des weißen Mannes, der andere ausbeutet, der andere kolonisiert, der andere unterdrückt. Der Weiße an sich sei ein verabscheuungswürdiges Wesen. Aber wo kommt dieses abstruse Denken, diese Selbstverachtung und dieser Selbsthass her?

Eine Schlüsselperson, so macht Michael Ley klar, war Jean Paul Sartre. Der französische Existenzialist schrieb das Vorwort zu dem Buch „Die Verdammten dieser Erde“ von Frantz Fanon. Fanon, ein französischer Psychiater, Politiker und Schriftsteller war der Theoretiker des Antikolonialismus. Sartre schreibt nun im Vorwort zu „Die Verdammten dieser Erde“: es sei nie schlecht, wenn man einen Europäer erschlägt. Mit dem Erschlagen eines Europäers schlage man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: ein Unterdrücker sei weg und ein Unterdrückter werde Mensch. Und genau dies sei die Einstellung unserer Linken, unserer Grünen zu unserer Kultur: Selbsthass.

Wie mit diesem unbewussten Selbsthass umgehen

Wenn wir diesen Selbsthass nicht bekämpfen, so macht Michael Ley deutlich, dann werden wir unsere europäische Kultur nicht retten können. Was wir hier erleben, sei nichts anderes als die Vorstufe eines Bürgerkrieges. Wer sich aber für die Erhaltung unserer Zivilisation einsetzt, der ist bereits ein „Rechter“, ein „Rassist“, ein „Islamophober“. Es sei völlig egal, wie man argumentiere, diesen Vorwurf bekomme man nicht vom Tisch. Political Correctness verlange von jedem, sich zu seiner Selbstvernichtung positiv zu stellen. 

Islamisierung als zweite Seite der Medaille

Die Selbstvernichtung sei die eine Seite der Medaille, die andere sei die Islamisierung. Was wir seit 2015 erleben, sei eine Hidschra, ein Dschihad durch Einwanderung. Die Hidschra ist die Grundlage des gesamten Islam. Der islamische Kalender beginnt nicht mit der Geburt Mohammeds, so wie der christliche Kalender mit der Geburt des Heilands beginnt, sondern mit der ersten Hidschra von Mohammed von Mekka nach Medina. Die Grundlage des Islam ist nicht eine transzendente Religion, sondern Eroberung. Militärische Eroberung, Ausbeutung, Verknechtung, Versklavung.

Nirgendwo ging es primär darum, dass die Unterworfenen die „Religion“ annehmen sollten. Das konnten sie tun. Viel größer war aber stets das Interesse Dhimmis (Schutzbefohlene, Menschen zweiter Klasse) zu haben. Denn Dhimmis mussten eine Sondersteuer bezahlen (Erpressungsgeld, um nicht gemordet zu werden ähnlich dem Mafia-Prinzip). Dies sei keine, wie viele meinen könnten, radikale Interpretation des Islam, sondern das Wesen des Islam selbst.

Das islamische Weltbild

Das Weltbild des Islam sehe wie folgt aus. Die Welt wurde von Allah erschaffen. Sie gehört Allah. Daher gehören auch Deutschland und Österreich Allah und nicht den Deutschen bzw. Österreichern. Die ersten Menschen waren ursprünglich alle Muslime: Adam, Abraham, Moses, auch Jesus. Aufgabe eines jeden Muslim ist, die Welt wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Dies ist die Lebensaufgabe jeden Muslims (!). Daher gibt es verschiedene Dschihads. Auch wir Deutsche und Europäer wurden als Muslime geboren. Aber unsere Eltern verderben uns quasi, wenn sie uns nicht zu Moslems erziehen.

Der unvermeidliche Clash

Wenn nun diese beiden Kulturen zusammenstoßen, die europäische, westliche und die islamische, dann sind die Probleme nicht nur vorprogrammiert, sie sind unauflöslich. Weshalb? Dem Muslim wird von klein auf eingetrichtert: Mensch sein heißt Muslim sein. Also kann der Nichtmuslim, der „Ungläubige“ nicht als gleichwertig und auch nicht als gleichberechtigt anerkannt werden.

Katholiken, Protestanten und Juden könnten zusammenleben. Das war oftmals schmerzhaft, teilweise schrecklich, aber es sei möglich, weil man eine gemeinsame Grundlage habe. Demokratie setzte voraus, dass ich den anderen grundsätzlich als gleichberechtigt akzeptiere. Das gehe aber nur in einem säkularen Staat, der nicht von einer Religionsgruppe beherrscht wird. Die Christen hätten es erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) kapiert, wie man rechtsstaatlich zusammenleben könne, dass man Staat und Religion trennen müsse. Genau dies sei aber im Islam nicht möglich. Weshalb nicht?

Warum der Islam nicht reformiert werden kann

Weil der gesamte Koran ganz anders als die Bibel nach eigenem, nicht hintergehbarem Anspruch wörtliche oder indirekte Rede Allahs ist. Wie soll man aber Gottes Wort reformieren, wenn man diesen zugleich als allwissend, allmächtig und perfektes Wesen postuliert? Das geht nicht!

Juden und Christen könnten immer sagen, die heiligen Schriften seien ja nur menschliche Überlieferungen gewesen. Diese könne man kritisch-hermeneutisch interpretieren. Es sei ja nicht Gottes, sondern nur Menschenwort. Der Koran aber sei, so die Behauptung und der nicht in Frage zu stellende Selbstanspruch, Allahs Originalwort. Dies habe Mohammed (oder die sonstigen Islamerfinder) ausdrücklich und mit allergrößtem Nachdruck so behauptet. Und Mohammeds Wort, welches ja Allahs Wort sei, dürfe nicht in Frage gestellt werden, ohne dass das komplette Konstrukt wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt. Genau deshalb tun sich alle, die den Islam reformieren wollten und wollen, so schwer.

Bassam Tibi: Euroislam ist nicht möglich

Der aus Syrien stammende deutsche Politikwissenschaftler Bassam Tibi habe vor 40 Jahren den Euroislam propagiert. Er habe 40 Jahre gekämpft für einen Euroislam, der mit demokratischen Rechtsstaatsprinzipien vereinbar ist. (Das war natürlich von vorne herein zum Scheitern verurteilt. jf) Vor einem halben Jahr habe Tibi in einem Artikel in der WELT eingesehen: Das Projekt Euroislam ist nicht möglich. Seither dürfe er in der WELT (und in Deutschland) nicht mehr schreiben, müsse jetzt in der Schweiz veröffentlichen.

Das Problem sei also nicht, wie gerne suggeriert werde, der Islamismus, sondern der Islam selbst. Der Koran, die Grundlage dieser Weltanschauung, ist nicht vereinbar mit demokratischen Verfassungen. Im Koran stehen mindestens 25 Tötungsaufrufe von Allah selbst, die man nicht interpretieren oder wegreden könne. Der Koran sei mit der deutschen Verfassung und mit einem Rechtsstaat grundsätzlich nicht vereinbar. Und dies könne nicht geändert werden. Eine diesbezügliche Überprüfung des Korans auf Verfassungsgemäßheit finde in Deutschland aber nicht statt. (Niemand traut sich diese Wahrheit der Nichtvereinbarkeit zu konstatieren aus Angst vor den Konsequenzen. jf).

Islam und Antisemitismus

Hinzu kommt noch etwas weiteres. Im Koran finde sich wissenschaftlich nachweisbar mehr Antisemitismus als in Hitlers „Mein Kampf“. Wie aber, fragt Michael Ley, könne man das in einem Land wie Deutschland oder Österreich nach dem Holocaust übersehen? Es gebe eine Untersuchung, die belegt, dass die Muslime in Österreich zu 69 Prozent Antisemiten seine. Bei den Katholiken seien es dagegen nur 9 Prozent.

