CDU-Vorsitz: Das Volk will Friedrich Merz, ganz besonders die Unions-Anhänger

Von Jürgen Fritz, Fr. 28. Feb 2020, Titelbild: ARD-Screenshot

Annegret Kramp-Karrenbauer will den CDU-Vorsitz wesentlich schneller als ursprünglich angekündigt abgeben. Am 25. April sollen 1.001 CDU-Delegierte auf einem Sonderparteitag in Berlin den nächsten Parteivorsitzenden wählen. Nachdem Jens Spahn sich in das Team von Armin Laschet eingereiht hat, ist klar: Es wird zu einem Dreikampf zwischen Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz kommen. Einer dieser drei soll die CDU-Führung übernehmen, die Union dann wahrscheinlich auch in den Bundestagswahlkampf führen und nächster Kanzler werden. „Welchem Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz trauen Sie am ehesten zu, die Partei in Zukunft erfolgreich zu führen?“, fragte nun Civey repräsentativ mehr als 5.000 Personen. Und die Ergebnisse sprechen eine mehr als deutliche Sprache.

Eine Richtungsentscheidung

Bei dieser Wahl, das dürfte klar sein, geht es nicht nur um die Entscheidung, wer die CDU in Zukunft anführen soll, nein, hier geht es um eine Richtungsentscheidung, wohin die CDU sich entwickeln will. Möchte sie sich weiter in Richtung Grüne und SPD entwickeln, um so keine weiteren Wähler vor allem an die Grünen zu verlieren, womöglich sogar wieder einige zurückgewinnen, dabei aber ihre liberal-konservative Flanke noch mehr preisgeben, oder will sie sich zurückbesinnen auf das, was die CDU seit über 70 Jahren eigentlich immer war: eine christlich-soziale, konservative, liberale Partei.

Die Kandidaten: Friedrich Merz, der Hoffunungsträger

Und die drei Kandidaten stehen eben für unterschiedliche Richtungen. Friedrich Merz, Jahrgang 1955, steht für eben jene konservativ-liberale Richtung, die die CDU über Jahrzehnte zur führenden Partei machte. Merz macht immer wieder deutlich, was er von Merkels Kurs, ihrer extremen Annäherung an die SPD und die Grünen hielt und hält. Damit war Merkel zwar bis 2015 sehr erfolgreich, seither ging es aber steil bergab.

Und auch aus demokratietheoretischen Gesichtspunkten war dieser Merkel-Kurs sehr kritisch zu sehen, denn wenn die Wähler gar keine inhaltlichen klaren Optionen mehr haben, wozu sollen sie dann überhaupt noch zur Wahl gehen, so die Parteien sich immer mehr zum Verwechseln ähneln. Das bringt zuerst Demokratieverdruss, dann aber, wenn die Unzufriedenheit immer größer wird, schließlich zu einer Radikalisierung der Bevölkerung, zu einem Anwachsen der antiliberalen, der antidemokratischen Ränder. Genau das sehen wir seit Jahren. Und das möchte Merz ändern. Daher spricht er von einem Aufbruch und Erneuerung. Die Gefahr dabei aber für die CDU: So könnte sie linke Wähler, die die letzten Jahre die Merkel-CDU wählten, an die Grünen oder die SPD verlieren.

Armin Laschet, der NRW-Ministerpräsident

Um genau dieses Risiko zu vermeiden, steht Armin Laschet, Jahrgang 1961, für den gegenteiligen Kurs, quasi ein Weiter-so wie unter Merkel. Er will keine großartigen Korrekturen, schon gar keinen Bruch zum Merkel-Kurs, sondern weiterhin quasi eine grüne, sozialdemokratisierte CDU anführen, um so keine Wähler an die Grünen zu verlieren. Das hat auch den Vorteil, dass er von den weitgehend grün-links bis linksradikal dominierten M-Medien wesentlich freundlicher und positiver dargestellt wird als Merz, den die M-Medien, die Merkel so sehr liebten, überhaupt nicht mögen. Laschet verfügt zwar über keinerlei besonderes Charisma, aber er weicht am wenigsten von Merkel ab und an die hat man sich seit 15 Jahren gewöhnt. Der Rückhalt in den M-Medien ist ein dicker Pluspunkt für Laschet. Außerdem wäre mit ihm eine schwarz-grüne Koalition nach der nächsten Bundestagswahl, die rechnerisch sehr wahrscheinlich machbar sein sollte, problemlos möglich. Noch ein Pluspunkt.

