Endgültiges Ergebnis: FDP schafft in Thüringen erstmals seit über 10 Jahren Einzug in ostdeutschen Landtag

Von Jürgen Fritz, Sa. 09. Nov 2017, Titelbild: YouTube-Screenshot

Nun ist es amtlich: Die FDP hat den Einzug in den Thüringer Landtag geschafft und das doch klarer, als zu Beginn der letzten Woche vermutet. Die Freien Demokraten überspringen die Fünf-Prozent-Sperrklausel nicht nur mit fünf, sondern mit 73 Stimmen, kommen aufgerundet auf 5,01 Prozent der gültigen Landesstimmen. Damit zieht die FDP erstmals seit September 2009 wieder in ein ostdeutsches Landesparlament ein.

Das knappste Ergebnis, mit dem die FDP jemals in ein Landesparlament eingezogen ist

Das war eng. Aber nun zumindest nicht ganz so eng wie am Tag nach der Thüringenwahl erwartet. Die FDP kam nämlich bei der ersten Auszählung nur auf knapp 5,0005 Prozent. Das reichte gerade so, da es aber bei jeder Auszählung von Millionen Stimmen natürlich zu kleineren Zähl- oder Übertragungsfehlern kommt und die FDP nur fünf Stimmen über der magischen 5,00000… Prozent-Hürde lag, prüfte der Landeswahlausschuss in Erfurt jeden Wahlkreis einzeln nach. Dies sei in dieser Form eher unüblich, angesichts des extrem knappen Ausgangs der Wahl in diesem Fall aber nötig, ließ der Landeswahlleiter Günter Krombholz verlauten.

Vorgestern, am Donnerstag, gab er er dann das endgültige Ergebnis bekannt. Demnach kommt die FDP nunmehr nicht nur auf fünf, sondern sogar auf 73 Stimmen mehr als notwendig, um die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. In einigen Wahlkreisen mussten die FDP-Stimmen zwar leicht nach unten korrigiert werden, in anderen aber nach oben. Insgesamt erhielt sie 55.493 von 1.108.388 gültigen Zweitstimmen. Das entspricht über 5,0066 Prozent, aufgerundet auf zwei Stellen nach dem Komma 5,01 Prozent.

Das war das knappste Ergebnis, mit dem die FDP jemals in ein Landesparlament eingezogen ist. Bei der Bürgerschaftswahl 2001 in Hamburg lag sie 680 Stimmen über dem Durst (5,08 Prozent) und 2013 in Hessen 911 Stimmen (5,03 Prozent). Wir sehen also: Manchmal kann wirklich jede Stimme wichtig sein.

Endgültiges Ergebnis der Thüringenwahl

Insgesamt hat sich, wenn wir nur auf eine Stelle nach dem Komma runden, kaum etwas geändert. Lediglich die CDU hat nun statt 21,8 nur noch 21,7 (exakt: 21,7477) Prozent. Bezüglich der Sitzverteilung im Landtag hat sich nichts verändert.

Wahlberechtigte: 1.729.146
Wähler: 1.121.814 (134 weniger als im vorläufigen amtlichen Ergebnis)
Wahlbeteiligung: 64,9 %
Gültige Wahlkreisstimmen (Erststimme): 1.099.962
Gültige Landesstimmen (Zweitstimme): 1.108.388 (50 mehr als im vorläufigen Ergebnis)

Die Stimmen verteilten sich wie folgt auf die Parteien (in Klammern die Veränderungen gegenüber 2014):

  1. LINKE: 31,0 % (+ 2,8)
  2. AfD: 23,4 % (+ 12,8)
  3. CDU: 21,7 % (– 11,7)
  4. SPD: 8,2 % (– 4,2)
  5. GRÜNE: 5,2 % (– 0,5)
  6. FDP: 5,0 % (+ 2,5)
  7. Sonstige: 5,4 % (– 1,8)
Endgültiges Ergebnis

(c) JFB

So verteilen sich die 90 Sitze im Thüringer Landtag

  1. LINKE: 29 (+ 1)
  2. AfD: 22 (+ 11)
  3. CDU: 21 (– 13)
  4. SPD: 8 (– 4)
  5. GRÜNE: 5 (– 1)
  6. FDP: 5 (+ 5)

Sitzverteilung

Für eine Mehrheit im Landtag sind 46 Mandate notwendig. Die bisherige thüringische Rot-Rot-Grün-Koalition kommt aber nur noch auf 42 Sitze, hat mithin keine Mehrheit mehr. Wäre die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, wäre Rot-Rot-Grün statt 42 auf wahrscheinlich 44 Sitze (31+8+5) gekommen. Auch dann hätte es also nicht für eine Mehrheit im Landtag gereicht.

AfD + CDU + FDP, also Blau-Schwarz-Gelb, hätte dagegen rein rechnerisch eine Mehrheit im thüringischen Landtag von 48 (22+21+5) zu 42 Sitzen.

Die letzten FDP-Ergebnisse bei Landtagswahlen in Ostdeutschland

Für die FDP war diese Landtagswahl auf jeden Fall insofern sehr wichtig, dass sie erstmals seit über zehn Jahren wieder den Einzug in ein ostdeutsches Landesparlament schaffte. Das letzte Mal, dass ihr dies gelang, war im September 2009 bei der Brandenburgwahl. Über zehn Jahre lang gelang dies den Freien Demokraten, die im Westen wesentlich stärker sind als im Osten des Landes, dann nicht mehr.

In den letzten zehn ostdeutschen Landtagswahlen kam sie seit 2016 zwar mehrfach über 4, aber nie über 5 Prozent. Das hat sich nun nach etlichen Anläufen geändert:

  • Sachsen-Anhalt (20.03.2011): 3,8 %
  • Mecklenburg-Vorpommern (04.09.2011): 2,7 %
  • Sachsen (31.08.2014): 3,8 %
  • Brandenburg (14.09.2014): 1,5 %
  • Thüringen (14.09.2014): 2,5 %
  • Sachsen-Anhalt (13.03.2016): 4,9 %
  • Mecklenburg-Vorpommern (04.09.2016): 3,0 %
  • Brandenburg (01.09.2019): 4,1 %
  • Sachsen (01.09.2019): 4,5 %
  • Thüringen (27.10.2019): 5,0 %

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