Massenzuwanderung von Muslimen bedeute also, wir holen uns das wieder ins Land, was wir glaubten nach 1945 mühsam überwunden zu haben. Und das machen „Antifaschisten“. Grüne „Antifaschisten“, rote „Antifaschisten“. Diese beschimpfen Kritiker als Nazis, wenn diese darauf hinweisen, dass sie es seien, die wieder Nazis ins Land holen. Warum tun diese „Antifaschisten“ dies? Unter anderem deshalb, weil sie Wahlen gewinnen und die Stimmen der Muslime haben wollen. Dass sie damit massenweise Antisemitismus ins Land holen, sei ihnen dabei egal.

Ist die Islamisierung Europas noch abwehrbar?

Die Islamisierung Europas sei aber in Teilen bereits so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr umkehrbar sei, meint Michael Ley. Weil wir diese Einstellung haben, werde ein Großteil Europas verloren sein. Marseille und Paris seien nicht mehr zu retten. Ein Großteil Europas sei soweit islamisiert, dass der Prozess nicht mehr gestoppt werden könne. Zu retten seien vielleicht noch Teile Europas, insbesondere Polen, Ungarn, Slowakei, Tschechien, die baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen), da diese Staaten nicht islamisiert seien und die Postmoderne nicht mitgemacht hätten, sondern ihre Identität behalten wollten. Diese Länder werden wahrscheinlich den Nukleus eines neuen Europa bilden.

Die EU werde an verschiedenen Problemen scheitern, nicht zuletzt auch an der Islamisierung, die sie ja selbst bewusst betreibe. Die zwei wichtigsten Faktoren würden bereits abwandern: das Kapital und die gut ausgebildeten jungen Menschen. Es werde also zu einer verstärkten Wanderungsbewegung kommen von Kapital und gut Ausgebildeten a) nach Übersee, b) in diesen neuen europäischen Nukleus, der eher konföderalistisch in Form von Nationalstaaten organisiert sein wird, wo nur die wichtigsten Dinge wie Verteidigung vergemeinschaftet sein würden.

Können Deutschland und Österreich de-islamisiert werden?

Diese Frage werde entscheidend sein, um in das neue Europa aufgenommen werden zu können. Westdeutschland könne man vergessen. Nordrhein-Westfalen könne man nicht mehr retten. Bestimmte Landesteile wie Sachsen oder Thüringen seien vielleicht noch rettbar, weil da sehr wenige Muslime leben, was man diesen Bundesländern gerade vorwerfe. Politisch würden die Parteien gewinnen, die sinnvolle, staatsrechtliche De-Islamisierungskonzepte vorlegen könnten. Alles andere werde die Leute nicht mehr interessieren. Derzeit gebe es in ganz Europa keine einzige Partei, die ein Konzept vorgelegt hätte zur De-Islamisierung. Das habe nichts mit „rechtsradikal“ zu tun, macht Ley deutlich. Jede Regierung habe die Pflicht, die eigene Kultur zu schützen.

Und über die Zusammensetzung des deutschen Volkes habe der Souverän zu entscheiden, also das Staatsvolk. Angela Merkel hätte vor der Grenzöffnung einen Volksentscheid durchführen, mindestens aber das Parlament befragen müssen. Wir hätten hier Regierungen, die Recht brechen in einem Umfang, wie es das seit 1945 nicht gab. Frau Merkel sei eine Schwerstverbrecherin. In Deutschland gebe es eine totalitäre Gesinnungsethik, die es in Österreich so nicht gebe. Dort wolle man diese Einwanderungspolitik mit Gewalt durchziehen, egal was es koste. Ley geht davon aus, dass wir noch fünf bis zehn Jahre Zeit haben, uns vor der endgültigen Islamisierung zu retten.

Wer sind die Kollaborateure

Wer sich in eine andere Zivilisation begebe, müsse sich integrieren. Der Multikulturalismus aber sage, die Immigranten müssen sich überhaupt nicht ändern. Die Einheimischen müssten sich ändern. Wer das macht, gebe aber seine eigene Kultur auf. Was hier tatsächlich stattfindet, sei nichts anderes als Kollaboration. Ein Kollaborateur sei der Kardinal in Köln Herr Woelki. Dieser habe im Frühjahr ein Schiff aufbauen lassen, das aussehe wie ein Migrantenschiff und es habe es an der Stelle im Kölner Dom aufstellen lassen, wo normalerweise die Krippe von Jesu Christi steht. Was bedeutet das? Woelki habe den Erlöser abgelöst. Nicht mehr Jesus Christus sei jetzt der Erlöser, sondern die Immigranten.

Die zweite Kollaborateurin sei Frau Käßmann (ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland). Diese forderte vor zwei Jahren, anstatt die Taliban zu bekämpfen, solle man mit ihnen beten. Frau Käßmann fürchte, dass die AfD die neuen Nazis wären. Auf dem Kirchentag habe sie eine Betgemeinschaft gegen die AfD gebildet. Was haben Herr Woelki und Frau Käßmann noch mit ihren Religionen zu tun, fragt Michael Ley. Beide gehörten genauso wenig zu Deutschland wie der Islam.

Fazit

Der Islam könne nicht integriert werden, weil er eine politische Religion sei. Politische Religionen (ein wissenschaftlicher Fachterminus), wie Nationalsozialismus, Faschismus, Kommunismus, zeichnen sich dadurch aus, dass sie gegen Demokratie und gegen Rechtsstaaten seien. Einen liberalen Hitlerismus oder Stalinismus könne es nicht geben. Diese Vorstellung sei absurd. Ebenso wenig könne es einen liberalen Islam geben. Zu sagen, es gäbe einen friedlichen Islam und einen Islamismus, sei Unsinn, denn sowohl der liberale Muslim als auch der radikale legitimieren sich zu Recht (!) aus dem Koran. Man könne nicht sagen, der Eine von beiden sei illegitim.

Und hier sei auch genau der Unterschied zu sehen zum Juden- und Christentum (was leider so wenige verstehen; jf). Man habe nicht das Recht, im Namen des Christentums irgendjemanden umzubringen. Wer das tut, ist ein Mörder. Im Islam sei dies anders. Hier dürfe man „Ungläubige“ umbringen. Je mehr der Islam sich aber in seinen Ursprungsländern selbst zerstört, desto mehr Muslime werden zu uns kommen. Diesem Problem müssen wir uns stellen, so Michael Ley, und damit rational umgehen. Wir dürften uns dabei nicht einschüchtern lassen von denen, die unsere Kultur und unsere Zivilisation zerstören wollen.

Vortrag von Michael Ley (Min. 22:38 – 1:07:15)

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Dieser Artikel erschien auch auf The European.

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Bild: Pixabay, CC0 Public Domain

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Europa muss fallen! Ein Projekt ausgleichender Gerechtigkeit

Von Jürgen Fritz

Bazon Brock, „der Jahrhundertmensch“, macht deutlich, wer die gefährlichsten Feinde Europas sind: nicht die Moslems oder „Islamisten“ aus allen Herren Länder, sondern die ahnungslosen Begriffsstutzer und humanistischen Selbstbeweihräucherer, die geschichtsvergessenen, aufklärungsfeindlichen Antikolonialisten, die hiesigen Machthaber, die Grundrechte und Rechtsstaat sukzessive ruinieren.

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Bazon Brock, der Jahrhundertmensch

Peter Sloterdijk, der populärste und vielleicht auch größte Denker unserer Ära, verehrt ihn wie kaum einen anderen und nannte ihn „einen Jahrhundertmenschen“. Der kauzige 81-Jährige war Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal, ist Künstler und Kunsttheoretiker sowie Philosoph. Und geistig rege wie eh und je.