Die Gefahr bei ihm: Unter ihm wird die konservativ-liberale Flanke weiter offen bleiben, womöglich sogar noch mehr freigegeben in einer schwarz-grünen Koalition, so dass die CDU noch mehr Wähler an die AfD verlieren könnte. Zweites Problem: Unter demokratietheoretischen Aspekten könnte dies die gesamte Tektonik so sehr in Unwucht bringen, dass die Ränder immer weiter gestärkt werden und wir irgendwann auf Bundesebene Zustände wie in Thüringen erleben, das Land kaum noch regierbar ist. Hier wird die Frage sein, über wie viel Verantwortungsbewusstsein die CDU-Delegierten bei ihrer Wahl verfügen, ob sie ausschließlich im Sinne ihrer Partei votieren oder auch die Demokratie in unserem Land bewahren und wieder stärken wollen.

Norbert Röttgen, der ehemalige Umweltminister

Dritter Kandidat ist Norbert Röttgen, über den ich hier bereits einen ganzen Artikel verfasste. Röttgen, Jahrgang 1965, wollte 2006 Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) werden und zugleich sein Bundestagsmandat behalten, was ihm heftigste Kritik einbrachte, da er als Lobbyist nicht zugleich Abgeordneter sein (und doppelt verdienen) könne. Irgendwann sah er das ein, sagte den BDI-Job ab und blieb in der Politik. 2009 wurde er Bundesumweltminister und 2010 NRW-Landesvorsitzender, setzte sich da in einer Stichwahl gegen Armin Laschet durch. Die beiden kennen sich also gut.

Als Umweltminister zeigte er sich sehr kritisch der Atomkraft gegenüber und führte dann ab 2011 unter Merkel den Atomausstieg durch und leitete die Energiewende ein. 2012 wollte er dann NRW-Ministerpräsident werden und fuhr ein katastrophales Wahlergebnis ein, das schlechteste CDU-Ergebnis aller Zeiten. Kurz darauf entließ ihn Merkel auch als Umweltminister. Seit 2014 war er dann Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, machte sich in der Außenpolitik einen Namen, ist einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins Atlantik-Brücke und hat gute Kontakt in die USA.

Röttgen macht optisch auch etwas her – auch den Aspekt sollte man nicht unterschätzen, Stichwort: Repräsentation – , gilt eher als Modernisierer und mit ihm wäre wohl auch eine schwarz-grüne Koalition völlig problemlos möglich. Die Regierungsbildung wäre also problemlos möglich. Gefahr bei ihm, ähnlich wie bei Laschet: die liberal-konservative Flanke wird freigegeben und unsere freiheitliche Demokratie könnte langfristig noch mehr Schaden nehmen, die radikalen Parteien noch stärker werden, so dass das Land irgendwann kaum noch regierbar sein könnte.

Wen will das Volk insgesamt?

Civey befragte im Auftrag des SPIEGEL in einer repräsentativen Stichprobe im Zeitraum 25.02. (Di.) bis 27.02. (Do.) 5.072 Personen. Die Fehlertoleranz beträgt 2,5 Prozentpunkte.

Welchem Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz trauen Sie am ehesten zu, die Partei in Zukunft erfolgreich zu führen?

  1. Friedrich Merz: 37,4 %
  2. Armin Laschet: 21,8 %
  3. Norbert Röttgen: 13,9 %
  4. Keinem der Genannten: 23,5 %
  5. Weiß nicht: 3,4 %

Civey-Umfrage-alle

Die Bevölkerung insgesamt würde also klar Friedrich Merz favorisieren.

Wen wollen die Anhänger der verschiedenen Parteien?

Noch interessanter wird es aber, wenn man sich die Anhänger der verschiedenen Parteien anschaut. Denn ob Merz, Laschet und Röttgen den Anhänger der Linkspartei gut gefallen, ist natürlich im Grunde relativ wenig von Belang. Entscheidend ist natürlich wie die Anhänger der Union die drei Kandidaten finden sowie die Anhänger der Parteien, die der Union nahe stehen und die vielleicht zur CDU wechseln könnten oder eben nicht, je nachdem wer für die Union als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen wird bei der nächsten Bundestagswahl. Und hier sehen die Antworten je nach Partei-Anhängerschaft wie folgt aus:

A. CDU/CSU-Anhänger:

  1. Friedrich Merz: 63,1 %
  2. Armin Laschet: 15,4 %
  3. Norbert Röttgen: 12,8 %

Civey-Union

Bei den Unionsanhängern erfährt Merz mehr als doppelt so viel Zustimmung (das 2,24-fache) wie Laschet und Röttgen zusammen.

