Coronavirus-Infektion wächst sich zur Pandemie aus

Von Jürgen Fritz, Do. 12. Mär 2020, Titelbild: FAZ-Screenshot

Die USA haben einen Einreisestopp aus Europa erlassen. Italien schließt fast alle Geschäfte. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein Bundesligaspiel ohne Zuschauer durchgeführt (Geisterspiel). Das Gleiche in der Champions-League. In Kalifornien wurde eines der größten Tennisturniere der Welt komplett abgesagt. Spitzensportler, Bundestagsabgeordnete und Hollywood-Schauspieler haben sich inzwischen infiziert und die WHO stufte das Ganze gestern Abend nun als Pandemie ein. Hier die wichtigsten aktuellen Informationen zum Coronavirus.

WHO stuft Coronavirus-Ausbreitung als Pandemie ein

Gestern Abend hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verbreitung des Coronavirus als Pandemie eingestuft, also als länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer (Infektions-)Krankheit beim Menschen, sprich einer weltweiten Epidemie.

Angesichts der weltweiten Ausbreitung des Erregers sei er „tief besorgt“ über das „alarmierende Niveau der Untätigkeit“ im Kampf gegen das Virus, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwochabend in Genf. Weltweit infizierten sich – zum Stand 12.03.2020, 09:13 Uhr – bereits mehr als 126.000 Menschen mit dem Coronavirus, mehr als 4.600 starben daran (knapp 3,7 Prozent).

Ausgangspunkt der Pandemie war China (inzwischen fast 81.000 Infizierte und mehr als 3.000 Tote), welches inzwischen aber eine weitere Entspannung meldet. Die nationale chinesische Gesundheitskommission gab am Mittwoch lediglich 22 neue Todesfälle und 24 neue Infektionsfälle bekannt. Die Restriktionen in der Millionenmetropole Wuhan wurden sogar schon gelockert. Einige Unternehmen in der Hauptstadt der Provinz Hubei dürfen ihren Betrieb bereits wieder aufnehmen. Ankömmlinge aus dem Ausland müssen in Peking allerdings zwei Wochen in Quarantäne.

Knapp 2.000 nachgewiesene Infektionen und drei Todesfälle bisher in Deutschland

In Deutschland gibt es zum Stand 12.03.2020, 09:00 Uhr drei bestätigte Todesfälle (0,15 Prozent der Infizierten) durch die Lungenkrankheit Covid-19. Dabei handelt es sich um eine 89-jährige Frau aus Essen sowie zwei Männer im Alter von 78 und 73 Jahren, beide aus dem besonders stark betroffenen Kreis Heinsberg. Alle drei Senioren litten unter mehreren Vorerkrankungen. Zudem starb ein deutscher Staatsbürger am Sonntag in Ägypten.

Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurde das Coronavirus COVID-19 seit Ausbruch der Pandemie in Deutschland bei 1.966 Menschen nachgewiesen, die Symptome der davon verursachten Lungenkrankheit zeigen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts werden zum Stand 11.03.2020, Nachmittag bzw. früher Abend 484 Fälle aus Nordrhein-Westfalen gemeldet, 366 aus Bayern und 277 aus Baden-Württemberg. Alle anderen Bundesländer verzeichnen bisher weniger als 100 Infizierte. In NRW kommt der Großteil der Patienten aus dem Landkreis Heinsberg am Niederrhein, der ganz besonders betroffen ist. Laut Johns-Hopkins-Universität sind in Deutschland bis gestern 25 Infizierte wieder genesen (ca. 1,6 Prozent).

Italien schließt alles Bars, Restaurants und fast alle Geschäfte

Viel härter traf es dagegen bislang Italien. Von dort wurden zum Stand heute morgen, 12.03.2020, 07:33 Uhr schon 12.462 nachgewiesene Infektionen gemeldet, die meisten aus ganz Europa. Nach Angaben der Behörden starben bereits 827 Menschen an Covid-19 (6,6 Prozent), was eine extrem hohe Sterblichkeitsrate darstellt. 1.045 der 12.462 Infizierten in Italien haben sich dagegen laut Johns-Hopkins-Universität von der Lungenkrankheit Covid-19 bereits erholt (8,4 Prozent).