Auf der Kasseler ‚documenta 4‘ richtete er 1968 erstmals eine Besucherschule ein, die den Besuchern der documenta das Verständnis für Kunstbetrachtung nahebringen und Aneignungstechniken für zeitgenössische Kunst vermitteln sollte. Als zeitgemäße Weiterentwicklung der Besucherschule initiierte er unter dem Rektor Peter Sloterdijk, der das Projekt selbst unterstützte und mitwirkte, an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe die Studienlehrgänge ‚Der professionalisierte Bürger‘. Für Bürger aller Altersgruppen gab es kostenlose Ausbildungsangebote für „Diplom-Rezipienten, Diplom-Patienten, Diplom-Konsumenten, Diplom-Bürger und Diplom-Gläubige“. Ende 2011 eröffnete Brock zusammen mit Sloterdijk und anderen als Ergänzung die ‚Denkerei‘ in Berlin-Kreuzberg.

Für Michael Leys Buch Der Selbstmord des Abendlandes: Die Islamisierung Europas schrieb er das Vorwort, einen wunderbaren Aufsatz mit dem Titel: Europa muss fallen! Ein Projekt ausgleichender Gerechtigkeit. Dieser Aufsatz wird im folgenden vorgestellt.

Der absurde Vorwurf des Eurozentrismus

So gut wie jeder Hinweis auf den Selbstbehauptunswillen von Europäern enthalte den Vorwurf des Eurozentrismus, so Bazon Brock. Es werde behauptet, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Sozialstaat, unantastbare Würde (Selbstbestimmungsfähigkeit) der Individuen, Freiheit von Presse, Kunst und Wissenschaft sowie Religionsfreiheit als universelle Werte darzustellen, wäre Allmachtsanmaßung zur Durchsetzung eines europäischen Dogmas.

Hier wird, wie Bazon Brock ganz richtig feststellt, eine völlig falsche Kontrastierung und Zuordnung vorgenommen. Denn wie könne etwas eurozentristisch, dogmatisch, ja fundamentalistisch genannt werden, das in Europa über Jahrhunderte von den einen Europäern bis aufs Blut bekämpft, von anderen in heftigsten Kämpfen erfochten worden ist.

Womit wir es hier in Wahrheit zu tun haben, ist eine völlig falsche, künstliche Frontstellung: Europa versus Nichteuropa statt Aufklärung versus Verdunkelung und Despotie. Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland, Russland, Spanien, Italien gerade nicht anerkannt, was heute als eurozentristisch diffamiert werde. Hitler, Stalin, Franco und Mussolini, alles Europäer, waren weder Freunde der Demokratie noch der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenwürde und der Freiheitsrechte. Es sei geradezu pervers, im Namen der Opfer des Kolonialismus die Opfer der Sicherung von Rechts- und Sozialstaat als Eurozentristen abzuqualifizieren!

Universelle Werte gegen globale Gleichheit des Scheiterns

Wer das sogar noch in humanistischer Selbstbeweihräucherung immer wieder tue, habe keinerlei historische Kenntnisse. Es sei kein Wunder, dass sich solch Ahnungslosen mit dem Konzept der Globalisierung abspeisen lassen, weil sich endlich überall auf dem Erdball die gleichen Zustände gescheiterter Hoffnung einstellten, anstatt auf Universalität eben jener hochwertigen universellen Kriterien zu bestehen. Universelle Werte gegen globale Gleichheit des Scheiterns, das sei die Aufgabe: Europäische Standards für die Welt durchzusetzen statt sie nach unten zu nivellieren!

Die größten Feinde des Abendlandes sind die hiesigen ahnungslosen Antikolonialisten

Gerade die Ahnungslosigkeit gegenüber dem, was Aufklärung heißt, erlaube manch einem, seine Dummheit so gnadenlos zu demonstrieren. Er rechnet gar nicht mehr mit Einwänden durch historische Fakten. Für ihn sei die Willkür kenntnisloser Behauptungen im Namen politischer Korrektheit allein Tugend genug.

Diese Lügenbarone in höherem Auftrag kämen ganz ohne islamistische Intervention aus. In keiner anderen Hinsicht ließe sich die Furcht vor der Islamisierung als Untergang des Abendlandes begründen als mit den bedenkenlos kriminellen Dummheiten europäischer Selbsterhöher. Zu fürchten sei nicht der Islam, sondern seine hiesigen Wegbereiter in welterlösender Mission im Namen des Antikolonialismus.

In Europa dürfen nicht die Zustände hergestellt werden, vor denen die Menschen gerade fliehen

Den hiesigen Begriffsstutzern müsse zugemutet werden, dass man mit der Aufnahme von Flüchtlingen in Europa nicht eben jene Zustände herstellen dürfe, vor denen die Menschen gerade geflohen sind. Die Forcierung des Gottesstaates auf Erden sei erst recht nicht akzeptabel, wenn sie als Durchsetzung von Religionsfreiheit maskiert werde. Im Namen solcher Freiheit die Unfreiheit zu fördern, sei Masochismus, der für die individuelle Sexualstimulierung hinnehmbar sein mag, nicht aber als Programm sozialer Kollektive. Tugendterror, den uns vor allem Saint-Just und Robespierre nahebringen wollten, sei den Europäern nach den Erfahrungen im 20. Jahrhundert in keiner Hinsicht verordenbar, nicht einmal mit der Autorität von Mohammed.

Die Islamisierung Europas ist das Resultat europäischer Geschichtsvergessenheit

Wenn er das derartig betone, versuche er seine Zweifel daran zu beruhigen, dass die europäischen Akteure in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft dem Tugendterror tatsächlich radikal widerstehen wollen. Er begründe seine Zweifel damit, dass die in dieser Hinsicht von ihm bei jeder Gelegenheit angesprochenen Persönlichkeiten keineswegs über die historischen Kenntnisse verfügen, um für eine realistische Einschätzung der anstehenden Probleme gerüstet zu sein.

Dabei wären es nicht die Islamisten die uns diese Sinnleere aus Denkfaulheit aufnötigten. Wir sollten sie deshalb nicht mit Vorwürfen traktieren, die wir uns selbst zu machen haben. Die Islamisierung Europas sei nicht als Projekt des Islam zu fürchten, sondern ein Resultat europäischer Geschichtsvergessenheit.

Der Antiislamismus wird von den Charakterlosen als neuer Antisemitismus stigmatisiert

Eine erstaunliche Anzahl der schwachen Charaktere in Europa behaupte lauthals und auf allen Ebenen wie in allen Medien, bei uns grassiere ein bedenklicher Antiislamismus. Und Antiislamismus sei der neue Antisemitismus. Wie einst den Juden grundlos Weltherrschaftspläne unterstellt wurden, so jetzt den Moslems.

Wolle man das nicht für blanken Hohn oder gar intentionale Rebarbarisierung beziehungsweise Rekriminalisierung der Politiker halten, bliebe nur eine Erklärung: Deutsche Parlamentarier bewundern das Machtbewusstsein, die Glaubensstärke sowie die Opferbereitschaft zur geforderten Unterwerfung unter unabdingbare Gebote, wie sie für Moslems mit dem Begriff Islam vorgegeben seien. Diese Westler ahnten, dass sie im täglichen Opportunismus der Anpassung ihr Mandat nicht zu erfüllen vermögen. Auch sie möchten endlich in der Unterwerfung gerechtfertigt sein, statt der Charakterlosigkeit bezichtigt zu werden.

