SPD überholt in Brandenburg die AfD – Grüne fallen deutlich zurück

Von Jürgen Fritz, Fr. 23. Aug 2019, Titelbild: FAZ-Screenshot

Vor kurzem lag die AfD noch auf der Pole-Position für die Brandenburgwahl. Doch nun konnte die SPD laut Infratest dimap und Forschungsgruppe Wahlen deutlich zulegen und hat sich ganz knapp vor die Alternative für Deutschland geschoben, während Die Grünen klar zurückfallen und jetzt nur noch auf Platz fünf liegen.

Vor fünf Jahren lag die SPD noch fast 20 Punkte vor der AfD, nun liegen beide nahezu gleichauf

Seit 1990 war die SPD in Brandenburg immer die Nummer eins. 1994 holte sie dort über 54 Prozent, konnte bis 1999 sogar alleine regieren. Bei der letzten Landtagswahl waren es immerhin noch knapp 32 Prozent, womit sie fast 20 Punkte vor der AfD lag, und dann mit der Linkspartei eine Regierungskoalition bildete. Doch diese Zeiten sind vorbei. Schon seit Januar zeichnete sich ab, dass die AfD in Brandenburg mit ihrem Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz, etwa gleichauf mit der SPD sein dürfte, zwischendurch war sie sogar klar vorne. Schauen wir es uns genauer an.

Gestern veröffentliche Infratest dimap (1.002 vom 19.08. bis 21.08.2019 telefonisch Befragte) für die ARD und heute Forschungsgruppe Wahlen (1.112 vom 19.08. bis 22.08.2019 telefonisch Befragte) für das ZDF ihre aktuellen Erhebungen. Wahl-O-Matrix hat diese ausgewertet und jeweils das arithmetische Mittel für alle Parteien errechnet. Neun Tage vor der Landtagswahl sieht es wie folgt aus.

So in etwa würden die Brandenburger eine Woche vor der Landtagswahl wählen

Wären jetzt schon Landtagswahlen in Brandenburg, dann würden die Parteien in etwa auf folgende Ergebnisse kommen (in Klammern die Gewinne bzw. Verluste gegenüber dem Wahl-O-Matrix-Wert vom 15.08.2019, basierend auf den Umfragen von Forsa und Civey):

  1. SPD: 21,5 % (+ 3,9)
  2. AfD: 21 % (unverändert)
  3. CDU: 18 % (+ 0,5)
  4. LINKE: 14,5 % (+ 0,1)
  5. GRÜNE: 13 % (– 3,6)
  6. FDP: 5 % (– 0,3)
  7. Sonstige: 7 % (– 0,6)
2019-08-23

© JFB

Ganz ähnlich wie von Wahl-O-Matrix berechnet, werden die Parteien aktuell auch an der PESM-Wettbörse gehandelt, wo man meist sehr gut ablesen kann, wie die Aussichten der einzelnen Parteien aktuell einzuschätzen sind:

PESM-2019-08-23

Die beiden Regierungsparteien, SPD und Linke (SED), fallen von 50,5 auf 36 Prozent

Gegenüber 2014 sehen wir damit nach aktuellem Stand deutliche Veränderungen in Prozentpunkten:

  1. AfD: + 8,8
  2. GRÜNE: + 6,8
  3. FDP: + 3,5
  4. Sonstige: + 0,4
  5. LINKE: – 4,1
  6. CDU: – 5,0
  7. SPD: – 10,4

Die beiden regierenden Parteien, SPD und LINKE (SED), die zuletzt noch auf 50,5 Prozent, vor knapp zehn Jahren sogar noch über 60 Prozent der Stimmen erhielten, kämen im Moment gerade noch auf 36 Prozent. Die SPD droht 10 bis 11, die LINKE über 4 Punkte zu verlieren. Das heißt, jeder Dritte bisherige SPD-Wähler in Brandenburg will den Sozis seine Stimme inzwischen nicht mehr geben. Das käme einem wahren Erdrutsch gleich! Und der Regierungspartner könnte auch noch fast ein Viertel seiner Wähler verlieren.

Profitieren kann von diesen gewaltigen Verlusten aber nicht die CDU, denn auch die droht um die 5 Punkte zu verlieren, sondern vor allem drei Parteien: zuallererst die AfD, dann Die Grünen und in kleinerem, für ihre Verhältnisse aber doch beachtlichem Umfang die FDP. Doch was bedeutet dies für die Regierungsbildung?

Es droht Rot-Dunkelrot-Grün

SPD und Linkspartei (SED) könnten, indem sie Die Grünen mit ins Boot holen, ihre gewaltigen Verluste durch die Hinzugewinne der Grünen quasi zum Teil kompensieren, das allerdings nicht mal zur Hälfte. Nur ein Teil der Wählerwanderung findet also innerhalb des linken bzw. linksradikalen Lagers statt. SPD + Grüne + Linke kämen derzeit laut Wahl-O-Matrix auf ca. 49 Prozent, was auf Grund der etwa 7 Prozent für sonstige Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern dürften, klar für eine Mehrheit im Landtag reichen würde. Denn hierfür bräuchte es bei ca. 7 Prozent für Sonstige nur etwa 46,5 Prozent der abgegebenen gültigen Zweitstimmen.

Um also die linke Mehrheit abzubauen, müssten bis zum 1. September nochmals ca. 2,5 Punkte aus dem link(sradikal)en bis linksextremen Lager abgezogen werden. Dies dürfte am ehesten der AfD gelingen können, da es für die FDP und auch für die CDU eher schwerer sein dürfte, von da Stimmen in größerer Anzahl zu sich rüber zu ziehen. Je weiter also die AfD über 20 Prozent kommen wird am Wahlsonntag, desto unwahrscheinlicher wird Rot-Grün-Dunkelrot. Nochmals zwei, drei Punkte mehr sollten hier durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Die SPD würde dann womöglich erstmalig in der Geschichte des Bundeslandes nicht mehr den brandenburgischen Ministerpräsidenten stellen können. Eine absolute SPD-Hochburg ginge dann verloren.

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