Italien ordnet auf Grund dieser starken Ausbreitung und der vielen Todesfälle weitere Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus an. Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte werden nun geschlossen. Nur Lebensmittelläden und Apotheken seien weiter geöffnet, erklärte Premierminister Giuseppe Conte am Mittwochabend. Alle nicht notwendigen Geschäftsaktivitäten müssten eingestellt werden. Außer-Haus-Lieferungen blieben aber erlaubt.

Das Land kämpft nun mit drastischen Mitteln gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Das ganze Land gilt ab jetzt als Sperrzone. Die 60 Millionen Menschen können sich nicht mehr frei bewegen. Ein Ansturm auf Supermärkte sei aber auch jetzt nicht nötig, da die Versorgung garantiert würde, sagte Conte. In den kommenden zwei Wochen werde sich zeigen, ob es durch die Maßnahmen gelingt, die Epidemie einzudämmen.

Stark betroffen in Europa sind auch Frankreich, Spanien und die Schweiz

In Frankreich gibt es seit Beginn der Erhebung 2.284 registrierte Ansteckungsfälle. Dort sind bislang 48 Menschen gestorben (2,1 Prozent).

Auch Spanien meldet bis heute morgen mit 2.277 Fälle mehr Infizierte als Deutschland. Vor allem gab es hier aber nicht nur 3, sondern 55 Tote (2,4 Prozent).

Auch die Schweiz ist bisher stark betroffen mit bislang 652 positiv getesteten Personen, darunter 4 Tote (0,6 Prozent). Auch in der Schweiz sind zur Eindämmung der Krankheit Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern untersagt.

In Norwegen sind bis heute morgen 629 Personen erkrankt, in Dänemark 516, in den Niederlanden 503, wobei von diesen 5 verstarben (0,99 Prozent). Schweden registrierte bisher 500 Coronavirus-Infizierte und meldete einen Toten (0,2 Prozent). Großbritannien meldete bisher 459 Infektionen. Acht Patienten starben (1,7 Prozent).

Relativ wenig betroffen sind bislang weltweit Australien (128 Infizierte), Kanada (117), Israel (109), Griechenland (99), Irak (71), Indien (62), Polen (31), Russland (20), Pakistan (19).

USA verhängen EU-Einreiseverbot

Auf Grund dieser Pandemie verhängen die USA für 30 Tage ein allgemeines Einreiseverbot für Menschen, die aus Europa in die USA einreisen wollen, mit einer Ausnahme: Großbritannien. Das Einreiseverbot soll laut Präsident Trump am Freitag um Mitternacht US-Zeit in Kraft treten. „Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen“, sagte Trump in der Nacht im Weißen Haus in einer Ansprache an die Nation. US-Amerikaner, die sich entsprechenden Tests unterzögen, seien ausgenommen.

Als Grund für die starke Verbreitung des Virus in Europa sieht die US-Regierung die grenzüberschreitende Bewegungsfreiheit im Schengen-Raum. Daher stelle sich die Frage, „wie man Europa als Ganzes behandelt“. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, Anthony Fauci, sagte bei einer Anhörung im Kongress, das Virus werde sich auch in den USA weiter ausbreiten. Es werde schlimmer werden.

In den USA wurden zum jetzigen Stand zwar „nur“ bei 1.312 Personen das Virus nachgewiesen, aber es sind bereits 37 Menschen an Covid-19 gestorben (2,8 Prozent). Die Dunkelziffer der Infizierte dürfte aber deutlich höher liegen, weil in den USA nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bislang erst etwas mehr als 11.000 Menschen auf das Virus getestet wurden. Kritiker werfen Trump vor, nicht energisch genug auf die Krise reagiert zu haben. Die Ausbreitung des Virus hat zu dramatischen Einbrüchen an den US-Aktienmärkten geführt.