Wie der Rechtsstaat allmählich ausgehöhlt wird

Die Rechtfertigung werde reichlich geboten, wenn selbst das deutsche Verfassungsgericht bei Entscheidungen für Deutschland, den „Empfehlungen des Islamischen obersten Religionsrates der Türkei“ folge; wenn allenthalben Parallelgerichtsbarkeiten errichtet oder geduldet würden wie in der stillschweigenden Akzeptanz von Scharia-Regeln für zivilrechtliche Auseinandersetzungen oder bei der Etablierung von Sondergerichtsbarkeiten für die Wirtschaft entsprechend dem TTIP-Abkommen.

Die Grundrechte werden ruiniert durch unsere eigenen Machthaber

Die Selbst- wie Fremdachtung schwinde. Es seien nicht Moslems oder gar Islamisten aus aller Herren Länder, die deutsche Grundrechte ruinieren, sondern hochmögende Herrschaften hiesiger Machtverhältnisse. Die grundrechtliche Zusicherung, politisch Verfolgte genießen Asyl, haben sie aufgehoben, indem sie alle Zuwanderungsmotive als politische darstellten, sodass die geforderte Unterscheidung zwischen politisch Verfolgten und Wirtschaftsmigranten diskreditiert würde.

Für die aus dieser Grundgesetzsabotage resultierenden Folgen interessierten sie sich nicht. Sie nehmen diejenigen in ihre „Willkommenskultur“ auf, die für die Aufrechterhaltung der Produktion in Deutschland nötig seien. Unerwünschte gäbe es gar nicht, wenn man endlich ein Einwanderungsgesetz verabschiedete, das alles regele. Das bezeichne den wahren Anlass aller Befürchtungen um das Ende des Abendlands.

Die Hoffnung: der naive Wortwörtlichkeitsfanatimus der Muslime verschwindet zugunsten der Einsicht, dass auch Heilige Bücher nur Menschenwerk sind

Selbst unfrommste Europäer hätten den frommen Wunsch, die innerislamischen Konflikte könnten ein Beweis dafür sein, dass auch Moslems ein Heiliges Buch als Menschenwerk zu akzeptieren bereit sind. Der naive Wortwörtlichkeitsfanatismus werde durch die streitbaren Interpretationen der Koran-Texte ganz von allein verschwinden. Was bis dahin in angemaßter Autorität des Gotteswortes geschehe, müsse jeden Kundigen beängstigen, aber, so schließt Bazon Brock in seinem grandiosen Vorwort zu einem ebenso grandiosen Buch von Michael Ley: „die Hoffnung auf Einsicht geben wir nicht auf.“

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Wie wir die Islamisierung Europas stoppen und zurückdrehen können

Von Jürgen Fritz

170 No-go-Areas. Frankreich befindet sich bereits im Vorbürgerkrieg. Wie kann die Islamisierung sowohl Frankreichs als auch Europas gestoppt und zurückgedreht werden? Wolfgang Herles im Gespräch mit dem Historiker und Philosophen Egon Flaig über dessen neues Werk: „Die Niederlage der politischen Vernunft – Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen“. Ein Buch, das den reinsten Sprengstoff enthält.

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Vorbemerkung

Das Denken von Prof. Egon Flaig entspricht nahezu exakt dem meinen, ähnlich wie das von Hartmut Krauss, dem Kopf der Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte. Würde mich jemand fragen, wer die fünf bis zehn wichtigsten und bedeutendsten Denker unserer Zeit sind, Egon Flaig wäre auf jeden Fall mit dabei. Sein neues Buch ist der reinste Sprengstoff. Flaig zeigt nicht nur auf, warum der Begriff des Feindes unverzichtbar ist, er macht auch deutlich, wie sehr wir Gefahr laufen, die Errungenschaften der Aufklärung zu verspielen und wie groß die Gefahr einer Islamisierung Europas, vor allem Frankreichs ist, welches sich bereits im Vorbürgerkriegszustand befindet. Der Historiker und Philosoph zeigt aber auch auf, wie die Islamisierung Europas gestoppt und sogar zurückgedreht werden kann.

Aus meiner Sicht müssen wir das alte, völlig inadäquate Links-Rechts-Denken endlich überwinden. Es gibt nur zwei Gruppen von Menschen:

  • Freunde der Aufklärung (d.h. der Wahrheitsorientierung), der Grund-, Bürger und Freiheits-/Menschenrechte, der Ethik, des kategorischen Imperativs und
  • Feinde der Aufklärung (Freunde der Verlogenheit), Feinde der Grund-, Bürger- und Freiheits-/Menschenrechte. Woher diese Feinde kommen, ob von rechts oder links, von oben oder unten, von vorne oder hinten, von außen oder innen, spielt letztlich keine Rolle. Sie alle müssen bekämpft werden. Entschieden bekämpft!

Wie die Islamisierung Frankreichs gestoppt und gedreht werden kann

Frankreich befindet sich, so Flaig in dem höchst interessanten Interview mit Wolfgang Herles, im Vorbürgerkrieg. Es hat bereits 170 No-go-Areas, in welche die Polizisten sich teilweise schon weigern, rein zu gehen. Wenn es rechtzeitig gelänge, dann sei es mit minimalen Opfern möglich, die Islamisierung Frankreichs zu verhindern. Man müsse nicht durch den Bürgerkrieg, wenn man diese 170 No-go-Areas brutal zerschlage. Mit allen Mitteln!

Ferner sei es notwendig, was die französische Verfassung und das französische Strafrecht erlauben, dass man Ausbürgerungen im großen Stil vornehme. Im Code Zivil stehe nämlich explizit, dass niemand Franzose sein dürfe, der sich nicht an das französische Volk assimiliere. Das aber heißt, so Flaig: „Wir haben sieben Millionen Franzosen, die zu Unrecht und gegen den Code Zivil Franzosen sind. Wenn diese sieben Millionen nicht Franzosen werden wollen, dann müssen sie Frankreich verlassen.“

Und genau so, Anmerkung von mir, kann auch das Blatt gewendet werden. Auch in Deutschland. Wenn wir das nur wollen.

Der Zweck der Republik ist auch, die Freiheit langfristig zu sichern

Natürlich diene Politik in einer Republik der Freiheit des Einzelnen, so Flaig weiter. Aber nicht nur. Eine Republik diene auch dazu, dass in der kommenden Generation die Menschen genauso frei sind wie wir heute. Das aber impliziere, unsere Freiheit ist nicht der einzige Zweck der Republik.

Ein, persönliche Anmerkung von mir, vollkommen egoistisches, kurzfristiges Tellerranddenken, welches wir nicht selten bei den total-toleranten Luschen-Liberalen finden, die sich in Deutschland FDP nennen. Unsere Freiheit, macht dem gegenüber Flaig deutlich, muss in gewisser Weise eingeschränkt werden, damit die Rahmenbedingungen weiter existieren können, unter denen eine freie Gesellschaft überhaupt erst möglich wird und auf Dauer bestehen kann. Nur so sei die Zukunft einer freien Gesellschaft gewährleistet.

Wir müssen lernen, wieder in langfristigen Perspektiven zu denken

Wie haben uns angewöhnt, sehr synchron zu denken, erklärt Flaig weiter. Wir denken immer im Augenblick. Und auch hier hat er zweifelsfrei Recht. Das Hier und Jetzt, hic et nunc, dominiert uns vollkommen. Immer mehr fehlt uns das, was man Horizont nennt. Wir müssen wieder zurück in ein Denken in langfristigen Perspektiven, sagt Flaig. Die Chinesen tun es. Die Muslime denken ebenfalls in langen Perspektiven und erobern ein Land wie Boumedienne es angekündigt hat: Wir werden euer Land erobern mit den Bäuchen unserer Frauen.

Erläuterung: Houari Boumedienne war von 1965-1978 algerischer Staatspräsident. Er hielt 1974 eine bemerkenswerte Rede mit folgender Passage: „Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und gewiss nicht als Freunde. Denn sie werden als Eroberer kommen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern. Der Bauch unserer Frauen wird uns den Sieg schenken“.