B. FDP-Anhänger:

  1. Friedrich Merz: 70,2 %
  2. Armin Laschet: 10,4 %
  3. Norbert Röttgen: 8,8 %

Civey-FDP

Bei den Wählern der FDP ist Merz sogar noch etwas beliebter als bei der Union. Das heißt, Merz hätte mit Sicherheit das Potential der FDP potentielle Wähler abzuluchsen. Hier kommt er auf fast viermal so hohe Zustimmung wie Laschet und Röttgen zusammen.

C. AfD-Anhänger:

  1. Friedrich Merz: 60,1 %
  2. Norbert Röttgen: 5,9 %
  3. Armin Laschet: 0,8 %

Civey-AfD

Auch bei den Anhängern der AfD ist Merz also haushoher Favorit, hat hier neunmal so hohe Zustimmungswerte wie Röttgen und Laschet zusammen. Letzterer kommt hier auf unter ein Prozent. Das heißt, wenn Laschet neuer CDU-Vorsitzender werden sollte, kann man getrost davon ausgehen, dass er so gut wie keinen AfD-Wähler zurückgewinnen kann.

D. Sonstige-Anhänger:

  1. Friedrich Merz: 36,4 %
  2. Norbert Röttgen: 12,4 %
  3. Armin Laschet: 11,0 %

Civey-Sonstige

Auch bei den Anhängern von Kleinparteien – auch das könnte wichtig sein, da hier eventuell Wähler gewonnen werden könnten für die Union – ist Merz klar auf Position eins mit mehr als dreimal so hohen Werten wie Röttgen oder Laschet, der hier wiederum auf dem letzten Platz liegt.

E. SPD-Anhänger:

  1. Armin Laschet: 29,0 %
  2. Friedrich Merz: 21,3 %
  3. Norbert Röttgen: 16,2 %

Civey-SPD

Jetzt sehen wir, wo Laschet besser als Merz und Röttgen ankommt: im SPD-Lager. Wobei hier der Unterschied zu Merz nicht sehr groß ist.

F. Grünen-Anhänger:

  1. Armin Laschet: 38,6 %
  2. Norbert Röttgen: 19,4 %
  3. Friedrich Merz: 11,9 %

Civey-Grüne

Noch besser kommt Laschet im Grünen-Lager an. Hier ist er der absolute Top-Favorit, hat fast doppelt so hohe Zustimmungswerte wie Röttgen und Merz kommt hier nur knapp auf ein Drittel des Laschet-Wertes.

G. Linke-Anhänger:

  1. Armin Laschet: 25,4 %
  2. Norbert Röttgen: 14,5 %
  3. Friedrich Merz: 12,5 %

Civey-Linke

Auch bei den Linkspartei-Anhängern kommt Laschet am besten an, aber weniger gut als bei den Grünen. Röttgen liegt hier knapp vor Merz, der sogar bei der Linken minimal beliebter zu sein scheint als bei den Grünen.

Fazit

Mit Friedrich Merz als CDU-Vorsitzendem könnte die CDU bei allen Wählern insgesamt mit großem Abstand am meisten punkten, ganz enorm stark bei den FDP-Anhängern, bei den CDU-, den CSU- und den AfD-Anhängern, gut auch bei den Anhängern der Kleinparteien, deutlich stärker als Norbert Röttgen und Armin Laschet. Bei der SPD könnte die CDU mit Merz auch noch etwas punkten, am wenigsten bei den Anhängern der Linkspartei und der Grünen.

Mit Armin Laschet, der insgesamt auf Platz zwei landet, könnte sich die CDU am ehesten bei den Grünen, der SPD und der Linkspartei beliebt machen. Bei CDU- und CSU-Anhängern kommt Laschet nicht besonders gut an, bei den Sonstigen- und FDP-Anhängern noch weniger und AfD-Anhänger können mit ihm wohl gar nichts anfangen.

Norbert Röttgen kommt am besten bei den Anhängern der Grünen und der SPD an, besser als bei CDU- und CSU-Anhängern; ähnlich wie Armin Laschet. Bei FDP-Anhängern wie auch insgesamt und bei Unions-Anhängern hat er von den dreien die geringsten Zustimmungswerte.

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