Außerdem wurde bekannt, dass der 63-jährige Oscar-Preisträger Tom Hanks und seine gleichaltrige Ehefrau, die Produzentin und Schauspielerin Rita Wilson, sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Sie seien derzeit in Australien und hätten sich müde und fiebrig gefühlt, wie bei einer Erkältung, postete Hanks. Daraufhin hätten sie sich testen lassen und das Ergebnis sei positiv gewesen. Das Ehepaar werde nun vorerst in Quarantäne bleiben.

Aktuelle Zahlen und worst-case-Szenario

Die Johns Hopkins University erfasst bestätigte Infektionen von Patienten mit Covid-19-Symptomen, die von den jeweiligen Ländern gemeldet werden und aktualisiert diese Angaben mehrmals täglich. Die Schwere der Erkrankungen wird nicht erhoben, wohl aber sind dort die Todesfälle und die Zahl der Geheilten nach Ländern sortiert dokumentiert.

Einige Virologen gehen davon aus, dass sich im Laufe der nächsten Monate oder Jahre bis zu 60 oder 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Corona-Virus infizieren könnten. Bei 83 Millionen Menschen wären das ca. 50 bis 58 Millionen. Wenn wir von einer Letalität („Tödlichkeit“ einer Erkrankung, also das Verhältnis der Todesfälle zur Anzahl der Erkrankten) von 1 Prozent ausgehen würden, dann müssten wir mit bis zu 500.000 bzw. 580.000 Toten in Deutschland rechnen. Legen wir eine Letalität von 0,5 Prozent zu Grunde, was Fachleute als angemessener ansehen, dann wären es bis zu 250.000 oder 290.000 Tote. Das wäre quasi der worst case.

Zum Vergleich: Die stärkste Grippewelle in den letzten Jahrzehnten war die von 2017/18. Diese hat nach Schätzungen über 25.000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Das sei die höchste Zahl an To­des­fällen in den vergangenen 30 Jahren, erklärte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Das heißt, wir müssen davon ausgehen, dass das Coronavirus wesentlich gefährlicher sein und viel mehr Menschen das Leben kosten wird. Es wird aber sicherlich nicht in die Millionen gehen.

Wenn es dagegen gelingt, die weitere Ausbreitung radikal zu bremsen – ähnlich wie derzeit in China – und zugleich bis 2021 wirksame Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln, kann die Zahl der Toten eventuell auch sehr, sehr viel niedriger gehalten werden. Womöglich gibt es dann nur einige tausend Tote – Best-case-Szenario.

Meine Empfehlungen

Ich empfehle allen JFB-Lesern sorgsam zu sein, aber nicht in Panik zu verfallen und sich von denen, welche die ohne Zweifel sehr ernste Lage noch zusätzlich dramatisieren, nicht anstecken zu lassen. Beachten Sie bitte die Hinweise des Robert-Koch-Instituts und Ihres Hausarztes:

  • Auf das sonst übliche Sich-die-Hand-geben die nächsten Monate verzichten.
  • Nach jedem Außenkontakt die Hände sehr gründlich mit Seife waschen.
  • Nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen.
  • Regelmäßig, am besten alle 15 Minuten trinken, um die Schleimhäute nicht austrocknen zu lassen, was die Ansteckung erhöht.
  • Menschenansammlungen vor allem auf engem Raum meiden und etwas Abstand zu anderen halten.
  • Sich mit Lebensmitteln und Gütern des Verzehrs ein wenig eindecken, so dass man im Falle des Falles zwei, drei Wochen problemlos überstehen kann.

Ansonsten ruhig bleiben, die Angelegenheit nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber sich auch nicht verrückt machen lassen. Passen Sie gut auf sich auf, hygienisch-medizinisch, aber auch seelisch.

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