Zurück zu Egon Flaig. Diese Art der Eroberung gehe nur, wenn man in drei Generationen denkt. Muslime tun das. Wir tun es nicht. Wir denken unglaublich synchron. Das ist unserer Kulturindustrie geschuldet, die uns auf radikale Synchronität trimmt.

Anmerkung von mir: Das spätkapitalistische System basiert vor allen Dingen auf dem Anstacheln des Eros, der möglichst sofortigen Lustbefriedigung und zwar vornehmlich der materiellen. Es basiert auf dem sich sofort alles einverleiben Wollen sowie der zunehmenden Unfähigkeit zu Trieb- und Bedürfnisbefriedigungs-Aufschub bei gleichzeitigem Kleinhalten des thymotischen Seelenteils (Stolz, Ehre, Anspruch, Wut, Zorn, Kraft, Lebensenergie, Kampfvermögen) und des Logos (höchster Seelenteil: subjektive Vernunft, Denkvermögen), um möglichst willfährige und leicht zu lenkende Konsumenten und brave Untertanen zu erzeugen.

Das Versagen unserer Medien

Welche Bedeutung kommt den Medien bei diesem ganzen Prozess zu? Egon Flaig macht deutlich, dass das Versagen unserer Massenmedien darin besteht, dass der Aspekt der Information und zwar der neutralen, sauberen Information immer mehr in den Hintergrund getreten ist gegenüber

  • kurzfristigen Show-Effekten, um ja die Einschaltquote zu erhöhen und
  • der ungemeinen Zunahme von bloßer Unterhaltung (Brot und Spiele in nie gekanntem Ausmaß um die Bürger, die immer mehr zu reinen Konsumenten und Arbeitsameisen degradiert werden, ruhig und bei Laune zu halten, jf).

Das Bildungsmoment, das durch die Medien transportierbar wäre, sei in dramatischen Hintergrund getreten. Und das heißt, dass die Medien im Grund genommen nicht mehr republikdienlich seien.

Wir brauchen eine Memorialkultur und wir brauchen Bildung

Wolfgang Herles arbeitet in dem Interview wunderbar heraus, dass das republikanische Bewusstsein davon abhängt, ob wir uns erinnern an die Werte, die eine Republik und mündige Staatsbürger ausmachen. Und diese Erinnerung wiederum sei abhängig von Bildung. Ohne Bildung könne es keine Erinnerungskultur geben.

Anmerkung von mir: Deswegen kann eine Frau Chebli (SPD) auch munter über unser Grundgesetz daher schwafeln, ohne zu verstehen, wovon sie überhaupt redet, weil ihr die bildungsmäßigen Voraussetzungen fehlen. Und das gilt natürlich nicht nur für sie, das gilt insonderheit auch für nahezu alle grünen Politiker, für einen Martin Schulz, einen Sigmar Gabriel und wie sie alle heißen. Und das gilt auch für eine Angela Merkel, die alles Mögliche sein mag, aber sicher kein Kind der europäischen Aufklärung.

Die Erinnerungskultur sei in der Tat entscheidend, greift Prof. Flaig den Gedanken von Wolfgang Herles auf. Es genüge eben nicht zu sagen, wir haben den Wert der rechtlichen Geschlechtergleichheit und den können wir begründen. Denn dann komme sofort ein Nietzsche, der diesen Wert inklusive Begründung zerstört. Jede Begründung, macht Flaig deutlich, könne durch eine andere zerstört werden.

Mit anderen Worten, es sei nicht möglich, einen Wert zu verteidigen alleine mit seiner Begründung. Man könne den Wert nur dadurch verteidigen, dass man in Erinnerung rufe, was er gekostet hat. Man müsse sich bewusst machen, was es zum Beispiel gekostet habe, die rechtliche Gleichheit der Geschlechter herzustellen. Und ferner was es bedeutet, die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter wieder zu verlieren. Aus diesem Grunde gehe es nicht ohne Erinnerung.

Anmerkung von mir: Eine Gesellschaft, die vergisst, wer sie ist, von wo sie kommt, wie sie geworden, was sie ist, eine Gesellschaft ohne Erinnerung, ohne Gedächtnis ist so ähnlich wie ein Alzheimerpatient. Eine solche Gesellschaft ohne Bewusstsein ihrer selbst, ohne eine Identität ist verloren. Was also brauchen wir?

Geben wir das letzte Wort wieder Egon Flaig: „Wir brauchen eine Memorial-Kultur. Und in der Tat brauchen wir dazu Bildung.“

Wolfgang Herles im Gespräch mit Prof. Egon Flaig

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Hier geht es zum Buch von Egon Flaig: Die Niederlage der politischen Vernunft – Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen

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Bild: Pixabay, CC0 Public Domain

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Deutschland, Schlaraffenland – Warum der Untergang Europas unaufhaltsam voranschreitet

Von Jürgen Fritz

Europa wird derzeit von einer Migrationswelle von präzedenzlosem Umfang überschwemmt. Millionen machen sich auf, um ins gelobte Land zu gelangen. Ein Ausbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Öffnung der Grenzen für Immigranten ist, als drehe man die Heizung auf und öffnet gleichzeitig die Fenster. Eine Gesellschaft, die nicht mehr fähig ist zur Unterscheidung zwischen sich selbst und sie auflösenden Kräften, lebt moralisch über ihre Verhältnisse und wird unweigerlich untergehen.

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Am 17. September letzten Jahres nahm Rolf Peter Sieferle sich im Alter von 67 Jahren das Leben. Als Vermächtnis hinterließ der große Gelehrte, Zivilisationskritiker und Regierungsberater zwei Manuskripte, die nun im Februar 2017 als Bücher erschienen sind: Finis Germania und Das Migrationsproblem: Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung. Ein Jahr zuvor hatte Sieferle bereits einen fulminanten Essay veröffentlicht, den letzten vor seinem Freitod, unter dem Titel „Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft“Einen besseren, tiefgründigeren und treffenderen Text eines Historikers gelesen zu haben, kann ich mich nicht erinnern.

Europas Sondersituation

Europa werde derzeit von einer Migrationswelle von präzedenzlosem Umfang überschwemmt, so Sieferle in seinem letzten Essay. Millionen machten sich auf, um in das gelobte Land zu gelangen. Die Bevölkerung Afrikas, aktuell über eine Milliarde, wachse jährlich um etwa 3 Prozent, also um über 30 Millionen Menschen. Einige Millionen davon machten sich jährlich auf den Weg in ein erhofftes besseres Leben. Selbst wenn es nur 10 Prozent des Zuwachses seien (nicht einmal 0,3 Prozent der Bevölkerung Afrikas), so wären dies 3 Millionen im Jahr.

Rechnen wir das hoch, so kommen wir in 30 Jahren, innerhalb von nur einer Generation, auf circa 100 Millionen Immigranten nur aus Afrika, bei nicht einmal 0,3 Prozent Emigration pro Jahr!

Hinzu kämen Migrationen aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Ostens. Allein in Libyen sollen etwa eine Million Migranten darauf warten, einen Platz in einem der Boote zu finden, die sie auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer bringen.

Europa befinde sich in dieser Hinsicht in einer besonderen Situation, was mit seiner geographischen Lage zu tun habe, macht Sieferle deutlich. In Europa sei es im Gegensatz zu den USA physisch praktisch unmöglich, die Außengrenzen abzuschirmen, weil diese viel größer seien als die relative kurze Grenze zwischen USA und Mexiko. Hinzu komme, dass sich gerade in den Grenzgebieten in Nordafrika und im Nahen Osten immer mehr unberechenbare Staaten fänden, auf deren Kooperation nicht gebaut werden könne.

Andere Industrieländer wie Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland befänden sich so weit von möglichen Herkunftsorten entfernt, dass die Anreise von boat people sehr riskant und relativ leicht zu kontrollieren sei. Länder wie China oder Rußland seien schwer zu erreichen und bildeten (noch) keine attraktiven Ziele. Es bleibe also Europa als der Raum, in dem der stärkste Einwanderungsdruck zu erwarten sei. Die Europäer stünden daher vor einer Völkerwanderung vergleichbar der in der Spätantike, die, wie der Althistoriker Alexander Demandt eindrucksvoll aufzeigt, zum Untergang des römischen Reichs geführt hat.

Was zeichnet Europa und speziell Deutschland aus und macht es so attraktiv?

Weshalb aber wollen so viele Menschen in Länder wie Deutschland einwandern, fragt Sieferle weiter. Die Gründe dafür lägen auf der Hand:

In Deutschland herrschten 1. Wohlstand und 2. Sicherheit. Es gebe einen funktionierenden Rechtsstaat, es drohten keine Kriege oder Bürgerkriege, keine Seuchen, das Gesundheitssystem sei exzellent und gratis, die Arbeitslosigkeit gering, die sozialen Netze seien üppig ausgebaut. Im Grunde handele es sich um eine Art Schlaraffenland.

Weshalb seien die Verhältnisse in Deutschland aber so viel besser als etwa im Irak? Das sei schließlich nicht immer so gewesen. Noch vor tausend Jahren habe dies völlig anders ausgesehen. Und vor dreitausend Jahren wären Lebensstandard und zivilisatorisches Niveau in Europa zweifellos niedriger gewesen als in Mesopotamien. Hier habe sich also in den letzten Jahrtausenden etwas drastisch geändert und es stelle sich die Frage, was es war. Wie ist es Europa gelungen, aus den agrarischen Zivilisationen auszubrechen und einen neuen Typus von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hervorzubringen, der Wohlstand und Sicherheit für alle miteinander kombiniere?

Sieferle nennt drei Faktorenkomplexe, die den Weg Europas in die rechtsstaatlich konstituierte Industriegesellschaft, in »die Moderne« verursacht haben: 1. technisch-industrielle, 2. kulturell-mentale und 3. politisch-institutionelle Ursachen.

Die Entwicklung zur Industriegesellschaft sei unstrittig von Europa ausgegangen, doch habe sie Nachahmer gefunden a) in den neo-europäischen Kolonien (USA, Kanada, Australien, Neuseeland), die das europäische Muster problemlos übernahmen, und b) in Asien: in Japan, Südkorea und Taiwan. Vermutlich würden früher oder später auch Festlandchina und Indien dazukommen. Diese Länder hätten keine autochthone Industrialisierung hervorgebracht, doch sei es ihnen in relativ kurzer Zeit gelungen, auf den Zug aufzuspringen.

Wieso können nicht alle das Erfolgsmuster übernehmen?

Andere Länder wären weniger erfolgreich, obwohl sie den europäischen Sonderweg aus nächster Nähe beobachten konnten: vor allem Rußland, das seit dreihundert Jahren versuche, mit Europa Schritt zu halten, und das doch immer wieder in die alte Misere zurückfalle. Ähnlich verhalte es sich mit dem Osmanischen Reich, von dem nur eine einzige Provinz wirklich erfolgreich war, nämlich Palästina/Israel. Dies aber nur infolge der zionistischen Einwanderung aus Europa. (Hier haben wir bereits einen ersten Hinweis, dass es in erster Linie mit mentalen Gegebenheiten zu tun haben könnte.)

Eine erfolgreiche Industrialisierung beruhe also offenbar auf bestimmten historischen, vor allem kulturellen und institutionellen Voraussetzungen, die nicht leicht zu imitieren seien. Die Menschen lebten gerne im Schlaraffenland. Deshalb dränge es sie zur Migration in die Industrieländer, denn irgendetwas hindere sie daran, dieses Schlaraffenland bei sich zuhause zu errichten. Offenbar sei die Immigration in ein bereits existierendes Schlaraffenland leichter als der Aufbau eines solchen im eigenen Land.

Weshalb aber ist das so? Nach Sieferle war es ein hoch unwahrscheinlicher Prozess, der in den europäischen Ländern über Jahrhunderte hinweg Mentalitäten und Institutionen geschaffen hat, deren Ergebnisse wir heute vor uns haben. Dieses Erfolgsmuster könne nicht ohne weiteres kopiert werden.

Transfer von Technologie sei leicht, Transfer von Institutionen aber schwer. Transfer von kulturell-mentalen Mustern sei praktisch unmöglich.

Die Entstehung des Nationalstaats als Entwicklungsmotor

Die vielleicht wichtigste Voraussetzung der europäischen Entwicklung war die Zerschlagung von tribalen Strukturen durch die Staaten der frühen Neuzeit. Dies war eine elementare Vorbedingung des Nationalstaats, der zum institutionellen Zentrum der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde. Er zielte auf die Herstellung einer homogenen Einheit von Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt, die sich von anderen Einheiten (Staaten) unterscheidet und abgrenzt. Der Nationalstaat löste die Herrschaft der Stämme, Clans, Großfamilien, Personenverbände und Klientelsysteme aller Art auf.

Nationalstaat als Rechtsstaat bedeutete: gleiches Recht für alle innerhalb des Staatsgebietes. Und es bedeutete ein staatliches Gewaltmonopol mit Polizei und Armee.

Dieser Nationalstaat vereinheitlichte die Infrastruktur: Geld, Recht (Zivilprozeß statt Fehde), Sprache, Verwaltung, Verkehrswesen, Staatsangehörigkeit. Um diese Leistungen erbringen zu können, musste eine zentrale, von oben nach unten durchstrukturierte Verwaltung errichtet werden, die den Ansprüchen bürokratischer Rationalität genügte (gegen Korruption und Klientelwesen).

Der Nationalstaat definierte als Identitätseinheit des Staates das Staatsvolk. Im 18. Jahrhundert gab es zwar kaum ethnisch homogene »Nationen«. Dennoch gewann dieses Konzept eine erstaunliche Anziehungskraft. Diese Ideologie tendierte dazu, dem Nationalstaat quasitribale Züge zuzuschreiben. Der nationalistisch geprägte Nationalstaat verstand sich als Vertreter einer Abstammungseinheit, und er forderte von seinen Mitgliedern eine umfassende Loyalität, wie man sie sonst nur in Stammesgesellschaften kannte. Der Konflikt mit anderen Nationalstaaten nahm daher leicht totale Züge an. Die daraus resultierenden Exzesse fanden vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt.

Die Diskreditierung des Nationalstaats

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei aufgrund dieser Exzesse die Ideologie des Nationalismus unter den Eliten der fortgeschrittenen Länder anrüchig geworden. Hier habe daher eine ideologische Verschiebung vom völkischen zum demokratischen Akzent des Volkes stattgefunden. Damit aber sei der Volksbegriff zunehmend universalistisch begründet worden, obschon die Völker de facto nach wie vor innerhalb exklusiver (ausschließender), nichtuniversalistischer Nationalstaaten organisiert seien. Der Nationalstaat stehe daher heute vor dem Problem, dass seine primäre Legitimation, der Nationalismus, obsolet geworden sei, seine sekundäre Legitimation, der demokratische, humanitäre Universalismus, aber mit seiner exklusiven Organisationsform nicht kompatibel sei. Wenn Volk A, B und C alle gleich sein sollen, weshalb soll es dann noch Grenzen zwischen ihnen geben?

Warum der Sozialstaat nur als Nationalstaat möglich ist

Besonders brisant werde diese Problematik, wenn es um den Sozialstaat gehe. In den europäischen Agrargesellschaften hatten die Gemeinden bestimmte Aufgaben der Daseinsvorsorge für ihre Mitglieder übernommen, die von den Familien nicht erbracht werden konnten, vor allem Armenpflege und Unterstützung in Notfällen. Mit der Industrialisierung sei die Mitgliedschaft in einer Gemeinde zum Mobilitätshindernis und damit obsolet geworden. Die Gemeindebürgerschaft sei so zur Staatsbürgerschaft ausgeweitet worden. Der Nationalstaat sei aber in größerem Maßstab ebenso exklusiv gewesen wie die Bürgergemeinde. Die Leistungen des Sozialstaates seien seit dem späten 19. Jahrhundert immer weiter ausgedehnt worden, kamen aber immer nur den eigenen Staatsbürgern zugute.

In diesem Sinne war der Sozialstaat immer exklusiv nach außen, aber inklusiv (alle einschließend) nach innen.

Eben diese Relation von Ausschließung und Einschließung definiere aber das problematische Wesen des (nationalen) Sozialstaats. Dieser stehe heute nach dem Plausibilitätsverlust des Nationalismus vor dem Problem, dass er praktisch nur als Nationalstaat möglich ist, dass seine daseinsvorsorgende Inklusivität also de facto auf Exklusion, auf Ausschließung beruhe. Die offizielle Ideologie, mit deren Hilfe die Umverteilung im Sozialstaat begründet wird (aus Motiven der Gleichheit und Gerechtigkeit), sei jedoch universalistisch angelegt.

Wenn der Sozialstaat seine Programme der sogenannten „sozialen Gerechtigkeit“ aber aus dem humanitären Universalismus begründet (Menschenrechte), kann der Verwirklichungsraum dieser Gerechtigkeitsprogramme schwerlich der ausschließende Nationalstaat sein. Der Umverteilungssozialismus müsste sich nach dieser Logik als universalistische Ideologie auf den Weltstaat beziehen. Dieser existiere aber in der Realität nicht. Ergo müsse der Sozialstaat sich nach dieser Logik für jede Zuwanderung in die Sozialsysteme öffnen. Das Ergebnis wäre natürlich die Zerstörung des Sozialstaats, nicht aber dessen Universalisierung. Ein Ausbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Öffnung der Grenzen für Immigranten wäre zweifellos nicht nachhaltig.

Es wäre so, als drehte man die Heizung auf und öffnete gleichzeitig die Fenster.

Eine Reaktion auf diese Unmöglichkeit könne darin bestehen, dass man dies als Anlass nehme, den Sozialstaat abzubauen. Dies wäre eine konsequente liberale Lösung. Der Staat müsste sich auf seinen rechtsstaatlichen Kern zurückziehen und soziale Interventionen völlig unterlassen, wie dies etwa in den USA im 19. Jahrhundert während der Masseneinwanderung aus Europa der Fall war. Dies läge allerdings nicht im Interesse der Unterschichten in den Sozialstaaten, die gegen eine solche Entwicklung populistischen Widerstand leisten würden.

Wie Masseinimmigration das kulturelle Kapital zerstört

Somit stelle sich also die generelle Frage, was die Immigration von Menschen aus gescheiterten bzw. nicht entwicklungsfähigen Staaten in den Zielländern anrichten. Importieren sie ihr Scheitern in diese Gesellschaften? Zerstören sie dort die kulturellen und institutionellen Voraussetzungen der Industrialisierung, die sie in ihren Herkunftsländern nicht besaßen und nicht hervorbringen konnten?

Diejenigen, die heute von bunter Vielfalt sprechen, meinen, dass die Frage nach der historischen Entstehung der Industriegesellschaft nicht identisch sei mit der Frage nach den Bedingungen, unter denen eine Industriegesellschaft, die bereits existiert, weiterhin existieren kann. Das Schlaraffenland sei kulturell strapazierbar und eben darauf setzen sie.

Aus schlichter ökonomischer Perspektive werde die Einwanderung nach Deutschland heute ebenfalls begrüßt, da man sich von ihr eine Vergrößerung des Arbeitskräftepotentials verspreche. Damit könne man die extrem negative demographische Entwicklung ausgleichen, so die Hoffnung. Sieferle macht aber deutlich, dass dies eine stark verkürzte vulgärökonomische Argumentation ist, für die nur Kapitalressourcen und Arbeitskräfte eine Rolle spielen. Betrachte man das Ganze umfassender und nehme auch soziales und kulturelles Kapital ins Visier, also immaterielle Faktoren, die zum Wohlstand beitragen, sehe die Sache völlig anders aus.

Dieses kulturelle Kapital beruhe auf Überlieferung sowie auf der Eindeutigkeit der Gruppenzugehörigkeit. In das Paket des kulturellen Kapitals, das für eine funktionierende demokratische, aufgeklärte und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft charakteristisch ist, gehörten etwa die folgenden Elemente:

Rechtsstaatlichkeit, Fairplay, Rechte des Individuums, Beschränkung der Staatsgewalt, Verbindung von Individualismus und Gemeinwohlorientierung, Meinungsfreiheit (inklusive Religionsfreiheit), Arbeitsethos, Orientierung am Fortschritt, Ausbildung von Vertrauen, Wertschätzung von Bildung und Erziehung. Diese Kombination bilde das kulturelle Erfolgsgeheimnis der erfolgreichen Länder.

Ein wichtiges, wenn nicht das entscheidende Element des kulturellen Kapitals sei aber das Vertrauen. Es gebe, wie empirische Vergleiche verschiedener Länder zeigen, eine enge Korrelation zwischen dem Ausmaß von Vertrauen und der ökonomischen Effizienz.

Das Maß des Vertrauens ist ein Maß der Zivilisiertheit und Leistungsfähigkeit.

Im Jahr 2000 beantworteten 67 Prozent der Dänen und 66 Prozent der Schweden die Frage, ob man den meisten Menschen vertrauen könne, mit ja, aber nur 3 Prozent der Brasilianer.

Kooperationsbereitschaft und Vertrauen erleichterten den gesellschaftlichen Umgang. Kulturelles Kapital werde durch Tradierung übertragen. Eine Kultur sei zwar niemals homogen. Nicht alle Menschen, die einem Volk angehören, teilten sämtliche kulturellen Merkmale. Umgekehrt sei es immer in einem gewissen Umfang möglich, fremde Menschen zu assimilieren, d. h. mit dem kulturellen Kapital ihrer neuen Gesellschaft auszustatten, was auch als Integration verstanden werden könne. Allerdings gebe es hierfür Grenzen.

Je größer die Zahl von Immigranten und je rascher sie immigrieren, desto geringer sei die Chance der Assimilation.

Folgen der Zerstörung des kulturellen Kapitals

Es besteht dann die Gefahr, dass die durch Immigration entstehende multikulturelle Gesellschaft kulturelles Kapital vernichtet, mit dem Effekt, dass sich die ethnisch und kulturell recht homogenen Industrieländer in multitribale Gesellschaften transformieren. In solchen Gesellschaften würden mit hoher Wahrscheinlichkeit wichtige institutionelle und mental-kulturelle Voraussetzungen einer funktionierenden Industriestruktur zerstört. Die Basis, die alles zusammenhalte, das gegenseitige Vertrauen verschwände. An die Stelle des Rechtsstaats mit seinem Gewaltmonopol trete dann wieder das Fehderecht.

Wenn Konflikte auftreten, versuche man zunächst, diese innerhalb des eigenen Stammes-Rahmens zu lösen, eventuell durch Mobilisierung durchsetzungsstarker Verbündeter. Wenn dieser Prozess einmal in Gang gekommen sei (und erste Ansätze dazu ließen sich in zahlreichen europäischen Großstädten beobachten), könne er sich leicht selbst verstärken und eine Eigendynamik entwickeln. Dann könnten sich immer mehr tribale Gruppen bilden, mit eigenem Steuersystem (Schutzgeld) und eigener Entscheidungskompetenz. Diese Gruppen träten zunächst in Konkurrenz zu dem überkommenen Rechtsstaat und seinen Polizeikräften. Am Ende werde dem Staat aber nichts übrigbleiben, als sich selbst nur noch als Stamm unter Stämmen zu verhalten. Für diejenigen Bürger, die keinem spezifischen Stamm mehr angehören, sondern auf den Rechtsstaat gesetzt hatten, werde dies fatal.

Wenn eine solche Bewegung in Gang kommen sollte, so hätten wir einen evolutionären Prozess der Selbstzerstörung einer Industriegesellschaft vor uns: Eine bestimmte kulturelle Konstellation habe historisch erfolgreich die Industrialisierung und Moderne erzeugt, habe dabei aber normative Merkmale des humanitären Universalismus entwickelt, so dass es nicht mehr möglich sei, den Zuzug von Angehörigen fremder Kulturen zu regeln bzw. zu unterbinden.

Eine solche Gesellschaft, die nicht mehr zur Unterscheidung zwischen sich selbst und sie auflösenden Kräften fähig ist, lebe moralisch über ihre Verhältnisse. Sie sei in normativem Sinne nicht nachhaltig. Durch Relativierung zerstöre sie schließlich ihre kulturelle Identität, die Voraussetzung ihrer Leistungsfähigkeit. Damit setze sie sich selbst ein Ende.

Die tiefere Ursache für die Selbstzerstörung

Die europäischen Gesellschaften seien von dem Grundgedanken des Egalitarismus (der wie ein Fetisch angebetet wird, jf) regelrecht besessen. Diese Ideologie produziere die Utopie der totalen materiellen Gleichheit. Ungleichheiten würden dagegen als unnatürlich empfunden. Aus dieser Perspektive eines universalistisch-egalitären Programms sei jede reale Ungleichheit schlechthin unerträglich. Die Konfrontation mit Leid, Armut, Unterdrückung, Elend und enttäuschten Hoffnungen löse daher Hilfsreflexe aus, von denen der einfachste (und gesinnungsethischste) laute: refugees welcome, also Aufnahme von jedem und allen in Europa, mit Zugang zum gesamten Leistungspaket des Sozialstaats. Dieser Reflex durchdringe große Teile der Gesellschaft in den Wohlstandszonen.

Die Realpolitiker und Verwaltungen, die dann mit dem konkreten Vollzug der Hilfe zu tun haben, stünden dann ebenso vor einem Problem wie die Teile der Bevölkerung, die in der Massenimmigration die Gefahr einer Unterminierung der vertrauten sozialen und politischen Ordnung erblicken. Medial würden sie angegriffen und mit dem radikalen Gegenbegriff zum Egalitarismus, dem Rassismus, bedacht, der seit dem Nationalsozialismus natürlich extrem negativ konnotiert und völlig unzutreffend sei, da hier ja ethnisch-kulturelle und keine rassischen Differenzen angesprochen würden. Viele Zeitgenossen duckten sich daher lieber weg, hielten den Mund und hofften, dass der Kelch irgendwie an ihnen vorüberginge.

Ist es wirklich möglich, fragt Sieferle, dass eine Gesellschaft sich durch solche Prozesse der ideologischen Verwirrung selbst zerstört? Ja, meint er. Denn Kulturen und Ideologien seien enorm machtvolle Kräfte.

Menschen sprengten sich für Allah in die Luft. Warum sollten sie nicht eine Sozialordnung zerstören, die sie ebenso wenig verstehen, wie sie diese lieben?

Der Sozialstaat werde von den meisten Menschen als selbstverständlich angesehen, ebenso wie der Rechtsstaat. Dass beide dies nicht sind, sondern auf sehr fragilen und unwahrscheinlichen Grundlagen beruhen, werde man erst begreifen, wenn sie verschwunden seien, d. h. wenn eine neue multitribale Struktur sie verdrängt habe. Vielleicht sei der Untergang Europas dann ein Lehrstück für andere industrialisierte Zivilisationen (wie China), und vielleicht würden die letzten Europäer in Übersee Zuflucht suchen.

Der Blick aus universalgeschichtlicher Perspektive

Abschließend betrachtet Sieferle diesen Vorgang aus kühler universalgeschichtlicher Perspektive. Vor mehr als 60.000 Jahren (0:00 Uhr) hätten die Menschen Afrika verlassen und sich allmählich über die ganze Erde ausgebreitet. Es bildeten sich zahlreiche separate Völker mit eigenen Kulturen, die zum Teil über sehr lange Zeiträume hinweg keinerlei Kontakt miteinander gehabt hätten. Dieser Trend habe vor etwa 5.000 Jahren (nach 22 Uhr) eine erste Umkehr erfahren, als die agrarischen Zivilisationen begannen, größere Reiche zu bilden und Fernhandel zu treiben.

Vor 500 Jahren (23:48 Uhr) sei dies durch die europäischen Seefahrer noch einmal drastisch beschleunigt worden und seit etwa 200 Jahren (23:55 Uhr) stünden im Prinzip alle Menschen miteinander in Kontakt. Der Prozess der Globalisierung, der seit wenigen Jahrzehnten in Gang sei (23:59 Uhr), habe die Mobilität von Informationen, Gütern und auch Menschen noch einmal enorm ausgeweitet.

Dieser Prozess der Universalisierung und Globalisierung sei wohl unvermeidlich, und die Völker, die die Geschichte der letzten Jahrtausende geprägt haben, würden letztlich von ihm verschlungen werden.

Viele Deutsche, so macht Sieferle deutlich, möchten heute gerne als Volk verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit auflösen. Harmonisch werde dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen würden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen Menschenrechte, sei es in Gestalt des islamischen Dschihad  oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell befänden, sei daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen werde, was uns heute noch selbstverständlich scheine. Soweit Rolf Peter Sieferle.

Persönliche Anmerkung des Autors dieses Artikels

Deutschland und Westeuropa werden den Untergang ihrer einzigartigen Kultur, der einzigen, die eine Aufklärung und kritisch-emanzipatorisches Denken hervorgebracht hat, welches in den universellen Menschenrechtsdeklarationen gipfelte, nur dann abwenden können, wenn sie sich von ihrem ethischen und kulturellen Relativismus und ihrem falsch verstandenen, tödlichen Egalitarismus-Fetisch befreien können, wenn sie endlich begreifen, dass das Gleichheitsgebot sich a) auf die Gleichheit vor dem Gesetz, b) die Gleichheit an Würde (Selbstbestimmungsfähigkeit) und c) die Gleichheit an Rechten (Chancengleichheit) bezieht, nicht aber auf die Gleichheit des Wohlstandes (Ergebnisgleichheit) und auch nicht auf eine imaginierte respektive postulierte Gleichheit im Sein. Denn die Menschen sind hinsichtlich ihrer mentalen Gegebenheiten und Fähigkeiten, hinsichtlich der Ausformung ihrer seelischen Vermögen höchst unterschiedlich.

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Dieser Artikel erschien auch auf Journalistenwatch (über 800 Likes) und auf EPOCH TIMES (mehrfach meistgelesener Artikel des Tages) sowie auf The European (über 1.500 Likes, meistgelesener Artikel der Woche). Außerdem in gedruckter Version in: HINTERGRUND – Zeitschrift für kritische Gesellschaftstheorie und Politik der Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte.

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Hier kann Sieferles Essay Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft , der im Winter 2015/2016 in TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung erschien, im Original nachgelesen werden.

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Bild: Pixabay CC0 Public Domain

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